Morocco

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Hier sind wir also. Drei Freundinnen aus Deutschland, von denen eine seit ca. einem halben Jahr in Barcelona studiert und zwei weiterhin in Deutschland. Und wir vermissen uns. Da sowohl die Flüge nach Barcelona als auch die nach Deutschland seit viel zu langer Zeit unerwartet teuer sind und wir zusätzlich alle drei noch wahnsinnig neugierig auf die Welt sind, werden wir kreativ und entscheiden uns dafür einen Trip nach Marokko zu planen. Ein Land, das zumindest mich schon seit längerer Zeit sehr interessiert, ich aber nicht allein bereisen möchte. Zum Glück studiert Lisann in Barcelona, denn durch sie werden wir auf ein Angebot aufmerksam, das Studententrips nach Marokko anbietet! Eigentlich sind es Trips nach Marokko von Barcelona aus, aber für nur 10€ mehr dürfen Paula und ich auch von Deutschland aus mitfliegen. Das müssen wir uns nicht lange überlegen und so buchen wir die 5-Tages-Tour durch Marokko für Anfang März. Meiner Meinung nach die beste Zeit, um Marokko zu besuchen, da die Tage warm, aber die Nächte kalt. Lieber decke ich mich mit einer zweiten Decke zu als nachts nichts schlafen zu können, weil es zu warm.

Apropos kalte Nächte. Hier ein paar Dinge, die ihr wissen solltet, bevor ihr nach Marokko reist:

  • Zumindest im März sind die Nächte sehr kalt. Das bedeutet vor allem für die Nächte in der Wüste, dass ihr auf jeden Fall eine Mütze oder einen Hoodie einpacken solltet, damit der Kopf nachts warmgehalten wird. Spoiler Alert: Unsere Mütter hatten alle recht damit, als sie uns in unserer Kindheit sagten: „Zieh eine Mütze an! Die meiste Wärme verliert der Mensch über den Kopf.“
  • Die meisten Menschen in Marokko sind muslimischen Glaubens. Das bedeutet nicht nur, dass wir als Gast in ihrem Land ihre Gewohn- und Gepflogenheiten respektieren müssen, sondern auch ihre Umgangsformen. Du solltest Dir also beim Packen Gedanken darüber machen, was Du in Marokko anziehen möchtest, um diesen respektvollen Umgang einzuhalten (vor allem, wenn man sich aus den Großstädten raus begibt): Mindestens Deine Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Unabhängig davon, ob das in anderen Ländern gerade modern ist, sind bauch- oder rückenfrei auch eher uncool. Pack am besten einen Schal oder ein Tuch mit ein, das Du Dir immer um die Schultern legen kannst oder bei Besichtigungen von heiligen Städten über den Kopf. Allerdings ist es nicht erforderlich in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen.
  • In Marokko bezahlt man mit Marokkanischen Dirham (MAD). Der Wechselkurs zum Euro beträgt aktuell etwa 1:10, was das Umrechnen wirklich einfach macht. ATMs findet man direkt am Flughafen, in allen größeren Städten und Dörfern und auch das Bezahlen mit Kreditkarte ist nahezu überall möglich.
  • Trinkgelder wurden von mir nicht gerne angenommen. Vielleicht kann mir ein Marokkaner, der das liest, erklären warum? Aus diesem Grund habe ich es schnell wieder gelassen, um niemanden zu beleidigen. Besteht ihr trotzdem auf Trinkgeld, so gebt es mit der rechten Hand, da die linke Hand in arabischen Ländern als beleidigend gilt. In Städten wird euch das jeder verzeihen, aber vielleicht auf manchen Dörfern nicht.
  • Eine Sim Karte mit 5GB Daten habe ich am Flughafen direkt für umgerechnet 8 € gekauft. Telekom Morocco hat unter anderem die besten Netzabdeckung landesweit.

Marokko ist ein Königreich und überall in den Hotels, Läden und Märkten trifft man auf das Portrait des Königs. Das Königreich liegt im Nordwesten Afrikas und ist über die sogenannte Straße von Gibraltar nur wenige Kilometer über das Mittelmeer vom spanischen Festland entfernt. Mit einer Bevölkerung von 32,6 Millionen Einwohnern hat das Land weniger als die Hälfte von Deutschland, ist jedoch aufgrund 447.000 m² Fläche etwa 1,2 Mal so groß. Marokkos Hauptstadt ist die Küstenstadt Rabat. Als Landessprache gilt zwar Arabisch am verbreitetsten, jedoch wird aufgrund der Kolonialzeit weit verbreitet Französisch gesprochen und in touristisch geprägten Orten auch fließend Spanisch, aufgrund der Nähe zum spanischen Festland. Erst seit 1956 ist Marokko keine französische Kolonie mehr und unabhängig.

Wie in allen arabischen Ländern ist Handeln gerne gesehen und wird zu einer regelrechten Sportart, wenn man sich darauf einlässt. Der echte Preis liegt im Normalfall bei 50 % des zuerst genannten, außer es sind Festpreise ausgeschrieben.

Die Einreise von Deutschland aus ist relativ unproblematisch. Mit einem Reisepass von mindestens sechs Monaten Gültigkeit darf man sich bis zu 90 Tage visafrei im Land aufhalten. Und so treffe ich mich mit Paula Bahia-standardmäßig drei Stunden vor Abflug hinter der Sicherheitskontrolle am Stuttgarter Flughafen. Noch nie war ich so schlecht auf eine Reise vorbereitet wie auf diese. Ich stecke gerade mitten in meiner Bachelorarbeit, mein Kopf steht mir weiß-Gott-wo und ich kann diesen fünf-Tages Trip nach Marokko kaum noch erwarten, um endlich wieder klar denken zu können. Kurz vor dem Landeanflug auf Marrakech füllen wir noch fix die Unterlagen für das Gesundheitsministerium aus, die wir bei Einreise, zusammen mit unserem Pass, dem Zollbeamten aushändigen (Tipp: Packt immer einen Kugelschreiber ein, denn diese werden im Flugzeug zum Ausfüllen der Unterlagen nie mit ausgeteilt.). In unseren Pässen vermerkt der Zollbeamte neben dem Einreisestempel handschriftlich eine Einreisenummer, die im jeweiligen Hotel erneut überprüft und abgefragt wird.

Wir heben Bargeld ab, kaufen uns eine Sim Karte und da wartet auch schon der Abholservice auf uns, der uns für den ersten Abend in ein Hotel nach Marrakech bringt, bevor der Trip am nächsten Tag beginnen wird. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt dauert nur ca. 15 Minuten. Schnell bringen wir unser Gepäck aufs Zimmer und spazieren los, um die ersten Eindrücke auf dem berühmten Jama El f’na Market zu sammeln – und natürlich Essen. Marrakech ist die wunderschöne Kombination aus dem alten, traditionellen und dem neuen Marokko. Seine labyrinthartigen Basare (Souqs) werden umsäumt von den Ruinen der Altstadt. Wir kaufen uns hier und da was Kleines für auf die Hand, essen uns von Stand zu Stand und genießen die leckeren frisch gepressten Säfte. Mit Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel, um für die kommenden Tage ausgeruht zu sein.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Ich werde oft gefragt, ob es sicher sei nach Marokko zu reisen. Vor allem als europäisch aussehende Frau. Alleine – muss ich zugeben – würde ich jetzt nicht unbedingt einen Roadtrip durch das Land machen. Aber auch als Gruppe von nur vier jungen Frauen (und in unserem Fall noch anderen Studenten, lokalen Fahrern und Reiseleitern) haben wir uns zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Wie in anderen arabischen Ländern wird man natürlich vor allem auf Märkten oft angesprochen, aber nie angefasst oder festgehalten. Die Marokkaner machen auf mich einen deutlich charmanteren und auch humorvolleren Eindruck als andere arabische Länder, die ich bereisen durfte. Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist, dass es deutlich weniger vermüllt ist als ich erwartet (und in anderen Ländern beobachtet) habe.

       

       

Am nächsten Morgen treffen wir beim Frühstück endlich auf Lisann, die ihre liebe Freundin Sara aus Spanien mitgebracht hat. Gegen 08:30 Uhr fahren wir nach dem Frühstück durch das Atlas Gebirge los, Richtung Dadestal. Die Wegstrecke an diesem Tag beträgt etwa 300 km. Den ersten kleinen Stopp machen wir mitten im Atlas Gebirge.

       

       

Zur Mittagessenszeit treffen wir in der Provinz und dortigen Hauptstadt des Südens Ouarzazate ein. Hier stärken wir uns in einem süßen kleinen Restaurant mit einem sehr traditionellen Gericht: Einer Gemüse-Tajine mit Couscous als Beilage. Eine Tajine ist ein rundes, aus Lehm gebranntes Schmorgefäß mit gewölbtem oder spitzem Deckel. Darin kann man nicht nur sehr gut Gemüse schmoren lassen, sondern auch alle möglichen Fleischarten. (Auf diesem Bild wurde der Inhalt der Tajine auf einem Teller angerichtet, aber weiter unten seht ihr die richtigen Bilder dazu.)

       

       

Mit vollem Magen und gestärkt laufen wir zu Fuß weiter zum UNSECO Weltkulturerbe Ksar Ait-Ben-Haddou. Die befestigte Stadt am Fuße des Hohen Altas dient häufig als internationale Filmkulisse – beispielsweise für den Film „Gladiator“ oder die Serie „Game of Thrones“. Wobei ich gestehen muss, dass ich zu den wenigen Menschen dieser Welt zähle, die „Game of Thrones“ nie gesehen haben. Please don‘t judge me! Wir lernen erstmals die Kultur kennen und hören kleine Geschichten. Unter anderem zeigt uns einer der Anwohner, wie er aus Tee und anderen Naturmaterialien ganze Landschaften kunstvoll auf Pergament brennt und es so für immer halt- und sichtbar macht. Der Aufstieg zur Plattform ist anstrengend, aber jeden Schritt wert, denn die Aussicht ist unglaublich schön!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Die zweite Nacht verbringen wir im Dadestal. Wir schaffen es gerade pünktlich, um noch den Sonnenuntergang im Gebirge bestaunen zu können. Das Abendessen im Hotel Vieux Chateau ist so unfassbar lecker und mit so viel Liebe zubereitet – falls ihr in der Gegend seid, dürft ihr euch das nicht entgehen lassen. Und wenn ihr nur zum Essen dort vorbeifahrt! Zur Vorspeise gibt es eine leckere Curry-Suppe und zur Hauptspeise wieder eine Gemüse-Tajine mit selbstmariniertem Hühnchen, Reis und Couscous. Wir sind im Himmel!

       

       

       

Nach einem ebenso leckeren Frühstück geht es gegen 09:00 Uhr morgens wieder auf die Straße. Unser heutiges Ziel ist das kleine Dorf Merzouga am Rande der Sahara und an der Grenze zu Algerien. Die Wegstrecke heute beträgt etwa 280 km. Auf dem Weg dorthin machen wir erst einmal Halt in der Oasenstadt Tinghir. Die Stadt ist mit zwei Palmenoasen gesegnet, aus denen man Datteln, Feigen, Oliven und viele weitere Leckereien ernten kann.

       

       

       

Kurz vor der Todra-Schlucht halten wir an und dürfen zu Fuß durch die atemberaubende Schlucht laufen. Die hohen Steilwände sind bis zu 300 m hoch und locken zahlreiche Klettersportler an. Respekt – ich würde mich da vermutlich nicht hoch trauen. Der Oued (Fluss) Todra hat sich hier einen eindrucksvollen Weg nach Süden eingeschnitten.

       

        

Am Ende der Schlucht werden wir wieder eingesammelt und halten zum Mittagessen in einem liebevoll eingerichteten kleinen Restaurant an der R702. Während wir auf unser Essen warten – wir entscheiden uns wieder für Pfefferminztee und eine Tajine – lassen sich Paula, Lisann und Sara von den Einheimischen in traditionelle Gewänder kleiden und ihre Hände mit Henna verschönern.

       

       

       

       

       

Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der Sahara! Diese dritte Nacht dürfen wir nämlich im marokkanischen Teil der Sahara Wüste schlafen. Weil ich 2012 schon einmal für 14 Tage im tunesisch-lybischen Teil der Sahara war und in etwa weiß, was auf uns zukommen wird, freue ich mich wie verrückt. Der Sternenhimmel, der Sonnenunter- und Sonnenaufgang ist einfach etwas ganz Besonderes, das man nie wieder in seinem Leben vergessen wird oder so woanders sehen darf. So kommen wir im kleinen Dorf Merzouga an. Auch hier wurden tatsächlich schon einige Filme gedreht.

Unser Wüsten-Camp ist noch ein paar Kilometer tiefer in der Wüste gelegen. Um dort hinzugelangen, werden Kamele gesattelt, auf denen wir durch die Wüste reiten dürfen. Nur Paula und ich entscheiden uns gegen das Reiten und für das Laufen. Mit meinem Hintergrundwissen und Paula als Vegetarierin, können wir das mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Dies hat allerdings auch noch weitere positive Nebenwirkungen: Barfuß durch den warmen Sahara-Sand laufen … wer jetzt nicht zu träumen anfängt, durfte das leider noch nie machen und kann nicht nachvollziehen, wie schön es ist, barfuß durch warmen Sand zu laufen. Davon abgesehen, dass es kaum ein effektiveres Fuß-Peeling gibt. Während alle anderen auf ihren Kamelen festsitzen, rennen wir wie kleine Kinder durch den weichen Sand und können großartige Fotos machen. Nach den vielen Autofahrten ist das Workout auch eine willkommene Abwechslung und tut richtig gut!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

(Sorry für den ganzen Foto-Spam, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches Bild ich am liebsten mag. #sorrynotsorry)

       

       

Paula entschied sich dann noch spontan dazu, die Karavane zu kidnappen und mit uns gemeinsam in die weite Welt durchzubrennen.

An der Sara-Düne angekommen (ihr erfahrt gleich noch, warum sie diesen Namen trägt) kann jeder, der möchte, sandboarden oder einfach nur in Ruhe die Abendsonne genießen – oder beides. Hier bleiben wir, bis die Sonne am Untergehen ist.

       

       

       

       

Zwei der Berber, die in diesem Teil der Sahara leben und aufwuchsen, setzen sich zu uns auf die Decke und lassen lachend all unsere tausend Fragen über ihren Lebenstil und Alltag über sich ergehen. Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Französisch. Wie sich herausstellt, sprechen die beiden acht Sprachen so ziemlich fließend! Aber vor allem eine Sprache spricht Moe fließend: Die Sprache der Liebe. Und so kriegt Sara einen – zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeinten – Heiratsantrag! Als Zeichen seiner Liebe – und weil die Düne zu dessen Füßen wir sitzen, zu klein ist, um bereits einen Namen zu haben – benennt er kurzerhand die Düne nach ihr: Die Sara-Düne. Lachend und quatschend sitzen wir so ein paar Stunden im Sand, erzählen aus unserem Alltag, hören Geschichten aus einem Berber-Alltag und genießen die untergehende Sonne. Kurz vor Dunkelheit brechen wir auf und machen uns auf den Weg, auf die letzten Kilometer ins Camp.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Dieses Camp übertrifft bei weitem all unsere Erwartungen! Wirklich! Wir werden mit frisch aufgebrühtem Pfefferminztee und einem warmen Lagerfeuer in der Mitte des Camps empfangen. In unseren Zelten ziehen wir uns erst einmal etwas Wärmeres an (sobald die Sonne in der Wüste untergeht, herrschen hier Temperaturen um den Gefrierpunkt), wärmen uns am Lagerfeuer und warten auf das Abendessen, das wir in einem großen Zelt gemeinsam einnehmen.

       

       

       

Nach dem Abendessen versammeln wir uns alle in dicke Wolldecken gekuschelt um das Lagerfeuer. Die Berber, die uns heute durch die Wüste geführt haben, veranstalten ein Trommelkonzert für uns und lassen uns an traditionellen Tänzen ihrer Familien teilhaben. Im Anschluss daran, dürfen wir auch mal selbst ran. Was anfangs eher nach einem Geräuschjungle klingt, wird schnell zu „We will rock you“ oder „Don’t worry be happy“. Und so sitzen wir den ganzen Abend bis in die Nacht zusammen, tanzen, lernen die verschiedenen Instrumente und genießen die Wüste.

       

       

       

       

       

Den Wecker für den nächsten Morgen haben wir uns auf 06:30 Uhr gestellt, damit wir mit Kaffee in der Hand dem Sonnenaufgang mit seinen wärmenden Strahlen entgegenfiebern können. Wir sind zwar hundemüde von der doch sehr kurzen Nacht, aber auch das frühe Aufstehen wird selbstverständlich mit einem Morgen, der uns die Sprache verschlägt, belohnt.

       

       

       

       

       

   

Nachdem wir unsere Worte wiedergefunden haben, packen wir unsere Taschen und machen uns auf den Weg zurück nach Marrakech. Von hier aus sind das knapp 500 km und dank zwei kleinen Essenspausen etwa 11 Stunden Fahrt, die vor uns liegen.

Müde, aber glücklich und voller Eindrücke kommen wir spät abends im Hotel an. Um unseren letzten Abend noch so perfekt ausklingen zu lassen, wie diese Reise, entschließen wir uns dazu, trotzdem noch in die Stadt zu gehen und in dem kleinen Restaurant Café Des Épices die letzten gemeinsamen Stunden bei frisch gepressten Säften und leckerem Essen zu verbringen. Am nächsten Morgen müssen Lisann und Sara schon früh zum Flughafen und so verabschieden wir uns schon abends voneinander.

Danke, Mädels, für die tolle Zeit!

 

Zur Übersicht hier noch einmal unsere Reiserouten:

Day 1
Day 2
Day 3

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