Kanarische Inseln

Zu welchem Land gehören eigentlich die Kanarischen Inseln? Politisch gesehen gehören sie zu Spanien, geographisch allerdings zu Afrika und wenn man es ganz genau nimmt, gehören sie biogeographisch zu Makaronesien („gesegnete, glückliche Inseln“), zu dem auch Inselgruppen wie die Kapverden oder die Azoren gehören. Die Kanaren bestehen insgesamt aus sieben Hauptinseln und sechs Nebeninseln – allesamt sind sie vulkanischen Ursprungs und entweder erst kürzlich erloschen oder bis heute noch aktiv. Die ältesten Inseln sind Fuerteventura und Lanzarote, die einst sogar nur eine Insel waren.

Da die Kanaren politisch zu Spanien gehören, kann man sowohl mit dem Personalausweis einreisen als auch kostenlos (je nach Vertrag) mit seinem Handy telefonieren und surfen.

Bekannt unter den „Inseln des ewigen Frühlings“, würde ich sie heutzutage umtaufen in die „Inseln des ewigen Sommers“. Seit etwa drei Jahren leiden die Kanaren unter einer Dürre und Temperaturen von teilweise über 50° Grad. (Dear Mr. Trump, there IS something like climate warming!)

        

Über Silvester und bis Mitte Januar fliege ich nach Gran Canaria, Lanzarote und fahre spontan mit der Fähre nach Fuerteventura. Da ich gerne flexibel und unabhängig bin, habe ich mir für jede Insel einen Mietwagen gebucht. Für meinenTagesausflug nach Fuerteventura nehme ich das Auto auf der Fähre mit – allerdings muss man das vorher mit seiner Mietwagengesellschaft abklären, da sonst unter Umständen die Versicherung unwirksam wird. Ein kurzer Anruf bei meinem Anbieter Cicar und die Überfahrt wird kostenfrei dazu gebucht. Von Gran Canaria nach Lanzarote nehme ich die kleine Propellermaschine, die mehrmals am Tag von Insel zu Insel fliegt.

Gran Canaria

Keinen Kilometer kann man auf Gran Canaria zurücklegen, ohne nicht wenigstens 20 Fahrradfahrern und 15 Joggern zu begegnen. Unterscheiden, ob es Kanarios oder Touristen sind, kann man wirklich nicht. Die Menschen auf dieser Insel scheinen unglaublich sportlich zu sein. Auch kann man kaum Kilometer zurück legen, ohne nicht an mindestens fünf riesen großen Einkaufszentren vorbei zu fahren. Eine Einkaufsmeile, wie wir sie in Deutschland kennen (und lieben), gibt es hier nirgends. Verständlich, wenn man bedenkt, dass es von April bis November 2017 nicht unter 42° Grad heiß war und die Einkaufszentren gut klimatisiert werden.

        

Wer, wie ich, Silvester auf einer der Inseln verbringt, der sollte wissen, dass die Insulaner das Fest sehr ernst nehmen. Fast alle Restaurants haben für diesen Abend geschlossen und die Gastronomen verbringen den Abend im Kreise der Familie. Auch der 01. Januar ist Feiertag, weshalb alles nördlich Maspalomas‘ wie ausgestorben ist.

Mit meinem kleinen Fiat 500 plane ich zwei Tagestouren über die Insel. Die erste Tour ist etwa 200 km lang, dauert trotzdem – mit vielen Foto- und Essenspausen – den ganzen Tag, da die serpentinenartigen Straßen nicht schneller als mit 30 km/h befahren werden können. Je weiter ich den Vulkan hoch fahre, desto deutlicher wird, dass Gran Canaria mehrere Klimazonen hat. Im Süden strahlt die Sonne und man kann in Badesachen am Strand liegen, während man im Outback Pullover und Softshell einpacken sollte, um dem Wind zu trotzen.

Von Agüimes aus fahre ich durch Santa Lucia nach San Bartolomé de Tirajana. Das Dorf ist umgeben von den höchsten Bergen der Insel und ganz in der Nähe des berühmten Roque Nublo. Von dessen Parkplatz aus mache ich mich auf die zweistündige Wanderung zu Gran Canarias Wahrzeichen. Wer nicht so viele Fotopausen einlegt, nicht auch abseits des Weges etwas klettert oder am Ziel nicht so lange den Ausblick genießt, schafft den Weg auch in der Hälfte der Zeit. Ich rate dazu, morgens / vormittags zu kommen, da ich die Wanderung und den Roque Nublo fast für mich alleine hatte und auf dem Rückweg schon die Touristenbusse Schlange standen.

        

Die Wanderung und die Umgebung des Roque Nublo ist absolut traumhaft und mein Lieblingsort der Insel. Ihr solltet also Zeit mitbringen, um diesen Ort und den Ausblick auch zu Genüge genießen zu können.

        

Mein nächster Halt ist der Pico de las Nieves, mit 1.949 m der höchste Punkt der Insel und die Spitze des heute erloschenen Vulkans, aus dem die Insel besteht.

Der Aussichtspunkt Degollada de Becerra bietet das wohl bekannteste Panorama der Insel. Von hier aus fahre ich nach Tejeda, einem wirklich schönen, kleinen Dorf, das Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist. Ein Restaurant reiht sich an das nächste und so beschließe ich, hier meine Mittagspause zu verbringen. Den Tag beende ich mit der landschaftlich traumhaften Fahrt von Tejeda nach Maspalomas und dem Überwinden des dort aufgefangenen Kulturschocks in Meloneras.  Die Düne von Maspalomas ist ganz nett und nicht ganz so schrecklich überlaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Trotz allem, ist Maspalomas mein wahrgewordener Albtraum. So in etwa stelle ich mir die Schinkenstraße auf Malle vor. Schnell weg!

Meine zweite Tagestour, mit einer Länge von ca. 250 km, führt mich von Puerto de Mogan in die Region Artenara. Das Höhlendorf Acusa Seca (bei Kilometer 12,3 der GC-210) wurde bereits von Ureinwohnern Gran Canarias bewohnt und ist es auch heute noch. Neben Wohnhäusern befinden sich hier Getreidespeicher und auch Grabkammern. Der Blick ist atemberaubend schön und da die Fahrt dorthin nicht ganz ungefährlich ist, hat man auch hier seine Ruhe vor Reisebussen, die die Straße nicht befahren können.

        

        

Die Stauseen im Gebirge sind aufgrund der letzten Jahre leider so gut wie ausgetrocknet und kaum mehr vorhanden. Traurig, wenn man sieht, wie hoch hier Jahrhunderte lang der Wasserstand stand, der das Umland versorgen muss, und jetzt lediglich noch eine kleine Pfütze zu erahnen ist.

        

Meine Tour führt mich über Teror, auf den Pinos de Galdar, der einen großartigen Blick auf die umliegenden Kieferwälder bietet (Wie ihr seht, ich liebe Aussichtspunkte.), zur Hochebene Vega de Acusa.  Die Strecke von La Aldea de San Nicolas, durch Mogan, zurück nach Puerto de Mogan, ist so schmal und kurvig, dass auch hier keine Busse fahren können und dürfen. Die Fahrt bietet wieder fantastische Ausblicke, die sich hinter jeder Kurve selber übertreffen.

Bevor ich mich selber ausgiebig mit der Insel beschäftigte und dann auch selber vor Ort war, war Gran Canaria für mich eine weniger attraktive Deutschland-Touristen-Insel. Doch hat diese kleine Insel so viel mehr zu bieten, als nur den Strand von Maspalomas! Faszinierende und vielfältige Landschaftsbilder warten nur darauf bewandert zu werden.

Lanzarote

Am 01. Januar lande ich auf Lanzarote und wie erwartet, ist Arrecife, die Hauptstadt der Insel, auch hier wie ausgestorben. Aber das ist nicht weiter schlimm: Die Sonne scheint, ich spaziere durch die menschenleere Stadt, hinauf in den 17. Stock des Grand Hotels am Stadtstrand und genießen die Ruhe. Lanzarote verspricht deutlich ruhiger und entspannter zu werden, als Gran Canaria.

        

        

Man sagt, der schönste Strand der Insel sei der Playa del Papagayo und davon will ich mich selber überzeugen. Ich bin froh einen Mietwagen (mit Unterbodenversicherung) zu haben, denn weder öffentliche Verkehrsmittel noch Taxen fahren diesen Strand aufgrund des sehr steinigen und löchrichgen Anfahrtswegs an. Also entweder hat man einen Mietwagen oder man darf die 5 km zu Fuß in der brennenden Sonne laufen. Mit dem Auto zahlt man € 3,00 Wegzoll. Der Strand ist wirklich schön, sehr sauber und aufgrund der Anfahrt ganz und gar nicht überfüllt. Ein kleines Restaurant gibt es auch. Der gesamte Strandabschnitt besteht aus acht Stränden und ist seit einigen Jahren Monumento Natural de Ajaches, weshalb die Straße – Gott sei Dank – so belassen wird, wie sie ist. Mein liebster dieser Strände ist der Playa de Mujeres. Hier ist es aufgrund der Breite des Strandes noch ruhiger und entspannter.

        

Der Playa de Famara in der gleichnamigen Stadt Caleta de Famara ist perfekt für Wassersport, allerdings ist Schwimmen hier aufgrund der starken Unterströmung verboten. Entsprechend windig ist es auch am Strand, weshalb man sich hinter kleinen Sandhaufen schützen und die Handtücher mit Steinen beschweren sollte.

        

Den Sonnenuntergang genieße ich bei Meeresrauschen in El Golfo. Das kleine Dörchen besteht quasi nur aus Restaurants und die Häuser sind nahezu alles Ferienhäuser.

        

        

Wo man auch ist, ist César Manrique – der Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer, der Lanzarote und seine Sehenswürdigkeiten geprägt und kreiert hat. Zu seinen Meisterwerken gehört unter anderem die Jameos del Agua. Der Lavatunnel diente einst als Müllhalde und wurde von César Manrique zu einem Kunstwerk umgebaut, das nun auch ganz seltene Albinokrebse beheimatet, die ansonsten nur in über 2.000 m Tiefe zu erahnen sind. Angebaut ist ein kleines Museum über die Geschichte der Vulkane und der Kanarischen Inseln. Tagsüber ist das Ganze schon wirklich schön anzusehen, doch ich kaufe Karten für ein mehrgängiges Dinner bei Nacht, gefolgt von einem Konzert in den klangstarken Hallen des Lavatunnels. Klingt nicht nur unfassbar schön, sondern war es auch. Das Essen war super lecker und konnte am Vorabend noch auf individuelle Wünsche angepasst werden. Nach dem etwa zweistündigen Essen, bleibt genügend Zeit, die mit Licht in Szene gesetzten Höhlen und das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Wir sind etwa 30 Personen, verteilt auf das ganze Gelände. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie traumhaft dieser Abend war.

        

        

        

Ein weiteres Werk des Künstlers César Manrique ist der Jardin de Cactus, ein großer Kakteengarten, der in einen offenen Steinbruch hinein gepflanzt wurde. Das kleine Restaurant bietet Speisen und Getränke und die Idylle lädt zum Verweilen ein. Über 7.200 Pflanzen kann man hier bestaunen.

        

        

Auf den Spuren César Manriques führt mich der Weg ganz in den Norden Lanzarotes auf den Mirador del Rio, von dem aus man auf 475 m Höhe einen guten Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa hat. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kombitickets für einige Sehenswürdigkeiten zu kaufen. Dies lohn sich allerdings nicht immer und sollte vorher einmal berechnet werden. Ich hätte beispielsweise € 8,00 drauf gezahlt, hätte ich ein Kombiticket gekauft.

Die Cueva de los Verdes ist ebenfalls ein Lavatunnel, der beim Ausbruch des Montaña Corona geformt wurde. Das Innere ist ausgebaut zu einem Rundgang, der in der Mitte zu einem Veranstaltungsgemäuer führt, in dem regelmäßig klassische Konzerte stattfinden. Die Führung ist ganz nett und findet ihren Höhepunkt bei einer optischen Täuschung – aber mehr soll nicht verraten werden.

        

        

Lanzarote ist bekannt für seinen Wein. Allerdings wird der hier nicht, wie bei uns in Deutschland auf Weinbergen angebaut, sondern in durch Steinmauern geschützten Löchern. Die Weinlandschaft ähnelt einer verkraterten Mondlandschaft, an der man sich nicht satt sehen möchte.

        

Im Nationalpark Timanfaya, der auch Montañas del Fuego genannt wird, fühlt man sich dann endgültig in eine andere Welt versetzt. Wandern ist hier strinkt verboten und durch den Park kann man nur mit einer geführten Bustour. Absolut verständlich, wenn man bedenkt, dass die Erde hier so heiß ist, dass nicht nur die Schuhsohlen schmilzen können. Wenige Meter unter der Erde, ist es bereits so heiß, dass Stroh direkt anfängt zu brennen oder man sein Essen problemlos mit dieser Hitze grillen kann.

        

        

Es empfiehlt sich wirklich, direkt um 9.00 Uhr am Park zu sein, da man ansonsten sehr lange warten muss. Im Bus würde ich mich in Fahrtrichtung rechts setzen, da hier ein kleines bisschen bessere Sicht ist. Den Eintritt kann man nur bar entrichten und es gibt auch keinen Geldautomaten in Laufnähe. Folgt man bei Ausfahrt der Straße ein kleines bisschen weiter, so kommt man an das Informationszentrum des Parks. Ein wirklich sehr informativer Aufenthalt, auch wenn das Gebäude ein bisschen in die Jahre gekommen ist.

        

Ein weiterer Nationalfeiertag auf den Kanaren sind die Heiligen drei Könige (06. Januar). Dieses Fest ist den Insulanern wichtiger als Weihnachten. Wenn man Glück hat, kann man an einer der Paraden ihnen zu Ehren teilhaben. Als Weihnachtsmänner verkleidet tanzen Menschen, gefolgt von Konfetti- und Bonbonkanonen, überdimensional großen Comicfiguren und selbstverständlich den Heiligen Königen, die auf Dromedaren reiten, durch die Straßen. Nach der Parade versammelt sich das Dorf auf dem Dorfplatz, wo die Heiligen Könige an die Kinder Süßigkeitentüten verteilen. Sehr amüsant zu beobachten! Die Paraden finden meist am 05. Januar statt und zum Frühtück des 06. Januars gibt es ganz besondere Leckereien …

        

        

        

Von diesen drei Inseln hat mir Lanzarote am besten gefallen. Die Menschen wirken ausgeglichen und glücklich, lachen viel und sind sehr herzlich. Der Tourismus hat hier noch nicht so viel Unruhe reingebracht, wie auf Gran Canaria. Lanzarote bietet auch einige Wanderwege, die aber vermutlich nicht ganz so beeindruckend sind, wie Gran Canarias Hochland.

Fuerteventura

Die Tickets für die Fähre nach Fuerteventura kaufe ich ganz entspannt morgens am Hafen von Playa Blanca. Hierzu benötige ich meinen Pass (oder Personalausweis) und das Kennzeichen des Autos. Auch die Rückfahrt muss ich im Vorfeld festlegen – eine Umbuchung ist zwar möglich, aber in meinem Fall war die spätere Fähre schon ausgebucht. Um 9.00 Uhr geht es also mit der ersten Fähre des Anbieters Armes in 35 Minuten Fahrt auf die Insel und um 18.00 Uhr wieder zurück nach Lanzarote.

Schon bei der Ankunft fällt mir auf, dass Fuerteventura deutlich schmutziger ist als Lanzarote und überall kleinere Müllhaufen am Straßenrand herumgeweht werden.

        

Meine Tour führt mich zuerst nach Betancuria. Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt von Piraten zerstört und musste von den Anwohnern neu aufgebaut werden. Heute ist sie die historischste und schönste Stadt der Insel.

Entlang des Vego de Rias Palmas gelange ich zum Mirador las Peñitas, von dem aus ich den Blick auf das Tal der tausend Palmen genieße. Tausend Palmen sind es zwar mit Sicherheit nicht, aber der grüne Fleck in mitten der Wüstenlandschaft ist hübsch anzusehen.

        

Fährt man die Straße noch ein kleines Stück weiter, erreicht man den nächsten Aussichtspunkt: Mirador del Risco de las Peñas. Vom Parkplatz aus kann man eine kleine Wanderung an die Klippe machen, um so einen fantastischen Blick bis hin zur Küste zu genießen.

        

Über Pájara, auf ein Mittagessen an der Küste von El Cotillo, fahre ich in Fuerteventuras Nationalpark und seinen Dünenlandschaften. Die Küsten sind gefüllt von Kites und Surfern. Bei dem Wind ist es das absolute Paradies für diese Art von Wassersport! Die Dünen sind weitaus Größer als die auf Gran Canaria und die Stimmung deutlich entspannter. Der Wind pfeift den Sand um die Ohren und verwandelt die Wellen in lautes Rauschen.

        

        

Die letzten 1.5 Stunden, bevor die Fähre ablegt, versuche ich mir in Corralejo zu vertreiben. Allerdings gestaltet sich das Vorhaben als schier unmöglich. Kein Café hat geöffnet, die Städte der Insel sind wie ausgestorben, es ist zu windig, um am Strand zu liegen und surfen kann ich leider auch nicht. Für Surfer oder Kiter muss es das absolute Paradies sein, aber wer kein Strandwetter hat, kann auf Fuerteventura neben ein paar historischen Mühlen (jedes kleinste Dorf wirbt mit seinen eigenen … ) nicht sehr viel erleben und wird merken, dass ein paar Stunden völlig ausreichen.

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