Vietnam

Mit 280 Einwohnern pro km² hat der Vietnam gerade mal 48 Einwohner pro km² mehr als Deutschland und in Summe nur 10 Millionen Einwohner mehr als wir. Das kommt einem wirklich wenig vor, wenn man die Länge des Landes einmal mit eigenen Sinnen wahrgenommen hat. Die sozialistische Volksrepublik grenzt im Norden an China und im Westen an Laos und Kambodscha. Die zweitgrößte Stadt des Vietnam Hà Nội, im Norden, löste nach dem Vietnamkrieg die bis heute noch größte Stadt des Landes, Hồ Chí Minh (Sàigòn), als Hauptstadt ab. Hồ Chí Minh ist aber weiterhin der größte Verkehrsknotenpunkt und das kulturelle Zentrum des Vietnam.

        

Bei Einreise mit dem Flugzeug hat man die Wahl zwischen allerlei verschiedenen Arten von Visa. Bereist man das Land kürzer als 15 Tage, so darf man mittlerweile sogar ganz ohne Visum einreisen. Ich habe mich, weil ich insgesamt drei Wochen hier bin, für das Visa on arrival entschieden. Vorab registriert man sich online und von Deutschland aus für weniger als 10 € bei der vietnamesischen Einwanderungsbehörde, füllt ein paar Forumlare aus, pinnt Passfotos in die Ecken und kann ziemlich entspannt vor Ort an der langen Schlange vorbei schlendern und für weitere 25 USD sein Visum abholen. Beziehungsweise LÄSST vorbei schlendern: Denn noch vor der Zollabfertigung wird man von einem Vietnamesen, der Deinen Namen auf einem Schild mit sich trägt, abgeholt. Dieser schnappt sich die Pässe, die (vorab) ausgefüllten Dokumente und die jeweils 25 USD und kommt mit visumpräparierten Pässen wieder zurück. Wenn ihr, wie ich, zwischendurch in ein anderes Land fliegt oder reist (bei mir: Kambodscha), denkt daran, vorab ein „multiple entry“-Visum zu beantragen! Ansonsten erhält man automatisch ein „single entry“-Visum. Natürlich hatte ich nicht daran gedacht. Allerdings war das nicht weiter schlimm, da ich nach Kambodscha genau noch 14 Tage im Vietnam war und so nicht nochmals ein Visum kaufen mussten. Das wiederum wird einem aber eher ungern und selten gesagt – schon gar nicht von den Zollbeamten. Ich hatte das Glück, dass mir das die nette Lady eines kleinen Provinzreisebüro sagte, bei dem ich schon das neue Visum beantragen wollten, und mir 75 USD ersparte.

(Meine Flüge haben 410 € gekostet – wovon 390 € die Flughafensteuern waren -, weil ich einen längeren Aufenthalt in Abu Dhabi wählte. Man landet am späten Nachmittag, kann den Abend noch in der Stadt am Meer verbringen und morgens entspannt weiterfiegen. Wer die Zeit hat, sollte das unbedingt machen: Spart nicht nur Geld, sondern gibt auch einen interessanten Kurzeinblick in die Emirate.)

        

Was wirklich ganz wunderbar im Vietnam funktioniert sind Airbnb und Uber. Abgesehen von öffentlichen Reisebussen und dem Flugzeug, habe ich keine andere Alternative außer Uber genutzt. Die Autos sind absolut sauber und man spart sich die ständigen Preisverhandlungen, weiß aber, dass man fair bezahlt. Hier empfielt es sich allerdings, Vietnamesisch als Sprache im Google Translator offline herunter zu laden, da kaum ein Vietnamese außerhalb (oft auch innerhalb) der Touristenzentren auch nur ein Wort Englisch spricht. Blöd, wenn man die 20 Minuten zum „domestic airport“ vom „international airport“ mit Gepäck rennen muss, um seinen Flug nicht zu verpassen, weil der Fahrer den Unterschied nicht kennt …

Die Vietnamesen sind teilweise sehr abergläubig, also wundert euch nicht, wenn das 13. Zimmer oder ein 13. Stock fehlt.

Als Provider für SIM-Karten habe ich, aufgrund der guten Netzabdeckung, Mobifone gewählt. Abgesehen von den zahlreichen SMSen auf Vietnamesisch, bei denen ich bis heute nicht weiß, was sie bedeuten, war ich auch in den abgelegensten Orten vollkommen zufrieden. Lasst euch die Karten vor Ort im Laden oder am Flughafen direkt einlegen, um nicht Gefahr zu laufen, eine Kaputte zu haben. Dort werden auch alle Provider-Einstellungen vom Verkäufer vorgenommen, was ganz hilfreich ist, da diese auf Vietnamesisch sind.

 

Vorab zur besseren Übersicht meine Route:

Hồ Chí Minh > (über Đà Nẵng nach) Hội An > (über Đà Nẵng nach) Hà Nội > Hạ Long Bucht > Hà Nội > Kambodscha > (über Hồ Chí Minh nach) Cần Thơ > (über Hồ Chí Minh nach) Phú Quốc

 

Hồ Chí Minh Stadt (Saigon) ist laut, bunt, überfüllt und stinkt. Hier gibt es auf 8,5 Millionen Einwohner 9 Millionen Roller. Nach den ersten zehn Minuten Uber-Fahrt hatten wir schon zwanzig beinahe Crashs gebaut und nun einen echten. Mein Uber-Fahrer hat einen Fahrradfahrer angefahren. Mein Herz bleibt stehen. Aus Reflex will ich den Notruf wählen, bis mir klar wird, dass ich nicht in Deutschland bin. Der Uber-Fahrer steigt aus. Allerdings nicht, um dem Fahrradfahrer im absurd überfüllten, aus-3-Spuren-mach-9-Spuren, Saigon zu helfen oder etwa, um zu überprüfen, wie es ihm geht … nein … vor Wut?! Laut fluchend knallt er die Tür, packt den Fahrradfahrer und verfrachtet ihn mitsamt des Fahrrads sehr unsanft von der Straße auf den Bürgersteig (der, am Rande erwähnt, gerne von Rollerfahrern zum Überholen genutzt wird und somit nur geringfügig ungefährlicher ist). Nur im Seitenspiegel kann ich im Vorbeifahren erkennen, dass er „lediglich“ mit Platzwunde am Kopf aufsteht und sein Fahrrad schieben kann. Hallo, Vietnam. Was ein erster Eindruck.

        

Auch der zweite Eindruck machte es nicht besser. Mein Airbnb war im vierten Distrikt – ab dem zweiten Distrikt wird es schon sehr „echt“. Mit „echt“ meine ich: schmutzig. Hier finden sich normalerweise keine Touristen mehr. Dementsprechend echt sind auf die Streetfood-Restaurants (im Normalfall kann man hier alles relativ unbedenklich essen, nur – wie immer – das Eis in den Getränken weg lassen). Ich nehme Platz zwischen Locals, Essensresten und Tierkot. Auf der Speisekarte stehen Innereien, Geschlechtsorgane, Käfer-Delikatessen in jeglicher Variation – richtig schön mit Foto. Mmmhhh. Mein Kulturschock war perfekt und innerlich kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus: So neben der Spur hatte ich mich noch nie erlebt!

        

Ich bestelle irgendeinen Hot Pot. Als die Köchin, die sich vorab die Nase mit den Händen abwischte und danach in rohen Tierinnereien herum matschte, die mit Sicherheit nicht ihren ersten Tag in der glühenden Sonne verbrachten, sah, dass ich nichts aß, dachte sie, ich wäre nicht mit der Situation, sondern mit den Essgewohnheiten überfordert. So kam sie mit zahnlosem Lächeln strahlend auf mich zu, packte mich bei den Händen und zeigte mir, wie ich meine Reisblätter rolle. Höflichkeit siegte über den Ekel und so biss ich in das vorher von ihr gerollte Röllchen und gab ihr zu verstehen, dass es gut schmeckte. Ihre vor Freude und Stolz funkelnden Augen brachen mein Eis.

        

Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass der Vietnam mit großem Abstand das schmutzigste und stinkenste Land aller von mir vorher (und nachher) bereisten Länder in Südostasien ist, ist man nicht mehr so geschockt von dem, was um die nächste Ecke so auf einen warten kann. Brennende Müllberge, deren Flammen in jeglichen Blau-Grün-Variationen auflodern oder ähnliche gesundheitsgefährdende Leckereien sind hier ganz alltäglich. Geht man dann in den zweiten oder sogar ersten Distrikt, ist Saigon eine ganz normale Großstadt.

        

        

Um mir einen kleinen Überblick über die Stadt zu verschaffen, mache ich eine Rundfahrt mit einem der Red Busses. Hier kann man sich einfach mal berieseln und die ersten Eindrücke wirken lassen.

        

        

        

        

Im Ben Thanh Markt kriegt man alles, was der Herz begehrt und noch so vieles mehr! Wer Lust auf frische Früchte hat, darf sich welche aussuchen und bekommt sie ess-geh-fertig in die Hand gedrückt. Natürlich will jeder seine Ware verkaufen und hier geht es so laut und chaotisch zu, wie man es sich vorstellt.

        

Direkt gegenüber in einem kleinen, verwinkelten Hinterhof, der nicht sonderlich vertrauenserweckend wirkt, befindet sich das Bep Me In. Man findet es nicht sofort, doch es ist das beste Restaurant in ganz Saigon!

        

        

        

Ein weiteres absolutes Muss ist das War Remnants Museum. Ich habe bewusst keine Fotos von innen gemacht, weil es absolut unwürdig gewesen wäre. Das Museum ist alles andere als angenehm, aber es wird sehr anschaulich dargestellt, was damals im Vietnamkrieg passierte. Nicht zur Belustigung, sondern um sich das ganze Ausmaß einmal vor Augen zu halten, sollte man sich die Ausstellung ansehen. Allerdings völlig zurecht für Kinder ungeignet, weshalb man besser gar nicht erst mit ihnen rein geht, oder sie im Spielzimmer am Eingang des Museums zurück lässt. Noch heute sieht man im Vietnam Opfer oder Nachfahren derer, die von dem chemischen Entlaubungsmittel Agent Orange vergiftet wurden.

        

In Hội An laufen die Uhren langsamer. Hierher komme ich mit einem Inlandsflug nach Đà Nẵng. Allgemein reise ich die weiten Strecken im Inland ausschließlich mit dem Flugzeug, da ich nur drei Wochen Zeit habe und so viel Land kennenlernen möchten, wie möglich. Man sollte aber sein E-Mail Postfach und die Flüge immer gut im Auge behalten, da die kleinen Fluggesellschaften gerne mal spontan den Flugplan ändern oder Flüge ausfallen lassen. Wenn die eigenen Anrufe nicht mehr viel bewirken (bei mir hat das meist ausgereicht), einfach das Hotel oder den Vietnamesen des Vertrauens anrufen lassen, dann wird man entweder umgebucht oder der Flug geht ganz spontan doch noch.

        

        

        

        

Wenn im Norden und im Süden Trockenzeit ist, tobt hier der Monsun. Es ist aber immer noch schön warm, also ziehe ich die Flip Flops an und erkunde die (teilweise wirklich überflutete) Stadt, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Für die Innenstadt muss man tagsüber etwa 6 USD Eintritt bezahlen, abends kassiert hier aber niemand mehr ab. Der Eintritt für sämtliche Sehenswürdigkeiten ist in den 6 USD auch schon inbegriffen. An allen Eingängen muss man lediglich sein Ticket vorzeigen und darf eintreten.

         

        

        

Die Stadt ist bunt, dekoriert, klein, es hängt der Geruch von Räucherstäbchen in der Luft und hinter jeder Ladentür verbirgt sich eine neue handgemachte Schatzinsel, weshalb ich mich wirklich zwingen muss, das Portemonnaie im Rucksack zu lassen, da ich gar nicht den Platz für alles in meinem Gepäck hätte. Die Innenstadt ist reine Fußgängerzone (auch wenn sich die Rollerfahrer nicht immer daran halten), was einen Spaziergang und das Sightseeing doch deutlich entspannter macht, als in größeren Städten.

        

                 

        

         

        

        

Wer auf der Suche nach maßgeschneiderten Klamotten ist, ist in Hội An genau richtig aufgehoben. Neben kommerziellen, überteuerten und qualitativ mangelhaften Schneiderein, wie z.B. Kim, finden sich auch wahre Kunsthandwerker. Ich habe mich auf Empfehlung Canali anvertraut und wurden nicht enttäuscht (auch noch über 12 Monate später sitzen die Sachen perfekt und sehen aus wie neu). Die Schneiderei ist ein Familienbetrieb und schafft es notfalls einen atemberaubend schönen Blazer in weniger als 24h zu schneidern, weil der Flug vorverlegt wurde. Wow! Zudem sind sie unglaublich freundlich und haben sehr gute Tipps und Ideen.

        

Kulinarisch wird man hier definitiv auch auf seine Kosten kommen. Da immer mehr Tourismus in die Stadt kommt, sprießen auch immer mehr Restaurants aus dem Boden – hier ist für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel etwas dabei.

        

        

        

Traditionell für den Vietnam ist das Water Puppet Theatre. Meist Frauen erzählen mit Wasserpuppen vietnamesische Märchen nach, begleitet wird das Ganze musikalisch. Jede Vorstellung ist stets gut besucht – nicht nur von Touristen, denn die meisten Vorstellungen sind nur auf Vietnamesisch. Wie auch meine. Also reimte ich mir die Geschichte selber zusammen und versuchten, die Water Puppets gemeinsam mit meinem Nebensitzer zu synchronisieren. Interessant, was Fuchur hier so alles erlebt hat!

        

        

        

        

Ich verbringe Silvester hier. An Silvestern dürfen aus Brandschutzgründen keine Raketen gezündet werden, deshalb ist es Tradition (für 1 USD) kleine brennende Papierbote in den Fluss zu lassen. Jedes Bötchen ist ein Wunsch, der in Erfüllung geht. Um Punkt 21.00 Uhr hörte es auf zu regnen! Gerade noch rechtzeitig, bevor die Floating Lanterns auf Grund des Wetter abgesagt werden würden.

        

        

        

Nach Hà Nội flog ich wieder ab Đà Nẵng. Die nationalen Flughäfen / Terminals sind so grundlegend anders als die hübsch aufbereiteten internationalen. Wer nicht im Land fliegt, aber etwas Zeit übrig hat, sollte sich unbedingt eine Zeit lang mit einem Kaffee oder Mittagessen hinsetzen und diesen wuseligen und lauten Menschenhaufen beobachten.

        

In Vietnams Hauptstadt kann man nicht so viel unternehmen wie in Hồ Chí Minh und mir war auch nicht danach. Also schlenderte ich den ganzen Tag durch die Stadt, gönnte mir eine Massage nach der anderen und tat das, was ich am besten kann: Essen.

        

        

Die beste Pizza, die ich weltweit jemals gegessen habe, gibt es hier: Pizza 4 P’s. Sie war, ungelogen, so lecker, dass ich versuche, entweder einmal wieder nach Hà Nội zu fliegen oder irgendeinen Flug so zu buchen, dass ich in Hà Nội (genügend) Aufenthalt habe, um diese Pizza nochmal essen zu dürfen!

Hà Nội ist wesentlich ruhiger als sein großer Bruder im Süden. So kann man tatsächlich in manchen Ecken der Stadt einfach nur bummeln gehen, solange die Backpacker noch alle ihren Kater ausschlafen. Abends erwacht die Stadt dann mit einem Schlag in ihrem Zentrum und die Straßen sind so voller Menschen, dass keine Autos mehr durch kommen.

        

        

        

Früh morgens geht es für mich auf den Weg in die Hạ Long Bucht, einem weiteren UNESCO Weltnaturerbe, das das Land beheimatet. Ganz untypisch für mich, gönne ich mir eine Luxus-Cruise mit einer Übernachtung in der Hạ Long Bucht auf dem Schiff.

        

Da das Meer an allen Ecken von den Karbonatgesteinsformen gebrochen wird, ist es absolut ruhig und nahezu kein Wellengang vorhanden. Auch der Schall wird fast vollkommen geschluckt und es macht sich ein Gefühl von unendlicher Ruhe und Entspanntheit breit. Wirklich faszinierend.

        

        

Einst war die Hạ Long Bucht („Die Bucht des untertauchenden Drachen“) Heimat von Seeräubern und Wassernormaden, heute beheimatet sie deren Nachfahren. Es heißt, dass ein riesiger Drache chinesische Eroberer in die Flucht schlug und dabei mit seinem schleudernden Schwanz tiefe Furchen in die Landschaft zog. Als der Drache ins Meer abtauchte, wurden diese überflutet. So besagt die Legende die Entstehung der Bucht.

Über 1.000 Menschen leben noch im Wasser der Hạ Long Bucht. Sie wohnen auf teilweise zu Dörfern aneinander gebundenen Haus-Inselchen und gehen auch hier zur Schule. Dort lernen sie neben Lesen, Schreiben und Mathematik auch das Handwerk der Fischerei. Sogar ihre Haushunde leben gemeinsam mit ihnen auf den paar Quadratmetern. Bei einer kleinen Rundfahrt in einer einbaumähnlichen Nussschale durfte ich ihr Dorf, ihre Fischzucht und auch sie kennenlernen.

        

        

        

Nach dem Ausflug hatte ich die Wahl zwischen drei Aktivitäten. Ich entschied mich für das am Spannensten klingende: Squidfishing. Am Horizont sieht man sie, die Squidfishingboote mit ihren eine-Millionen-Watt-Strahlern und ich bereitete mich schonmal mental darauf vor, bald mit ihnen das offene Wasser zu beschiffen … naja … ganz so cool war es dann doch nicht. Mit einem Baustrahler wurde vom Schiff aus ins Wasser geleuchtet und wir bekamen einen Stock in die Hand, an dessen Ende eine Schnur mit Haken hing. Diesen Stock sollten wir in ruckartigen Bewegungen ins Wasser tauchen und wieder heraus ziehen. Nach etwa 45 Minuten fragte ich die Crew, wann denn hier das letzte Mal etwas gefangen wurde. Die Antwort: vor etwa drei Monaten. So gab ich meine Karriere als professionelle Squidfisherin auch wieder auf.

Zum Abendessen gab ich mich gemeinsam mit den anderen dem Tourismus hin und kleidete mich (selbstverständlich nach einer einstündigen Massage unter Deck) in traditionelle Tracht … (Nein. Davon gibt es bewusst kein Foto.)

… um am nächsten Morgen mit folgendem Ausblick belohnt zu werden (Das Foto ist gänzlich unbearbeitet!):

Nach dem Frühstück und bevor es wieder auf’s Festland ging, besuchte ich noch eine der riesen großen Tropfsteinhöhlen, die Sung Sot Cave, mit einer Deckenhöhe von über 30 Metern, die zu den neuen Weltwundern gezählt wird. Die beiden Kammern im Inneren sind so unfassbar groß, dass man das auf den Fotos vermutlich gar nicht richtig erkennen kann.

        

Das Mekong-Delta bereiste ich von Cần Thơ aus, da es hier wesentlich untouristischer ist als in My Thơ und sich in Cần Thơ der größte aller Floating Markets befindet. Die Tour durch das Delta, über den Market beginnt bereits um 3.30 Uhr morgens. Mein Guide, ein lokaler Student, steigt mit mir gemeinsam in das Boot einer Einheimischen, die leider kein Englisch spricht, aber mein Guide hat Spaß am Dolmetschen. Diese Nussschale ist nicht wesentlich größer als die in der Hạ Long Bucht, zusätzlich herrscht aber natürlich deutlich stärkerer Wellengang. Wow, wie wohl ich mich fühle. Angetrieben werden wir durch einen umgebauten Rasenmähermotor.

        

Jeder Händler des Floating Markets ist nahezu auf nur einen Anbau spezialisiert. An den langen Stöcken hängt jeweils das Gut, das er betreibt, damit man schon von Weitem erkennen kann, was er verkauft. Eingekauft werden kann hier im Normalfall nur in großen Mengen, aber meine Bootsführerin hat wohl gute Kontakte und kann hier und da ein paar einzelne Früchte raushandeln, die sie dann im braunen Mekong-Wasser für mich wäscht. Na toll. Wieder siegt hier die Höflichkeit über den Ekel.

        

        

        

Die hier lebenden Menschen machen wirklich alles in und mit ihrem Mekong. Wirklich alles. Sie waschen ihre Wäsche, entsorgen ihren Müll, gehen auf Toilette, waschen sich in ihm und alles, was man eben noch so machen kann. Dass hier überhaupt noch Fische existieren, verwundert mich. Die Wassertropfen, die während der Fahrt spritzen, brennen wie verrückt in den Augen, sodass ich meine Sonnenbrille zum Schutz anziehe. In den Ästen der Mangroven hängt nicht nur Müll, Plastik und Schrott, sondern auch Dinge, wie ein gebrauchter Katheter samt Beutel. Mmmhhh. Die Einwohner zerstören ihre Lebensgrundlage und es ist ihnen nicht einmal bewusst. Alle paar Minuten verfängt sich in der Schraube unseres Motors ein Stück Plastikfolie, die mein Guide verantwortungsbewusst aus dem Wasser fischt, um sie später ordentlich zu entsorgen – wenigstens einer. Dann passiert es: Der Motor springt nicht mehr an und ist kaputt. Mein kleiner Albtraum ist wahr geworden – mit Wellengang gefangen auf einem Streichholz, in der größten Dreckbrühe, die man sich vorstellen kann. Alles halb so wild. Das nächste Boot schleppt uns ab und unser Motor wird in der nächsten Flusswerkstatt repariert. Weiter geht die Fahrt zu einer kleinen Glasnudelfarm.

        

        

Unterwegs sammelt die Bootsfahrerin fleißig Blätter, um mich während der Fahrt immer wieder mit neuen Bastelleien zu überraschen.

        

Nach einem Spaziergang durch das Hinterland des Mekong, vorbei an Fruchtplantagen und kleinen Dörfern, erreichen wir eine Schlangenfarm. Diese zeigt mir mein Guide nicht zur Belustigung, sondern eher zur Abschreckung. Und es ist tatsächlich schrecklich, was ich sehe. Während er vorne Schmiere steht, mache ich drinnen Fotos, um sie auf seinen Wunsch zu veröffentlichen, in der Hoffnung, Menschen werden endlich abgeschreckt: Paralysierte, lebenslänglich in Käfige gesperrte und unter Drogen gesetzte Schlangen häufen sich. Sind sie groß genug, wird ihnen lebend der Kopf abgetrennt und der Körper so voll mit Wasser gefüllt, dass er sich dehnt, um die Haut zu weiten. Um den Effekt noch zu verstärken, laufen erwachsene Männer auf ihnen herum. Grausam. Dann wird sie auseinander geschnitten und in der Sonne auf Bretter genagelt zum Trocknen ausgebreitet. Hallo, Handtasche.

        

Das war die Werkstatt, die unseren Motor vom Fluss aus reparierte.

        

        

Nach etwa 10 Stunden Fahrt auf dem Wasser, legen wir mit dem Boot wieder an Land an.

        

        

        

        

        

        

Am nächsten Tag beschließe ich mit dem Neffen meiner Airbnb-Mama eine Fahrrad-Tour in sein Heimatdorf zu machen. Er möchte mich unbedingt seinen Freunden vorstellen und eine Ziegelsteinfabrik zeigen, in der jeder einzelne Stein von Hand gefertigt wird und die Grundlage jedes Hauses der Dörfer ist. Auf dem Weg erzählt er mir von sich. Davon, dass er sein Englisch aufbessern möchte, um als Reiseleiter Geld zu verdienen. Er sei froh über die Chance, mit mir üben zu dürfen. Seit einem Jahr kann der Zwölfjährige die Schule nicht mehr besuchen, weil der Staat nur die Grundschulen subventioniert und man ab der 6. Klasse € 10,00 Schulgeld im Monat bezahlen muss – Geld, dass er und seine Familie nicht haben. Wie gerne würde ich ihm monatlich diese Unkosten bezahlen, aber er hat kein Konto, auf das ich ihm Geld überweisen können. Doch er versichert mir, dass er glücklich ist und er eh lieber Reiseleiter werden möchte, weil man damit am besten Geld verdienen kann. Also üben wir weiter Englisch und ich erzähle ihm von Deutschland, während er mir seine Welt zeigt.

        

        

        

In seinem Heimatdorf angekommen, begrüßt uns schon seine Tante (unsere Airbnb-Mama), die gekocht hat. Ich werde umzingelt von kleinen Fans und  bekomme am laufenden Band Blumen geschenkt oder in die Haare geflochten. So sitzen wir noch bis spät in den Abend zusammen. Was ein schöner Abend …

Für den Rückweg nach Saigon habe ich mir einen Bus gebucht. Planmäßig braucht er für die Strecke zweieinhalb Stunden. Auf dem Hinweg, in Anbetracht der kurzen Nacht, wollte ich schlau und schneller sein, indem ich mit dem Uber die 200 km von Saigon nach Cần Thơ fahre. Allerdings fuhr mein Fahrer so spritsparend, dass wir über fünf Stunden brauchten! Der Bus auf dem Rückweg fuhr zwar wesentlich abenteuerlicher, aber schaffte die Strecke in der angegebenen Zeit. Was ich erst im Nachhinein erfuhr ist, dass Cần Thơ einen Flughafen hat und ich mir einiges Hin und Her erspart hätte, wenn ich diesen einfach angeflogen hätte. Man findet ihn aber nicht über Flugsuchmaschinen wie skyscanner o.Ä., sondern nur direkt auf der Seite der Airlines.

        

Die letzten Tage verbringe ich als wohlverdienten Urlaub auf der Trauminsel Phú Quốc. Zumindest sagt man, es sei eine Trauminsel. Ich fühlte mich in meinem Resort so unendlich wohl und der Strand war so perfekt, dass ich ausnahmsweise keinen einzigen Schritt vor die Tür tat und mir einfach nur mit den Füßen im Sand die Sonne auf den Bauch scheinen ließ. Im Januar 2017 wurden schon die ersten Betonfundamente für Hotelriesen gegossen. Ich hoffe, es ist noch nicht allzu spät, die Insel so zu erleben, wie sie ursprünglich war. Beeilt euch lieber!

        

        

        

Der Vietnam war ein Kulturschock auf allen Ebenen, aber wieder einer, der mich nachhaltig verändert hat. Vor allem in Bezug auf Bildung und Umweltschutz sehe ich die Welt nochmals mit ganz anderes Augen, als ich es eh schon vorher tat. Welch ein Privileg es doch ist, nach all meinen Abenteuern immer wieder nach Deutschland zurück kehren zu dürfen, wo die Welt so gut wie heile ist …

Kambodscha

Auf meiner Rundreise durch den Vietnam wollte ich es mir nicht nehmen lassen, einen Abstecher in sein Nachbarland zu machen: das Königreich Kambodscha.

Kambodscha ist erst, durch eine demokratisch gewählte Regierung, seit etwa zehn Jahren unabhängig und ein eigenständiges Königreich. Seitdem versucht das Land auch finanziell und wirtschaftlich unabhängig zu werden – Tourismus ist hier die größte Einnahmequelle und der wichtigste Wirtschaftszweig. Auch auf Bildung wird hier sehr viel mehr Wert gelegt, als beispielsweise im Vietnam (aber hierzu mehr in meinem Blog über den Vietnam). An jeder Ecke sieht man Schulen, Grundschulen oder Universitäten, die teils privat geführt werden, da das Land noch nicht genügend Geld hat, alle Schulen zu verstaatlichen, und teils in öffentlicher Hand liegen. Obendrein bietet der Staat für jeden (!) Bürger kostenlose Englisch-Kurse an, um den Tourismus noch weiter fördern zu können. Die Landessprache in Kambodscha ist zwar Khmer, doch spricht nahezu jeder Tuk-Tuk-Fahrer fließend und akzentfrei Englisch. Wirklich beeindruckend!

Ich habe den Luftweg gewählt, da ich nicht genug Zeit hatte, über den Mekong, vom Vietnam aus, mit dem Boot einzureisen. Gegen etwa 30 US Dollar in bar erhält man am Flughafen in Siem Reap ein Visum-on-Arrival. Wer im Vorfeld keine US Dollar abgehoben hat, kann dies direkt in der Eingangshalle am Bankautomaten tun. Dies sollte man aber direkt nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug machen, da die Schlange sehr schnell sehr lang werden kann. Wer zusätzlich keine Landeswährung (Riel) mit sich herum tragen möchte, kann auch einen größeren Geldbetrag in US Dollar abheben, da man an jedem noch so kleinen Kiosk in Kambodscha ebenfalls damit bezahlen kann. Im Normalfall erhält man dann Riel als Wechselgeld.

Für meinen doch recht kurzen, fünftägigen Aufenthalt, habe ich mir zwei große Stationen ausgesucht: die Angkor Tempelanlage in Siem Reap und die, sich zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau befindene, Anlage des Bahá’í Haus der Andachts in Battambang.

Über die Backstreet Academy buche ich mir eine Mountainbiketour durch die Angkor Tempelanlage und sein Hinterland. Die Backstreet Academy ist eine Organisation, die ausschließlich Locals beschäftigt, um ihnen zum einen einen Arbeitsplatz zu geben und zum anderen die örtliche Wirtschaft zu unterstützen – von Khmer, für Khmer. Hier kann man nicht nur außergewöhnliche Aktivitäten buchen, sondern erhascht auch einen sehr authentischen Blick hinter die Kulissen. Wer kennt sein Land auch schon besser als seine eigenen Einwohner?!

Da man sich – laut Reiseführern – den Sonnenaufgang hinter Angkor Wat, dem Haupttempel, auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte, geht es für mich auch schon um 3:00 Uhr morgens los. Leider findet mein Tuk-Tuk-Fahrer auch nach mehrmaligen Fragen der anderen Locals den Weg nicht und so komme ich erst mit ca. anderthalb Stunden Verspätung an der Backstreet Academy an. Da meine Gruppe natürlich schon gestartet hatte, wurde ich mit dem Roller und mein Bike mit dem Tuk-Tuk zur Tempelanlage gefahren. Dort muss man sich erst einmal für den richtigen Eintrittspass (z.B. Tagespass) entscheiden und an der jeweiligen Schlange anstellen, da die Wartezeit ansonsten umsonst war. Auch hier sollte man vorher US Dollar abheben , da man nur bar bezahlen kann. Dies bestenfalls aber nicht, wie ich, erst vor Ort tun, denn wenn das W-Lan ausfällt, haben auch die ATMs keinen Empfang und sind unbrauchbar. Zu meinem Glück hatte sich das Netz relativ schnell wieder stabilisiert.

        

Naja. Was soll ich sagen?! Der Sonnenaufgang war okay, da das Wetter an diesem Morgen auch nicht allzu gut mitspielte, aber als absolutes Muss würde ich es auf gar keinen Fall bezeichnen. Zum einen … naja … es ist ein Sonnenaufgang. Wunderschön, aber nicht gerade das Exotischste der Welt. Und zum anderen, wie natürlich nicht anders zu erwarten, teilt man sich den Anblick mit tausenden von anderen Menschen. Wer euch erzählt, es sei außerordentlich romantisch, der lügt oder war vor über zwanzig Jahren dort.

        

Ich lerne den Rest der Gruppe kennen, die bunt gewürfelt aus der ganzen Welt stammt und wir machen uns zu aller erst – mit all den tausend Selfiesticks – auf den Weg zu Angkor Wat. Da dies der erste Tempel ist, den wir von der Anlage sehen, ist er natürlich außerordentlich beeindruckend. Unser Guide, der aus Siem Reap stammt, erzählt uns in fließendem Englisch die Geschichte hinter der Tempelanlage und kann alle Fragen wirklich sehr ausführlich beantworten.

        

        

        

        

Um die ersten Eindrücke zu verarbeiten und die hungrigen Mägen zu füllen, frühstücken wir in einem Imbiss, in dem wir ausschließlich Tuk-Tuk-Fahrer und Locals antreffen. Muss also gut sein! Hier wird uns auch der Grund dargelegt (viel mehr: einer der tausend Gründe), warum man im Ausland bestenfalls auf Eis in seinen Getränken verzichten sollte. Dieses wird hier auf der schmutzig verkrusteten Ladefläche eines uralten und in Deutschland mit Sicherheit nicht mehr zugelassenen Jeep mit Hilfe einer verrosteten Säge, der schon einige Zähne abgefallen sind, in mundgerechte Stücke portioniert. Wo das Wasser dafür herkommt, werden wir bald erfahren …

Nach dem Essen fahren wir mit den Mountainbikes (sie fahren sich relativ gut, allerdings würde ich auf Grund des doch sehr unebenen Bodens empfehlen, eine gepolsterte Fahrradshort anzuziehen und sich zu aller erst mit der Reaktionszeit der Bremsen anzufreunden) weiter dorthin, wo das Wasser für die Eiswürfel herkommt. Was wohl niemandem so richtig bewusst war, ist die Tatsache, dass auf der Tempelanlage, weitab des touristenüberströmten Weges, wirklich noch Menschen wohnen. Aus Respekt habe ich dort keine Fotos geschossen. Lediglich von ihrem Schulgebäude, da dort zu dem Zeitpunkt kein Unterricht stattfand. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, unter welchen Umständen Menschen auf dieser Welt leben. Umso beeindruckender aber, wie glücklich sie dabei sein können! Mit nahezu keinem Besitz aber strahlenden Gesichtern, rennen kleine Kinder auf uns zu und wollen einfach nur auf den Arm genommen werden und mit uns spielen. Im Gegensatz zu dem Sonnenaufgang, wäre DAS ein wirkliches Muss, das ich jedem ans Herz legen kann. Wir fahren an verschiedenen Häuserbauten vorbei (im klassischen Stil: ein großes Zimmer, auf Holzpfählen erbaut, in dem alle gemeinsam schlafen und wohnen und im „Erdgeschoss“ die Küche und die „Speisekammer“), der Dorfschule, Familien und deren Trinkbrunnen. Übrigens wäre es für uns tödlich, auch nur einen Schluck dieses Wassers zu trinken. Selbst unser Guide würde es nur halbwegs abgekocht vertragen. Doch für die Mägen der ortsansässigen Khmer, ist es ganz normales Trinkwasser, das sie seit Jahrhunderten konsumieren.

        

Weiter geht’s zu unserem vorerst letzten Tempel für heute: dem Bayon Tempel, umgeben von Angkor Thom. Angkor Thom ist die einstmalige Königshauptstadt mit seinen berühmten Toren und in Stein gemeißelten Gesichtern. Inmitten der Mauern steht der Bayon. Dieser Tempel ist nochmal wesentlich beeindruckender als Angkor Wat.

        

        

        

        

        

Die wirklich sehenswerten Tempel sind meiner Meinung nach allerdings die weitab der Touristenströme. Je kleiner die Tempel werden, desto weniger Touristen begenet man – was wirklich ungerechtfertigt ist, da es meist jene sind, die auf den bekannten Reiseführerfotos zu sehen sind. Ta Prohm diente beispielsweise als Kulisse für Lara Croft: Tomb Raider und am Ende des Tempels Ta Som entstand jedes Reiseführerfoto mit dem baumverwucherten Tor.

        

        

                  

        

Die eingewachsenen Bäume dienen heutzutage nicht mehr nur als „coole Kulisse“, sondern sind essentiell für den Erhalt der jeweiligen Tempel. Sie sind so mit den Sandsteinen verwachsen, dass das gesamte Konstrukt zusammenbrechen würde, wenn man sie entfernt.

                  

Es lohnt sich also wirklich, die anderen Tempel anzuschauen. Wer Fuß- oder Fahrradfaul ist, kann das auch ganz entspannt mit dem Tuk-Tuk machen. Jeder Fahrer weiß bestens über die einzelnen Tempel Bescheid und kann prima den Touristenguide spielen.

        

        

        

In jedem Tempel findet man Opfertische mit Räucherstäbchen, Opfergaben und manchmal verschiedenen Gottheiten in Form einer Statue. Bei vielen dieser Statuen wurden die Köpfe abgetrennt. Das hat keinen religiösen Hintergrund, sondern einen dramatischen: Im 14. Jahrhundert eroberten die Burmesen Thailand und weite Teile Südostasiens. Da sie nicht alle Schätze mitnehmen konnten, stahlen sie nur das, was einfach zu transportieren war – obendrein konnten sie mit dem Diebstahl der Götterköpfe die Khmer verspotten und ihnen ihre Macht demonstrieren. Heutzutage ist fast keine der Statuen mehr an seinem ursprünglichen Ort, denn die, die bisher nicht dem Kunstraub zum Opfer fielen, wurden weltweit in Museen abtransportiert, um sie vor solchem zu schützen.

        

        

                                    

Jede einzelne Tempelanlage hat ein eigenes Land zum Schirmherren. Dieses Land kümmert sich finanziell um den Wiederaufbau und die Restauration, um Kambodscha einen großen Berg der Kosten abzunehmen und die gesamte Tempelanlage auch in Zukunft Touristen begehbar zu machen.

        

Von Siem Reap nach Battambang zu kommen, erweist sich als deutlich einfacher, als zunächst angenommen. Ein- bis zweimal am Tag pro Richtung verkehren kleine Reisebusse, die man ganz einfach online buchen und via PayPal bezahlen kann. Die Busse fahren auf die Minute pünktlich ab – womit ich auch nicht gerechnet habe -, kommen allerdings nicht ganz pünktlich an, da der Verkehr unberechenbar ist. Unterwegs wird etwa auf der Hälfte für eine kleine Pipi-Pause gehalten, die man (oder Frau) auch wirklich nutzen sollte (auch wenn die Toilette nicht sehr einladend ist). Egal, wie dringend es danach wird, der Busfahrer hält nicht mehr an … zumindest unserer nicht, da er nach der Fahrt zu seiner Freundin wollte, wie uns erklärt wurde.

In Battambang wurde ich von meinem lieben Bahá’í-Freund Sam Voha und seinem Tuk-Tuk abgeholt, der mich zur Baustelle des Haus der Andacht brachte.

        

        

Wer von der Bahá’í Religion bisher noch nichts gehört hat, darf sich entweder hier einlesen oder mich einfach fragen 🙂

Mittlerweile wurde das Haus der Andacht fertig gestellt und eröffnet. Es ist schön zu sehen, wie die Bäume und Büsche, die ich damals gespendet habe, von vielen helfenden Händen gemeinsam gepflanzt wurden und gewachsen sind. Vielleicht schaffe ich es ja noch einmal nach Battambang und kann dieses vollendete Kunstwerk mit eigenen Augen bestaunen.

        

        

Für meinen letzten Tag, habe ich erneut über die Backstreet Academy gebucht. Etwas spektakulärer als das Mountainbiken durch die schmalen Sandstraßen des Angkor-Hinterlandes: Sword forging! Richtig, ich habe mit meinen eigenen Händen aus alten Autostoßdämpfern „Schwerter“ geschmiedet. Oke, es waren eher Messer als Schwerter, aber ich hatte auch so schon Bedenken, dass wir sie überhaupt mit nach Deutschland bekommen. In einer kleinen Wellblechbude, ummantelt mit Pappe und etwa 100° Grad Innentemperatur hielt ich abwechselnd ein Stück Stoßdämpfer in die Glut (natürlich war es ein offenes Feuer mit Stichflammen) und bearbeitete es mit irgendwas, das wirkte wie ein handgeschmiedeter Eisenhammer. Wirklich anstrengend und weit entfernt von ungefährlich schmiedete ich so Mr. McSlice. Denn, wie ihr ja hoffentlich wisst, braucht jedes Schwert einen Namen. Nachdem ich, trotz Brille, den ersten glühenden Stahlsplitter ins Auge bekam, erübrigte sich auch die Frage, warum direkt nebenan ein Augenarzt stationiert war. Natürlich ging alles gut, es hat wirklich Spaß gemacht und war eine außerordentlich coole Erfahrung. Mr. McSlice hat es tatsächlich über mehrere Ländergrenzen nach Deutschland in mein Wohnzimmer geschafft …

        

        

        

In nur wenigen Jahren hat Kambodscha schon das geschafft, was viele Länder nach Jahrhunderten noch nicht schaffen: Sie erkennen den Wert von Bildung an und auch, wie es den Tourismus und somit das Land fördert, was wiederum Geld für Bildung bringt. Ich bin wirklich gespannt, wie sich dieses bezaubernde Land in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird … spannend, wie jedes südostasiatische Land vom Charakter her doch so unterschiedlich ist.

Bali, Indonesien

Bali ist eine gerade mal 95 x 145 km große Insel von Indonesien, im Herzen des Indischen Ozeans. Von seinen 4,2 Mio Einwohnern gehören über 92% dem Hinduismus an – genauer gesagt dem Hindu-Dharma-Glauben. Eine fundamentale Rolle spielt hier das Karma. Die Balinesen glauben daran, dass jede ihrer Taten Folgen haben wird – in diesem oder einem der nächsten Leben. Ein weiterer grundlegender Gedanke ist, dass jedem Guten auch ein „Dämon“ beiwohnt. Nicht nur Gegensätze wie, dem Tag die Nacht oder dem Meer der Berg, sondern auch in jedem Menschen. Jeder Mensch muss also seinen eigenen Dämon (an)erkennen und durch ihn das Beste aus sich heraus holen.  Ähnlich dem Yin und Yang, kann das eine ohne das andere nicht bestehen und das eine nur durch das andere funktionieren und ein Ganzes werden.

Diese Ausgeglichenheit spürt man auf der gesamten Insel!

Ich komme also mittags nach ca. 22 Stunden Flug in der Hauptstadt Denpasar an und kann unseren Fahrer nicht direkt ausfindig machen, der mir von meinem Hotel geschickt wurde. Gerade will ich mich mit dem Hotel in Verbindung setzen, als auch schon vier fremde Balinesen zur Hilfe eilen. Der eine ruft meinen Fahrer über die Flughafensprechanlage aus, der andere googled die Strecke und überprüft den Verkehr und die restlichen zwei halten Ausschau. In anderen südostasiatischen Großstädten, will jeder Profit aus Dir schlagen und hier, will man einfach nur nett sein. „For good Karma!“, wie ich in den kommenden Tagen noch oft hören werde.

Dank der Hilfe konnte ich meinen Fahrer, Dom, schlussendlich doch ausfindig machen und wir begeben uns auf den Weg nach Amed – 85 km in 5.5 Stunden. Verglichen mit anderen südostasiatischen Ländern fahren die Balinesen sehr bedächtig. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass wir sehr oft anhielten, um die ersten Eindrücke einzufangen und weil mein lieber Dom mich unbedingt Durian probieren lassen wollte. Meine Empfehlung: Tut es nicht! Die Frucht wächst nur wenige Wochen im Jahr und muss nach dem Abernten innerhalb weniger Stunden gegessen werden, sonst beginnt sie zu gähren. Die Balinesen lieben sie … die Touristen eher nicht. Und das aus gutem Grund!

        

Mein Hotel ist nicht in Ameds Tauch- und Schnorchelzentrum, sondern ca. 2 km weiter entlang der östlichen Küste. Hier komme ich die nächsten 4 Tage erst einmal an, genieße die Sonne und die bunte Fischvielfalt, die man beim Schnorcheln direkt vom Strand aus bestaunen darf.

        

Tatsächlich schafft es Mike mich davon zu überzeugen, Roller zu fahren. Er, der tiefenentspannt durch Bangkoks Irrenverkehr fährt und ich, die selbst in Deutschland nicht oft Roller fährt – und wenn, dann nur mit und nicht alleine. Aber im Hotel können wir uns einen wirklich guten Roller und zwei fast neue Helme ausleihen, die auch noch so aussehen, als würden sie ihren Job erfüllen können. Und so schwinge ich mich hinter Mike auf den Roller und wir nehmen Kurs auf den Gunung Seraya, dem Berg der sieben Tempel, wovon der oberste und siebte Tempel einer heiligsten drei auf ganz Bali ist.

        

Laut GoogleMaps haben wir die Wahl zwischen zwei Strecken: 15 km oder 25 km. Natürlich entscheiden wir uns für die 15 km lange Strecke, ohne zu bedenken, dass die Höhe des Berges, den wir entlang fahren, sich dadurch nicht verändert, sondern nur die Steigung der Straße. Mehrere Male musste ich absteigen, weil der Roller uns nicht beide zusammen fahren konnte – was nicht an der Leistung des Motors lag, sondern an der wirklich extremen Steigung. Aber jedes Mal hielt ein fremder Dorfbewohner mit seinem Roller an, der mich die nächsten Meter, bis unser Roller wieder Grip hatte, mitnahm. For good Karma, of course. Am Fuße des Berges angekommen, gibt es einen kleinen Parkplatz, bzw. einen Straßenrand, an dem man seinen Rollter abstellen kann. Der Eintritt basiert auf einer freiwilligen Spende, in selbst gewählter Höhe. Auch einen Sarong kann man sich ausleihen, wenn man seinen vergessen hat oder noch keinen gekauft hat. Der Sarong ist die traditionelle Tracht, die in jedem Tempel von Männern und Frauen getragen wird (und auch von Touristen getragen werden muss). Auf dem gesamten Gelände und auch der Wanderung zu allen sieben Tempeln muss der Sarong getragen und darf nicht abgelegt werden. Wir haben allerdings nur den ersten Tempel besichtigt, den Pura Penateran. Dieser ist mit Abstand der schönste und spektakulärste aller sieben Tempel, man erreicht ihn über wenige Treppen und hat einen herrlichen Blick auf den Gunung Agung. Hier steht auch das wohl durch Instagram und Yoga-Posen bekannteste aller Bali-Gates, dem Tor zum Himmel.

        

Die Nächsten sechs Tage wollen wir in Ubud verbringen, Balis künsterlischem Herzen. Auf dem Weg halten wir mit Dom an zwei absoluten Highlights: der Taman Tirta Gangga Tempelanlage und einen Dorf der Bali Aga, die Ureinwohner Balis.

Der Taman Tirta Gangga ist ein Wasserpalast in der Region Karangasem. Nachdem er im 20. Jahrhundert einmal durch ein Erdbeben und ein weiteres Mal durch einen Vulkanausbruch zerstört wurde, ist er heute wieder originalgetreu aufgebaut und kann gegen eine geringe Gebühr besichtigt werden. Die wunderschöne Anlage besteht aus mehreren Koi-Karpfen-Becken, die auf unterschiedlichen Ebenen verteilt sind, und sogar aus einem Swimmingpool, in dem man (gegen Gebühr) baden darf. Uns war das Wasser allerdings zu kalt. Vor dem Betreten der Anlage kann man bei den Bewohnern des Dorfes noch Fischfutter kaufen, um die Karpfen und andere Fische innerhalb der Anlage zu füttern. Dieses sollte man sich allerdings gut einteilen und zum Großteil für die hinteren Becken aufheben, die natürlich nicht so viel abbekommen, wie die vorderen (was man der Größe der Fische deutlich erkennen kann).

        

        

Weiter geht es zu den Bali Aga nach Tenganan Dauh Tukad, nahe der südöstlichen Küste Balis. Hier erwartet uns weder Massentourismus noch Souvenierladenflut, wie befürchtet. Sondern ein Dorf wundervoll gastfreundschaftlicher Menschen, die im Einklag mit der Natur und absoluter Harmonie leben. Gegen eine Spende in selbstgewählter Höhe, wird man auf fließendem Englisch von einem der Bewohner durch das Dorf geführt, werden Fragen beantwortet und Geschichten voller Stolz erzählt. Hier werden unter anderem Seidenprodukte und Palmblattschnitzereien hergestellt, die man in ganz Indonesien (und hier) erwerben kann. Von dem Erlös kaufen sich die Bewohner die wenigen Dinge, die sie nicht selber anbauen und beispielsweise für Opferrituale oder -gaben benötigen. Sie leben nach dem traditionell javanischen Kalender, nach dem es auch fast jeden Tag ein anderes Fest oder Ritual gibt. Jedes Fest und jedes Ritual hat seine eigene historische und spirituelle Bedeutung, die uns nicht immer sofort ersichtlich ist – aber aus genau diesem Grund, will ich ja die ganze Welt kennen lernen. Bei einem Fest bewerfen sich die Bewohner beispielsweise mit Bananen oder reißen sich die Rücken gegenseitig blutig, während sie sich mit Palmblättern bekriegen. Die Wunden werden danach fachmännisch mit „Mangosteen“ (dt. Mangostane) behandelt und laut unserem Guide hat sich auch noch nie eine entzündet. Mangosteen ist den Bali Aga zufolge ein Allheilmittel, das sogar Krebs heilen kann. Die Bewohner von Tenganan Dauh Tukad leben in solch einem Einklang mit der Natur, wie ich es noch nie erlebt habe. Sie schätzen sehr, was die Natur ihnen gibt und wollen ihr im gleichen Maß zurück geben – durch Opfergaben, Naturschutz und Tierschutz. Neben dem Dorf der Bali Aga befindet sich eine Honigbienen- und Luwak-Kaffee-Farm, die wir natürlich auch noch besichtigen wollen. Auch hier werden wir herzlichst, auf fließendem Englisch empfangen und durch die traumhaft angelegte Anlage geführt. Wir lernen die Welt der Honigbienen (auf Bali wirklich sehr winzig) kennen und all die verschiedenen Tee- und Kaffeesorten mit samt ihren Anbau- und Röstarten. Auch hier ist es wirklich schön zu sehen, wie die Menschen mit den Tieren und der Natur umgehen und sie als lebenschenkenden Organismus ansehen, den es zu schützen und schätzen gilt. Gegen Ende des Rundgangs trinken wir uns durch alle 25 Tee- und Kaffeesorten und können es uns natürlich nicht verkneifen, auch hier einen kleinen Großeinkauf zu tätigen. Der Tee war wirklich lecker – Luwak Kaffee war leider überhaupt nicht unser Ding – und Sorten wie „Mangosteen“ bekommt man hier in Deutschland schwer. Obendrein ist es umso schöner, solch tolle Menschen finanziell unterstützen zu dürfen. Man darf auch auch nicht vergessen, dass unser Stundenlohn etwa ihrem Wochenlohn entspricht.

        

        

        

         

In Ubud angekommen, können wir es uns nicht nehmen lassen, direkt den heiligen Affenwald zu besuchen. Am Ende des Aufenthalts waren wir tatsächlich zwei Mal jeweils einen ganzen halben Tag. Für circa 3€ darf man hier so viel Zeit verbringen, wie man möchte. Das Gelände ist etwa 12.5 Hektar groß, alle 700 Affen sind freiwillig hier und können jederzeit wieder gehen – es ist nicht eingezäunt. Natürlich bleiben sie aber gerne hier, weil sie nicht nur gefüttert und gepflegt werden, sondern auch wieder aufgepeppelt oder ärztlich behandelt, wenn ihnen etwas fehlt. Zwischen Tempelanlagen und über 185 verschiedenen Bäumen lässt sich in diesem Jungle auch wirklich viel und gerne Zeit verbringen. Allerdings sollte man sich streng an die Verhaltensregeln halten, die im ganzen Park auf Tafeln verteilt die Besucher regelmäßig daran erinnern. Ansonsten kann es schnell passieren, dass ein Handy, eine Sonnenbrille oder jeglicher Rucksackinhalt geklaut wird. Die Balinesischen Langschwanzmakaken sind sehr schlaue Tiere! Sie beobachten gut und lernen schnell Wasserflaschen eigenständig zu öffnen oder Reißverschlüsse zu überlisten. Auch außerhalb, im Umkreis des Waldes, ist Vorsicht geboten, da auch hier viele Affen herumturnen.

        

        

        

        

        

                                         

Ubud glüht vor Kunst – und leider auch Kruscht. Nicht mehr alles, was in Ubud glänzt, ist auch Gold. In Balis Kulturzentrum, das vor allem durch den Film (und das Buch!) „Eat Pray Love“ bekannt wurde, merkt man doch deutlich, dass das Karma dem Tourismus und dem Profit weicht. Doch trotzdem sollte man es sich nicht nehmen lassen, die Straßen entlag zu flanieren, in den Läden zu stöbern, auf dem Markt zu handeln und die leckeren Köstlichkeiten der Restaurants und Cafés zu probieren. Wer der Kunst wegen nach Bali gekommen ist, wird hier definitiv fündig! Auch wir haben in einer kleinen Galerie direkt beim Künstler selbst ein tolles Bild erworben (Handeln erwünscht), das nun unser Arbeitszimmer ziert. Auch der Transport nach Deutschland ist kein Problem: Ubuds Künstler rollen und wickeln ihr Werk sorgfältig in Papier und basteln aus Plastikschnüren sogar einen Tragegurt, mit dem man am Flughafen keinerlei Probleme hat.

Watch your steps! Ubuds Straße und Gehwege sind teilweise nicht ganz ungefährlich. Das Handy sollte man defintiv aus der Hand legen und auch beim Flanieren sollte man niemals den Weg vor sich aus den Augen lassen. Entweder klaffen große Löcher, die nur mäßig mit Kokosnüssen – oder gar nicht – „repariert“ werden, oder es geht plötzlich einen halben Meter weiter unten mit dem Gehweg weiter.

        

            

An jeder Ecke und Geraden wird einem nicht nur ein Fahrer angeboten (sowohl im Auto als auch auf dem Roller), sondern auch Eintrittskarten für traditionelle Tanzveranstaltungen. Eigentlich war geplant, dass wir uns die Tänze in Ubuds Wasserpalast angucken, aber nach den ersten ruhigen Tagen am Meer, war uns das Gewusel dann doch etwas zu viel und so entschieden wir uns dafür, sie uns bei einem Abendessen in einem Restaurant in Reisfeldern anzusehen. Bali hat verschiedene traditionelle Tänze, die alle eine andere, meist religiöse, Geschichte erzählen. Diese werden auch vor jedem Tanz erklärt, sodass man weitgehend verfolgen kann, worum es geht. Meine Empfehlung: Setzt euch nicht in die erste Reihe vor die Musiker. Sie sind laut. Sehr laut. Und schrill. Sollte man aber mal gesehen und gehört haben – einmal reicht allerdings aus.

                         

            

Eines unserer absoluten Highlights, die man am besten von Ubud aus macht, war die nächtliche Besteigung des Gunung Batur und der atemberaubend schöne Sonnenaufgang mit Blick auf den Gunung Agung. Ja, der Vulkan, der jeden Moment ausbrechen wird – davon hat uns vor Ort allerdings niemand etwas gesagt und wir erfuhren es erst, als wir wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten.

Der Gunung Batur ist einer der beiden, bis heute aktiven, Vulkane, die man auf Bali besteigen kann. Da ich meine Kondition bei tropisch-feuchtem Klima noch nicht ganz einschätzen konnte, haben wir uns für den kleineren der beiden entschieden. Mit 1717 m doch ein Stück zu laufen, aber absolut machbar. Unser Veranstalter war Bali Trekking Tour, die wir auch wärmstens weiter empfehlen. Ein Fahrer holte uns pünktlich morgens um 2.30 Uhr im Hotel ab und bringt uns zusammen mit interessanten und witzigen Anekdoten an den Fuß des Vulkans, wo unser einheimischer Guide wartet. Beide sprechen wieder fließend Englisch und wir bekommen sogar noch einen Ersatz-Pullover eingepackt, für den ich ein paar Stunden später noch sehr dankbar sein werde. Als Ausrüstung haben wir selber noch Stirnlampen eingepackt (der Veranstalter stellt allerdings auch Taschenlampen zur Verfügung). Ansonsten: Sportschuhe, Sportklamotten, Schichtsystem und atmungsaktiv. Beim Aufstieg kommt man schnell ins Schwitzen, weshalb ich beim nächsten Mal auch ein Wechselshirt mitnehmen werde, das ich oben – im Dunkeln – gegen mein nasses tauschen kann. Wir starten zu dritt an der Ostseite des Vulkans, nicht an der touristenüberfüllten und deutlich seichteren Südseite. Der Aufstieg dauert etwa zwei Stunden, die man sich mit Frage-Antwort-Spielen oder lustigen Geschichten des Guides über das Land locker vertreiben kann. Sobald ich aus der Puste bin, halten wir kurz an und es wird sehr darauf geachtet, dass es uns gut geht. Er versorgt uns außerdem mit Schokolade, Wasser und motivierenden Sprüchen während des Aufstiegs. Über Stock und Stein oben angekommen, dürfen wir uns auf einer Holzbank am Vulkanrand (selbstverständlich ohne Geländer) ausruhen, während wir heißen Tee, Kaffee oder Schokolade zusammen mit vulkandampfgegarten Bananasandwiches, ebenfalls in Vulkandampf gekochten Eiern und diversen Schoko-Snacks gereicht bekommen. Da die Sonne noch nicht aufgegangen ist und ein guter Wind geht, wird es schnell sehr kalt und ich bin unendlich froh über den zweiten Pullover, den ich mir umlegen darf. So sitzen, essen und warten wir etwa eine halbe Stunde, bis das atemberaubende Spektakel los geht: Ein pink-roter Strich zieht sich über den gesamten Horizont, der schnell zum runden Sonnenball wird. Die Sonnenstrahlen bringen die ersehnte Wärme und der Ausblick, dem die Fotos nicht gerecht werden können, entschädigt für alles, das ich in den letzten Stunden verflucht habe. Wow! (Kleiner Hinweis am Rande: Weder auf dem Weg noch am Krater gibt es eine Toilette.) Nachdem wir aufgewärmt sind und aufgegessen haben, laufen wir um den Krater und dürfen nicht nur dieses unglaubliche, dampfende Naturschauspiel aus nächster Nähe betrachten, sondern auch all die Pauschalreisenden, die sich ein paar hundert Meter weiter auf einer kleinen Plattform, die das Ende des Südseitenaufstiegs ist,  auf die Füße treten. Schmunzelnd genießen wir unsere Entscheidung. Der Abstieg dauerte bei uns nur etwa eine halbe Stunde. Ausgeschlafen und in freudiger Erwartung auf unsere Meinung, läuft uns unser Fahrer schon entgegen. Auf dem Rückweg halten wir überall dort an, wo es tolle Foto-Spots oder interessante Orte und gegen 12.00 Uhr mittags sind wir dann schon wieder im Hotel … wo wir einen wohlverdienten Mittagsschlaf halten.

        

        

            

Unser nächstes Ziel sind die Reisterrassen von Jatiluwih. Jatiluwih bedeutet übersetzt „wunderschön“ – genau das erwartet uns auch. Wow! Die Reisterrassen von Jatiluwih würde ich ohne zu zögern als meinen absoluten „happy place“ bezeichnen. Im Gegensatz zu den Reisterrassen von Tegallalang, im Norden von Ubud, wird hier der Reis nicht ausschließlich für Touristen angebaut. Reis wird im Normalfall alle sechs Monate geerntet, sobald er gelb ist. In Tegallalang allerdings alle drei Monate. Lediglich aus dem Grund, damit Touristen Fotos von satt grünen Reisfeldern machen können. So aber nicht in Jatiluwih. Die Terrassen sind so schön, dass sie als UNESCO Welterbe vorgeschlagen wurden (Oder seit 2012 auch sind?) und das wirklich aus gutem Grund. Während in Tegallalang Wegzölle und Ramschkäufe verlangt werden, verlaufen sich hier her nur maximal (!) 200 Touristen pro Tag, auf einer Fläche von über 220 Fußballfeldern!

Obwohl meine Lebensmittelvergiftung in den Startlöchern stand (zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, ich hätte ich mich beim Vulkan Trekking und Dank den verschwitzten Klamotten nur etwas erkältet), wollte ich hier gar nicht mehr weg. Dieser Ort hat eine solch magische Ruhe und Entspanntheit in sich, dass ich mich am liebsten mit einer Hand voll guten Büchern und viel Zeit hier niedergelassen hätte.

        

        

        

Geschlafen haben wir in dem wohl schönsten Bed & Breakfast, das man sich erträumen kann: Bei D’Wan und seinem Tea House – nach eigenen Angaben, der erste Tee-Anbauer auf ganz Bali! Der Besitzer, Wan, seine Frau und das Personal sind alles ganz besondere Menschen. Hier wird die Ideologie ‚Karma‘ nicht nur gelebt, sondern wirklich gefühlt. Auch hier spührt man die Ruhe und kann sich (wenn man nicht gerade Fieberträume oder Magenkrämpfe hat) fabelhaft entspannen und fallen lassen. Das Abendessen und Frühstück nimmt man gemeinsam mit den anderen Gästen ein, was dazu führt, das wunderbare Freundschaften geknüpft werden und stundenlage Gespräche geführt oder deutsche Medikamente ausgetauscht werden können (Arno und Anette, ihr wart meine Rettung!).

        

Auf Grund meiner Lebensmittelvergiftung fielen die Pläne der nächsten Tage leider aus und so fuhren wir unseren letzten Stop an: Sanur. Aber auch hier konnten wir, Dank meines medizinischen Zustands, leider nicht mehr viel machen, außer „nur“ am Strand oder Pool zu liegen – je nach Sonnenstand.

        

Als Krankenhaus empfehle ich wärmstens das BIMC Hospital Nusa Dua. Hier gelten fast schon westliche Standards und die Ärzte sprechen nicht nur fließend Englisch, sondern haben oft auch im Ausland studiert.

Mobil blieben wir die ganze Zeit über mit der SIM Karte von simpati. Diese hat Dom uns auf dem Weg nach Amed gekauft, da er sie als Einheimischer und nicht direkt am Flughafen deutlich günstiger bekommen hat, als wir: zwei Mal 7 GB für knapp 15€ . Am Flughafen hätten wir in etwa das Doppelte für jeweils 2 GB gezahlt.

Bei unseren Recherchen haben wir oft gelesen, wie schmutzig Bali und seine Strände doch seien. Da uns Länder wie Thailand oder vor allem der Vietnam und Kambodscha wohl sehr „abgehärtet“ haben, ist es uns nicht wirklich stark aufgefallen – im Gegenteil. Die Strände in Amed und Sanur waren jedenfalls sehr sauber und in Ubud oder sogar auf den Reisterrassen von Jatiluwih wird nach vier verschiedenen Müllarten getrennt. Das ist mehr als in manchen deutschen Städten … Ich vermute, dass die Strände in Kuta oder anderen Touristengebieten eher in die vermüllte Schublade passen.

Bali ist wirklich ein ganz zauberhaftes Fleckchen Welt und wird mir sehr prägend in Erinnerung bleiben … aber das kann ich wohl über jedes Land sagen 🙂

Nachtrag (11. März 2018): Arno und Anette haben uns tatsächlich in Stuttgart besucht und ich könnte nicht glücklicher sein! Bald geht es für mich dann auch mal in den hohen Norden.