Kafue Nationalpark im morgendlichen Nebel, Sambia I Bahia Fox

Allgemein: Sambia

Afrikas unentdecktes Paradies

Meine ersten Berührungspunkte mit Sambia hatte ich bereits letztes Jahr, als ich etwa eine Woche in Lusaka verbrachte, bevor die nächste Tour begann, die ich guidete. Wirklich viel hört oder sieht man ja nicht von Sambia in Reiseratgebern, Büchern oder auf den Sozialen Medien … aber auch nur, weil bisher kaum jemand dort war!

Sambia, ein Binnenland im südlichen Afrika – oder Mittelafrika, je nach Interpretation. Auf jeden Fall auf dem wunderschönen Kontinent Afrika. Das Land grenzt an Angola, die Demokratische Republik Kongo, Tansania, Malawi, Mosambik, Simbabwe, Botswana und Namibia. Wow, das sind ganz schön viele Nachbarn!

Der Name des Landes leitet sich vom Fluss Sambesi ab, dem viertlängsten Fluss in Afrikas, der die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe bildet. Sambesi wiederum leitet sich von seinem ursprünglichen Namen „Kazamba Bezi“ ab, was übersetzt so viel heißt wie „Nur die, die den Fluss kennen, sollten ihn nutzen“. Dieser Hinweis ruht unter anderem auf der Tatsache, dass der Flussgott Nyami Nyami und seine Frau hier leben (mehr dazu in meinem Blogpost über den Kariba Stausee) und ebenso darauf, dass er in den Victoria Wasserfällen endet und eine unsachgemäße Benutzung des Flusses mal schnell im Tod enden kann.

Die Flüsse und Feuchtgebiete in Sambia sind essentiell für die Tierwelt der Umgebung: Der mächtige Sambesi, der durch das Land fließt, bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Fischarten und Vögeln. Das Kafue-Flusssystem, das größte Binnendelta Afrikas, ist ein Paradies für Wasservögel und Krokodile. Sambia erstreckt sich über verschiedene Ökozonen, von Savannen über Regenwälder bis hin zu Feuchtgebieten, die die Flora des Landes bunt, vielfältig und wunderschön machen!

Bootfahren im Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

Mit seinen knapp 20 Millionen Einwohnern zieht Sambia jährlich etwa 500.00 Touristen jährlich an, wobei sich hiervon der mit Abstand größte Teil (genaue Zahlen leider nicht vorhanden) ausschließlich auf die Victoria Wasserfälle konzentriert. Auf den Rest des riesigen Landes, verteilt sich lediglich eine Hand voll Touristen.

Seit 2023 benötigen Touristen mit deutschem Pass kein Visum mehr, bzw. dürfen kostenfrei einreisen. Auch der Eintritt zu den Victoria Wasserfällen auf sambischer Seite kostet nur 20 USD (auf simbabwischer Seite: 50 USD!). Ich werde oft gefragt, welche Seite der Wasserfälle schöner ist: Sambia oder Simbabwe? Sie sind beide sehr unterschiedlich und daher auch unterschiedlich schön. Von Simbabwe aus hat man die klassische Aussicht auf die Fälle, die man von den meisten Fotos her kennt. Von Sambia aus gelangt man über eine Brücke, die über die Schlucht führt (Hinweis: Du solltest entweder schwindelfrei sein, schnell rennen oder hoffen, dass die Gischt der Fälle so hoch, dass Du unter Dir den Abgrund nicht sehen kann), ähnlich nah heran.

Victoria Wasserfälle, Sambia I Bahia Fox

Victoria Wasserfälle, Sambia I Bahia Fox

Sambia war vormals Nordrhodesien zugeteilt und wurde am 24. Oktober 1964 von der britischen Kolonialmacht des Vereinigten Königreiches unabhängig, blieb allerdings Mitglied des britisch geführten Commonwealth of Nations und behielt somit auch Englisch als seine Amtssprache.

Im Index der menschlichen Entwicklung belegt Sambia noch weit hinter Nambia, Botswana oder Südafrika Platz 154/191.

  • Fragile States Index: 83,6/120 instabil (Deutschaland: 23,2/120)
  • Demokratieindex: 5,8/10 Hybridregime (Deutschland: 8,67/10)
  • Freedom of World Index: 54/100 teilweise frei (Deutschland: 94/100)
  • Pressefreiheit: 59,41/100 erkennbare Probleme für die Pressefreiheit (Deutschland: 17,96/100)
  • Korruptionswahrnehmungsindex: 33/100 korrupt (Deutschland: 79/100)

Da Sambia 2021 mit Hakainde Hichilema einen neuen Präsidenten wählte, der bereits erste, hoffnungsvolle Veränderungen (im Tourismus und Naturschutz) für das Land herbeiführte, beobachte ich voller Zuversicht und Hoffnung die Zukunft des Landes und die Veränderungen dieser Indexe.

Aufgrund der begrenzten touristischen Entwicklung der Infrastruktur gibt es in Sambia zahlreiche Orte, die weitgehend unberührt sind und sich dem Besucher in ihrer natürlichen Schönheit präsentieren dürfen. Es kommt daher nicht selten vor, dass wilde Tiere die Straßen im Herzen des Landes überqueren. Obwohl Safaris und auch Touren durch das Land (via Kleinflugzeug) mittlerweile auch kommerziell angeboten werden und einen tiefen Einblick in die charakteristische Tierwelt, Natur und Kultur Sambias gewähren, zeichnet sich das Land besonders durch Wander-Safaris aus – denn Sambia gilt als Geburtsstätte der Walking Safaris! Gemeinsam mit erfahrenen Guides, die bei Bedarf auch bewaffnet sind oder sein müssen (nicht weil die Tiere dort besonders gefährlich sind, sondern weil es selbstverständlich auch hier bürokratische Versicherungsauflagen gibt), werden die Täler, Berge und Ebenen des Landes zu Fuß erkundet, um die faszinierende Tierwelt hautnah zu entdecken.

Auch Nacht-Safaris sind in Sambia (nach meinem aktuellen Wissensstand) überall erlaubt und gehören standardmäßig mit zum Safari-Repertoire. Das ist nicht selbstverständlich! In vielen anderen Ländern und Nationalparks sind Fahrten bei Nacht nicht möglich oder sogar verboten. Wer schon einmal auf Nacht-Safari war, wird die spannungsträchtige Neugier nie wieder vergessen, die bei Dunkelheit im afrikanischen Busch, auf der Suche nach den Geschöpfen der Nacht, im offenen Fahrzeug mitschwingt. Hyänen, Löwen, Honigdachse, Pangolins, Ginsterkatzen, Stachelschweine … sie alle sind nachts aktiver als tagsüber und auf Beutezug unterwegs. Sogar wenn man kein Glück hat, eines dieser Tiere zu sehen, verstecken sich im afrikanischen Sternenhimmel unendlich viele Märchen und Sagen, die nur darauf warten, erzählt und gehört zu werden. Der Busch ist voller Wunder, auch wenn nichts klassisch-Aufregendes passiert!

Im Juni 2023 hatte ich das Privileg mit Wilderness Safaris sowohl in den Mosi-Oa-Tunya als auch in den Kafue Nationalpark zu fliegen und mir diese zwei verstecken Juwelen einmal aus nächster Nähe anzugucken …

Neben dem Kafue Nationalpark und dem Mosi-Oa-Tunya Nationalpark, ist Sambia noch für zwei weitere Schutzgebiete bekannt: Der South Luangwa Nationalpark ist berüchtigt für seine hohe Konzentration an Leoparden. Der Lower Zambezi Nationalpark erstreckt sich entlang des Ufers des Sambesi (genau gegenüber vom Mana Pools Nationalpark auf simbabwischer Seite) und ist für seine Elefantenpopulation und die Vielfalt an Wasservögeln geschätzt.

Die Regierung Sambias hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Artenvielfalt des Landes zu schützen und aufrecht zu erhalten. Es wurden zahlreiche Schutzgebiete eingerichtet und Naturschutzorganisationen arbeiten eng mit der Regierung zusammen, um nachhaltigen Tourismus zu fördern und Besuchern ein umweltfreundliches Erlebnis zu bieten.

Sambia ist zweifellos ein Traumziel für Naturliebhaber, Abenteurer und Afrika-Freunde. Die beeindruckende Vielfalt an Flora und Fauna, die weiten Landschaften und die herzliche Gastfreundschaft der Menschen machen Sambia zu einem einzigartigen Reiseziel. Ob man auf Safari geht, durch die Nationalparks wandert oder die malerischen Flüsse erkundet, Sambia bietet unvergessliche Erlebnisse inmitten einer unberührten Natur, abseits der Touristenpfade.

Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

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