Kosovo

Die Republik Kosovo, wie das Land heute offiziell heißt, hat regierungstechnisch wirklich schon einiges mitgemacht. Bis 1992 war sie Bestandteil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, nach der sie 1992 von der Konstituierten Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien abgelöst wurde, um 2003 offiziell wieder eine Teilregion der Republik Serbiens zu werden. Aus diesem Grund erhält jeder Bürger des Kosovo auch gratis eine serbische Staatsbürgerschaft geschenkt, obwohl die meistens niemand haben will. Zwischenzeitlich (von 1998 bis 1999) befand sich das kleine Land auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel auch noch im Krieg – dem Kosovo Krieg. Einem bewaffneten Konflikt zwischen der NATO und Serbien, in dem es Serbien um Macht und der NATO darum ging, Serbiens Armee zum Rückzug zu zwingen, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu vermeiden. Erschreckend, oder? Gerade einmal vor 20 Jahren herrschte in diesem Land noch Krieg. Die Unabhängigkeit von Serbien erlange der Kosovo schlussendlich am 17. Februar 2008, der bis heute nationaler Feiertag ist. Immerhin 112 der 193 UNO-Staaten erkennen aktuell diese Unabhängikeit an.

Heute hat der Kosovo 1,9 Millionen Einwohner, die sich auf eine Fläche von 10.908 km² verteilen. In wenigen Stunden hat man das Land tatsächlich komplett durchfahren. Ja, Stunden. Denn abgesehen von der neu gebauten Autobahn, die nach Albanien führt, sind die Straßen dort gar nicht mal so gut.

Im Kosovo spricht man entweder Serbisch oder Albanisch. Wer allerdings weiß, wie Albanisch in Albanien klingt, der darf sich nicht erschrecken: Im Kosovo klingt die Sprache sehr viel härter, grober und (Samandar, das ist nur für Dich) männlicher. In Pristina, der Hauptstadt, kommt man aber auch mit Englisch ganz gut durch. Sogar Deutsch verstehen und sprechen vereinzelt Bürger – auch auf den Dörfern. Bezahlt wird im ganzen Land mit Euro. Nicht, weil der Kosovo bereits EU-Mitglied oder Beitrittskandidat ist, sondern weil die Wirtschaft des Landes zu schwach für eine eigene Währung ist. So kam es auch, dass sie vor dem Euro mit D-Mark bezahlten.

Eine Staatsreligion hat der Kosovo nicht. Die Republik bezeichet sich als säkular und hat dies auch so in der Verfassung verankert. (Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende, religiöse Fragen verzichtet. Sie erwächst aus zwei Prozessen: zum einen aus der Säkularisierung, also dem mentalen Prozess der Entflechtung oder Trennung zwischen Religion und Staat, zum anderen aus der Säkularisation, dem konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Quelle: Wikipedia) Die meisten Kosovaren sind aber offiziell Muslime.

Hmm … was erzähle ich über Pristina … ich bin ganz ehrlich: Viel oder außergewöhnlich Schönes kann man hier nicht unbedingt sehen und machen. Eine geraume Zeit lang bin ich durch die Stadt geschlendert und habe wirklich versucht, Dinge zu sehen, über die ich schreiben sollte. Fehlanzeige.

        

Warum bin ich also in den Kosovo gereist? Zwei Mal sogar, um ehrlich zu sein. Das erste Mal (im August 2016) durfte ich das Land und vor allem seine Bürger kennenlernen, weil gute Freunde von mir dort geheiratet haben. Wenn man seine Wurzeln und Familie im Kosovo hat, ist es Tradition auch eine traditionelle Hochzeitsfeier vor Ort auszurichten. An genau dieser durfte ich damals mit wenigen anderen Freunden aus Deutschland teilhaben. Was ein Erlebnis! Aber davon werde ich nicht ohne Absprache mit dem Ehepaar berichten und deshalb gibt es hier auch vorerst keine Fotos davon 🙂

Das zweite Mal (im Mai 2018) bin ich in den Kosovo gereist, um meinen (allerliebsten) Cousin Samandar zu besuchen. Beide Male geschah die Anreise mit dem Auto – einmal aus Deutschland und einmal aus Albanien. Autofahren im Kosovo ist eine interessante Erfahrung und wenn man ausschließlich den deutschen Verkehr gewohnt ist, sollte man davon vielleicht absehen. Noch abendteuerlicher ist es nur in Albanien.

1991 ist ein Teil meiner Familie nach Albanien ausgewandert, um dort als Pionier das Land religiös und wirtschaftlich in der Entwicklung zu unterstützen. Vor etwa 10 Jahren ist Sam dann in den Kosovo gezogen und arbeitet nun dort für eine Organisation, die mit dem Gesundheitsministerium zusammen dafür sorgt, das Land in Hinsicht auf Gesundheit und Hygiene zu verbessern und modernisieren. Ich bin ziemlich stolz!

Vier weitere Highlights habe ich aber trotzdem für euch – des spannungsbogenhalber wollte ich euch Pristina zunächst schlecht reden:

1. Der Kaffee im Kosovo ist einer der besten, den ich jemals getrunken habe. Nicht der türkische Kaffee (aber nur deshalb, weil ich ihn allgemein nicht so gerne trinke), sondern der Latte Macchiatto. Im Ernst! Da kann Italien einpacken.

2. Ein Mittagessen in der Punjabi Kitchen.

3.  Nachtisch und – of course – Kaffee im Tartine Deli.

4. Pizza oder Pasta im Ponte Veccio: Zum Glück für den kulinarischen Gaumen hat Italien im Kosovo tiefgreifende Spuren hinterlassen.

Auf dem Rückweg nach Albanien habe ich noch einen kleinen Abstecher in Prizren gemacht. Etwa 45 Minuten vor der albanischen Grenze befindet sich dieses kleine historische Juwel und endlich gibt es was zu erzählen. Mit 85.000 Einwohnern ist Prizren, nach Pristina, die zweitgrößte Stadt des Landes. In den vergangenen Jahrhunderten war Prizren jeweils von großer historischer Bedeutung für das Land und vor allem den dortigen Handel. Heute ist die Stadt ein wichtiger Knotenpunkt, um den man nicht herum kommt, wenn man das Land passiert. Das kulturelle Zentrum des Landes hat eine wunderschöne und teilweise noch vollständig erhaltene Altstadt mit historischen Bauten und unzähligen Moscheen.

        

Die Festung von Prizren, mit ihren 525 m über dem Meeresspiegel, ist defintiv den mühsamen Aufstieg durch die engen Gassen und löchrigen Straßen wert. (Watch your steps!) Anfang der 2000er fanden Archäologen erstmals heraus, dass der Platz um die Festung schon seit der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) besiedelt ist. Viel zu sehen gibt es oben – wie zu erwarten – nicht, aber der Ausblick ist wirklich unbezahlbar. Auch auf dem Weg nach oben kann man immer mal wieder durch die Büsche am Wegrand spicken und wird mit einem wahnsinns Ausblick belohnt, der untermalt wird von asynchron geschalteten Imame der zahlreichen Moscheen der Stadt.

        

        

Ja, touristisch und landschaftlich hat der Kosovo nicht viel zu bieten. Allerdings hat das Land etwas ganz anderes zu bieten, das man in dieser Intensität nicht in allzu vielen anderen Ländern der Welt erleben darf: Gastfreundschaft und Wärme. (Und selbstverständlich diesen atemberaubend guten Kaffee!) Wo man auch hinkommt und wen man auch kennenlernt, man fühlt sich im Bruchteil von Augenblicken zugehörig und als Teil der Gesellschaft. Sei es bei einem Besuch im Ministerium, einem Kaffee in der Stadt oder einem Abschiedsessen einer Arbeitskollegin meines Cousins. Alle Menschen begegneten mir mit einem strahlenden Lächeln voller Herzlichkeit, Interesse und Offenheit. Und allein für dieses zauberhafte Dazugehörigkeitsgefühl lohnt sich ein Abstecher in dieses kleine Land schon.

Danke für Deine Wärme, kleiner Kosovo 🙂

Tirana, Albanien

Seit dem Sturz der kommunistischen Regierung 1991, wächst und gedeiht Albaniens Hauptstadt Tirana prächtig – um genau zu sein, hat sich seit damals die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Heute ist sie nicht nur politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landes, sondern auch kultureller. Museen, Theater, die Oper, … drapiert rings um den Skanderbeg Platz herum … hier ist für jedes Herz etwas dabei. Umgeben von Bergen und vor allem dem Hausberg Dajti bietet Tirana auch eine atemberaubend schöne Kulisse, um sich hier treiben zu lassen.

        

Tirana ist bunt. Nicht nur bezogen auf die Häuserfarben, sondern auch auf die Einwohner, die Religionen und das Wesen der Menschen. Das macht diese Stadt in meinen Augen zu einem ganz besonderen Juwel. Um diese Vielfalt und Lebensfreude zu unterstreichen, ließ z.B. ein ehemaliger Bürgermeister (der heute im Parlament sitzt) vor einigen Jahren mehrere Straßenzüge quietschbunt anmalen. Ohnehin war die Architektur der Stadt schon vorher etwas ganz Besonderes: die – wiederum – bunte Mischung aus Moderne, Balkan-Traditionellem und kommunistischem Plattenbau sieht einzeln und für sich gesehen vielleicht nicht sonderlich hübsch aus, ergibt sich aber in seiner Symbiose zu einem wirklich tollen Kunterbunt.

        

Die Nächte in Tirana sind ab Mai schon sehr heiß und windlos. Während meine Cousine und ihr Mann (Ohja, auch hier habe ich Familie!) noch mit dicker Decke und geschlossenen Fenstern schliefen, war es mir – deutscher Kartoffel – bereits mit nur Bettlaken und sperrangelweit geöffnetem Fenster schon viel zu heiß. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Air Condition.

Regelmäßige – unangekündigte – Stromausfälle sind hier an der Tagesordnung. Dies hat nicht immer etwas mit überlasteten Netzen zu tun, sondern auch gerne damit, dass Stromnetze erneuert und temporär einfach abgeschaltet werden. Natürlich nicht in der Nacht, sondern immer zu Zeiten, zu denen man duschen oder arbeiten muss. Auf fließendes Wasser muss die Stadt ebenfalls seit jeher verzichten. Das gibt es in ganz Tirana nicht. Hierfür stehen jedem Haus Wassertanks zur Verfügung, die meist auf den Dächern stehen. Bervor man also duschen will oder den Abwasch macht, muss man sie anschalten. Man sollte nur nicht vergessen, sie wieder auszuschalten: In der Zeit, in der sie aus sind, wird von unten Wasser zurück gepumpt. Vergisst man das, hat man schlichtweg auch kein Wasser mehr.

Albanien im Allgemeinen, aber Tirana im Besonderen ist sehr wissbegierig und hat nicht nur sehr viel Potential, sondern will es – meiner Meinung nach – auch nutzen. Es sind die kleinen Dinge, die deren Denkweise in meinen Augen sehr modern macht: Zum Beispiel ist jeder Straßenhund in Tirana ist kastriert und geimpft, jedoch frei und nicht eingesperrt. Es wird ein neues, modernes Stadtzentrum gebaut, aber nicht „auf“ das alte, historische Stadtzentrum, sondern daneben. Der Kommunismus hat dem Land vermutlich nicht viel Gutes gebracht, aber die Zahl der Analphabeten schrumpfte von über 80% auf nur 1-2%. An jeder Straßenecke sieht man Buchverkäufer, die ihre Ware auf dem Bürgersteig ausbreiten und lesehungrige Menschen glücklich machen. Außerdem lernen die Albaner nicht nur gerne von ihren Nachbarländern das Kochen, sondern perfektionieren es sogar noch. Und erst der Kaffee … im Vergleich zu Italien kostet hier eine frische Steinofenpizza aber nur etwa €2,00.

Im Folgenden erzähle ich euch von meinen Top 9 Dingen, die ihr in Tirana auf keinen Fall verpassen solltet:

9. Italienisch essen im Taiwan (Rinia) Park

Im Grunde könnt ihr überall gut (und sehr günstig) italienisch essen. Allerdings fand ich es wirklich schön, von der Terrasse des Casa della Pasta aus, mit Blick auf den Taiwan Park meine unglaublich leckeren Tortellini zu genießen und kann das nur empfehlen. So konnte ich auch mehreren Schulklassen dabei zuhören, wie sie die den Park nutzten, um albanische Gedichte oder andere Kunst vorzutragen. (Sorry, das Essen war so lecker, dass ich zu ungeduldig war, um vorher noch ein Foto zu machen.)

8. Frühstück im Stephens Center

Das 1994 als erstes Café in Albanien gegründete Stephens Center bietet alles, auf das man morgens oder auch mittags … oke … abends auch … so Appetit haben könnte. Das Frühstück hat es mir aber am meisten angetan. Chris und Laura kamen 1993 als Missionare nach Albanien, um den Menschen ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten und natürlich, um ihnen von Jesus zu erzählen. Keine Sorge, man wird weder bekehrt, noch belästigt. Das Essen ist super lecker und nebenbei finanziert man mit seinem Besuch auch noch diverse Wohltätigkeitsaktivitäten.

7. Getting lost und die Stadt auf sich wirken lassen

Natürlich gibt es die ein oder andere Sehenswürdigkeit in Tirana, aber sie sind alle sehr überschaubar und halten sich in Grenzen. Ich habe es vor allem genossen, einfach einen ganzen Tag durch Tirana zu laufen, hier und da – wie sich vermutlich erahnen lässt – eine (oder auch zwei) Kleinigkeit zu essen, weiter zu schlendern und die Stadt einfach auf mich wirken zu lassen.

        

        

        

6. Die Aussicht genießen auf dem Skytower

Wer schon den ein oder anderen meiner Blog-Posts gelesen hat, weiß, dass ich ein riesiger Fan von Aussichtsplattformen aller Art bin. Solch eine habe ich natürlich auch in Tirana gefunden: Es ist das 17. Stockwerk des Sky Tower. Mit seinen ca. 65 Metern Höhe war es damals – im Jahr 2000 -, als es gebaut wurde, das höchste Gebäude in ganz Albanien! Der Eintritt ist frei und man erreicht die Plattform ganz einfach über einen (verglasten) Aufzug.

        

        

5. Byrek essen bei Castit

Je öfter ich diesen Post Korrektur lesen, umso stärker fällt mir auf, dass ich schon wieder nur von Essen rede (#sorrynotsorry), aber wie kann ich auch anders, wenn es einfach so viel Gutes davon zu berichten gibt?! Und so geht es bei meinem Platz 5 – oh Wunder – wieder um Essen: Byrek. Das beste Byrek, das ich in Tirana aß, war definitiv das von Castit. Vermutlich ist „Castit“ gar kein Name, aber ich tu einfach mal so, weil das dann so klingt, als wäre er mein bester Freund geworden. Castit findet ihr auf der Rruga Bardhok Biba – grüßt ihn lieb von mir, wenn ihr in gefunden habt!

4. Parku i madh i Tiranes / Parku i Liqenit

Dieser Park hat es ab dem ersten Schritt auf meine Liste der Happy Places geschafft – und zwar ziemlich weit nach oben. Über zwei Stunden habe ich einfach Parkbankhopping gemacht, mich von meinen Gedanken durch den Park träumen lassen und über all die Entspanntheit sogar vergessen, viele Fotos zu machen. Wenn das mal nicht einiges heißt … tatsächlich ist dieser Park einer der wenigen Orte, dessen Stimmung meine Kamera vermutlich nicht ausreichend hätte einfangen können. Seht einfach selbst!

        

        

3. Kaffee trinken (bei Sophie)

Wie sehr ich mich beherrschen musste, nicht in jedem zweiten Satz zu erwähnen, wie gut der albanische Kaffee ist … jetzt kann ich es ja endlich loswerden: ER IST EIN GESCHENK DES HIMMELS! Im Ernst. Die Italiener haben schon echt ein Händchen dafür, aber die Albaner haben seine Herstellung perfektioniert. Sophie Caffe ist der albanische Starbucks – nur viel leckerer und vermutlich deutlich weniger korrupt. Aber egal wo ich Kaffee getrunken habe, er war einfach göttlich.

2. Verteilerkasten-Schnitzeljad und die Straßenkunst von Tirana

Zu den etlichen Verschönerungsmaßnahmen der Stadt, gehört unter anderem auch das Bemalen von Verteilerkästen. Überall in Tirana ist ausnahmslos jeder Verteilerkasten angemalt und jeder steht unter einem anderen Motto. Es macht also eine Menge Spaß durch die Stadt zu schlendern und auf dem Weg Chewbacca, die Ducktales oder andere Kindheitshelden zu treffen. Ich könnte ein ganzes Fotoalbum mit Verteilerkästen anlegen … außerdem stößt man an jeder Ecke auf Kleinstraßenkunst, die immer wieder begeistert.

                  

        

                 

        

        

        

1. Familie dort haben

Mein unangefochtener Platz 1 hat ausnahmsweise nichts mit Essen zu tun und zeigt demnach deutlich, wie wichtig er mir sein muss (Wichtiger als Essen!): Familie! Es ist ein überaus großes Privileg, Familie auf der ganzen Welt verteilt und die Möglichkeit zu haben, sie in ihrer Welt zu besuchen. Nirgends ist man fremd, sondern überall Zuhause <3

        

        

Portugal

Als eines der einstmals ärmsten Länder Europas hat sich Portugal nach Ende der Diktatur und mit Einleitung der Demokratie 1974 sowie durch die Aufnahme in die Europäische Union 1986 erheblich weiterentwickelt. Dem Land geht es deutlich besser und nicht zuletzt durch den Tourismus hat sich die wirtschaftliche Lage stabilisert.

Portugal teilt sich auf in folgende Regionen: Alentejo, Algarve, Região Autónoma dos Açores, Centro, Lisboa, Região Autónoma da Madeira und Norte. Mein Roadtrip ging durch etwa die Hälfte des Landes, angefangen an der Algarve, durch Alentejo nach Lissabon, entlang der Küste und im Osten, entlang der spanischen Grenze, wieder in die entgegen gesetzte Richtung zurück.

        

        

Von Frankfurt Hahn aus, fliegt man in drei Stunden und für knapp € 100,00 in die Küstenstadt Faro. Faro ist ganz süß, aber hat an sich nicht allzu viel zu bieten, weshalb ich mich am nächsten Tag direkt in meinen Mietwagen gesetzt habe und Richtung Westen gefahren bin. Der Mietwagen inkl. Sprit für zehn Tage und die gesamte Strecke haben mich nur ca. € 150,00 gekostet. Der Sprit kostet zwar nicht viel weniger als hier bei uns, allerdings darf man auf den Autobahnen nur 120 km/h und auf den Landstraßen 90 km/h fahren, weshalb man zwangsläufig sehr spritsparend unterwegs ist. Wer sich die Maut auf den Autobahnen sparen will, sollte unbedingt Landstraße fahren. Eigentlich sollte man allgemein viel eher Landstraße fahren, da der Ausblick meist überragend schön ist! Geografisch und auch kulturell ist Portugal unabhängig von seinen Nachbarn und hat nicht nur eine reiche und einzigartige Kulturlandschaft entwickelt, sondern auch kilometerlange Sandstrände und beeindruckende Naturkulissen.

Meine liebste Reisezeit ist mal wieder die Zeit um Pfingsten. Die Strände sind leer und die Preise noch nicht an die Touristenmassen angepasst, aber doch ist das Wasser warm und die Sonne scheint den ganzen Tag. Genau mein Ding!

Lagos und die Algarve

Wer euch erzählt, Albufeira sei einen Besuch wert, der hat – please don’t hate me – einen ganz schrägen Geschmack. Ich glaube, es gibt kaum einen Ort oder eine Stadt dieser Welt, die touristischer und aufgesetzter ist als Albufeira. Also schnell weiter nach Lagos! Lagos ist ein nicht mehr ganz so kleines Fischerdorf, das außerhalb der Hauptreisesaison wirklich zauberhaft ruhig und malerisch verträumt ist.

         

        

        

Kleine, verwinkelte Gassen laden zum Umherschlendern ein und aus jeden Restaurant strömt ein anderer leckerer Duft. Um es vornweg zu nehmen: Wow! Kochen können die Portugiesen! (War ja klar, dass ich damit wieder anfange … )

        

        

Die Strände und Strandabschnitte, die man von Lagos aus erreichen kann, übertreffen all meine Erwartungen. Durchsichtig blaues Wasser, heller Sand und obendrein ist jeder Strand für sich besonders und anders. Viele von ihnen sind von Lagos aus fußläufig und defintiv einen Besuch wert. Lasst euch nicht zu sehr von den Bootsfahrern einlullen, die euch eine Tour durch die Höhlen anbieten wollen. Diese Spots sind meist voller Selfiesticks und Menschen und sehen nur auf gephotoshoppten Instagramposts romatisch aus.

Praia de Dona Ana
Praia do Camilo
Praia do Camilo – durch diese kleine Höhle gelangt man an einen weiteren, noch ruhigeren Strandabschnitt
Praia do Camilo
Praia da Marinha
Praia da Marinha
Praia da Marinha
Praia da Marinha

In wenigen Autominuten von Lagos aus erreicht man den südwestlichsten Punkt Europas (nicht zu verwechseln mit dem westlichsten Punkt Europas, der etwas weiter im Norden liegt, nicht ganz so spektakulär in Szene gesetzt wurde, aber nicht weniger schön bei Sonnenuntergang ist) – den Leuchtturm Cabo de São Vicente.

        

        

Der Vollständigkeit halber kann ich euch natürlich auch den westlichsten Punkt Europas nicht vorenthalten: den Cabo da Roca. Zu empfehlen wirklich zu Sonnenuntergang, wenn die Flut einsetzt, die meterhohen Wellen gegen die Felsen schlagen und man den menschenleeren Ort für sich genießen kann.

        

Weiter nördlich an der Westküste Richtung Lissabon habe ich dann aber meinen Lieblingsstrand gefunden: den Praia da Amoreira. Es ist kein klassischer Badestrand, weil bei Ebbe das Wasser schon wirklich sehr weit draußen ist und bei Flut die hohen Wellen es verbieten, zu schwimmen. Aber stundenlang dort zu liegen, dem Meer zu lauschen, der Strömung zuzugucken und mir den Wind um die Nase pusten zu lassen, hat mir ein strahlendes Lächeln auf’s Gesicht gezaubert. Der Strand ist aufgrund seiner Besonderheit sehr leer und ich war, neben ein paar Surfern, fast alleine. Noch heute kann ich das Meeresrauschen hören …

        

        

        

        

        

Jetzt geht’s aber wirklich weiter nach Lissabon! Den ganzen Blogpost über diese fantastische Stadt könnt ihr hier lesen 🙂

Sintra

Wer Portugal besucht, darf sich Sintra nicht entgehen lassen. Aber wer in Lissabon ist und nicht nach Sintra fährt, der hat wirklich einen guten Grund noch einmal zurück zu kommen. Von hier aus ist man auch fast am Cabo da Roca. Dieses kleine malerische Örtchen, umgeben von Pinienwäldern versprüht seinen ganz eigenen Zauber. Ich empfehle wirklich, mindestens eine Nacht hier zu bleiben, um die ganze Umgebung angemessen bewundern zu können. Angefangen beim UNESCO Weltkulturerbe Quinta da Regaleira, das Anfang 1900 erbaut und eröffnet wurde. Mit seinen unzähligen Tunnelsystemen und weitreichenden Parkanlagen, ist nicht nur das prunkvoll gotische Palastgebäude einen Halbtagesausflug wert. Hinter jeder Ecke entdeckt man immer andere kleine Kunstwerke oder mystisch religiöse Skulpturen. Die Hauptattraktion der Gärten ist der Initiierungsbrunnen. Der oft fotografierte Brunnen wurde trocken gelegt, vergrößert und damals möglicherweise für Kultzeremonien genutzt wurde. Spooky!

        

        

        

Ebenfalls nachhaltig beeindruckt hat mich der Palácio Nacional da Pena. Diese bunten Farben und vielseitigen Formen geben einem das Gefühl, in einem Märchen gelandet zu sein! Am Fuß des Berges, auf dem er errichtet wurde, kann man für ein paar Euro in einen Shuttlebus einsteigen, der zum Palast fährt. Ich bin aber der Meinung, dass man sich den Spaziergang durch die liebevoll angelegten Parkanlagen nicht entgehen lassen sollte. Es ist wirklich wunderschön! Natürlich ist auch die Aussicht von oben absolut sehenswert und rechtfertigt den etwas längeren Aufstieg. Immer wieder beeindruckend, wie solche Kunstwerke vor 200 Jahren ohne unsere heutige Technik und unsere Maschinen auf solchen Bergen errichtet werden konnten …

        

        

        

        

        

Évora

Évora ist klein, aber sehr fein und ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Viele Überbleibsel aus dem römischen Zeitalter, die historische Innenstadt und vor allem die Kathedrale (Und die Tatsache, dass man bis auf’s Dach steigen kann!) beherbergen einige Sehenswürdigkeiten, die man hervorragend mit einem Spaziergang durch die Stadt und einem Mittagessen verbinden kann.

        

        

        

        

        

Castro Marim

Die Kleinstadt mit fast 3.300 Einwohnern hat touristisch, außer Burgruinen, nicht viel, dass es zu besichtigen lohnt. Allerdings strahlt dieses kleine Örtchen so unendlich viel Ruhe und Frieden aus, dass ich tatsächlich beschloss, meine letzte Nacht in Faro nicht-kostenfrei zu stornieren und eine weitere Nacht hier zu bleiben, um mein Herz in der Sonne baumeln zu lassen.

        

        

        

Kanarische Inseln

Zu welchem Land gehören eigentlich die Kanarischen Inseln? Politisch gesehen gehören sie zu Spanien, geographisch allerdings zu Afrika und wenn man es ganz genau nimmt, gehören sie biogeographisch zu Makaronesien („gesegnete, glückliche Inseln“), zu dem auch Inselgruppen wie die Kapverden oder die Azoren gehören. Die Kanaren bestehen insgesamt aus sieben Hauptinseln und sechs Nebeninseln – allesamt sind sie vulkanischen Ursprungs und entweder erst kürzlich erloschen oder bis heute noch aktiv. Die ältesten Inseln sind Fuerteventura und Lanzarote, die einst sogar nur eine Insel waren.

Da die Kanaren politisch zu Spanien gehören, kann man sowohl mit dem Personalausweis einreisen als auch kostenlos (je nach Vertrag) mit seinem Handy telefonieren und surfen.

Bekannt unter den „Inseln des ewigen Frühlings“, würde ich sie heutzutage umtaufen in die „Inseln des ewigen Sommers“. Seit etwa drei Jahren leiden die Kanaren unter einer Dürre und Temperaturen von teilweise über 50° Grad. (Dear Mr. Trump, there IS something like climate warming!)

        

Über Silvester und bis Mitte Januar fliege ich nach Gran Canaria, Lanzarote und fahre spontan mit der Fähre nach Fuerteventura. Da ich gerne flexibel und unabhängig bin, habe ich mir für jede Insel einen Mietwagen gebucht. Für meinenTagesausflug nach Fuerteventura nehme ich das Auto auf der Fähre mit – allerdings muss man das vorher mit seiner Mietwagengesellschaft abklären, da sonst unter Umständen die Versicherung unwirksam wird. Ein kurzer Anruf bei meinem Anbieter Cicar und die Überfahrt wird kostenfrei dazu gebucht. Von Gran Canaria nach Lanzarote nehme ich die kleine Propellermaschine, die mehrmals am Tag von Insel zu Insel fliegt.

Gran Canaria

Keinen Kilometer kann man auf Gran Canaria zurücklegen, ohne nicht wenigstens 20 Fahrradfahrern und 15 Joggern zu begegnen. Unterscheiden, ob es Kanarios oder Touristen sind, kann man wirklich nicht. Die Menschen auf dieser Insel scheinen unglaublich sportlich zu sein. Auch kann man kaum Kilometer zurück legen, ohne nicht an mindestens fünf riesen großen Einkaufszentren vorbei zu fahren. Eine Einkaufsmeile, wie wir sie in Deutschland kennen (und lieben), gibt es hier nirgends. Verständlich, wenn man bedenkt, dass es von April bis November 2017 nicht unter 42° Grad heiß war und die Einkaufszentren gut klimatisiert werden.

        

Wer, wie ich, Silvester auf einer der Inseln verbringt, der sollte wissen, dass die Insulaner das Fest sehr ernst nehmen. Fast alle Restaurants haben für diesen Abend geschlossen und die Gastronomen verbringen den Abend im Kreise der Familie. Auch der 01. Januar ist Feiertag, weshalb alles nördlich Maspalomas‘ wie ausgestorben ist.

Mit meinem kleinen Fiat 500 plane ich zwei Tagestouren über die Insel. Die erste Tour ist etwa 200 km lang, dauert trotzdem – mit vielen Foto- und Essenspausen – den ganzen Tag, da die serpentinenartigen Straßen nicht schneller als mit 30 km/h befahren werden können. Je weiter ich den Vulkan hoch fahre, desto deutlicher wird, dass Gran Canaria mehrere Klimazonen hat. Im Süden strahlt die Sonne und man kann in Badesachen am Strand liegen, während man im Outback Pullover und Softshell einpacken sollte, um dem Wind zu trotzen.

Von Agüimes aus fahre ich durch Santa Lucia nach San Bartolomé de Tirajana. Das Dorf ist umgeben von den höchsten Bergen der Insel und ganz in der Nähe des berühmten Roque Nublo. Von dessen Parkplatz aus mache ich mich auf die zweistündige Wanderung zu Gran Canarias Wahrzeichen. Wer nicht so viele Fotopausen einlegt, nicht auch abseits des Weges etwas klettert oder am Ziel nicht so lange den Ausblick genießt, schafft den Weg auch in der Hälfte der Zeit. Ich rate dazu, morgens / vormittags zu kommen, da ich die Wanderung und den Roque Nublo fast für mich alleine hatte und auf dem Rückweg schon die Touristenbusse Schlange standen.

        

Die Wanderung und die Umgebung des Roque Nublo ist absolut traumhaft und mein Lieblingsort der Insel. Ihr solltet also Zeit mitbringen, um diesen Ort und den Ausblick auch zu Genüge genießen zu können.

        

Mein nächster Halt ist der Pico de las Nieves, mit 1.949 m der höchste Punkt der Insel und die Spitze des heute erloschenen Vulkans, aus dem die Insel besteht.

Der Aussichtspunkt Degollada de Becerra bietet das wohl bekannteste Panorama der Insel. Von hier aus fahre ich nach Tejeda, einem wirklich schönen, kleinen Dorf, das Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist. Ein Restaurant reiht sich an das nächste und so beschließe ich, hier meine Mittagspause zu verbringen. Den Tag beende ich mit der landschaftlich traumhaften Fahrt von Tejeda nach Maspalomas und dem Überwinden des dort aufgefangenen Kulturschocks in Meloneras.  Die Düne von Maspalomas ist ganz nett und nicht ganz so schrecklich überlaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Trotz allem, ist Maspalomas mein wahrgewordener Albtraum. So in etwa stelle ich mir die Schinkenstraße auf Malle vor. Schnell weg!

Meine zweite Tagestour, mit einer Länge von ca. 250 km, führt mich von Puerto de Mogan in die Region Artenara. Das Höhlendorf Acusa Seca (bei Kilometer 12,3 der GC-210) wurde bereits von Ureinwohnern Gran Canarias bewohnt und ist es auch heute noch. Neben Wohnhäusern befinden sich hier Getreidespeicher und auch Grabkammern. Der Blick ist atemberaubend schön und da die Fahrt dorthin nicht ganz ungefährlich ist, hat man auch hier seine Ruhe vor Reisebussen, die die Straße nicht befahren können.

        

        

Die Stauseen im Gebirge sind aufgrund der letzten Jahre leider so gut wie ausgetrocknet und kaum mehr vorhanden. Traurig, wenn man sieht, wie hoch hier Jahrhunderte lang der Wasserstand stand, der das Umland versorgen muss, und jetzt lediglich noch eine kleine Pfütze zu erahnen ist.

        

Meine Tour führt mich über Teror, auf den Pinos de Galdar, der einen großartigen Blick auf die umliegenden Kieferwälder bietet (Wie ihr seht, ich liebe Aussichtspunkte.), zur Hochebene Vega de Acusa.  Die Strecke von La Aldea de San Nicolas, durch Mogan, zurück nach Puerto de Mogan, ist so schmal und kurvig, dass auch hier keine Busse fahren können und dürfen. Die Fahrt bietet wieder fantastische Ausblicke, die sich hinter jeder Kurve selber übertreffen.

Bevor ich mich selber ausgiebig mit der Insel beschäftigte und dann auch selber vor Ort war, war Gran Canaria für mich eine weniger attraktive Deutschland-Touristen-Insel. Doch hat diese kleine Insel so viel mehr zu bieten, als nur den Strand von Maspalomas! Faszinierende und vielfältige Landschaftsbilder warten nur darauf bewandert zu werden.

Lanzarote

Am 01. Januar lande ich auf Lanzarote und wie erwartet, ist Arrecife, die Hauptstadt der Insel, auch hier wie ausgestorben. Aber das ist nicht weiter schlimm: Die Sonne scheint, ich spaziere durch die menschenleere Stadt, hinauf in den 17. Stock des Grand Hotels am Stadtstrand und genießen die Ruhe. Lanzarote verspricht deutlich ruhiger und entspannter zu werden, als Gran Canaria.

        

        

Man sagt, der schönste Strand der Insel sei der Playa del Papagayo und davon will ich mich selber überzeugen. Ich bin froh einen Mietwagen (mit Unterbodenversicherung) zu haben, denn weder öffentliche Verkehrsmittel noch Taxen fahren diesen Strand aufgrund des sehr steinigen und löchrichgen Anfahrtswegs an. Also entweder hat man einen Mietwagen oder man darf die 5 km zu Fuß in der brennenden Sonne laufen. Mit dem Auto zahlt man € 3,00 Wegzoll. Der Strand ist wirklich schön, sehr sauber und aufgrund der Anfahrt ganz und gar nicht überfüllt. Ein kleines Restaurant gibt es auch. Der gesamte Strandabschnitt besteht aus acht Stränden und ist seit einigen Jahren Monumento Natural de Ajaches, weshalb die Straße – Gott sei Dank – so belassen wird, wie sie ist. Mein liebster dieser Strände ist der Playa de Mujeres. Hier ist es aufgrund der Breite des Strandes noch ruhiger und entspannter.

        

Der Playa de Famara in der gleichnamigen Stadt Caleta de Famara ist perfekt für Wassersport, allerdings ist Schwimmen hier aufgrund der starken Unterströmung verboten. Entsprechend windig ist es auch am Strand, weshalb man sich hinter kleinen Sandhaufen schützen und die Handtücher mit Steinen beschweren sollte.

        

Den Sonnenuntergang genieße ich bei Meeresrauschen in El Golfo. Das kleine Dörchen besteht quasi nur aus Restaurants und die Häuser sind nahezu alles Ferienhäuser.

        

        

Wo man auch ist, ist César Manrique – der Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer, der Lanzarote und seine Sehenswürdigkeiten geprägt und kreiert hat. Zu seinen Meisterwerken gehört unter anderem die Jameos del Agua. Der Lavatunnel diente einst als Müllhalde und wurde von César Manrique zu einem Kunstwerk umgebaut, das nun auch ganz seltene Albinokrebse beheimatet, die ansonsten nur in über 2.000 m Tiefe zu erahnen sind. Angebaut ist ein kleines Museum über die Geschichte der Vulkane und der Kanarischen Inseln. Tagsüber ist das Ganze schon wirklich schön anzusehen, doch ich kaufe Karten für ein mehrgängiges Dinner bei Nacht, gefolgt von einem Konzert in den klangstarken Hallen des Lavatunnels. Klingt nicht nur unfassbar schön, sondern war es auch. Das Essen war super lecker und konnte am Vorabend noch auf individuelle Wünsche angepasst werden. Nach dem etwa zweistündigen Essen, bleibt genügend Zeit, die mit Licht in Szene gesetzten Höhlen und das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Wir sind etwa 30 Personen, verteilt auf das ganze Gelände. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie traumhaft dieser Abend war.

        

        

        

Ein weiteres Werk des Künstlers César Manrique ist der Jardin de Cactus, ein großer Kakteengarten, der in einen offenen Steinbruch hinein gepflanzt wurde. Das kleine Restaurant bietet Speisen und Getränke und die Idylle lädt zum Verweilen ein. Über 7.200 Pflanzen kann man hier bestaunen.

        

        

Auf den Spuren César Manriques führt mich der Weg ganz in den Norden Lanzarotes auf den Mirador del Rio, von dem aus man auf 475 m Höhe einen guten Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa hat. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kombitickets für einige Sehenswürdigkeiten zu kaufen. Dies lohn sich allerdings nicht immer und sollte vorher einmal berechnet werden. Ich hätte beispielsweise € 8,00 drauf gezahlt, hätte ich ein Kombiticket gekauft.

Die Cueva de los Verdes ist ebenfalls ein Lavatunnel, der beim Ausbruch des Montaña Corona geformt wurde. Das Innere ist ausgebaut zu einem Rundgang, der in der Mitte zu einem Veranstaltungsgemäuer führt, in dem regelmäßig klassische Konzerte stattfinden. Die Führung ist ganz nett und findet ihren Höhepunkt bei einer optischen Täuschung – aber mehr soll nicht verraten werden.

        

        

Lanzarote ist bekannt für seinen Wein. Allerdings wird der hier nicht, wie bei uns in Deutschland auf Weinbergen angebaut, sondern in durch Steinmauern geschützten Löchern. Die Weinlandschaft ähnelt einer verkraterten Mondlandschaft, an der man sich nicht satt sehen möchte.

        

Im Nationalpark Timanfaya, der auch Montañas del Fuego genannt wird, fühlt man sich dann endgültig in eine andere Welt versetzt. Wandern ist hier strinkt verboten und durch den Park kann man nur mit einer geführten Bustour. Absolut verständlich, wenn man bedenkt, dass die Erde hier so heiß ist, dass nicht nur die Schuhsohlen schmilzen können. Wenige Meter unter der Erde, ist es bereits so heiß, dass Stroh direkt anfängt zu brennen oder man sein Essen problemlos mit dieser Hitze grillen kann.

        

        

Es empfiehlt sich wirklich, direkt um 9.00 Uhr am Park zu sein, da man ansonsten sehr lange warten muss. Im Bus würde ich mich in Fahrtrichtung rechts setzen, da hier ein kleines bisschen bessere Sicht ist. Den Eintritt kann man nur bar entrichten und es gibt auch keinen Geldautomaten in Laufnähe. Folgt man bei Ausfahrt der Straße ein kleines bisschen weiter, so kommt man an das Informationszentrum des Parks. Ein wirklich sehr informativer Aufenthalt, auch wenn das Gebäude ein bisschen in die Jahre gekommen ist.

        

Ein weiterer Nationalfeiertag auf den Kanaren sind die Heiligen drei Könige (06. Januar). Dieses Fest ist den Insulanern wichtiger als Weihnachten. Wenn man Glück hat, kann man an einer der Paraden ihnen zu Ehren teilhaben. Als Weihnachtsmänner verkleidet tanzen Menschen, gefolgt von Konfetti- und Bonbonkanonen, überdimensional großen Comicfiguren und selbstverständlich den Heiligen Königen, die auf Dromedaren reiten, durch die Straßen. Nach der Parade versammelt sich das Dorf auf dem Dorfplatz, wo die Heiligen Könige an die Kinder Süßigkeitentüten verteilen. Sehr amüsant zu beobachten! Die Paraden finden meist am 05. Januar statt und zum Frühtück des 06. Januars gibt es ganz besondere Leckereien …

        

        

        

Von diesen drei Inseln hat mir Lanzarote am besten gefallen. Die Menschen wirken ausgeglichen und glücklich, lachen viel und sind sehr herzlich. Der Tourismus hat hier noch nicht so viel Unruhe reingebracht, wie auf Gran Canaria. Lanzarote bietet auch einige Wanderwege, die aber vermutlich nicht ganz so beeindruckend sind, wie Gran Canarias Hochland.

Fuerteventura

Die Tickets für die Fähre nach Fuerteventura kaufe ich ganz entspannt morgens am Hafen von Playa Blanca. Hierzu benötige ich meinen Pass (oder Personalausweis) und das Kennzeichen des Autos. Auch die Rückfahrt muss ich im Vorfeld festlegen – eine Umbuchung ist zwar möglich, aber in meinem Fall war die spätere Fähre schon ausgebucht. Um 9.00 Uhr geht es also mit der ersten Fähre des Anbieters Armes in 35 Minuten Fahrt auf die Insel und um 18.00 Uhr wieder zurück nach Lanzarote.

Schon bei der Ankunft fällt mir auf, dass Fuerteventura deutlich schmutziger ist als Lanzarote und überall kleinere Müllhaufen am Straßenrand herumgeweht werden.

        

Meine Tour führt mich zuerst nach Betancuria. Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt von Piraten zerstört und musste von den Anwohnern neu aufgebaut werden. Heute ist sie die historischste und schönste Stadt der Insel.

Entlang des Vego de Rias Palmas gelange ich zum Mirador las Peñitas, von dem aus ich den Blick auf das Tal der tausend Palmen genieße. Tausend Palmen sind es zwar mit Sicherheit nicht, aber der grüne Fleck in mitten der Wüstenlandschaft ist hübsch anzusehen.

        

Fährt man die Straße noch ein kleines Stück weiter, erreicht man den nächsten Aussichtspunkt: Mirador del Risco de las Peñas. Vom Parkplatz aus kann man eine kleine Wanderung an die Klippe machen, um so einen fantastischen Blick bis hin zur Küste zu genießen.

        

Über Pájara, auf ein Mittagessen an der Küste von El Cotillo, fahre ich in Fuerteventuras Nationalpark und seinen Dünenlandschaften. Die Küsten sind gefüllt von Kites und Surfern. Bei dem Wind ist es das absolute Paradies für diese Art von Wassersport! Die Dünen sind weitaus Größer als die auf Gran Canaria und die Stimmung deutlich entspannter. Der Wind pfeift den Sand um die Ohren und verwandelt die Wellen in lautes Rauschen.

        

        

Die letzten 1.5 Stunden, bevor die Fähre ablegt, versuche ich mir in Corralejo zu vertreiben. Allerdings gestaltet sich das Vorhaben als schier unmöglich. Kein Café hat geöffnet, die Städte der Insel sind wie ausgestorben, es ist zu windig, um am Strand zu liegen und surfen kann ich leider auch nicht. Für Surfer oder Kiter muss es das absolute Paradies sein, aber wer kein Strandwetter hat, kann auf Fuerteventura neben ein paar historischen Mühlen (jedes kleinste Dorf wirbt mit seinen eigenen … ) nicht sehr viel erleben und wird merken, dass ein paar Stunden völlig ausreichen.

Lissabon, Portugal

Die Vielfalt der Geschichte Lissabons spiegelt sich nicht nur in der Meeresoberfläche, sondern auch in den Menschen und der Architektur wider. Gut die Hälfte der 500.000 Einwohner, sind keine Portugiesen. Schwarz und weiß werden zu bunt, arm und reich verschmilzen quasi ineinander und ich kann mir keinen passenderen Ort vorstellen, an dem die melancholisch-theatralische Fado Musik ihren Ursprung haben könnte. Dass die Hauptstadt Portugals auf sieben Hügeln erbaut wurde, merkt man unausweichlich, sobald man einfach nur „gemütlich durch die Stadt bummeln“ oder mit einer der vielen Trams einen Ausflug machen möchte. Nachdem 1755 das Zentrum Lissabons, die Baixa, durch ein Erdbeben zerstört wurde, hat man dort nicht nur die Bauweise verändert und das Viertel schachbrettartig angepasst, sondern auch die Straßen verbreitert und große, prachtvolle Plätze angelegt. Dies wird deutlich, wenn man aus der Alfama, dem ursprüglichsten Stadtteil, einen Spaziergang durch die Baixa ans Meer macht. Kleine, verwinkelte Gassen, durch die kaum zwei Menschen nebeneinander passen, mit Häusern, von denen charmant der Putz bröckelt, werden zu weiten, neoklassizistisch vergoldeten Prunkbauten und weißen Höfen. Typisch für die Stadt sind ihre mit bunten Kacheln wunderschön verzierten Häuser – die Azulejos.

        

In diesem Beitrag stelle ich euch meine Top 9 Aktivitäten in Lissabon vor. Eine Stadt, die wahrlich mein Herz erobert hat. Wir waren über Pfingsten hier – meine liebste Reisezeit, da die meisten schon im Skiurlaub waren oder den Sommer im Ausland verbringen, hat man das Land fast für sich alleine. Via Airbnb durften wir im Herzen der Alfama schlafen und das Flair hautnah miterleben. Wer sich in Metropolen in teure Hotels einbucht, um in der Innenstadt zu sein, ist selber schuld 🙂 Leider sind mir einige Fotos aus Lissabon abhanden gekommen, aber da ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier sein werde, verspreche ich Dir, sie nachzureichen.

9. Elevador de Santa Justa

Der 1902 erbaute und 45 m hohe Elevador de Santa Justa verbindet die Innenstadt Baixa mit dem höher gelegenen Stadtteil Chiado. In der Mittagsonne stehen sich die Touristen die Beine in den Bauch und man darf mit sehr langen Wartezeiten rechnen. So gilt: nicht zu spät aufstehen und nach dem Frühstück direkt dorthin. Die Fahrt an sich ist nicht unbedingt spektakulär, da man die Plattform ebenso über Chiado – kostenlos – erreichen kann, aber der Blick ist wunderschön. Die leise vor sich hin dudelne Fado Musik begleitet die kurze Fahrt nach oben. Mein Tipp: Kauft euch ein Tagestickt für die öffentlichen Verkehrsmittel (ca. € 6,00). Dieses ist 24h ab dem ersten Stempeln gültig – auch für alle Aufzüge der Stadt und die historische Tram 28. Spart Geld und Zeit.

        

8. Street Art

Auch Lissabons Häuserwände spiegeln die Vielfalt und das Leben wider. Die Street Art Szene ist eine ganz besondere! Alles, was Fläche bietet, wird kurzerhand bunt. So bunt, dass eigene Stadttouren zu ehren der Street Art Szene angeboten werden. Doch auch ohne Tour, entdeckt man ein Kunstwerk nach dem anderen.

        

        

7. Castelo de São Jorge

Die Burg wurde vor dem 11. Jahrhundert erbaut und ebenfalls bei dem großen Erdbeben 1755 weitesgehend zerstört. Dennoch ist der Ausblick über die Stadt und ihre rot-braunen Dächer unbezahlbar und den Aufstieg (und die € 8,00 Eintritt) wert.

        

        

        

6. Tram 28

Eine Fahrt mit der historischen Tram 28 wird nicht ohne Grund in jedem Reiseführer empfohlen. Etwa 45 Minuten lang dauert die Fahrt von einer Endstation zur anderen. Quietschend schlängelt sie sich nur wenige Zentimeter von der Fassade entfernt durch die hügelige Stadt und ermöglicht eine schöne Rundfahrt durch die verschiedenen Stadtviertel. Auch hier gilt: früh aufstehen oder in der prallen Sonne Schlage stehen. Die Fahrt ist mit dem Tagesticket ebenfalls kostenlos.

5. Miradouro-Hopping

„Miradouro“ bedeutet Aussichtspunkt und von denen hat die Stadt einige zu bieten. So kann man sich vielerorts nach anstrengenden Aufstiegen mit einem kalten, frisch gepressten O-Saft oder Ausblicken von den unterschiedlichsten Winkeln der Stadt belohnen.

        

        

4. Miradouro São Pedro de Alcântara

Zweifelsohne der schönste Aussichtspunkt ist der Miradouro São Pedro de Alcântara. Von diesem zweistufig angelegten Platz hat man einen wahnsinns Blick auf das Castelo de São Jorge und die Stadt mit allen ihren Stadtteilen. Bei unserem Besuch eröffnete gerade ein Handwerkskunstmarkt mit vielen, lokalen Leckereien und handgefertigten Schmuckstücken. Auch Künstler tummeln sich hier und wir kamen nicht umher, uns ein Kunstwerk für Zuhause mitzunehmen.

        

3. Wander around to get lost

In keiner anderen Stadt der Welt haben wir uns bewusst so gerne und oft verlaufen, wie in Lissabon. Hinter jeder Ecke entdeckt man neue Schätze, herzlichste Gastfreundschaft, atemberaubende Ausblicke oder gutes Essen. Und hinter jeder Ecke ist ein kleines Stück meines Herzens verloren gegangen. Lissabon, ich komme wieder!

        

        

2. Essen! Essen! Essen!

Natürlich … wie könnte es auch anders sein, wenn ich mich in eine Stadt verliebe? Es geht um Essen. Portugal liegt aktuell auf meinem Platz #1 der Länder des guten Geschmacks (Sorry, Italien!). Ich bin – noch – wirklich kein großer Fan von Fisch oder Meeresfrüchten, aber sogar ich habe mich in den fangfrischen Lachs verliebt. Oder die frischen Früchte. Oder das gute Fleisch. Oder … naja … probiert einfach selbst. Dadurch, dass vieles vor Ort angebaut und gezüchtet wird, fallen auch die ganzen Importkosten weg und am Ende des Tages ist in der Reisekasse noch mehr Geld für … naja … Essen.

        

        

1. Lisboa Tu & Eu

Wo wir gerade beim Essen sind, darf auch unser bisher absolut bester Restaurantbesuch of all time – und was die deutsche Sprache sonst noch so für Superlative hergibt – nicht fehlen: Das Lisboa Tu & Eu. Unser Airbnb Host Kleber legte es uns direkt bei Anreise ans Herz. Ein klitzekleines Restaurant mit Platz für etwa 10 Gäste, das man im Vorbeilaufen übersehen würde, wenn es aus der Küche nicht so herrlich duften würde. Geführt wird das Lokal von einer kleinen, alten Dame, die nach dem Tod ihres geliebten Mannes das Umland verlassen hatte, um in der großen Stadt einen neuen Lebenssinn zu finden und sich über den schmerzlichen Verlust hinweg zu trösten. In dem sie täglich vielen Menschen glückliche Gesichter und volle Mägen zaubert, hat auch sie ihr hinreißendes Lächeln wieder gefunden. Die Wand des Restaurants ist das Gästebuch. Es erzählt von vielen Geschichten und magischen Begegnungen. Und so konnten auch wir es uns nicht nehmen lassen, uns zu verewigen. Gerührt von unserem „Eintrag“ holte sie ihren Kellner, um ihn ihm zu zeigen. Der machte große Augen, als er unsere Namen las und holte lachen sein iPad … sein Lieblingsmusiker: der Lateinamerikaner Mike Bahia. So lief für den Rest des Abends seine Mike-Bahia-Playlist rauf und runter und wir haben seitdem unseren eigenen Soundtrack.

        

        

Mehr über unsere Rundreise in Portugal erfahrt ihr hier.

Edinburgh, Schottland

Ich liebe Städtereisen: Über ein langes Wochenende raus aus dem Alltag und in eine neue Welt eintauchen. Neue Eindrücke sammeln und sich den Kopf frei pusten lassen – das windige Edinburgh ist prädestiniert dafür! So beschloss ich, relativ spontan, über die Feiertage Anfang Oktober vier Tage Schottland zu buchen. Eine Reise nach Schottland zu buchen ist relativ unkompliziert und simpel. Die Flüge waren schnell gebucht, das Airbnb bestätigt und die Vorfreude groß. Auch wenn das Land mit seinen 250 Regentagen im Jahr auf den ersten Blick und von Weitem nicht sehr einladend wirkt …

        

Warum ich mich für Schottland entschieden habe? Meine Familie väterlicherseits hat schottische Wurzeln und obwohl man nicht mehr genau nachvollziehen kann, welcher Stadt genau sie entspringen, war ich schon immer sehr neugierig auf das Land meiner Vorfahren, die damals als Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchten – und fanden.

        

        

So beschloss ich, Schottland nicht als Tourist kennen zu lernen, sondern noch echter und emotionaler als es mir ein Reiseführer jemals zeigen könnte. Ich kaufte mir lediglich eine Stadtkarte von Edinburgh und fragte vor Ort, angefangen bei meiner lieben Airbnb-Host Gill, Menschen nach ihren Lieblingsorten der Stadt. Dort angekommen, kam ich mit anderen ins Gespräch, die ich wiederum nach ihrem Lieblingsort fragte. Die Lieblingsorte durften alles sein: eine Bank, auf der Jelena ihren Verlobten zum ersten Mal sah, als ihr der Kaffeebecher umfiel, und er ihr Taschentücher anbot; ein Restaurant, das laut Albanam das beste Haggis der Stadt zubereitet; der Park, in dem Esmé jeden Morgen joggen geht, bevor sie zur Arbeit geht; das kleine Café um die Ecke, in dem Ginas beste Freundin arbeitet, um sich ihr Studium zu finanzieren; der Berg, von dem aus man, laut Donald, den schönsten Blick über die Stadt hat … einfach jeder Ort, der glücklich macht.

In diesem Blog Post erzähle ich euch von meinen Top 9 Lieblingsorten in Edinburgh, die ich aus den unzähligen Lieblingsorten derer ausgewählt habe, die mir Schottland zu einer ganz besonderen Reise machten.

 

9. Scottish Parliament und die vielen Museen

Das Schöne in Schottland – verglichen mit Großbritannien – ist, dass der Eintritt in alle Museen (und hier von gibt es so viele verschiedene!) und auch in das Scottish Parliament frei ist. So kann man überall reinschnuppern und wo man sich wohl fühlt, länger verweilen. Da fast alle Museen durch private Hand geführt werden, kann man jedoch am Ausgang einen freiwilligen Betrag in beliebiger Höhe spenden. Lediglich am Eingang zum Scottish Parliament wird man einer kleinen Personenkontrolle unterzogen – selbstverständlich. Das Gebäude ist wirklich schön, modern und es enthält ein großes, hübsch aufbereitetes Informationszentrum über das Parlament, seine Geschichte, Politik und Wahlen.

        

        

 

8. Dunbar’s Close Garden

Den Namen trägt der kleine Garten Dank der Straße, die von der Royal Mile abzweigt, zu ihm führt und im 17. Jahrhundert an das Grundstück des Anwalts David Dunbar grenzte (close bedeutet so viel wie Hausdurchfahrt). Er besteht aus mehreren Terrassen von verschieden angelegten Beeten, die zum stundenlangen Verweilen einladen. Zu meinem Glück hatte es nicht geregnet und ich ein Buch dabei (YAY!). In ganz Edinburgh fühlt man sich in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück versetzt. Zwischen all den alten Mauerwerken und engen Gassen, hat man das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben.

        

 

7. Calton Hill + Calton Public Park

Die kleine Wanderung der steilen Calton Hill Street lohnt sich auf alle Fälle (von der anderen Seite kann man auch mit einem Linienbus hoch fahren): ein grüner öffentlicher Park umringt die vielen Postkarten-Monumente und das Dugald Steward Monument bietet einen tollen Blick über die gesamte Stadt.

        

 

6. Pubs und Cafés

Edinburgh sprüht nur so vor bunten, thematisch unterschiedlichen Pubs und Cafés. Meine beiden Lieblingscafés waren das Treacle, das die leckersten (und größten) alkoholfreien Cocktails zaubert, die man sich vorstellen kann und das Circus, in dem ich den besten Kaffee des Vereinigten Königreichs trinken durfte (Nachtrag: Leider musste ich erfahren, dass es geschlossen wurde.).

        

 

5. Haggis

„Wow“, denkt ihr euch sicherlich,“Wie kann man Haggis auf Platz 5 stellen?! Sind das nicht Tierinnereien?“ Ja. Haggis besteht aus Schafsmagen, der mit Herz, Leber, Lunge und Nierenfett gefüllt wird. Oke. Das so ausgeschrieben zu sehen, klingt wirklich eklig. Aber – gut gemacht – schmeckt es einfach wie Hackbraten (aus Schaf allerdings). Zugegeben: Ich könnte es nicht jeden Tag essen, was aber allein der Vorstellung geschuldet ist, dass es Schafsinnereien sind. Den besten gibt es, meiner Meinung nach, im Angels with Bagpipes.

 

4. Deep Fried Mars Bars

Kennt ihr die Folge von King of Queens, in der Doug dieses Restaurant findet, in dem man alles frittieren kann – auch Mars-Riegel? Diese Folge ist etwa … puh … 15 Jahre alt. Seit dieser Ausstrahlung möchte ich unbedingt wissen, wie frittierter Mars-Riegel schmeckt und in Schottland wurde mein Traum endlich wahr! Wie er schmeckt? Meine über 15 Jahre angesammelten Erwartungen wurden nicht enttäuscht 🙂

        

 

3. Rätselabende, Table Top Cafés und Quiznights

In Edinburgh kann einem nicht langweilig werden, erstrecht nicht, wenn man ein kleiner Nerd ist (aber auch wirklich nur ein kleiner). Fast jeder Pub bietet an mindestens einem Abend der Woche Quiznights oder andere Rätselabende an. Einfach dazu setzen, mitmachen und neue Leute kennenlernen. Wer abends nichts mehr raus möchte, hat auch tagsüber die Chance, sich an einen Tisch in einem der vielen Table Top Cafés zu setzen und allerlei Brett- und Kartenspiele mit anderen Menschen zu spielen – aber Achtung, hier wird’s wirklich nerdig!

        

        

 

2. Arthur’s Seat + Holyrood Park

Mit einer Höhe von 251 m ist Arthur’s Seat der Hausberg Edinburgh und Teil des Holyrood Parks. Fast einen ganzen Tag lang bin ich hier spazieren gegangen und habe diese tolle Landschaft und den Blick von oben mit seiner unendlichen Ruhe auf mich wirken lassen. Dieses idyllische Fleckchen Erde zählt weltweit zu meinen absoluten Lieblingsorten. Selten strahlt ein Ort so viel Ruhe aus, die man mit jedem Atemzug inhalieren möchte.

        

        

        

        

 

1. Greyfriars Kirkyard + Greyfriars Kirk ( + The Elephant House)

Naja. Was soll ich sagen?! Ich liebe Joanne K. Rowling und die Harry Potter Bücher. Das Elephant House ist das Café, in dem sich J. K. Rowling jeden Morgen mit ihrem (damals noch) Baby einen Kaffee bestellte, um den ganzen Tag dort am Fenster zu sitzen, ihre Bücher zu schreiben und Heizkosten zu sparen, die sie sich nicht leisten konnte. Ja, natürlich musste ich mir dort einen Kaffee bestellen und am Fenster den Blick auf das Schloss genießen. Anschließend machte ich mich auf den, von dort aus, kurzen Weg zum Greyfriars Kirkyard. Auch J. K. Rowling tat das. Zumindest oft genug, um sich von den hier Ruhenden für die Namen vieler Protagonisten inspirieren zu lassen. Ich war erstaunt und erfreut zugleich, wie untouristisch doch alles ist – schließlich handelt es sich hier auch um einen Friedhof. Auf meinem Weg nach draußen lernte ich den 75-jährigen Donald kennen, der mich herzlich zu einem keltischen Gottesdienst in der Greyfriars Kirk einlud. Hier fühlte ich mich augenblicklich in einen Dan Brown Roman versetzt … Nach dem Gottesdienst sprachen wir lange über die keltische Geschichte und deren Traditionen und wie sie leider langsam auszusterben drohen. Diese Begegnung ist bis heute tief in meinem Herzen verankert (Donald war es auch, der mir die Wanderung zu Arthur’s Seat empfahl).

(Donald, if you might ever read this: Thank you so much for your time and for sharing all your thoughts and love!)

        

        

Danke, Schottland, dass Du ein Teil von mir bist.

Die Niederlande

Beim Aussortieren und Bearbeiten unserer Fotos ist mir bewusst geworden, wie froh ich bin, dass ich in den Niederlanden so viel Fahrrad gefahren bin. Würde man sich ausschließlich die Fotos angucken, könnte man meinen, ich hätte mich durch das Land gegessen und nicht gefahren – und eigentlich … stimmt das auch. Das Fahrrad waren sozusagen nur das Mittel zum Zweck.

        

Ich liebe dieses Land und seine Einwohner einfach so sehr, dass ich nicht oft genug dort sein kann. Also haben ich das Fahrrad ins Auto gepackt und beschlossen, das Land so zu erkunden. Dieses Mal nahm ich nicht meine Kamera mit, sondern lediglich meine kleine Digitalkamera, die in meine Jackentasche passt – was ihr vermutlich an der Qualität der Fotos erkennen könnt. Bitte verzeiht, aber hätte ich meine Kamera dabei gehabt, hätte ich täglich nur wenige Kilometer geschafft, weil ich an jeder Ecke hätte anhalten wollen. Mit der Digitalkamera war das Ganze weniger künsterlisch und mehr zweckmäßig, dafür habe ich mehr Strecke geschafft.

Im Vorfeld habe ich mich bewusst für zwei Stationen entschieden: Die eine nördlich und die andere südlich von Amsterdam, damit ich möglichst viel erfahren (Achtung, Wortwitz!) kann. Im Norden wählte ich das kleine, verträumte Dörfchen Jisp und das dortige Bed & Breakfast Het Lepelaarsnest. Jisp ist so klein, dass es nicht einmal die Niederländer wirklich kennen, aber es ist eine absolute Herzensempfehlung meinerseits. Es ist so ruhig und idyllisch und einfach … so wie man sich die Niederlanden eben vorstellt. Andre, mein Host, ist jeden Morgen für den Einkauf zu den lokalen Bauern, die jeden Morgen andere Zutaten vorbereitet und geernet hatten, aus denen er mir ein immer anderes, sagenhaftes Frühstück zauberte (oder auch zwei … einmal sogar auch drei – please don’t judge me!).

        

        

        

        

        

Ein Dorf weiter ist sein eigentlicher Betrieb: Ein Sternerestaurant. Das B&B betreibt er als Hobby und kleinen Traum, den er schon sein Leben lang hatte. Erst vor 1.5 Jahren kaufte er das Gut und baute es um. Dass es „nur“ ein Hobby ist, merkt man allerdings auch nur daran, mit wieviel Leidenschaft und Liebe er es betreibt, nicht daran, dass er es verwahrlosen lassen würde.

Von Jisp aus startete ich meine erste – und längste – Tour nach Zandvoort (und zurück). Als Kind bin ich schon einmal hier gewesen und in meiner Erinnerung war es zauberhaft, maritim und fast schon mystisch. Deshalb wollte ich es unbedingt nochmal sehen! Allerdings war hier der Weg das Ziel. Zandvoort ist mittlerweile zu einem touristenüberfüllten, rennautobegeisterten Betonklotzort geworden, der all seinen Charme nicht nur verloren, sondern im Meer ertränkt hat.

Der Weg dorthin war aber wirklich schön. Die Touren habe ich mir alle vorher mit dem Radroutenplaner zurecht gelegt und zwischendurch spontan mit Hilfe von Wegpunkten abgeändert. Ich empfehle die Strecke durch Haarlem, in dem man etwa zur Mittagessenszeit ankommt. Diese verbrachte ich in dem Café by LIMA mit leckeren Salaten und selbstgebrauten (alkoholfreien) Limonaden.

        

Die Strecke ist sehr abwechslungsreich. Durch Felder, über Flüsse, mit der Fähre, durch schöne Städte, entlang an Kanälen und am Ende über Sand, erreicht man schlussendlich das Meer. Wirklich viel kann ich dazu gar nicht sagen. Man sollte einfach mal mit eigenem Bewusstsein spüren, welch beruhigende Wirkung so ein Fahrradurlaub in den Niederlanden hat.

        

        

        

        

Wer mit dem Fahrrad da ist, darf die Fähre kostenfrei nutzen.

        

Warum vor einer Neuapostolischen Kirchen ein Einhorn steht, ist mir bis heute nicht ganz klar. Vielleicht ist das ihre Art von Trendmarketing, um neue Mitglieder zu generieren.

        

        

        

        

Ganz wichtig ist allerdings, dass man sich im Vorfeld über die Verkehrsregeln informiert und streng daran hält. Nur dann können es alle Verkehrsteilnehmer weiterhin auch in Zukunft wirklich genießen. Die Fahrradwege selber sind hervorragend gekennzeichnet, sodass man sich vorab nur die grobe Strecke überlegen und vor Ort dann von Wegpunkt zu Wegpunkt fahren muss. Bequemer und übersichtlicher kann es einem kaum gemacht werden. Danke, Niederlande, dafür!

Ich sage gerne: Wer in Amsterdam war, war nicht in den Niederlanden. Dieses Land hat so viel mehr zu bieten, als betrunkene Junggesellenabschiede, das Rotlichtviertel und seine Schaufenster, verdreckte Grachten oder Coffeeshops. Aber natürlich bin ich auch mal wieder nach Amsterdam, weil ein Freund von mir noch nie dort war und wir uns dort trafen. Mein Fazit teilt er allerdings, nachdem ich ihm einen kleinen Teil des Restlandes gezeigt habe. Sogar der berühmte Blumenmarkt, auf dem ich vor Jahrzehnten aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen bin, besteht mittlerweile nur noch aus wenigen Bruchbuden, an den man lediglich Touristenkrempel kaufen kann. So verbrachten wir nach wenigen, aber außreichenden Eindrücken den Tag mit Shopping und vor allem Essen.

Wer sich das Chaos nicht antun möchte, mit dem Auto nach Amsterdam zu fahren, dem empfehle ich das P&R Sloterdijk. Das Parken für 24h kostet 1€ und mit einer Tageskarte für 5€ pro Person fährt man mit dem Zug direkt ab dem (überwachten) Parkplatz innerhalb von wenigen Minuten in die Innenstadt.

        

        

        

        

        

       

Meine Lieblingsroute führte entlang dem Ijsselmeer nach Enkhuizen. Man kann fast die gesamte Strecke direkt am Meer entlang fahren, freut sich nach jeder zweiten Kurve über Rückenwind und kann den Rest der Zeit seinem Tacho dabei zusehen, wie der Gegenwind die Geschwindigkeit drosselt. Süß, wie sehr ich ihn vorab unterschätzte. Vorbei an Kitesurfern, vereinzelten Höfen, Windmühlen und den schönsten Landschaften mit einer Mittagspause in Hoorn, erreicht man Enkhuizen mit salzwassergetränkter Haut und Sand in den Haaren. Ganz so romantisch war es vermutlich nicht, denn der Gegenwind macht einem wirklich zu schaffen, aber dieser Weg ist so ein wunderschönes Ziel.

        

        

        

Mein südlich von Amsterdam gelegenes Lager war die Casa Julia in Delft. Von hieraus machte ich mich zuerst auf den Weg nach Den Haag. Die Top-Attraktion ist laut vielen das Madurodam – ein Miniaturwunderland einiger niederländischer Städte. Aber um ganz ehrlich zu sein, hat sich der Eintritt absolut gar nicht gelohnt. Vor dem Eingang sind viel zu wenige Fahrradständer und innen ist die Ausstellung nicht wirklich groß oder pfleglich behandelt. Viele der Interaktionen waren kaputt, das Wasser braun und die Bauten in die Jahre gekommen. Muss man nicht unbedingt gesehen haben.

       

        

        

Der Strand von Den Haag hatte es mir dann schon me(e)hr angetan. Ich fuhr noch weiter in den Süden, um von den Touristenstränden wegzukommen und wurde mit den schönsten und ruhigsten Stränden belohnt, die ich am nächsten Tag zu meinem Ziel machte. Und bis dahn? Ganz klar: Die kulinarischen Fähigkeiten der Niederländer auf mich wirken lassen.

        

        

Etwa 7 Kilometer von Den Haag entfernt liegt der Strandabschnitt Kijkduin, der mir von allen am besten gefiel. Hier hat man wirklich seine Ruhe und außer ein paar ortsansässigen Urlaubern den ganzen Strand für sich.

        

        

Delft selber ist es auch absolut wert Zeit zu verbringen. Mit einem großen Marktplatz in der Mitte, umrundet von Restaurants und winzigen Gassen an den Grachten bietet es eine einladene und entspannte Atmosphäre.

        

        

         

        

Naja … und man kann hier super essen!

        

        

Auf den Keukenhof und sein Blumenmeer wollte ich nicht verzichten und hatte Glück, denn ich war am letzten Öffnungstag der Saison dort. Ein wirklich schönes Gelände, aber wer hauptsächlich wegen ihm die Niederlande besucht, sollte deutlich früher anreisen, da die meisten Tulpen selbsterständlich schon anfingen abzublühen. Trotzdem kann man bei gutem Wetter – das ich hatte (das ich immer habe, wenn ich in den Niederlanden bin … ganz ehrlich, ich kenne die Niederlanden nicht bei Regen!) – gut und gerne ein paar Stunden durch die Anlage spazieren, begleitet von live Saxophon-Musik.

        

        

        

        

    

Auf dem Rückweg nach Delft fuhr ich durch die Stadt Leiden. Ganz im Gegenteil zu ihrem Namen, ist es dort wunderschön! Leider wurde es schon dunkel und ich konnte nicht allzu viel Zeit dort verbringen, außer das Abendessen in einem Restaurant, dessen Philosophie es ist: Menschen sollen nie alleine essen. Deshalb bestellt man dort nur Essensplatten für mindestens zwei Personen – wer alleine kommt, sucht sich einfach einen netten und bis dato noch fremden Essenspartner.

        

Die Hauswände sind geschmückt mit Gedichten – sogar mein Lieblingsdichter E. E. Cummings ist vertreten!

Zwei letzte Städte musste ich unbedingt nochmal sehen: Utrecht und Rotterdam. Zwei Gegensätze ihresgleichen. Utrecht als sehr historische, alte und geschichtsträchtige Stadt und Rotterdam als moderne und architektonisch bedeutende Metropole.

Da ich aber nicht allzu viel mit Architektur anfangen können (außer „schön“ und „nicht so schön“ oder „Ist das Kunst oder kann das weg?“), dafür umso mehr mit gutem Essen, habe ich die meiste Zeit des Tages (etwa 6 Stunden) damit verbracht, mich quer durch die Markthalle zu essen. Bevor ich danach aber zu vollgegessen wär, um auf den Euromast zu klettern, habe ich das davor gemacht. Auf 101 m Höhe kann man tatsächlich die ganze Stadt überblicken, da hier nicht sehr hoch gebaut wird und das gesamte Land einfach unglaublich flach ist.

        

        

        

Utrecht existiert seit etwa 50 n. Chr. und ist sehr stolz auf seine Zweitausendjahr alte Geschichte. Ich bin nicht unbedingt der typische Museumsgänger, aber eine Stadtführung der besonderen Art sollte man auf jeden Fall gemacht haben: DOMunder heißt sie. Hier erfährt man nicht nur einiges über die Geschichte Utrechts, sondern man erlebt es. Nach anfänglichem Frage-Antwort-Ratespiel mit den unglaublich humorvollen Guides, beginnt der Abstieg in die Katakomben, bewaffnet mit einer überdimensionalen Taschenlampe, die gleichzeitig auch als Laser fungiert. Mit ihr begibt man sich auf die Suche nach Hinweispunkten, die man anvisieren und treffen muss, damit man via Kopfhörer die geschichtlichen Annekdoten erzählt werden. Indianer-Jones-Feeling und 3D-Gemäuereinbruch-Effekte inklusive! Mehr möchte ich nicht verraten …

        

        

        

                

Die Niederländer sind wahrlich eines meiner Lieblingsvölker weltweit und ihr Land ist einfach zauberhaft. Tut ihnen und mir den Gefallen und bezeichnet Amsterdam nicht als „typisch Niederländisch“ oder als einzig reisewertes Ziel. Dieses Land hat so phänomenal mehr zu bieten – lasst es euch nicht entgehen!

St. Petersburg, Russland

Da auf meiner Bucket List steht, jedes Land der Welt einmal besucht zu haben, komme ich also auch nicht um Russland herum und so geht meine Reise über Halloween 2016 nach St. Petersburg. Rückblickend denke ich aber, dass St. Petersburg noch wesentlich europäischer ist, als der Rest von Russland. Aus diesem Grund wird es mich wohl doch noch einmal in den asiatischen Teil ziehen … nun gut.

St. Petersburg ist weltweit die nördlichste Millionenstadt – und darauf sind sie auch sehr stolz. So ziemlich jeder Reiseführer beginnt mit diesen Worten. Was Dir aber kein Reiseführer sagt, ist, dass St. Petersburg im ganzen Jahr gerade mal 12 Sonnentage hat. Jap. Weniger als zwei Wochen schönes Wetter pro Jahr. Und was Dir auch kein Reiseführer erzählt, ist, dass alle Reiseführerfotos in etwa genau diesen 12 Tagen entstanden sein müssen, denn in der Realität sieht alles etwas trister aus … allerdings war ich nicht nur vom Wetter überrascht, sondern auch vom Essen. Dieses Mal zweifellos im positiven Sinne! Wer hätte gedacht, dass die Leningrader solch kulinarische Überflieger sind?! Auch ihre Tee-Künste hinterlassen bleibende Eindrücke – und das sage ich als halbe Perserin. Mit Tee kenne ich mich aus.

        

Russland ist eines der wenigen Länder, für dessen Reise man mit deutschem Pass noch ein Visum braucht. Dieses empfehle ich, früh genug zu beantragen, denn das kann wirklich viel Zeit oder Geld beanspruchen, wenn man Pech hat. Mein Visum habe ich direkt in einem russischen Reisebüro beantragt. Das war auch eine gute Entscheidung, denn man muss etliche Formulare ausfüllen und seinen Wortlaut gut durchdenken – hierbei hilft einem der Mitarbeiter, bzw. übernimmt das. Darüber hinaus benötigt man eine Auslandskrankenversicherung, die Russland ausdrücklich mit abdeckt: Mit der ErgoDirekt habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Über Airbnb habe ich eine wirklich schöne Unterkunft im Herzen der Stadt gebucht. Was ich von hier aus nicht zu Fuß erreiche, kann ich entspannt mit den U-Bahnen oder Zügen abdecken.

        

Ich startete mit einer Bootsrundfahrt über die Newa, um mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu machen. Die Tour ist leider – wie so vieles – nicht auf Englisch verfügbar, sondern ausschließlich auf Russisch. Also genieße ich die Fahrt und den Ausblick bei eisigen Temperaturen an, und nicht unter, Deck. Die Strecke sollte man allerdings niemals aus den Augen lassen, denn unter den meisten Brücken muss man sich, je nach Wasserstand, durch bücken. Schilder weisen regelmäßig darauf hin.

        

        

Im Jahr 2003, zu Ehren der 300-Jahrsfeier, wurden zahlreiche Sehenswüdigkeiten aufwendig restauriert. Neben den 250 Museen, besitzt St. Petersburg weitere 4.000 denkmalgeschützte Bauten. Im Zentrum der Stadt gehören dank der beeindruckenden Architektur über 2.400 Paläste, Schlösser und Prunkbauten der UNESCO an – weltweit wird St. Petersburg auf diesem Gebiet nur noch von Venedig übertroffen.

        

        

Am nächsten Tag mache ich mich mit dem Zug auf den Weg zum Peterhof, 30 km westlich von St. Petersburg. Das ist das im goldenen Sonnenschein schimmernde Prunkschloss Peter I., in eurem Reiseführer. Naja. Wie gesagt: Das Wetter ist grausam nass-kalt und der Himmel dauerhauft bewölkt. Bei Schnee (immerhin habe ich hier einen kleinen Haufen davon gefunden) und Sonnenschein muss es aber wirklich wunderschön aussehen! Vom Bahnhof in St. Petersburg aus kommt man ohne Umsteigen, in einem viel zu stark beheizten Zug, direkt zur Station Razvodnaya, von der aus man mit dem Bus zum Schloss fährt. In den Sommermonaten kann man die Strecke auch über Wasser vom Hafen aus mit einem Boot zurück legen. Die einzelnen Bauten kann man ebenfalls von innen besichtigen, darf allerdings keine Fotos schießen. Dies wird auch streng kontrolliert.

        

        

Mein optisches Highlight war die Auferstehungskirche (Church of the Savior on Blood) im Zentrum der Stadt. Als Zeichen gegen die westliche Architektur der Stadt, lies Alexander III die Kirche zu Ehren seines an genau diesem Ort ermordeten Vaters, Zar Alexander II, erbauen.

        

                                    

        

Da die Kirche nicht nur mein persönliches optisches Highlight ist, tummeln sich vor Ort viele Souvenirhändler und Schausteller. Auf dem 4,5 km langen Newski-Prospekt befinden sich ohnehin fast ausschließlich Souvenirläden, die ihre Preise alle samt miteinander abgesprochen haben. Wer, wie ich, nicht in der Haupttouristenzeit kommt, erhält „netterweise“ einen außerhalb-der-Saison-Rabatt, der wenigstens einen minimalen Handlungsspielraum zulässt. Natürlich ist unter den Angeboten sehr viel Kruscht, aber ich kam einfach nicht umher, mir dieses handbemalte Kunstwerk, das ich tatsächlich in keinem der anderen Läden fand, für viel zu viel Geld zu kaufen:

        

Diese süße Kautzdame konnte ich leider nicht mit nach Deutschland nehmen, aber ich glaube, sie mochte mich.

        

Wer nach St. Petersburg reist, darf sich natürlich auch das Eremitage nicht entgehen lassen. In mir hat das Eremitage auch etwas ausgelöst: Und zwar die Erkenntnis, dass man auch nicht alles gesehen haben muss, wenn es einen gar nicht wirklich interessiert. Das Bauwerk ist sehr beeindruckend, die Räumlichkeiten sehen für sich alle wirklich schön aus und wurden atemberaubend schön restauriert, auch der Vorplatz ist nett anzusehen, aber in Wirklichkeit kann ich mit Kunstwerken wenig anfangen und war nur dort, um da gewesen zu sein. Von den über 350 Sälen und 65.000 Exponaten werde ich mich kaum noch an ein einziges erinnern. Aber das ist okay, man muss ja schließlich nicht alles toll finden und so überlasse ich meinen Platz, inmitten tausender Selfiesticks und Reisegruppen, in Zukunft lieber echten Kunstliebhabern. Wissen sollte man aber, dass man vor dem Haupteingang an kleinen Automaten, die wie Parkhausticketautomaten aussehen, bereits Eintrittskarten kaufen kann und so dem stundenlangen Gewarte entgeht und ganz entspannt an der meterlangen Schlange vorbeispazieren kann. Man kommt sich vor wie in dem beliebtesten Club der Stadt, von dem man die Türsteher kennt, und wird von allen Seiten bewundernd angehimmelt.

        

        

                                    

        

        

Ich muss zugeben, die Bauwerke, Kunstmuseen und Prunkbauten haben mich, trotz ihrer Schönheit, nicht unbedingt vollends begeistert und nur auf Grund derer würde ich niemandem von Herzen empfehlen können, St. Petersburg zu bereisen. Was ich aber jedem von Herzen empfehlen kann, ist die Vielfalt an Tee, die die Russen anbieten und dieses unglaublich gute Essen! Die Stadt hat kulinarisch deutlich schmeckbare französisch-italienische Einflüsse, die sie aber mit einem Hauch Russland so vermischen, dass etwas neuartig Gutes bei heraus kommt. Trinkgeld wird Touristen im Regelfall selbstredend einfach auf die Rechnung geschlagen. 10 % Service-Fee („сервис„) ist gängig und so muss kein extra Trinkgeld gegeben werden. Jedoch sind Servicekräfte im Restaurant oder Café außerordentlich herzlich und der Zusatzverdienst angebracht.

Wer zur Zeitverschiebung reist, sollte bedenken, dass Russland seit ein paar Jahren bei der Zeitverschiebung nicht mehr mitspielt. Das hat mir einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, da es sehr spät hell und sehr früh wieder dunkel wird.

St. Petersburg ist ganz anders als beispielsweise südostasiatische Länder. Das Land ist reich genug, weiß um seinen Status und sieht es oft nicht einmal ein, Englisch überhaupt zu verstehen. (Es empfiehlt sich, im Vorfeld ein paar russische Buchstaben zu lernen oder die offline-Version des Google Translaters herunter zu laden.) Die Reise ist eher unpersönlich und hat mehr mit einem Städtetrip zu tun, als wirklich mit einer emotionalen Reise, bei der man das Land und seine Bewohner kennenlernen darf.

Island

So weit ich zurück denken kann, will ich Nordlichter sehen! Dieses grün-blaue Farbspiel in einer eisklaren Nacht, eingemummelt in eine dicke Jacke, den Schal bis zu den Augen hoch gezogen und eine heiße Tasse Tee in der Hand … also beschloss ich Ende 2015 eine Reise nach Island zu buchen. Da mein Fernweh zum damaligen Zeitpunkt wohl auch meinen besten Freund, Andi, ansteckte, beschloss er, mitzukommen. Juhuuu! Buddy-Vacation! Und so buchten wir Flüge für März 2016 – ja, das war die Zeit, in der noch fast niemand Island auf dem Schirm hatte oder „den Isländer“ auf diversen Sportveranstaltungen machte. Da im Winter nur etwa 15% der Touristen ihren Weg nach Island finden und die EM erst im Juni statt fand, hatten wir so den größten Teil der Insel für uns und mussten ihn nicht mit tausenden von Selfiesticks teilen.

Mehr als 11% der Landesfläche Islands – was übersetzt so viel wie „Eisland“ bedeutet – besteht aus Gletschern. Selten hat man deshalb einen so beeindruckenden Blick aus dem Flugzeugfenster, wie im Landeflug über Island. So beeindrucken, dass ich vergaß, ein Foto zu machen. Sorry!

Etwa zwei Drittel von Islands 320.000 Einwohnern (zum Vergleich: Stuttgart alleine hat doppelt so viele Einwohner) leben in Reykjavík – der dampfenden Bucht. Und so heißt sie zurecht: Die gesamte Insel ist vulkanischen Ursprungs und noch heute sind etwa 50 Vulkane von ihnen aktiv. Der heiße Dampf, der sozusagen in Islands Erde brodelt, sorgt unter anderem dafür, dass in Reykjavík die Bürgersteige im Winter nahezu schneefrei sind. Die restlichen etwa 110.000 Einwohner leben an Islands Küsten verstreut, weil sogar ihnen das Landesinnere zu unlebsam ist. Der Isländer an sich ist ein unglaublich humorvoller Mensch, der sich auch gerne selber auf den Arm nimmt. Unter anderem wird jedes Jahr die Dame mit den rotesten Haaren der gesamten Insel gekürt. Ja, ich hatte die Ehre, die Titelträgerin 2016 kennenzulernen. Und ja, ihre Haare waren sehr rot. Alkohol am Steuer wird hier im Übrigen absolut gar nicht tolertiert und mit sehr hohen Geldstafen geahndet. Allerdings darf man bis zu einem bestimmten Promillewert betrunken reiten. Auf Pferden. Naja … kleinen Pferden. Da das Pferd von Natur aus ein Fluchttier ist, wird es niemals gegen einen Baum reiten oder auf ein Auto, außerdem ist der Isländer davon überzeugt, dass das eigene Pferd stets eigenständig nach Hause finden wird. Auch hier gibt es jährliche Wettbewerbe, die darin bestehen, herauszufinden, wer betrunken am schnellsten eine abgesteckte Strecke mit Hindernisparcours überwindet. Ohne vom Pferd zu fallen, versteht sich. Echte Wikinger eben! Arrr.

Was brauchen echte Wikinger noch? Werkzeug, richtig. Deshalb ziert Reykjavík auch ein überdimensional großes Bauhaus – also unser deutsches Bauhaus. Denn die echten Handwerker trauen nur echter, deutscher Handwerksqualität und so kauft jeder Isländer ausschließlich hier ein. Eine Konkurrenz hat das Bauhaus auch nicht mehr. Ähnlich Subway. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es eine Kirche und einen Subway. Eine Kirche steht deshalb an jeder zweiten Ecke, da es früher einmal ein Gesetz gab, nachdem Höfe, auf denen eine Kirche stehen, keine Steuern entrichten mussten. Nicht etwa, weil die Isländer sonderlich religiös sind. Nunja … und einen Subway gibt es überall, weil die Isländer eben Geschmack haben und alle anderen Fast Food Ketten erfolgreich der Insel verdrängten (der letzte – von drei – McDonalds musste 2009 endgültig schließen).

Wenn man den Luftweg wählt, kommt man in Keflavík an und kann ganz entspannt für ein paar Kronen mit dem Bus in die Innenstadt von Reykjavík fahren. (Hinweis: Fliegt ihr mit WOW-Air, achtet auf das Gewicht eures Handgepäcks. Auf all meinen unzähligen Flügen wurde dort zum ersten Mal mein Handgepäck gewogen und ich musste ca. 45€ Übergewicht für knapp 1.5 kg zahlen.) Am Gepäckband begrüßt uns ein überdimensional großes Banner, das uns erklärt, dass Island bereits mit über 75% erneuerbaren Energien arbeitet – wow! Auch das Schilderlesen amüsiert uns. Unser Lieblingswort seit jeher ist Snyrtingar, was eigentlich übersetzt nur „Toilette“ bedeutet. Wikingerianisch ausgesprochen (SNYRTINGAAAAAARRRRR!) könnte es aber auch genauso gut ein gällender Schlachtruf sein.

Unser Bus bringt uns an eine Art Busbahnhof, an dem uns unser Airbnb Host, Karl, abholt. Ich bin ein riesig großer Fan von Airbnb, erst recht an Orten wie Island, die 1. noch nicht allzu touristisch sind und 2. im Winter kaum von öffentlichen Transportmitteln betrieben werden. So hat man nicht nur die Möglichkeit an tollen Plätzen zu wohnen, sondern auch, sich von Locals ihre Welt zeigen zu lassen und wirklich in ihr Land und ihre Kultur einzutauchen. Auf dem Weg in unser neues Zuhause, fährt Karl mit uns durch die Stadt, um uns direkt die wichtigsten Anhaltspunkte zu zeigen, sodass wir abends die ersten Meerluftbriesen am Hafen erhaschen.

        

Die Harpa in Reykjavík ist ein sehr großes Konzerthaus, das abends, aufgrund von abertausenden, beleuchteten Pailletten, in den schönsten Farben schimmert und leuchtet – diesen Anblick sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Auch auf einen abendlichen oder mittäglichen Spaziergang am Hafen sollte man nicht verzichten und es so oft als möglich genießen, die frische, kalte Luft zu inhalieren.

        

        

        

        

Wobei allzu kalt wird es auf Island gar nicht: Die Durchschnittstemperaturen auf Island liegen bei etwa 10 Grad. Im Sommer wird es selten wärmer als 20 Grad und im Winter sinken die Temperaturen nie wirklich weit unter den Gefrierpunkt. Allerdings sollte man als Nicht-Insulaner die Auswirkungen des Winds nicht unterschätzen, der die gefühlte Temperatur oft niedriger ausfallen lässt. Ich bin nie ohne Kniestrümpfe unter der Jeans und eine wasserabweisende Snowboardjacke, die bis unter den Po geht, aus dem Haus gegangen. Das Wetter ist außerordentlich unbeständig. Während man morgens von der Sonne wach geküsst werden kann, wird man eine Stunde später (ausnahmsweise ist diese Zeitangabe wirklich keine Übertreibung) auf dem Weg in die Stadt schon von Schneestürmen verschluckt. Auch die Wetterfrösche können nie vorhersagen, was die nächste Windböe für ein Wetter über die Insel bringt.

        

Durch Reykjavík kann man tagelang spazieren und sich an all den tollen Wandmalereien, Kunstausstellungen, wintzigen Plattenläden oder bis unter die Decke gefüllten Bücherläden erfreuen.

        

                       

Islands Nationalgetränk ist Kaffee – ein weiterer Grund, warum ich dieses Land so liebe. Da das Wasser auf Island so rein und sauber ist, wie fast nirgends anders auf der Welt (man darf sich nur nicht vom Schwefelgeruch irritieren lassen), ist hier auch der Kaffee so gut, wie fast nirgends anders auf der Welt. Ein Café nach dem anderen reiht sich an den Straßen entlang und jedes steht unter einem eigenen Motto. In einem fühlt man sich wie auf einem riesen großen Flohmarkt, in einem anderen wie bei Großmutti, die die größten Kekse der Welt gebacken hat und in einem wieder anderen darf man selber DJ spielen und aus der umfangreichen Plattensammlung auflegen. Egal, welches man besucht, in jedem gibt es sagenhaften Kaffee und leckere Snacks oder Hauptspeisen.

        

        

        

Bevor ich hier jetzt aber total abschweife und euch jedes noch so beeindruckende Graffiti zeige, fasse ich mich kurz und sage einfach: Island ist so viel bunter, als man es zunächst denkt! Zahlreiche Museen, Galerien oder Live-Musik-Häuser laden herzlichst zum (langen) verweilen ein.

Doch ein Museum kann ich euch wirklich nicht vorenthalten. Zum einen, weil wir erst nicht wussten, worauf wir uns da eigentlich einlassen und zum anderen, weil es – aus biologischer Sicht – doch sehr interessant war: The Icelandic Phallological Museum. Zu Deutsch: Penismuseum. Es ist bestückt mit knapp 220 besten Stücken und wirklich keinesweg obszön (oke, so manche Sammlerstücke, die vor Ort ausgestellt sind, vermutlich schon), sondern tatsächlich wissenschaftlich.

        

Flaniert man weiter durch Reykjavík, kommt man unweigerlich am Tjörnin vorbei, dem großen See am Rathaus, bevölkert von etlichen Vogelarten und Kulisse zahlreicher Fotos. Ob gefrohren oder nicht, am Tjörnin lässt es sich wunderbar die Sonne genießen (sofern vorhanden) und die Enten mit Brot füttern, das die meisten Cafés vom Vortag kostenfrei zur Verfügung stellen.

        

        

Ich persönlich bin ein großer Fan davon, Städte, die man bereist, von oben zu sehen – nicht nur der Übersicht halber, sondern auch wegen der tollen Aussicht. Also machen wir uns auf den Weg zur Hallgrímskirkja, Islands zweithöchstem Gebäude und die höchste Kirche (von denen es hier, wie bereits erwähnt, etliche gibt) der Insel. Die Hallgrímskirkja wurde auf einem Hügel erbaut, damit sie mit ihren 74,5 m nochmal wesentlich höher wirkt. Das Innere ist sehr clean aufgebaut und lenkt den Blick auf die 5.275 Pfeifen schwere, vergoldete Orgel aus den 90er Jahren. Den Eingang der Kirche ziert eine Statue von Leifur Eiríksson, dem ersten Europäer, der Amerika „entdeckte“. Geht man am Eingang nun nicht geradeaus in die Kirche, sondern links in den unscheinbaren Aufzug, so erreicht man, gefolgt von wenigen Stufen, eine Art leerer Rumpelkammer, die als Aussichtsdeck dient. Von hier hat man einen wirklich tollen Blick über die Stadt!

        

        

        

Auf keinen Fall verpassen sollte man in Reykjavík, laut The Guardian, den besten Hot Dog Europas bei Bæjarins beztu pylsur (was übersetzt im Übrigen „bester Hot Dog der Stadt“ bedeutet). Was genau darin verarbeitet wurde, konnte ich mir leider nicht merken. Nur, dass Lammfleisch auf jeden Fall einen Großteil ausmacht. Was soll ich sagen … ? Nach den ersten zwei, bestellten wir uns direkt noch einen.

        

Da sich im Winter kaum Touristen auf die Insel im Norden verirren, gibt es auch nur wenige Möglichkeiten diverse Teile der Insel zu erkunden. Entweder mietet man sich ein Auto (Unbedingt einen Geländewagen!) oder man bucht sich Touren, bei denen man in einem gemtütlichen Reisebus an sein Ziel gebracht wird. Wir haben uns für zwei Touren entschieden: Die Golden Circle Tour und die Nothern Lights Tour. Bei jeder Tour wird man entweder in der Innenstadt oder direkt in seinem Hotel abgeholt. Die Nothern Lights Tour haben wir insgesamt drei Mal gebucht (sieht man keine Nordlichter, wird man auf den nächsten Tag seiner Wahl umgebucht) und zwei Mal angetreten, da für das andere Mal ein Sturm gemeldet wurde. Die ersten Nordlichter sahen wir tatsächlich schon an unserem ersten Abend auf dem Rückweg zu Karl. Die zweiten konnten wir ebenfalls abends in Karls Garten beobachten. Umso größer war die Vorfreude, als es endlich ins Outback ging, wo wir noch mehr zu sehen bekommen sollten. Zu aller erst muss man aber wissen, dass Nordlichter in echt nicht ganz so atemberaubend aussehen, wie sie auf Fotos den Anschein machen. Das hat zwei Gründe: Zum einen kann das menschliche Auge das Farbausmaß dieser Schönheit nicht (er)fassen und zum anderen sind die meisten Fotos von Nordlichtern stark nachbearbeitet. Nichtsdestotrotz sind sie ein Erlebnis, das man nie vergessen wird! Zieht euch warm an, Zwiebelprinzip, dicke Socken, Mütze, Schal, alles, was ihr dabei habt, denn das Warten kann lang und kalt werden. Habt ihr eure Kamera dabei, so unterschätzt die Temperatur und somit die Akkulaufzeit nicht! Meine beiden Akkus haben trotz Hosentasche und Körperwärme lediglich für wenige Fotos und Minuten gehalten – deshalb existiert dieses atemberaubende Schauspiel der Natur „nur“ in unserer Erinnerung.

        

Die Golden Circle Tour ist ein Muss! An nur einem Tag und ohne Hetze, hat man die Möglichkeit, eine Auswahl der schönsten Flecken der Insel zu sehen. Gestartet wird im Þingvellir-Nationalpark („Ebene der Volksversammlung„), dem ältesten und historischsten Ort Islands (seit 2004 UNESCO Weltkulturerbe). Im Mittelalter tagte hier eines der ältesten Parlamente der Welt, um Gesetze zu beschließen oder ihre gerichtliche Funktion auszuüben. 1944 wurde an diesem Ort sogar die Republik Island ausgerufen. Noch heute nächtigen und speisen Staatsbesuche in einem Anwesen vor Ort. Der Nationalpark liegt inmitten der Grabenbruchzone der amerikanischen und eurasischen tektonischen Platte. Das Gerücht, man könnte hier mit jeweils einem Bein auf einer der Platten stehen ist leider nicht mehr, als … ein Gerücht. Die Platten sind mehrere Kilometer von einander getrennt und durch einen 120 m tiefen Fluss geteilt. Um auf beiden Platten gleichzeitig zu stehen, müsste man also wirklich sehr lange Beine haben. Die winzige Felsspalte, auf der sich alle Selfiesticks fotografieren, ist leider auch nicht mehr, als eine einfache Felsspalte, jedoch weit davon entfernt jeweils eine der tektonischen Platten zu sein.

        

        

        

        

        

Weiter geht es auf der Ringstraße zu den Geysiren. Auf die Ringstraße sind die Isländer wirklich stolz. Bei ihrem Bau gaben sie sich so viel Mühe, dass sie das Endergebnis unbedingt einem deutschen Straßenbauer vorstellen wollten. Dieser musste allerdings schmunzelnd zugeben, dass das Ergebnis in Deutschland noch nicht einmal zugelassen werden würde, da das Wetter dem Straßenbelag leider nicht genügend Zeit zum Trocknen lässt und er dadurch löchrig, schief und wellig wird. Aber befahrbar. Mit einem Geländewagen.

        

        

Im Herzen des Heißwassertals Haukadalur steht Strokkur, der Geysir, der etwa alle zehn Minuten ausbricht. Ich habe zwar schon mehrere Geysire beim Ausbrechen beobachten dürfen, doch hier macht es die Atmosphäre zu etwas Besonderem. Die Erde dampft, der Schwefelgeruch hängt stark in der Luft und wenn der Wind in unsere Richtung weht, wärmt einem der heiße Dampf das Gesicht. Zusätzlich ist die Erde sehr hell braun und die Quellen, Dank des vielen Kieselgur, in allen Farben der Blaupalette gefärbt, was einen tollen Kontrast bildet.

           

           

Die Wassersäule des Strokkur erreicht eine Höhe von bis zu 35 Metern und die Fotos konnte ich tatsächlich nur mit Hilfe eines Ultraweitwinkelobjetivs aufnehmen.

Den nächsten, interessanten Stop machen wir am Gullfoss, dem goldenen und wohl bekanntesten Wasserfall. Auf Fotos kann man das Ausmaß dieses Wasserfalls wirklich nicht greifen! In die Länge misst er 2.5 KILOMETER und seine Schucht ist 70 m tief. Also in etwa so tief, wie Islands höchstes Gebäude hoch ist. Die Geräuschkulisse ist immens! Absolut essentiell ist hier gutes Schuhwerk. Da es kalt ist, gefrieren die Wassertropfen auf der schneebedeckten Aussichtsplattform direkt an, die die Touristen nur mit einer dünnen Kordel vor den 109 m³/s (im Sommer etwa 130 m³/s) Wassermassen trennt, und es wird sehr rutschig.

Auf dem Rückweg nach Reykjavík machen wir halt an einer Islandpony-Farm und an historischen Bauten der Wikinger. Ganz nett, aber kein absolutes Muss. Was allerdings beeindruckend war, ist der 1491 m hohe Vulkan Hekla. Der Berg ist einer der drei aktivsten Vulkane Islands und mindestens 600.000 Jahre alt. Kennt ihr die englische Phrase „What the heck?!“ ? Dem Vulkan wird seit dem Mittelalter zugesprochen, das Tor zur Hölle zu sein. Viele Legenden und Geschichten ranken sich um Hekla. So entstand auch die englische Phase, abgeleitet von „What the hell?!“ .

        

Da Karl, unser Airbnb-Host, sein Mietwagegeschäft aufgeben und in die Tourismusbranche wechseln möchte, bietet er uns an, an uns zu üben und uns am letzten Tag Orte zu zeigen, an die man im Normalfall im Winter gar nicht heran kommt. Juhuu! Wer könnte hierzu schon nein sagen?!

Zu aller erst brachte er uns an den Fuß des seit 2010 weltbekannten Eyjafjallajökull, der damals mit seiner Aschewolke gesamte Flugstreckennetze außer Kraft setzte. Es ist jedes Mal wieder auf’s Neue erfurchterfüllend am Epizentrum eines solchen Naturschauspiels zu stehen.

        

        

Direkt um die Ecke des Eyjafjallajökull befindet sich ein Wasserfall, den man nicht nur von unten oder oben, sondern sogar von hinter den Wassermassen bestaunen darf: Der Seljalandsfoss. Ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten! Rutschgefahr!“ konnte uns auch nicht mehr daran hindern, einen Blick hinter den Wasserfall zu wagen. Auch hier ist gutes und rutschfestes Schuhwerk (zumindest im Winter) ein absolutes Muss, da die Wassertropfen bei den niedrigen Temperaturen direkt am Steinboden gefrieren. Die Kamera solltet ihr auch nur auspacken, wenn sie absolut wasserdicht ist, ansonsten genießt einfach den Moment und speichert das Bild in euren Erinnerungen ab.

        

Island hat etwa 60 Wasserfälle, von denen jeder seinen ganz eigenen Charme hat. Deshalb wollen wir uns einen weiteren Wasserfall nicht engehen lassen. Auf dem Weg zum Skógafoss, kommen wir vorbei an historischen Wikinger-Bauten und Islandpferden. Islandpferde sind sehr liebesbedürftige Wesen. Ob mit Essen in der Hand oder ohne, kaum kommt man in die Nähe ihres Gatters, strecken sie ihre Köpfe hindurch und wollen einfach nur gekrault werden.

        

        

Skógafoss ist deutlich schmaler als der Gullfoss. Er ist lediglich 25 m breit, allerdings aber ganze 60 m tief und somit nur unwesentlich kleiner als sein großer Bruder und ähnlich beeindruckend. Man fühlt sich wirklich klein neben ihm, wenn man das Wasser in einem einzigen Schwall über sich hinabrauschen sieht und hört. Parallel zur Fallkante kann man an der rechten Seite den Wasserfall besteigen und von oben bestaunen. Von oben kann man sich auch über eine Holzleiter dem Skóga nähern und weitere zahlreiche Miniaturwasserfälle erblicken.

        

        

Unser nächstes Ziel erreicht man ausschließlich über einen etwa dreistündigen Fußmarsch oder mit einem Geländewagen. Karl zeigte uns ein Flugzeugwrack, das in den 70er Jahren hier strandete. Mittlerweile ist es wohl einer der meistfotografiertesten Orte auf ganz Island und es verirren sich immer mehr Touristen hier her – im wahrsten Sinne des Wortes. Immer häufiger muss die Küstenwache ausrücken und verirrte Touristen einsammeln oder davor retten, von plötzlichen Riesenwellen ins Meer gezogen zu werden. Zu unserem Glück hatten wir Karl dabei, der uns rechtzeitig vor den Gefahren der Küste warnte und den Weg auswendig kannte, da er mit seiner Drohne hier draußen schon extrem coole Videoaufnahmen machte. Die C-117, vor der wir standen, wurde in den 70er Jahren von einem jungen Leutnant notgelandet, weil ihr durch die Kälte beide Triebwerke ausfielen und der Treibstofftank leckte. Wie durch ein Wunder wurde keiner der Insassen verletzt. Das amerikanische Militär begann noch am selben Tag alle verwendbaren Teile abzusägen, mitzunehmen und erneut in Einsatz zu bringen. Da sie am Rest nicht interessiert waren und der Grundstückbesitzer keine Möglichkeit hat, es abzutransportieren, wird es nun dort der Witterung überlassen und macht diesen Ort zu einem sehr mystischen. Auch hier hatten wir das Glück, dass Island für die meisten doch noch sehr uninteressant war und es das Flugzeug noch nicht einmal in die Reiseführer geschafft hatte. So hatten wir es ganz für uns.

        

        

        

        

Island ist wirklich voller kleiner Naturwunder, die für uns Deutsche so beeindruckend sind, weil wir sie hier bei uns einfach nicht haben und sich um jedes einzelne von ihnen wiederum eine Saga nach der anderen rankt. Um euch nicht mit zu vielen Details zu langweiligen, fasse ich unseren Rückweg etwas kürzer zusammen, was nicht bedeutet, dass nicht jeder einzelen Stop für sich sehr imposant war. Vorbei am Kerið Krater, pechschwarzen Lavastränden, an denen (natürlich je nach Wetter) ganze Eisschollen angeschwemmt werden,  und dem Urriðafoss, geht es für uns dann wieder nach Hause.

        

        

        

        

        

        

        

Häufig liest man, Island sei sehr teuer. Ja, das stimmt leider. Im Vergleich zu Deutschland muss das Land auch sehr viel mehr importieren und dementsprechend viel Geld kann man hier auch schon für Lebensmittel ausgeben. Ich empfehle, lieber ein Jahr länger zu sparen, damit man vor Ort auch wirklich all das machen und sehen kann, das man sich vorgenommen hat. Auch was man sehen möchte, sollte sich im Vorfeld gut überlegen werden, da Island im Sommer und im Winter jeweils ein ganz anderes Land ist und Möglichkeiten bietet. Eigentlich reise ich in absehbarer Zeit eher nicht zwei Mal in ein Land, doch Island im Sommer steht immer noch auf meiner Bucket List.