St. Petersburg, Russland

Da auf meiner Bucket List steht, jedes Land der Welt einmal besucht zu haben, komme ich also auch nicht um Russland herum und so geht meine Reise über Halloween 2016 nach St. Petersburg. Rückblickend denke ich aber, dass St. Petersburg noch wesentlich europäischer ist, als der Rest von Russland. Aus diesem Grund wird es mich wohl doch noch einmal in den asiatischen Teil ziehen … nun gut.

St. Petersburg ist weltweit die nördlichste Millionenstadt – und darauf sind sie auch sehr stolz. So ziemlich jeder Reiseführer beginnt mit diesen Worten. Was Dir aber kein Reiseführer sagt, ist, dass St. Petersburg im ganzen Jahr gerade mal 12 Sonnentage hat. Jap. Weniger als zwei Wochen schönes Wetter pro Jahr. Und was Dir auch kein Reiseführer erzählt, ist, dass alle Reiseführerfotos in etwa genau diesen 12 Tagen entstanden sein müssen, denn in der Realität sieht alles etwas trister aus … allerdings war ich nicht nur vom Wetter überrascht, sondern auch vom Essen. Dieses Mal zweifellos im positiven Sinne! Wer hätte gedacht, dass die Leningrader solch kulinarische Überflieger sind?! Auch ihre Tee-Künste hinterlassen bleibende Eindrücke – und das sage ich als halbe Perserin. Mit Tee kenne ich mich aus.

        

Russland ist eines der wenigen Länder, für dessen Reise man mit deutschem Pass noch ein Visum braucht. Dieses empfehle ich, früh genug zu beantragen, denn das kann wirklich viel Zeit oder Geld beanspruchen, wenn man Pech hat. Mein Visum habe ich direkt in einem russischen Reisebüro beantragt. Das war auch eine gute Entscheidung, denn man muss etliche Formulare ausfüllen und seinen Wortlaut gut durchdenken – hierbei hilft einem der Mitarbeiter, bzw. übernimmt das. Darüber hinaus benötigt man eine Auslandskrankenversicherung, die Russland ausdrücklich mit abdeckt: Mit der ErgoDirekt habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

Über Airbnb habe ich eine wirklich schöne Unterkunft im Herzen der Stadt gebucht. Was ich von hier aus nicht zu Fuß erreiche, kann ich entspannt mit den U-Bahnen oder Zügen abdecken.

        

Ich startete mit einer Bootsrundfahrt über die Newa, um mir einen ersten Eindruck von der Stadt zu machen. Die Tour ist leider – wie so vieles – nicht auf Englisch verfügbar, sondern ausschließlich auf Russisch. Also genieße ich die Fahrt und den Ausblick bei eisigen Temperaturen an, und nicht unter, Deck. Die Strecke sollte man allerdings niemals aus den Augen lassen, denn unter den meisten Brücken muss man sich, je nach Wasserstand, durch bücken. Schilder weisen regelmäßig darauf hin.

        

        

Im Jahr 2003, zu Ehren der 300-Jahrsfeier, wurden zahlreiche Sehenswüdigkeiten aufwendig restauriert. Neben den 250 Museen, besitzt St. Petersburg weitere 4.000 denkmalgeschützte Bauten. Im Zentrum der Stadt gehören dank der beeindruckenden Architektur über 2.400 Paläste, Schlösser und Prunkbauten der UNESCO an – weltweit wird St. Petersburg auf diesem Gebiet nur noch von Venedig übertroffen.

        

        

Am nächsten Tag mache ich mich mit dem Zug auf den Weg zum Peterhof, 30 km westlich von St. Petersburg. Das ist das im goldenen Sonnenschein schimmernde Prunkschloss Peter I., in eurem Reiseführer. Naja. Wie gesagt: Das Wetter ist grausam nass-kalt und der Himmel dauerhauft bewölkt. Bei Schnee (immerhin habe ich hier einen kleinen Haufen davon gefunden) und Sonnenschein muss es aber wirklich wunderschön aussehen! Vom Bahnhof in St. Petersburg aus kommt man ohne Umsteigen, in einem viel zu stark beheizten Zug, direkt zur Station Razvodnaya, von der aus man mit dem Bus zum Schloss fährt. In den Sommermonaten kann man die Strecke auch über Wasser vom Hafen aus mit einem Boot zurück legen. Die einzelnen Bauten kann man ebenfalls von innen besichtigen, darf allerdings keine Fotos schießen. Dies wird auch streng kontrolliert.

        

        

Mein optisches Highlight war die Auferstehungskirche (Church of the Savior on Blood) im Zentrum der Stadt. Als Zeichen gegen die westliche Architektur der Stadt, lies Alexander III die Kirche zu Ehren seines an genau diesem Ort ermordeten Vaters, Zar Alexander II, erbauen.

        

                                    

        

Da die Kirche nicht nur mein persönliches optisches Highlight ist, tummeln sich vor Ort viele Souvenirhändler und Schausteller. Auf dem 4,5 km langen Newski-Prospekt befinden sich ohnehin fast ausschließlich Souvenirläden, die ihre Preise alle samt miteinander abgesprochen haben. Wer, wie ich, nicht in der Haupttouristenzeit kommt, erhält „netterweise“ einen außerhalb-der-Saison-Rabatt, der wenigstens einen minimalen Handlungsspielraum zulässt. Natürlich ist unter den Angeboten sehr viel Kruscht, aber ich kam einfach nicht umher, mir dieses handbemalte Kunstwerk, das ich tatsächlich in keinem der anderen Läden fand, für viel zu viel Geld zu kaufen:

        

Diese süße Kautzdame konnte ich leider nicht mit nach Deutschland nehmen, aber ich glaube, sie mochte mich.

        

Wer nach St. Petersburg reist, darf sich natürlich auch das Eremitage nicht entgehen lassen. In mir hat das Eremitage auch etwas ausgelöst: Und zwar die Erkenntnis, dass man auch nicht alles gesehen haben muss, wenn es einen gar nicht wirklich interessiert. Das Bauwerk ist sehr beeindruckend, die Räumlichkeiten sehen für sich alle wirklich schön aus und wurden atemberaubend schön restauriert, auch der Vorplatz ist nett anzusehen, aber in Wirklichkeit kann ich mit Kunstwerken wenig anfangen und war nur dort, um da gewesen zu sein. Von den über 350 Sälen und 65.000 Exponaten werde ich mich kaum noch an ein einziges erinnern. Aber das ist okay, man muss ja schließlich nicht alles toll finden und so überlasse ich meinen Platz, inmitten tausender Selfiesticks und Reisegruppen, in Zukunft lieber echten Kunstliebhabern. Wissen sollte man aber, dass man vor dem Haupteingang an kleinen Automaten, die wie Parkhausticketautomaten aussehen, bereits Eintrittskarten kaufen kann und so dem stundenlangen Gewarte entgeht und ganz entspannt an der meterlangen Schlange vorbeispazieren kann. Man kommt sich vor wie in dem beliebtesten Club der Stadt, von dem man die Türsteher kennt, und wird von allen Seiten bewundernd angehimmelt.

        

        

                                    

        

        

Ich muss zugeben, die Bauwerke, Kunstmuseen und Prunkbauten haben mich, trotz ihrer Schönheit, nicht unbedingt vollends begeistert und nur auf Grund derer würde ich niemandem von Herzen empfehlen können, St. Petersburg zu bereisen. Was ich aber jedem von Herzen empfehlen kann, ist die Vielfalt an Tee, die die Russen anbieten und dieses unglaublich gute Essen! Die Stadt hat kulinarisch deutlich schmeckbare französisch-italienische Einflüsse, die sie aber mit einem Hauch Russland so vermischen, dass etwas neuartig Gutes bei heraus kommt. Trinkgeld wird Touristen im Regelfall selbstredend einfach auf die Rechnung geschlagen. 10 % Service-Fee („сервис„) ist gängig und so muss kein extra Trinkgeld gegeben werden. Jedoch sind Servicekräfte im Restaurant oder Café außerordentlich herzlich und der Zusatzverdienst angebracht.

Wer zur Zeitverschiebung reist, sollte bedenken, dass Russland seit ein paar Jahren bei der Zeitverschiebung nicht mehr mitspielt. Das hat mir einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, da es sehr spät hell und sehr früh wieder dunkel wird.

St. Petersburg ist ganz anders als beispielsweise südostasiatische Länder. Das Land ist reich genug, weiß um seinen Status und sieht es oft nicht einmal ein, Englisch überhaupt zu verstehen. (Es empfiehlt sich, im Vorfeld ein paar russische Buchstaben zu lernen oder die offline-Version des Google Translaters herunter zu laden.) Die Reise ist eher unpersönlich und hat mehr mit einem Städtetrip zu tun, als wirklich mit einer emotionalen Reise, bei der man das Land und seine Bewohner kennenlernen darf. Aber das Essen … mhh!

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