Tirana, Albanien

Seit dem Sturz der kommunistischen Regierung 1991, wächst und gedeiht Albaniens Hauptstadt Tirana prächtig – um genau zu sein, hat sich seit damals die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Heute ist sie nicht nur politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landes, sondern auch kultureller. Museen, Theater, die Oper, … drapiert rings um den Skanderbeg Platz herum … hier ist für jedes Herz etwas dabei. Umgeben von Bergen und vor allem dem Hausberg Dajti bietet Tirana auch eine atemberaubend schöne Kulisse, um sich hier treiben zu lassen.

        

Tirana ist bunt. Nicht nur bezogen auf die Häuserfarben, sondern auch auf die Einwohner, die Religionen und das Wesen der Menschen. Das macht diese Stadt in meinen Augen zu einem ganz besonderen Juwel. Um diese Vielfalt und Lebensfreude zu unterstreichen, ließ z.B. ein ehemaliger Bürgermeister (der heute im Parlament sitzt) vor einigen Jahren mehrere Straßenzüge quietschbunt anmalen. Ohnehin war die Architektur der Stadt schon vorher etwas ganz Besonderes: die – wiederum – bunte Mischung aus Moderne, Balkan-Traditionellem und kommunistischem Plattenbau sieht einzeln und für sich gesehen vielleicht nicht sonderlich hübsch aus, ergibt sich aber in seiner Symbiose zu einem wirklich tollen Kunterbunt.

        

Die Nächte in Tirana sind ab Mai schon sehr heiß und windlos. Während meine Cousine und ihr Mann (Ohja, auch hier habe ich Familie!) noch mit dicker Decke und geschlossenen Fenstern schliefen, war es mir – deutscher Kartoffel – bereits mit nur Bettlaken und sperrangelweit geöffnetem Fenster schon viel zu heiß. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Air Condition.

Regelmäßige – unangekündigte – Stromausfälle sind hier an der Tagesordnung. Dies hat nicht immer etwas mit überlasteten Netzen zu tun, sondern auch gerne damit, dass Stromnetze erneuert und temporär einfach abgeschaltet werden. Natürlich nicht in der Nacht, sondern immer zu Zeiten, zu denen man duschen oder arbeiten muss. Auf fließendes Wasser muss die Stadt ebenfalls seit jeher verzichten. Das gibt es in ganz Tirana nicht. Hierfür stehen jedem Haus Wassertanks zur Verfügung, die meist auf den Dächern stehen. Bervor man also duschen will oder den Abwasch macht, muss man sie anschalten. Man sollte nur nicht vergessen, sie wieder auszuschalten: In der Zeit, in der sie aus sind, wird von unten Wasser zurück gepumpt. Vergisst man das, hat man schlichtweg auch kein Wasser mehr.

Albanien im Allgemeinen, aber Tirana im Besonderen ist sehr wissbegierig und hat nicht nur sehr viel Potential, sondern will es – meiner Meinung nach – auch nutzen. Es sind die kleinen Dinge, die deren Denkweise in meinen Augen sehr modern macht: Zum Beispiel ist jeder Straßenhund in Tirana ist kastriert und geimpft, jedoch frei und nicht eingesperrt. Es wird ein neues, modernes Stadtzentrum gebaut, aber nicht „auf“ das alte, historische Stadtzentrum, sondern daneben. Der Kommunismus hat dem Land vermutlich nicht viel Gutes gebracht, aber die Zahl der Analphabeten schrumpfte von über 80% auf nur 1-2%. An jeder Straßenecke sieht man Buchverkäufer, die ihre Ware auf dem Bürgersteig ausbreiten und lesehungrige Menschen glücklich machen. Außerdem lernen die Albaner nicht nur gerne von ihren Nachbarländern das Kochen, sondern perfektionieren es sogar noch. Und erst der Kaffee … im Vergleich zu Italien kostet hier eine frische Steinofenpizza aber nur etwa €2,00.

Im Folgenden erzähle ich euch von meinen Top 9 Dingen, die ihr in Tirana auf keinen Fall verpassen solltet:

9. Italienisch essen im Taiwan (Rinia) Park

Im Grunde könnt ihr überall gut (und sehr günstig) italienisch essen. Allerdings fand ich es wirklich schön, von der Terrasse des Casa della Pasta aus, mit Blick auf den Taiwan Park meine unglaublich leckeren Tortellini zu genießen und kann das nur empfehlen. So konnte ich auch mehreren Schulklassen dabei zuhören, wie sie die den Park nutzten, um albanische Gedichte oder andere Kunst vorzutragen. (Sorry, das Essen war so lecker, dass ich zu ungeduldig war, um vorher noch ein Foto zu machen.)

8. Frühstück im Stephens Center

Das 1994 als erstes Café in Albanien gegründete Stephens Center bietet alles, auf das man morgens oder auch mittags … oke … abends auch … so Appetit haben könnte. Das Frühstück hat es mir aber am meisten angetan. Chris und Laura kamen 1993 als Missionare nach Albanien, um den Menschen ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten und natürlich, um ihnen von Jesus zu erzählen. Keine Sorge, man wird weder bekehrt, noch belästigt. Das Essen ist super lecker und nebenbei finanziert man mit seinem Besuch auch noch diverse Wohltätigkeitsaktivitäten.

7. Getting lost und die Stadt auf sich wirken lassen

Natürlich gibt es die ein oder andere Sehenswürdigkeit in Tirana, aber sie sind alle sehr überschaubar und halten sich in Grenzen. Ich habe es vor allem genossen, einfach einen ganzen Tag durch Tirana zu laufen, hier und da – wie sich vermutlich erahnen lässt – eine (oder auch zwei) Kleinigkeit zu essen, weiter zu schlendern und die Stadt einfach auf mich wirken zu lassen.

        

        

        

6. Die Aussicht genießen auf dem Skytower

Wer schon den ein oder anderen meiner Blog-Posts gelesen hat, weiß, dass ich ein riesiger Fan von Aussichtsplattformen aller Art bin. Solch eine habe ich natürlich auch in Tirana gefunden: Es ist das 17. Stockwerk des Sky Tower. Mit seinen ca. 65 Metern Höhe war es damals – im Jahr 2000 -, als es gebaut wurde, das höchste Gebäude in ganz Albanien! Der Eintritt ist frei und man erreicht die Plattform ganz einfach über einen (verglasten) Aufzug.

        

        

5. Byrek essen bei Castit

Je öfter ich diesen Post Korrektur lesen, umso stärker fällt mir auf, dass ich schon wieder nur von Essen rede (#sorrynotsorry), aber wie kann ich auch anders, wenn es einfach so viel Gutes davon zu berichten gibt?! Und so geht es bei meinem Platz 5 – oh Wunder – wieder um Essen: Byrek. Das beste Byrek, das ich in Tirana aß, war definitiv das von Castit. Vermutlich ist „Castit“ gar kein Name, aber ich tu einfach mal so, weil das dann so klingt, als wäre er mein bester Freund geworden. Castit findet ihr auf der Rruga Bardhok Biba – grüßt ihn lieb von mir, wenn ihr in gefunden habt!

4. Parku i madh i Tiranes / Parku i Liqenit

Dieser Park hat es ab dem ersten Schritt auf meine Liste der Happy Places geschafft – und zwar ziemlich weit nach oben. Über zwei Stunden habe ich einfach Parkbankhopping gemacht, mich von meinen Gedanken durch den Park träumen lassen und über all die Entspanntheit sogar vergessen, viele Fotos zu machen. Wenn das mal nicht einiges heißt … tatsächlich ist dieser Park einer der wenigen Orte, dessen Stimmung meine Kamera vermutlich nicht ausreichend hätte einfangen können. Seht einfach selbst!

        

        

3. Kaffee trinken (bei Sophie)

Wie sehr ich mich beherrschen musste, nicht in jedem zweiten Satz zu erwähnen, wie gut der albanische Kaffee ist … jetzt kann ich es ja endlich loswerden: ER IST EIN GESCHENK DES HIMMELS! Im Ernst. Die Italiener haben schon echt ein Händchen dafür, aber die Albaner haben seine Herstellung perfektioniert. Sophie Caffe ist der albanische Starbucks – nur viel leckerer und vermutlich deutlich weniger korrupt. Aber egal wo ich Kaffee getrunken habe, er war einfach göttlich.

2. Verteilerkasten-Schnitzeljad und die Straßenkunst von Tirana

Zu den etlichen Verschönerungsmaßnahmen der Stadt, gehört unter anderem auch das Bemalen von Verteilerkästen. Überall in Tirana ist ausnahmslos jeder Verteilerkasten angemalt und jeder steht unter einem anderen Motto. Es macht also eine Menge Spaß durch die Stadt zu schlendern und auf dem Weg Chewbacca, die Ducktales oder andere Kindheitshelden zu treffen. Ich könnte ein ganzes Fotoalbum mit Verteilerkästen anlegen … außerdem stößt man an jeder Ecke auf Kleinstraßenkunst, die immer wieder begeistert.

                  

        

                 

        

        

        

1. Familie dort haben

Mein unangefochtener Platz 1 hat ausnahmsweise nichts mit Essen zu tun und zeigt demnach deutlich, wie wichtig er mir sein muss (Wichtiger als Essen!): Familie! Es ist ein überaus großes Privileg, Familie auf der ganzen Welt verteilt und die Möglichkeit zu haben, sie in ihrer Welt zu besuchen. Nirgends ist man fremd, sondern überall Zuhause <3

        

        

Lissabon, Portugal

Die Vielfalt der Geschichte Lissabons spiegelt sich nicht nur in der Meeresoberfläche, sondern auch in den Menschen und der Architektur wider. Gut die Hälfte der 500.000 Einwohner, sind keine Portugiesen. Schwarz und weiß werden zu bunt, arm und reich verschmilzen quasi ineinander und ich kann mir keinen passenderen Ort vorstellen, an dem die melancholisch-theatralische Fado Musik ihren Ursprung haben könnte. Dass die Hauptstadt Portugals auf sieben Hügeln erbaut wurde, merkt man unausweichlich, sobald man einfach nur „gemütlich durch die Stadt bummeln“ oder mit einer der vielen Trams einen Ausflug machen möchte. Nachdem 1755 das Zentrum Lissabons, die Baixa, durch ein Erdbeben zerstört wurde, hat man dort nicht nur die Bauweise verändert und das Viertel schachbrettartig angepasst, sondern auch die Straßen verbreitert und große, prachtvolle Plätze angelegt. Dies wird deutlich, wenn man aus der Alfama, dem ursprüglichsten Stadtteil, einen Spaziergang durch die Baixa ans Meer macht. Kleine, verwinkelte Gassen, durch die kaum zwei Menschen nebeneinander passen, mit Häusern, von denen charmant der Putz bröckelt, werden zu weiten, neoklassizistisch vergoldeten Prunkbauten und weißen Höfen. Typisch für die Stadt sind ihre mit bunten Kacheln wunderschön verzierten Häuser – die Azulejos.

        

In diesem Beitrag stelle ich euch meine Top 9 Aktivitäten in Lissabon vor. Eine Stadt, die wahrlich mein Herz erobert hat. Wir waren über Pfingsten hier – meine liebste Reisezeit, da die meisten schon im Skiurlaub waren oder den Sommer im Ausland verbringen, hat man das Land fast für sich alleine. Via Airbnb durften wir im Herzen der Alfama schlafen und das Flair hautnah miterleben. Wer sich in Metropolen in teure Hotels einbucht, um in der Innenstadt zu sein, ist selber schuld 🙂 Leider sind mir einige Fotos aus Lissabon abhanden gekommen, aber da ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier sein werde, verspreche ich Dir, sie nachzureichen.

9. Elevador de Santa Justa

Der 1902 erbaute und 45 m hohe Elevador de Santa Justa verbindet die Innenstadt Baixa mit dem höher gelegenen Stadtteil Chiado. In der Mittagsonne stehen sich die Touristen die Beine in den Bauch und man darf mit sehr langen Wartezeiten rechnen. So gilt: nicht zu spät aufstehen und nach dem Frühstück direkt dorthin. Die Fahrt an sich ist nicht unbedingt spektakulär, da man die Plattform ebenso über Chiado – kostenlos – erreichen kann, aber der Blick ist wunderschön. Die leise vor sich hin dudelne Fado Musik begleitet die kurze Fahrt nach oben. Mein Tipp: Kauft euch ein Tagestickt für die öffentlichen Verkehrsmittel (ca. € 6,00). Dieses ist 24h ab dem ersten Stempeln gültig – auch für alle Aufzüge der Stadt und die historische Tram 28. Spart Geld und Zeit.

        

8. Street Art

Auch Lissabons Häuserwände spiegeln die Vielfalt und das Leben wider. Die Street Art Szene ist eine ganz besondere! Alles, was Fläche bietet, wird kurzerhand bunt. So bunt, dass eigene Stadttouren zu ehren der Street Art Szene angeboten werden. Doch auch ohne Tour, entdeckt man ein Kunstwerk nach dem anderen.

        

        

7. Castelo de São Jorge

Die Burg wurde vor dem 11. Jahrhundert erbaut und ebenfalls bei dem großen Erdbeben 1755 weitesgehend zerstört. Dennoch ist der Ausblick über die Stadt und ihre rot-braunen Dächer unbezahlbar und den Aufstieg (und die € 8,00 Eintritt) wert.

        

        

        

6. Tram 28

Eine Fahrt mit der historischen Tram 28 wird nicht ohne Grund in jedem Reiseführer empfohlen. Etwa 45 Minuten lang dauert die Fahrt von einer Endstation zur anderen. Quietschend schlängelt sie sich nur wenige Zentimeter von der Fassade entfernt durch die hügelige Stadt und ermöglicht eine schöne Rundfahrt durch die verschiedenen Stadtviertel. Auch hier gilt: früh aufstehen oder in der prallen Sonne Schlage stehen. Die Fahrt ist mit dem Tagesticket ebenfalls kostenlos.

5. Miradouro-Hopping

„Miradouro“ bedeutet Aussichtspunkt und von denen hat die Stadt einige zu bieten. So kann man sich vielerorts nach anstrengenden Aufstiegen mit einem kalten, frisch gepressten O-Saft oder Ausblicken von den unterschiedlichsten Winkeln der Stadt belohnen.

        

        

4. Miradouro São Pedro de Alcântara

Zweifelsohne der schönste Aussichtspunkt ist der Miradouro São Pedro de Alcântara. Von diesem zweistufig angelegten Platz hat man einen wahnsinns Blick auf das Castelo de São Jorge und die Stadt mit allen ihren Stadtteilen. Bei unserem Besuch eröffnete gerade ein Handwerkskunstmarkt mit vielen, lokalen Leckereien und handgefertigten Schmuckstücken. Auch Künstler tummeln sich hier und wir kamen nicht umher, uns ein Kunstwerk für Zuhause mitzunehmen.

        

3. Wander around to get lost

In keiner anderen Stadt der Welt haben wir uns bewusst so gerne und oft verlaufen, wie in Lissabon. Hinter jeder Ecke entdeckt man neue Schätze, herzlichste Gastfreundschaft, atemberaubende Ausblicke oder gutes Essen. Und hinter jeder Ecke ist ein kleines Stück meines Herzens verloren gegangen. Lissabon, ich komme wieder!

        

        

2. Essen! Essen! Essen!

Natürlich … wie könnte es auch anders sein, wenn ich mich in eine Stadt verliebe? Es geht um Essen. Portugal liegt aktuell auf meinem Platz #1 der Länder des guten Geschmacks (Sorry, Italien!). Ich bin – noch – wirklich kein großer Fan von Fisch oder Meeresfrüchten, aber sogar ich habe mich in den fangfrischen Lachs verliebt. Oder die frischen Früchte. Oder das gute Fleisch. Oder … naja … probiert einfach selbst. Dadurch, dass vieles vor Ort angebaut und gezüchtet wird, fallen auch die ganzen Importkosten weg und am Ende des Tages ist in der Reisekasse noch mehr Geld für … naja … Essen.

        

        

1. Lisboa Tu & Eu

Wo wir gerade beim Essen sind, darf auch unser bisher absolut bester Restaurantbesuch of all time – und was die deutsche Sprache sonst noch so für Superlative hergibt – nicht fehlen: Das Lisboa Tu & Eu. Unser Airbnb Host Kleber legte es uns direkt bei Anreise ans Herz. Ein klitzekleines Restaurant mit Platz für etwa 10 Gäste, das man im Vorbeilaufen übersehen würde, wenn es aus der Küche nicht so herrlich duften würde. Geführt wird das Lokal von einer kleinen, alten Dame, die nach dem Tod ihres geliebten Mannes das Umland verlassen hatte, um in der großen Stadt einen neuen Lebenssinn zu finden und sich über den schmerzlichen Verlust hinweg zu trösten. In dem sie täglich vielen Menschen glückliche Gesichter und volle Mägen zaubert, hat auch sie ihr hinreißendes Lächeln wieder gefunden. Die Wand des Restaurants ist das Gästebuch. Es erzählt von vielen Geschichten und magischen Begegnungen. Und so konnten auch wir es uns nicht nehmen lassen, uns zu verewigen. Gerührt von unserem „Eintrag“ holte sie ihren Kellner, um ihn ihm zu zeigen. Der machte große Augen, als er unsere Namen las und holte lachen sein iPad … sein Lieblingsmusiker: der Lateinamerikaner Mike Bahia. So lief für den Rest des Abends seine Mike-Bahia-Playlist rauf und runter und wir haben seitdem unseren eigenen Soundtrack.

        

        

Mehr über unsere Rundreise in Portugal erfahrt ihr hier.

Edinburgh, Schottland

Ich liebe Städtereisen: Über ein langes Wochenende raus aus dem Alltag und in eine neue Welt eintauchen. Neue Eindrücke sammeln und sich den Kopf frei pusten lassen – das windige Edinburgh ist prädestiniert dafür! So beschloss ich, relativ spontan, über die Feiertage Anfang Oktober vier Tage Schottland zu buchen. Eine Reise nach Schottland zu buchen ist relativ unkompliziert und simpel. Die Flüge waren schnell gebucht, das Airbnb bestätigt und die Vorfreude groß. Auch wenn das Land mit seinen 250 Regentagen im Jahr auf den ersten Blick und von Weitem nicht sehr einladend wirkt …

        

Warum ich mich für Schottland entschieden habe? Meine Familie väterlicherseits hat schottische Wurzeln und obwohl man nicht mehr genau nachvollziehen kann, welcher Stadt genau sie entspringen, war ich schon immer sehr neugierig auf das Land meiner Vorfahren, die damals als Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchten – und fanden.

        

        

So beschloss ich, Schottland nicht als Tourist kennen zu lernen, sondern noch echter und emotionaler als es mir ein Reiseführer jemals zeigen könnte. Ich kaufte mir lediglich eine Stadtkarte von Edinburgh und fragte vor Ort, angefangen bei meiner lieben Airbnb-Host Gill, Menschen nach ihren Lieblingsorten der Stadt. Dort angekommen, kam ich mit anderen ins Gespräch, die ich wiederum nach ihrem Lieblingsort fragte. Die Lieblingsorte durften alles sein: eine Bank, auf der Jelena ihren Verlobten zum ersten Mal sah, als ihr der Kaffeebecher umfiel, und er ihr Taschentücher anbot; ein Restaurant, das laut Albanam das beste Haggis der Stadt zubereitet; der Park, in dem Esmé jeden Morgen joggen geht, bevor sie zur Arbeit geht; das kleine Café um die Ecke, in dem Ginas beste Freundin arbeitet, um sich ihr Studium zu finanzieren; der Berg, von dem aus man, laut Donald, den schönsten Blick über die Stadt hat … einfach jeder Ort, der glücklich macht.

In diesem Blog Post erzähle ich euch von meinen Top 9 Lieblingsorten in Edinburgh, die ich aus den unzähligen Lieblingsorten derer ausgewählt habe, die mir Schottland zu einer ganz besonderen Reise machten.

 

9. Scottish Parliament und die vielen Museen

Das Schöne in Schottland – verglichen mit Großbritannien – ist, dass der Eintritt in alle Museen (und hier von gibt es so viele verschiedene!) und auch in das Scottish Parliament frei ist. So kann man überall reinschnuppern und wo man sich wohl fühlt, länger verweilen. Da fast alle Museen durch private Hand geführt werden, kann man jedoch am Ausgang einen freiwilligen Betrag in beliebiger Höhe spenden. Lediglich am Eingang zum Scottish Parliament wird man einer kleinen Personenkontrolle unterzogen – selbstverständlich. Das Gebäude ist wirklich schön, modern und es enthält ein großes, hübsch aufbereitetes Informationszentrum über das Parlament, seine Geschichte, Politik und Wahlen.

        

        

 

8. Dunbar’s Close Garden

Den Namen trägt der kleine Garten Dank der Straße, die von der Royal Mile abzweigt, zu ihm führt und im 17. Jahrhundert an das Grundstück des Anwalts David Dunbar grenzte (close bedeutet so viel wie Hausdurchfahrt). Er besteht aus mehreren Terrassen von verschieden angelegten Beeten, die zum stundenlangen Verweilen einladen. Zu meinem Glück hatte es nicht geregnet und ich ein Buch dabei (YAY!). In ganz Edinburgh fühlt man sich in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück versetzt. Zwischen all den alten Mauerwerken und engen Gassen, hat man das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben.

        

 

7. Calton Hill + Calton Public Park

Die kleine Wanderung der steilen Calton Hill Street lohnt sich auf alle Fälle (von der anderen Seite kann man auch mit einem Linienbus hoch fahren): ein grüner öffentlicher Park umringt die vielen Postkarten-Monumente und das Dugald Steward Monument bietet einen tollen Blick über die gesamte Stadt.

        

 

6. Pubs und Cafés

Edinburgh sprüht nur so vor bunten, thematisch unterschiedlichen Pubs und Cafés. Meine beiden Lieblingscafés waren das Treacle, das die leckersten (und größten) alkoholfreien Cocktails zaubert, die man sich vorstellen kann und das Circus, in dem ich den besten Kaffee des Vereinigten Königreichs trinken durfte (Nachtrag: Leider musste ich erfahren, dass es geschlossen wurde.).

        

 

5. Haggis

„Wow“, denkt ihr euch sicherlich,“Wie kann man Haggis auf Platz 5 stellen?! Sind das nicht Tierinnereien?“ Ja. Haggis besteht aus Schafsmagen, der mit Herz, Leber, Lunge und Nierenfett gefüllt wird. Oke. Das so ausgeschrieben zu sehen, klingt wirklich eklig. Aber – gut gemacht – schmeckt es einfach wie Hackbraten (aus Schaf allerdings). Zugegeben: Ich könnte es nicht jeden Tag essen, was aber allein der Vorstellung geschuldet ist, dass es Schafsinnereien sind. Den besten gibt es, meiner Meinung nach, im Angels with Bagpipes.

 

4. Deep Fried Mars Bars

Kennt ihr die Folge von King of Queens, in der Doug dieses Restaurant findet, in dem man alles frittieren kann – auch Mars-Riegel? Diese Folge ist etwa … puh … 15 Jahre alt. Seit dieser Ausstrahlung möchte ich unbedingt wissen, wie frittierter Mars-Riegel schmeckt und in Schottland wurde mein Traum endlich wahr! Wie er schmeckt? Meine über 15 Jahre angesammelten Erwartungen wurden nicht enttäuscht 🙂

        

 

3. Rätselabende, Table Top Cafés und Quiznights

In Edinburgh kann einem nicht langweilig werden, erstrecht nicht, wenn man ein kleiner Nerd ist (aber auch wirklich nur ein kleiner). Fast jeder Pub bietet an mindestens einem Abend der Woche Quiznights oder andere Rätselabende an. Einfach dazu setzen, mitmachen und neue Leute kennenlernen. Wer abends nichts mehr raus möchte, hat auch tagsüber die Chance, sich an einen Tisch in einem der vielen Table Top Cafés zu setzen und allerlei Brett- und Kartenspiele mit anderen Menschen zu spielen – aber Achtung, hier wird’s wirklich nerdig!

        

        

 

2. Arthur’s Seat + Holyrood Park

Mit einer Höhe von 251 m ist Arthur’s Seat der Hausberg Edinburgh und Teil des Holyrood Parks. Fast einen ganzen Tag lang bin ich hier spazieren gegangen und habe diese tolle Landschaft und den Blick von oben mit seiner unendlichen Ruhe auf mich wirken lassen. Dieses idyllische Fleckchen Erde zählt weltweit zu meinen absoluten Lieblingsorten. Selten strahlt ein Ort so viel Ruhe aus, die man mit jedem Atemzug inhalieren möchte.

        

        

        

        

 

1. Greyfriars Kirkyard + Greyfriars Kirk ( + The Elephant House)

Naja. Was soll ich sagen?! Ich liebe Joanne K. Rowling und die Harry Potter Bücher. Das Elephant House ist das Café, in dem sich J. K. Rowling jeden Morgen mit ihrem (damals noch) Baby einen Kaffee bestellte, um den ganzen Tag dort am Fenster zu sitzen, ihre Bücher zu schreiben und Heizkosten zu sparen, die sie sich nicht leisten konnte. Ja, natürlich musste ich mir dort einen Kaffee bestellen und am Fenster den Blick auf das Schloss genießen. Anschließend machte ich mich auf den, von dort aus, kurzen Weg zum Greyfriars Kirkyard. Auch J. K. Rowling tat das. Zumindest oft genug, um sich von den hier Ruhenden für die Namen vieler Protagonisten inspirieren zu lassen. Ich war erstaunt und erfreut zugleich, wie untouristisch doch alles ist – schließlich handelt es sich hier auch um einen Friedhof. Auf meinem Weg nach draußen lernte ich den 75-jährigen Donald kennen, der mich herzlich zu einem keltischen Gottesdienst in der Greyfriars Kirk einlud. Hier fühlte ich mich augenblicklich in einen Dan Brown Roman versetzt … Nach dem Gottesdienst sprachen wir lange über die keltische Geschichte und deren Traditionen und wie sie leider langsam auszusterben drohen. Diese Begegnung ist bis heute tief in meinem Herzen verankert (Donald war es auch, der mir die Wanderung zu Arthur’s Seat empfahl).

(Donald, if you might ever read this: Thank you so much for your time and for sharing all your thoughts and love!)

        

        

Danke, Schottland, dass Du ein Teil von mir bist.

St. Petersburg, Russland

Da auf meiner Bucket List steht, jedes Land der Welt einmal besucht zu haben, komme ich also auch nicht um Russland herum und so geht meine Reise über Halloween 2016 nach St. Petersburg. Rückblickend denke ich aber, dass St. Petersburg noch wesentlich europäischer ist, als der Rest von Russland. Aus diesem Grund wird es mich wohl doch noch einmal in den asiatischen Teil ziehen … nun gut.

St. Petersburg ist weltweit die nördlichste Millionenstadt – und darauf sind sie auch sehr stolz. So ziemlich jeder Reiseführer beginnt mit diesen Worten. Was Dir aber kein Reiseführer sagt, ist, dass St. Petersburg im ganzen Jahr gerade mal 12 Sonnentage hat. Jap. Weniger als zwei Wochen schönes Wetter pro Jahr. Und was Dir auch kein Reiseführer erzählt, ist, dass alle Reiseführerfotos in etwa genau diesen 12 Tagen entstanden sein müssen, denn in der Realität sieht alles etwas trister aus … allerdings war ich nicht nur vom Wetter überrascht, sondern auch vom Essen. Dieses Mal zweifellos im positiven Sinne! Wer hätte gedacht, dass die Leningrader solch kulinarische Überflieger sind?! Auch ihre Tee-Künste hinterlassen bleibende Eindrücke – und das sage ich als halbe Perserin. Mit Tee kenne ich mich aus.

        

Russland ist eines der wenigen Länder, für dessen Reise man mit deutschem Pass noch ein Visum braucht. Dieses empfehle ich, früh genug zu beantragen, denn das kann wirklich viel Zeit oder Geld beanspruchen, wenn man Pech hat. Mein Visum habe ich direkt in einem russischen Reisebüro beantragt. Das war auch eine gute Entscheidung, denn man muss etliche Formulare ausfüllen und seinen Wortlaut gut durchdenken – hierbei hilft einem der Mitarbeiter, bzw. übernimmt das. Darüber hinaus benötigt man eine Auslandskrankenversicherung, die Russland ausdrücklich mit abdeckt: Mit der ErgoDirekt habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Über Airbnb habe ich eine wirklich schöne Unterkunft im Herzen der Stadt gebucht. Was ich von hier aus nicht zu Fuß erreiche, kann ich entspannt mit den U-Bahnen oder Zügen abdecken.

        

Ich startete mit einer Bootsrundfahrt über die Newa, um mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu machen. Die Tour ist leider – wie so vieles – nicht auf Englisch verfügbar, sondern ausschließlich auf Russisch. Also genieße ich die Fahrt und den Ausblick bei eisigen Temperaturen an, und nicht unter, Deck. Die Strecke sollte man allerdings niemals aus den Augen lassen, denn unter den meisten Brücken muss man sich, je nach Wasserstand, durch bücken. Schilder weisen regelmäßig darauf hin.

        

        

Im Jahr 2003, zu Ehren der 300-Jahrsfeier, wurden zahlreiche Sehenswüdigkeiten aufwendig restauriert. Neben den 250 Museen, besitzt St. Petersburg weitere 4.000 denkmalgeschützte Bauten. Im Zentrum der Stadt gehören dank der beeindruckenden Architektur über 2.400 Paläste, Schlösser und Prunkbauten der UNESCO an – weltweit wird St. Petersburg auf diesem Gebiet nur noch von Venedig übertroffen.

        

        

Am nächsten Tag mache ich mich mit dem Zug auf den Weg zum Peterhof, 30 km westlich von St. Petersburg. Das ist das im goldenen Sonnenschein schimmernde Prunkschloss Peter I., in eurem Reiseführer. Naja. Wie gesagt: Das Wetter ist grausam nass-kalt und der Himmel dauerhauft bewölkt. Bei Schnee (immerhin habe ich hier einen kleinen Haufen davon gefunden) und Sonnenschein muss es aber wirklich wunderschön aussehen! Vom Bahnhof in St. Petersburg aus kommt man ohne Umsteigen, in einem viel zu stark beheizten Zug, direkt zur Station Razvodnaya, von der aus man mit dem Bus zum Schloss fährt. In den Sommermonaten kann man die Strecke auch über Wasser vom Hafen aus mit einem Boot zurück legen. Die einzelnen Bauten kann man ebenfalls von innen besichtigen, darf allerdings keine Fotos schießen. Dies wird auch streng kontrolliert.

        

        

Mein optisches Highlight war die Auferstehungskirche (Church of the Savior on Blood) im Zentrum der Stadt. Als Zeichen gegen die westliche Architektur der Stadt, lies Alexander III die Kirche zu Ehren seines an genau diesem Ort ermordeten Vaters, Zar Alexander II, erbauen.

        

                                    

        

Da die Kirche nicht nur mein persönliches optisches Highlight ist, tummeln sich vor Ort viele Souvenirhändler und Schausteller. Auf dem 4,5 km langen Newski-Prospekt befinden sich ohnehin fast ausschließlich Souvenirläden, die ihre Preise alle samt miteinander abgesprochen haben. Wer, wie ich, nicht in der Haupttouristenzeit kommt, erhält „netterweise“ einen außerhalb-der-Saison-Rabatt, der wenigstens einen minimalen Handlungsspielraum zulässt. Natürlich ist unter den Angeboten sehr viel Kruscht, aber ich kam einfach nicht umher, mir dieses handbemalte Kunstwerk, das ich tatsächlich in keinem der anderen Läden fand, für viel zu viel Geld zu kaufen:

        

Diese süße Kautzdame konnte ich leider nicht mit nach Deutschland nehmen, aber ich glaube, sie mochte mich.

        

Wer nach St. Petersburg reist, darf sich natürlich auch das Eremitage nicht entgehen lassen. In mir hat das Eremitage auch etwas ausgelöst: Und zwar die Erkenntnis, dass man auch nicht alles gesehen haben muss, wenn es einen gar nicht wirklich interessiert. Das Bauwerk ist sehr beeindruckend, die Räumlichkeiten sehen für sich alle wirklich schön aus und wurden atemberaubend schön restauriert, auch der Vorplatz ist nett anzusehen, aber in Wirklichkeit kann ich mit Kunstwerken wenig anfangen und war nur dort, um da gewesen zu sein. Von den über 350 Sälen und 65.000 Exponaten werde ich mich kaum noch an ein einziges erinnern. Aber das ist okay, man muss ja schließlich nicht alles toll finden und so überlasse ich meinen Platz, inmitten tausender Selfiesticks und Reisegruppen, in Zukunft lieber echten Kunstliebhabern. Wissen sollte man aber, dass man vor dem Haupteingang an kleinen Automaten, die wie Parkhausticketautomaten aussehen, bereits Eintrittskarten kaufen kann und so dem stundenlangen Gewarte entgeht und ganz entspannt an der meterlangen Schlange vorbeispazieren kann. Man kommt sich vor wie in dem beliebtesten Club der Stadt, von dem man die Türsteher kennt, und wird von allen Seiten bewundernd angehimmelt.

        

        

                                    

        

        

Ich muss zugeben, die Bauwerke, Kunstmuseen und Prunkbauten haben mich, trotz ihrer Schönheit, nicht unbedingt vollends begeistert und nur auf Grund derer würde ich niemandem von Herzen empfehlen können, St. Petersburg zu bereisen. Was ich aber jedem von Herzen empfehlen kann, ist die Vielfalt an Tee, die die Russen anbieten und dieses unglaublich gute Essen! Die Stadt hat kulinarisch deutlich schmeckbare französisch-italienische Einflüsse, die sie aber mit einem Hauch Russland so vermischen, dass etwas neuartig Gutes bei heraus kommt. Trinkgeld wird Touristen im Regelfall selbstredend einfach auf die Rechnung geschlagen. 10 % Service-Fee („сервис„) ist gängig und so muss kein extra Trinkgeld gegeben werden. Jedoch sind Servicekräfte im Restaurant oder Café außerordentlich herzlich und der Zusatzverdienst angebracht.

Wer zur Zeitverschiebung reist, sollte bedenken, dass Russland seit ein paar Jahren bei der Zeitverschiebung nicht mehr mitspielt. Das hat mir einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, da es sehr spät hell und sehr früh wieder dunkel wird.

St. Petersburg ist ganz anders als beispielsweise südostasiatische Länder. Das Land ist reich genug, weiß um seinen Status und sieht es oft nicht einmal ein, Englisch überhaupt zu verstehen. (Es empfiehlt sich, im Vorfeld ein paar russische Buchstaben zu lernen oder die offline-Version des Google Translaters herunter zu laden.) Die Reise ist eher unpersönlich und hat mehr mit einem Städtetrip zu tun, als wirklich mit einer emotionalen Reise, bei der man das Land und seine Bewohner kennenlernen darf.