Nachhaltiges Reisen

Auf Reisen nicht mehr als seine Fußabdrücke zu hinterlassen, ist nicht immer ganz einfach, aber in vielen Ländern umso wichtiger. Kaum ein Land dieser Welt hat das Privileg, diesbezüglich solch gute Bildungsmöglichkeiten anzubieten, wie wir in Deutschland nutzen können.

Dass Reisen verändert, hört man so oft, dass man manchmal nur noch mit den Augen rollen möchte. Leider muss ich Dir sagen, dass Reisen wirklich verändert. Reisen zeigt Dir neue Blickwinkel, lässt Dich in neue Welten eintauchen und Emotionen kennenlernen, von denen Du vorher noch nicht einmal wusstest, dass Du sie überhaupt in Dir trägst. Reisen erweitert Deinen Tellerrand und schafft neues Bewusstsein. Bewusstsein für sich, für seine Mitmenschen, für das, was wirklich wichtig ist und auch für die Umwelt. Von all den Orten, die ich bereisen darf und Kulturen, die mir ihre Welt zeigen, möchte ich irgendwann auch einmal meiner Nachwelt nicht nur erzählen und Fotos zeigen können. Ich möchte ihnen die Möglichkeit schaffen, das alles mit ihren eigenen Augen sehen und mit ihrem eigenen Herzen erfahren zu können!

All die schönen Orte und Kulturen dieser Erde zu erhalten, ist nur dann möglich, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten – und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Aus diesem Grund versuche ich hier all die Tipps & Tricks aufzulisten, die es Dir einfacher machen, nachhaltiger zu reisen. Da die Liste so schnell nicht vollständig sein wird und es immer wieder neue Kleinigkeiten gibt, die man tun kann, freue ich mich sehr über Deine Ideen in den Kommentaren.

Fünf Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen gehen global auf den Tourismus zurück. Aber nachhaltig zu reisen bedeutet mehr als nur Treibhausgasemissionen einzusparen. Ich hoffe euch mit dem folgenden Post ein Gefühl dafür geben zu können, wie denkbar einfach Nachhaltigkeit auf Reisen ist, aber auch wie wertvoll und wichtig! Nachhaltigkeit bedeutet nicht unbedingt auch teurer und wirklich jeder von uns kann ein paar wichtige Dinge beachten. Je mehr, desto besser!

Bevor ich es vergesse: Was im Ausland nachhaltig ist, ist es auch hier Zuhause 🙂

0. Kompensation der CO2-Emissionen
Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Den CO2-Ausstoß zu kompensieren ist nicht dasselbe wie gar nicht erst zu fliegen. Ich weiß. Aber trotz des Fliegens habe ich einen verhältnismäßig geringen ökologischen Fußabdruck (4-5 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr; der deutsche Durchschnitt liegt bei 12,36 Tonnen pro Jahr; weltweit im Übrigen bei 7,41 Tonnen pro Jahr … wir Deutschen sind leider mit einer der Spitzenreiter – still room for improvement bei mir), weil ich bewusst auf viele Dinge in meinem Alltag achte und konsequent umsetze. Da ich meine Neugierde auf die Welt nicht zurückhalten kann, gönne ich mir den Luxus des Reisens. Umso wichtiger ist es für mich, jeden einzelnen meiner Flüge über Websites wie ClimatePartner zu kompensieren. Für einen Flug von Stuttgart nach Hamburg sind das ca. 10€ (eine Strecke, die ich normalerweise mit dem Zug zurücklege) und für einen Flug von München nach Namibia ca. 60€ – absolut angemessen im Verhältnis zum Ticketpreis.

1. Direktflüge buchen

Der Flug alleine verursacht etwa 90% der CO2-Emissionen Deiner gesamten Reise. Start und Landung stoßen hierbei die größte Menge aus. Wenn Du direkt fliegst, sparst Du je nach Anzahl der Zwischenstopps sogar die Hälfte an CO2-Emissionen ein – und ganz nebenbei auch noch die Angst, Deinen Anschlussflug zu verpassen oder Dein Gepäck an einem der Zwischenstopps zu verlieren.

2. Sehr einfach, sehr wirkungsvoll: (virgin) Plastik ist doof.
Das meiste Plastik ist einfach unnötig. Warum werden Bananen oder Orangen nochmals einzeln in Plastik verpackt? Sie haben doch schon eine Schale. Oder warum muss der bereits in Plastik verpackte Apfel nochmal in einer Plastiktüte in den Rucksack gepackt werden? Naja. Ihr wisst ja, worauf ich hinaus will. Natürlich lässt sich der Plastikwahnsinn in vielen Ländern nicht vermeiden, aber er lässt sich zumindest eingrenzen. Nehmt ’ne Juuuute mit in den Urlaub und lasst wenigestens die Plastiktüten weg. Da es gerade in Südostasien oft nur 0.5 L Wasserflaschen oder 5 L (und mehr) Kanister zu kaufen gibt und das Hahnwasser absolut nicht trinkbar ist, habe ich mir eine Trinkflasche gekauft, die ich über die Wasserkanister auffüllen kann und wenigstens ein bisschen Plastik einspare. Meine Flaschen sind außerdem faltbar (da ich gerne mit wenig Gepäck reise).

Update [08. Januar 2020]: Mittlerweile ist seit mehr als einem Jahr eine Glasflasche mein ständiger Begleiter. Die Plastikflaschen schimmelten irgendwann und so praktisch sie auch sind, so sehr ist aber auch Glas geschmacks- und geruchsneutral und gründlicher zu reinigen.  Meine Flasche ist eine Soulbottle. Sie wird nicht nur klimaneutral in Deutschland produziert, sondern vom Erlös wird auch Geld an diverse Organisationen gespendet.

Update [24.06.2020]: Nachdem ich einfach zu tollpatschig für Glas bin (zwei Mal … ) und mich ebenfalls das Gewicht der Glasflasche ein bisschen gestört hat, bin ich jetzt bei einer 24bottle gelandet und nach aktuellen Stand auch wirklich glücklich.

3. Handtücher, Wasser und Strom sparen
Verhaltet euch einfach wie Zuhause auch. Da wascht ihr die Handtücher ja auch nicht jeden Tag, oder? Handtücher aufhängen und nicht auf den Boden legen, beim Zähneputzen und Hände einseifen das Wasser ausmachen und das Handyladekabel aus der Steckdose ziehen, solange ihr es nicht nutzt. Viele Länder haben akuten Wassermangel und das Wasser, das ihr verschwendet, fehlt den Einwohnern dann in ihrem Alltag. Auch ist die Netzspannung im
Ausland selten so stabil wie bei uns in Deutschland. Bevor die Sicherungen also durchbrennen und man sie austauschen muss, lieber das Handy erst nach dem Haareföhnen einstecken oder die Haare einfach lufttrocknen lassen – tut ihnen eh besser. Die Klimaanlage funktioniert übrigens auch, wenn man sie erst einschaltet, sobald man zurück ist. Sie muss nicht all die Stunden leer laufen.

4. Lokal einkaufen und Trinkgeld geben
Bei lokalen Händlern einzukaufen, hat nicht nur den Vorteil, dass man wieder viel Plastik sparen kann, da die Früchte auf dem Markt nicht einzeln verpackt sind, sondern man unterstützt auch die Einwohner des Landes direkt, sodass diese sich ihre Lebensgrundlage sichern können. Außerdem kommt das jeweilige Produkt nicht vom anderen Ende der Welt, sondern hat nur wenige Meter Transportweg hinter sich. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang: Trinkgeld geben. Auch das dient ihnen zur Sicherung der Lebensgrundlage für sich und ihre Familie. Mir tut € 1,00 weniger in der Reisekasse sicherlich nicht weh, aber in anderen Ländern ist das oft nahezu ein ganzer Tageslohn. Allerdings gibt es auch Länder, in denen das Trinkgeld schon als Service- oder Touristen-Fee auf die Gesamtsumme aufgeschlagen wurde, bzw. Trinkgeld geben sogar unhöflich ist. An dieser Stelle tritt Punkt #11 in Kraft 🙂

5. Tierquälerei und Touriprogramm vermeiden
Ein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt, ist das Vermeiden von Attraktionen wie Elefanten reiten, Tiger- oder Löwenbabies streicheln oder Selfies mit Koalabären machen. Diese sind IMMER mit Folter und unfassbarer Tierquälerei verbunden – egal, was euch erzählt wird! Über diese Themen könnt ihr euch im Einzelnen auf vielen Seiten im Internet informieren. Lerne nein zu sagen! Auch, wenn das kleine Mädchen noch so niedlich und bedürftig aussieht, das vor Dir steht und den Affen für Dich tanzen lässt. Du alleine bestimmst über Deine Taten und ob Du – eigens für Touristen gegründete – unmoralische und fragwürdige Attraktionen unterstützen möchtest. Du liebst Tiere und verbringst gerne Zeit mit ihnen? Dann besuche doch lieber eine Elefanten-Auffang-Station in Thailand, als auf ihnen zu reiten. Aber auch hier muss man leider vorsichtig sein und genau hingucken. Nicht jede Conservation-Station wurde gegründet, um Tiere zu schützen, sondern leider auch immer mehr, um Touristen anzulocken. Eine einfache Faustregel zur Unterschreidung: Eine echte Tierschutzorganisation lässt weder Interaktionen mit den Tiere zu, noch verkauft sie Tiere oder züchtet sie. Trifft nur einer dieser drei Punkte zu, lauft lieber weiter.

6. Strohhalme und Plastikbesteck
Tatsächlich gehören Einweg-Strohhalme und -Plastikbesteck zu den unnötigsten Erfindungen dieser Welt. Naja, fast zumindest. Auf jeden Fall sind sie weit entfernt von lebensnotwendig. Sie sind beide wirklich umweltverschmutzend. Die Lebensdauer beträgt, je nach Essgeschwindigkeit, etwa zehn Minuten und der Verschmutzungsgrad, den sie den Meeren und der Natur antun, ist damit sicherlich nicht aufzuwiegen. Bei mir immer im Handgepäck: Besteck oder ein Göffer. Eine Gabel-Löffel-Messer-Kombination, die ursprünglich das Campen erleichtern sollte. Aber auch für unterwegs ist es der beste – immer wieder verwendbare – Begleiter.

7. Qualität statt Quantität
Es muss nun wirklich kein 50 ct T-Shirt von Primemark sein und genauso wenig das überteuerte „I ♥ Mallorca“-Shirt vom Billigtourischuppen am Strand. Nach zwei Mal waschen sind sie beide eh kaputt. Wer ein nachhaltiges Mitbringsel aus dem Urlaub haben möchte, sollte lieber dem Schneider um die Ecke einen Besuch abstatten. Hier bleibt das Geld auch bei dem, der die Arbeit hat und muss nicht an Ramsch-Imperien weitergereicht werden. So hat der handgewebte Schal aus einem balinesischen Ureinwohnerdorf nicht nur Zukunft, sondern erzählt auch eine wundervolle Geschichte, die man täglich bei sich tragen darf. Oder der handgeschnitzte Holzelefant aus Namibia, der mich jeden Morgen nach dem Aufwachen anguckt (actually less creepier than it sounds) und mich daran erinnert, dass er die lokalen Handwerksausbildungswege unterstützt und Familien eine Zukunft ermöglichen kann.

8. Nahverkehr oder das gute alte Fahrrad
Es muss nicht für jede Strecke das Taxi, der Scooter (Habt ihr euch mal mit der Umweltbilanz eines eScooters beschäftigt?) oder ein Uber sein. Oftmals ist man mit einer Tram oder der U-Bahn sogar schneller und natürlich auch deutlich günstiger in Metropolen unterwegs. Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt und es die Verkehrsverhältnisse zulassen, kann es auch sehr schön und entspannend sein, sich Fahrräder zu leihen und die Gegend damit zu erkunden. Natürlich kann man selten auf das umweltschädlichste Fahrzeug verzichten – das Flugzeug. Aber auch hier kann man einen kleinen Beitrag zur Umwelt leisten: Man kann mittlerweile fast überall seine CO2 Emissionen ausgleichen. Diese werden von verschiedenen Organisationen ausgerechnet und können in Euro-Spenden an Umweltorganisationen zumindest ein wenig kompensiert werden. Übrigens bieten auch viele Busse und andere Transportmittel diesen Ausgleich an (siehe Punkt #0).

9. Zeitalter der Digitalisierung nutzen
Heutzutage haben wir eines immer bei uns: Das Smartphone. All die Flugtickets vom Online-Checkin oder Hotelbuchungsbestätigungen muss man wirklich nicht mehr ausdrucken, sondern kann die PDF auf seinem Smartphone speichern. Wer sichergehen will, vor Ort an seine Buchungsbestätigungen zu kommen und Angst hat, die E-Mail könnte verloren gehen oder der Akku leer, speichert diese zusätzlich in der privaten Dropbox ab und hat so von überall Zugriff darauf. Google Maps bietet außerdem die kostenlose Funktion an, Karten offline zu speichern. Wer das angereiste Land vorab in Deutschland offline speichert, muss keine haptische Karte mitnehmen. All das spart nicht nur Papier, sondern auch Gepäck.

Kleiner Reisetipp am Rande: Auch ein Foto meines Reisepasses, Personalausweises oder anderer wichtiger Dokumente habe ich in meiner Dropbox gespeichert, für den Fall dass sie verloren gehen. Das erleichtert die Wiederbeschaffung – vor allem im Ausland – ungemein!

10. Vorbild sein
Wie oft ich im Ausland schon schief angeguckt wurde, wenn ich eine Plastiktüte beim Einkaufen verneint habe, kann ich kaum noch zählen. Vielerorts wissen die Menschen aufgrund fehlender Aufklärung einfach nicht, was Umweltverschmutzung bedeutet, warum es sich wichtig ist und wie wenig Zeit uns hierfür noch bleibt. Also heißt es hier: Vorbild sein und (respektvoll auf Augenhöhe) Aufklären so oft es geht, in der Hoffnung, man kann auch nur die kleinste Veränderung bewirken.

11. Informier Dich!
Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist die oberste Priorität, sich zu informieren. Hat das Land aktuell Wassermangel? Solltest Du auf unnötigen Stromverbrauch verzichten? Wie sieht die allgemeine Lage aus? Das Beantworten all solcher Fragen hilft Dir, das Land vor Ort zu unterstützen, die Umwelt zu schonen und den Einwohnern den Alltag nicht unnötig schwer zu machen. Denn Du darfst nie vergessen, dass Du zu Gast bei ihnen bist.

12. Speziellen Müll wieder mit nach Hause nehmen
Nicht in allen Ländern wird Müll so gut getrennt, wie in Deutschland. Aus diesem Grund solltest Du speziellen Müll, wie Batterien, einfach wieder mit nach Hause nehmen und hier entsorgen. Auch Verpackungsmüll, den Du vor der Reise schon hast, kannst Du vor Antritt schon im Gelben Sack entsorgen und nimmst ihn so erst gar nicht mit.

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