Not suck at traveling

Diese Welt ist so wunderschön und voller faszinierender Eindrücke und ich kann aus tiefstem Herzen verstehen, wenn man so viel von ihr sehen möchte, wie möglich. Allerdings kann man auf Reisen auch so einiges falsch machen … oder besser: auch so einiges richtig machen, wenn man darauf achtet und sich Mühe gibt.

Dieser Post zeigt Dir nicht, wie Du am besten Geld sparst, wann es die günstigsten Flüge gibt oder wo gerade Nebensaison ist. Er ist auch keine Packliste für den Strandurlaub oder eine Reise ins schöne Unbekannte. Dieser Post soll Dir eine kleine Prise Intercultural Competence verleihen und Dir den Tellerrand aufzeigen, damit Du ihn regelmäßig eigenständig erweitern kannst und ein Gefühl dafür entwickelst. Allerdings hat dieser Post auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Perfektion und ich freue mich über jeden eurer Kommentare und Verbesserungsvorschläge.

Zu diesem Beitrag inspirierte mich meine Lieblingsvorlesung im Studium: „Intercultural Competence“. Ich sitze also Montagmorgen vor meinem Bildschirm (denn ganz Corona-like habe ich in meinem letzten Semester ausschließlich Online-Vorlesungen und keine in der Präsenz) und vor mir liegt ein etwa zehn-Stunden-Tag Vorlesung. „Na das kann ja was werden.“, denke ich. (Nicht, weil ich nicht gerne lerne oder in die Uni gehe, sondern weil Online-Vorlesungen unfassbar anstrengend sind, wie sicherlich einige von euch bestätigen können. Aber das ist ein anderes Thema.) Kurzfassung (Spätestens hier hast Du sicherlich schon gemerkt, dass ich gerne mal ausschweife.): Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Ansicht, dass ich einen sehr ausgedehnten Tellerrand habe. Aber wie sich herausstellte, reichte dieser bisher nur bis zum Schattigen Land (kleine König-der-Löwen-Referenz für alle Disney-Liebhaber) und nicht über diese Grenze hinaus. Meine Synapsen sprühen Funken … Kurze Zeit später erreicht mich die Nachricht eines Kommilitonen:“Wäre das nicht ein cooles Thema für Deinen Blog?“ Spätestens jetzt steht für mich fest, dass ich wirklich darüber schreiben will und sollte.

Doch ich bin der Meinung, dass nicht nur Unternehmen, die vorhaben global zu expandieren oder Manager, die Herausforderungen auf einem neuen Markt suchen, in Intercultural Competence unterrichtet werden sollten, sondern auch jeder einzelne Mensch, der zum Reisenden wird.

Durch vermeintlich Unwichtiges oder noch so irrelevant Erscheinendes, können in anderen Ländern und Kulturen die größten Missverständnisse entstehen, die prinzipiell einfach zu vermeiden sind. Beispielsweise bedeutet der Daumen, den wir in Deutschland am Straßenrand zeigen, in der Hoffnung, wir finden eine kostenfreie Fahrgemeinschaft, in Israel so viel wie ein Mittelfinger bei uns. Tramper, die sich vorher also nicht informiert haben, beleidigen unwissentlich jeden Vorbeifahrenden und ärgern sich im Nachhinein darüber, dass die Israelis ein so unhöfliches Volk sind, die keine Tramper mitnehmen. Diese Botschaft verbreitet sich dann im schlimmsten Fall in der ganzen Welt. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen.

In eine kunterbunte Familie hineingeboren zu werden, die auf der ganzen Welt verstreut ist, hat mir von Geburt an beigebracht, mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt zu wandern. Es hat mich gelehrt, Menschen und deren Andersartigkeit nicht zu verurteilen, sondern die Einheit in Vielfalt zu zelebrieren und wertzuschätzen. Mir war allerdings bis zu dieser besagten Vorlesung nicht so sehr bewusst, wie viele Charakterzüge, Wesensmerkmale und Handlungsweisen nicht individuell, sondern kulturell bedingt sind. Naja … beschäftigt man sich dann wiederum mit den einzelnen Kultur- oder Weltanschauungsebenen, erhält der Begriff „Individuum“ eine ganz neue Bedeutung. Aber auch das ist ein anderes Thema.

Ich habe mir also überlegt, was jeder einzelne von uns vor, während und auch nach einer Reise tun kann, um … naja … how to not suck at traveling. Die Tipps und Gedanken hierzu versuche ich so neutral – und damit global – wie möglich zu halten, damit sie auf jede Reise und für jedes Land anwendbar sind.

1. Informieren! Informieren! Informieren!

Um diesen Tipp kommst Du nicht herum. Aber wenn Du schon bis hier her gelesen hast, hast Du offensichtlich auch Lust, Dich zu informieren. Informiere Dich über Gos und No-Gos des Landes, über kulturelle Besonderheiten, Handbewegungen, Kleidungsvorschriften, Religionen, Gepflogenheiten, geschichtliche Vergangenheit, setz Dich mit der anderen Kultur auseinander, lies einen Roman, der mit dem Land zu tun hat … keine Kultur oder Gesellschaft erwartet von Dir, dass Du alles weißt und perfekt bist, aber so wie Du Dich vor dem ersten Besuch bei den neuen Schwiegereltern informierst, um möglichst niemandem auf die Füße zu treten, so solltest Du Dich auch über ein neues Land informieren. Vergiss nicht: Du bist dort zu Gast. Du bist freiwillig dort und hast es Dir ausgesucht. Zeige Respekt für Dein Umfeld.

2. Lerne einfache Worte.

Bitte, danke, hallo – das reicht oft schon aus, um Deinem neuen Gegenüber ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und das erste Eis zu brechen. Schneller als Du es Dir vorstellen kannst, wird sich daraufhin Dein Wortschatz erweitern, denn jeder wird direkt Lust bekommen, Dir noch mehr Worte beizubringen. Die ersten Lacher sind vorprogrammiert und was verbindet schon mehr als gemeinsames Lachen?!

3. Verlasse kein Land, ohne nicht mindestens einmal mit Einheimischen gespeist zu haben.

Eine Sache, die Menschen eventuell noch schneller verbindet als gemeinsam zu lachen, ist: Essen. Setz Dich irgendwo dazu, nein sagen wird kaum jemand. Lass Dir Speisen und Getränke empfehlen, versuche die Namen auszusprechen (Hier kommen dann die nächsten Lacher.) und genieß das Essen. Die sich daraus entwickelnde Dynamik wird Dich verzaubern! Vielleicht gehst Du auch noch einen Schritt weiter und zahlst das Essen für alle. Nicht in allen Regionen dieser Welt wird das gerne gesehen oder aber erst nach kulturell bedingtem Diskutieren geduldet – hier kommt dann wieder #1 ins Spiel.

4. Gib Dein Geld bei Einheimischen aus…

… und lass Dir die Geschichte hinter den Souvenirs erzählen. Wirklich niemand braucht ein zwanzigstes, seelenloses Hard-Rock-Café-Shirt oder die nächste Deko, die auf dem Regal einstaubt. Greif doch lieber mal zum handgepressten Olivenöl, einer liebevoll getöpferten Schüssel oder dem mühevoll geschnitzten Holzelefanten. Frag nach, woher das Kunststück kommt oder wie Olivenöl überhaupt hergestellt wird. Mit Freuden wird man Dir jedes einzelne Detail erzählen und erklären und jedes Mal wirst Du Dich beim Kochen über Giovannis Olivenöl freuen, mit dem Du das Essen zubereitest, das danach in Rosis getöpferter Schüssel drapiert wird. Auch Deine Freunde und Familie stellen sich lieber den kleinen Holzelefanten ins Regal, der dafür sorgt, dass Menschen in Namibia Handwerkskunst erlernen und ihren Kindern so die Schulbildung ermöglichen.

5. Vergiss westliche Standards.

Denn diese sind, was sie sind: westliche Standards, nicht globale. Wenn Du panische Angst vor Käfern hast, dann buche Dich lieber in eine große Hotelkette ein, anstatt abends im Restaurant ein angewidertes Gesicht zu machen, nichts anfassen zu wollen oder Dich lautstark zu beschweren, dass in Deiner Außendusche im Dschungel ein großer Falter wohnt. Oder suche Dir direkt einfachere Reiseziele aus, bis Du soweit bist. Menschen, die Dich in ihrem Alltag und ihrer Heimat aufnehmen, wollen sich meist von ihrer besten Seite zeigen und geben sich die größte Mühe – erkenne das an.

6. Spread the word!

Um global Vorurteile und Stereotype zu überwinden und bestenfalls die Völkerverständigung ein bisschen voran zu treiben, erzähle so vielen Menschen, die es hören wollen (oder auch nicht hören wollen), von Deinen schönen Erfahrungen. Du weißt nie, wer gerade am Nebentisch sitzt und zuhört …

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