Not suck at traveling

Diese Welt ist so wunderschön und voller faszinierender Eindrücke und ich kann aus tiefstem Herzen verstehen, wenn man so viel von ihr sehen möchte, wie möglich. Allerdings kann man auf Reisen auch so einiges falsch machen … oder besser: auch so einiges richtig machen, wenn man darauf achtet und sich Mühe gibt.

Dieser Post zeigt Dir nicht, wie Du am besten Geld sparst, wann es die günstigsten Flüge gibt oder wo gerade Nebensaison ist. Er ist auch keine Packliste für den Strandurlaub oder eine Reise ins schöne Unbekannte. Dieser Post soll Dir eine kleine Prise Intercultural Competence verleihen und Dir den Tellerrand aufzeigen, damit Du ihn regelmäßig eigenständig erweitern kannst und ein Gefühl dafür entwickelst. Allerdings hat dieser Post auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Perfektion und ich freue mich über jeden eurer Kommentare und Verbesserungsvorschläge.

Zu diesem Beitrag inspirierte mich meine Lieblingsvorlesung im Studium: „Intercultural Competence“. Ich sitze also Montagmorgen vor meinem Bildschirm (denn ganz Corona-like habe ich in meinem letzten Semester ausschließlich Online-Vorlesungen und keine in der Präsenz) und vor mir liegt ein etwa zehn-Stunden-Tag Vorlesung. „Na das kann ja was werden.“, denke ich. (Nicht, weil ich nicht gerne lerne oder in die Uni gehe, sondern weil Online-Vorlesungen unfassbar anstrengend sind, wie sicherlich einige von euch bestätigen können. Aber das ist ein anderes Thema.) Kurzfassung (Spätestens hier hast Du sicherlich schon gemerkt, dass ich gerne mal ausschweife.): Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Ansicht, dass ich einen sehr ausgedehnten Tellerrand habe. Aber wie sich herausstellte, reichte dieser bisher nur bis zum Schattigen Land (kleine König-der-Löwen-Referenz für alle Disney-Liebhaber) und nicht über diese Grenze hinaus. Meine Synapsen sprühen Funken … Kurze Zeit später erreicht mich die Nachricht eines Kommilitonen:“Wäre das nicht ein cooles Thema für Deinen Blog?“ Spätestens jetzt steht für mich fest, dass ich wirklich darüber schreiben will und sollte.

Doch ich bin der Meinung, dass nicht nur Unternehmen, die vorhaben global zu expandieren oder Manager, die Herausforderungen auf einem neuen Markt suchen, in Intercultural Competence unterrichtet werden sollten, sondern auch jeder einzelne Mensch, der zum Reisenden wird.

Durch vermeintlich Unwichtiges oder noch so irrelevant Erscheinendes, können in anderen Ländern und Kulturen die größten Missverständnisse entstehen, die prinzipiell einfach zu vermeiden sind. Beispielsweise bedeutet der Daumen, den wir in Deutschland am Straßenrand zeigen, in der Hoffnung, wir finden eine kostenfreie Fahrgemeinschaft, in Israel so viel wie ein Mittelfinger bei uns. Tramper, die sich vorher also nicht informiert haben, beleidigen unwissentlich jeden Vorbeifahrenden und ärgern sich im Nachhinein darüber, dass die Israelis ein so unhöfliches Volk sind, die keine Tramper mitnehmen. Diese Botschaft verbreitet sich dann im schlimmsten Fall in der ganzen Welt. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen.

In eine kunterbunte Familie hineingeboren zu werden, die auf der ganzen Welt verstreut ist, hat mir von Geburt an beigebracht, mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt zu wandern. Es hat mich gelehrt, Menschen und deren Andersartigkeit nicht zu verurteilen, sondern die Einheit in Vielfalt zu zelebrieren und wertzuschätzen. Mir war allerdings bis zu dieser besagten Vorlesung nicht so sehr bewusst, wie viele Charakterzüge, Wesensmerkmale und Handlungsweisen nicht individuell, sondern kulturell bedingt sind. Naja … beschäftigt man sich dann wiederum mit den einzelnen Kultur- oder Weltanschauungsebenen, erhält der Begriff „Individuum“ eine ganz neue Bedeutung. Aber auch das ist ein anderes Thema.

Ich habe mir also überlegt, was jeder einzelne von uns vor, während und auch nach einer Reise tun kann, um … naja … how to not suck at traveling. Die Tipps und Gedanken hierzu versuche ich so neutral – und damit global – wie möglich zu halten, damit sie auf jede Reise und für jedes Land anwendbar sind.

1. Informieren! Informieren! Informieren!

Um diesen Tipp kommst Du nicht herum. Aber wenn Du schon bis hier her gelesen hast, hast Du offensichtlich auch Lust, Dich zu informieren. Informiere Dich über Gos und No-Gos des Landes, über kulturelle Besonderheiten, Handbewegungen, Kleidungsvorschriften, Religionen, Gepflogenheiten, geschichtliche Vergangenheit, setz Dich mit der anderen Kultur auseinander, lies einen Roman, der mit dem Land zu tun hat … keine Kultur oder Gesellschaft erwartet von Dir, dass Du alles weißt und perfekt bist, aber so wie Du Dich vor dem ersten Besuch bei den neuen Schwiegereltern informierst, um möglichst niemandem auf die Füße zu treten, so solltest Du Dich auch über ein neues Land informieren. Vergiss nicht: Du bist dort zu Gast. Du bist freiwillig dort und hast es Dir ausgesucht. Zeige Respekt für Dein Umfeld.

2. Lerne einfache Worte.

Bitte, danke, hallo – das reicht oft schon aus, um Deinem neuen Gegenüber ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und das erste Eis zu brechen. Schneller als Du es Dir vorstellen kannst, wird sich daraufhin Dein Wortschatz erweitern, denn jeder wird direkt Lust bekommen, Dir noch mehr Worte beizubringen. Die ersten Lacher sind vorprogrammiert und was verbindet schon mehr als gemeinsames Lachen?!

3. Verlasse kein Land, ohne nicht mindestens einmal mit Einheimischen gespeist zu haben.

Eine Sache, die Menschen eventuell noch schneller verbindet als gemeinsam zu lachen, ist: Essen. Setz Dich irgendwo dazu, nein sagen wird kaum jemand. Lass Dir Speisen und Getränke empfehlen, versuche die Namen auszusprechen (Hier kommen dann die nächsten Lacher.) und genieß das Essen. Die sich daraus entwickelnde Dynamik wird Dich verzaubern! Vielleicht gehst Du auch noch einen Schritt weiter und zahlst das Essen für alle. Nicht in allen Regionen dieser Welt wird das gerne gesehen oder aber erst nach kulturell bedingtem Diskutieren geduldet – hier kommt dann wieder #1 ins Spiel.

4. Gib Dein Geld bei Einheimischen aus…

… und lass Dir die Geschichte hinter den Souvenirs erzählen. Wirklich niemand braucht ein zwanzigstes, seelenloses Hard-Rock-Café-Shirt oder die nächste Deko, die auf dem Regal einstaubt. Greif doch lieber mal zum handgepressten Olivenöl, einer liebevoll getöpferten Schüssel oder dem mühevoll geschnitzten Holzelefanten. Frag nach, woher das Kunststück kommt oder wie Olivenöl überhaupt hergestellt wird. Mit Freuden wird man Dir jedes einzelne Detail erzählen und erklären und jedes Mal wirst Du Dich beim Kochen über Giovannis Olivenöl freuen, mit dem Du das Essen zubereitest, das danach in Rosis getöpferter Schüssel drapiert wird. Auch Deine Freunde und Familie stellen sich lieber den kleinen Holzelefanten ins Regal, der dafür sorgt, dass Menschen in Namibia Handwerkskunst erlernen und ihren Kindern so die Schulbildung ermöglichen.

5. Vergiss westliche Standards.

Denn diese sind, was sie sind: westliche Standards, nicht globale. Wenn Du panische Angst vor Käfern hast, dann buche Dich lieber in eine große Hotelkette ein, anstatt abends im Restaurant ein angewidertes Gesicht zu machen, nichts anfassen zu wollen oder Dich lautstark zu beschweren, dass in Deiner Außendusche im Dschungel ein großer Falter wohnt. Oder suche Dir direkt einfachere Reiseziele aus, bis Du soweit bist. Menschen, die Dich in ihrem Alltag und ihrer Heimat aufnehmen, wollen sich meist von ihrer besten Seite zeigen und geben sich die größte Mühe – erkenne das an.

6. Spread the word!

Um global Vorurteile und Stereotype zu überwinden und bestenfalls die Völkerverständigung ein bisschen voran zu treiben, erzähle so vielen Menschen, die es hören wollen (oder auch nicht hören wollen), von Deinen schönen Erfahrungen. Du weißt nie, wer gerade am Nebentisch sitzt und zuhört …

Morocco – English version

So here we are. Three friends from Germany, Paula, Lisann and me (Bahia), that haven’t seen each other for a long time; one of us is studying in Barcelona for the last half year and two of us still in Germany. And we miss each other and it’s time for a reunion. Since both the flights to and fro Barcelona or Germany are unexpectedly expensive for far too long, we get creative and decide to plan a trip to Morocco. This is a country that I at least have been very interested in visiting for a long time but didn’t want to travel there alone. Since all three of us are students, it should be an affordable trip to Morocco, so that we can enjoy it not being too concerned about the budget. Through Lisann, who is studying in Barcelona, we find a suitable offer for a student trip to Morocco from Barcelona! Actually it’s a student trip to Morocco from anywhere in Spain, but for only 10€ additional, Paula and I are allowed to fly in from Germany to join. This is a no-brainer for us and so we book the 5-day tour through Morocco for the beginning of March. In my opinion the best time to visit Morocco, because the days are warm but the nights are cold. I might regret this statement, but I would rather advise to take a second blanket than not being able to sleep at night because it is too warm.

Speaking of cold nights – here are a few things to know before going to Morocco:

  • At least in March, the nights are very cold. Especially in the desert this means that you should definitely pack a beanie, a warm head cover or a hoodie to keep warm. Spoiler Alert: All our mothers were right when they told us during our childhood: „Put on a beanie! Most of the body heat is lost through the head.“
  • Most people in Morocco are Muslims. This means that as guests in their country we must respect their customs and beliefs, but also their traditions. So when you are packing for such a trip, you should think about what to wear in Morocco in order to respect these customs, especially when you are leaving the big cities, as the more rural setting is traditionally more grounded. At least your shoulders and knees should be covered. Irrespective of whether this is the fashion in other countries, cropped or backless tops are also rather uncool. It’s best to always pack a scarf or cloth that you can wear around your shoulders or waist and over your head when visiting holy sites. However, it is not necessary to wear a hijab in public.
  • In Morocco you pay with Moroccan Dirham (MAD). The current exchange rate to the Euro is approximately 1:10, which makes the conversion really easy. ATMs can be found directly at the airport, in all bigger cities and some villages. Paying with credit card is possible almost everywhere.
  • Tips are not gladly accepted. Maybe a Moroccan who reads this can explain why? For this reason I quickly stopped it in order not to offend anyone. If you insist on tipping anyway, give it with your right hand, because the left hand is considered insulting in Arab countries. In cities it’s more forgivable but not so much in some villages.
  • I bought a SIM card with 5GB data at the airport for about 8 €. Telekom Morocco has an excellent network coverage throughout the country.

Morocco only gained independence from France in 1956 and is now a Kingdom. Everywhere in hotels, shops and markets you can find the portrait of King Mohammed VI, who is in power since 1999. The Kingdom of Morocco is located in the northwestern tip of Africa and only a few kilometers across the Mediterranean Sea from the Spanish mainland via the Strait of Gibraltar. With a population of 32.6 million inhabitants, which is less than half of Germany’s population, it is about 1.2 times as larger than Germany with an area of 447,000 square kilometers. Morocco’s capital is the coastal city of Rabat. Although Arabic is the most common language, French is widely spoken due to its colonial past. In touristic settings one can also find that a lot of Spanish is being spoken, which may be due to the proximity to the Spanish mainland.

As in all Arabic countries, bargaining is gladly accepted and becomes a real sport if one gets involved. The final price is usually 50% off the first offer, unless fixed prices are given.

Entering the country from Europe is relatively unproblematic. With a passport valid for at least six months, you can stay in the country for up to 90 days without a visa. I forced Paula to meet me “Bahia-standard” three hours before departure at the gate. I have never been so badly prepared for a trip as I am for this one, because I am in the middle of my bachelor thesis, my head is overloaded, and I can hardly wait for this well-deserved five-day trip to Morocco. On route and shortly before approaching Marrakech we fill out the forms for the Ministry of Health, which we hand over to the customs officials together with our passport (tip: always pack a pen, because they are never handed out in the plane). Next to the stamp in our passports, the customs officials writes an individual arrival number by hand, which is cross referenced at every hotel booking, so that your whole trip can be traced and verified.

At the airport we withdraw cash, buy a SIM card for our phones and are picked up by a local driver, who takes us to our hotel in Marrakech for the first evening before our Moroccan adventure starts the next day. The ride from the airport to the city center takes only about 15 minutes. We quickly bring our luggage to our room and start strolling for some first impressions through the famous Jama El f’na Market, which is overflowing with handicrafts, clothes, beautiful materials – and of course, not to forget, all kinds of delicious foods and sweets. Marrakech is a beautiful combination of old, traditional and new Morocco. Its labyrinths of bazaars (so called “souqs”) are surrounded by the old town ruins. We eat our way through stands of various snacks and enjoy the delicious freshly squeezed juices. At sunset we make our way back to our hotel in order to rest for the coming days.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

People have asked me: “Is it safe to visit Morocco … as a European woman?” I have to admit that I probably wouldn’t necessarily do this trip alone, but that’s only me. We never felt uncomfortable at any time, not even as a group of four young women. During the journey we were often surrounded by other students, local drivers and tour guides and really never alone. As in other Arab countries, one is of course often dragged into the competition between passionate vendors at markets, but never touched or held onto. The Moroccans are much more charming and humorous to me as one might expect. It also struck me positively that there is a lot less littering that I observed in other countries.

       

       

The next morning at breakfast we finally meet Lisann, who brought her dear friend Sara from Spain along. At about 08:30 that morning we started our journey through the Atlas Mountains towards Dades valley. We covered approximately 300 km that day, with a first stop in the heart of the Atlas Mountains.

       

       

At lunchtime we arrive in the province and southern capital Ouarzazate. Here we have lunch in a trianquile little restaurant enjoying a traditional dish: a vegetable tajine with couscous on the side. A tajine is a round, clay stew pot with a pointed lid, in it vegetables and all kinds of meat are slow cooked to perfection.

       

       

With a stomach full of happiness, we walk strengthened to the UNSECO World Heritage Site Ksar Ait-Ben-Haddou. The fortified city at the foot of the High Altas mountain range, which by the way often serves as an international film set; i. e. for the film „Gladiator“ or the series „Game of Thrones“. (Not that it deserves a jugdement, I must confess that I might be one of the few people in the world who have never seen the „Game of Thrones“.) As a result of this visit we get to know the culture firsthand and hear related annecdotes, which are of grate significants. In addition we are introduced to the art of parchment paper burning. A local resident shows us how he artistically burns whole landscapes on parchment paper using tea and other natural materials, thus making it permanent and visible forever, very interesting! The climb to the plateau is exhausting, but worth every step, because of the incredible and breathtaking views that one is exposed to.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

We spend the second night in the Dades valley. We make it just in time to watch the stunning sunset behind these magnificient mountains. The dinner at the Hotel Vieux Chateau is so incredibly delicious and prepared with so much love – definitely an culinary event not be missed, even if you only passing by for this incredible dinner! For starters there is a delicious curry soup and for the main dish we were served again a suburb vegetable tajine with well marinated chicken, rice and couscous. We are in heaven!

       

       

       

At around 09:00 a.m., after an equally tasty breakfast we head back on the road towards the small village of Merzouga on the Sahara’s edge and close the border to Algeria, which is our final destination of the day. The distance to be covered today is about 280 km, which doesn’t sound like much, but took us about 6 hours. On the way there our first stop is the oasis town of Tinghir. This town is blessed with two palm tree oaseses, which are rich in dates, figs, olives and many other delicacies.

       

       

       

We stop shortly before the Todra Gorge and continue on foot through this breathtaking gorge with its steep rockfaces, which are up to 300 m high and attract numerous climbers. Respect – I would probably not dare to go up there. Millions of years ago the Oued (directly translated meaning “river”) Todra has cut an impressive path through the mountains towards the south of the country here. Today the river is only a mere stream.

       

        

At the end of the gorge we join our transport again and continue towards the Sahara Desert. We stop for lunch at a lovingly decorated small roadside restaurant along on the R702. While we wait for our meal – we again chose peppermint tea and a tajine. For fun Paula, Lisann and Sara get dressed in traditional clothes by the locals and have their hands decorated with henna, to highlight the occasion. Only a few more kilometers separate us now from the Sahara!

       

       

       

       

       

The third night we are sleeping in the middle of the Sahara Desert in Morocco a beautiful tent camp. Because I have already been in the Tunisian-Libyan part of the Sahara for 14 days in 2012 and I know what we are roughly in for, I am quite excited to share this upcoming experience with my friends. The starry sky, the sunset and sunrise are simply something out of this world that you will never forget. We finally arrive in the small village of Merzouga, which also served as backdrops in some movies.

Our desert tent camp, which I already mentioned previously, is located a few kilometers into the desert. In order to get there, camels were saddled up for us to ride through the desert. ”Woohooo! Morocco camel ride!“ However, Paula and I decide against riding and opted for walking barefoot through the warm Saharan desert sand … if you don’t start dreaming now, you have unfortunately never been allowed to do that before and cannot understand how beautiful it is to walk barefoot through warm sand. Apart from the fact that there is hardly a more effective foot peeling. While everyone else is stuck on their camels, we run like little children through the soft sand and are able to take great photos. After the long car ride, the workout is also a welcome change and really does us good!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

(Sorry for all the photos. I just couldn’t decide which one I like the most. #sorrynotsorry)

       

       

Paula spontaneously decided to kidnap the caravan and run away with us to the end of the world.

We arrived at Sara Dune (you’ll find out in a moment why it carries that name) and anyone who wants to can go sandboarding or just enjoy the evening sun or both can do so. Here we stay until the sun sets – what a wonderful experience it was!

       

       

       

       

Two of the Berbers, one of which name was Moe, who live and grew up in this part of the Sahara join us and laughingly answer all our thousands of questions about their lifestyle, their everyday life and their aspirations. We talk in a mixture of English, Spanish and French, but it works. As it turns out, the two speak eight languages pretty much fluently! But there is one language in particular that Moe speaks fluently: the Language of Love. And not before long Sara gets a – admittedly not quite seriously meant (hopefully) – marriage proposal! As a token of Moe’s love – and because the dune at whose edge we sit is too small to be already named – he spontaneously names it after her: “Sara Dune”. After this auspicious occasion the chatting and laughing, we sit there for a few more hours, reminiscing about everyday life, listen to stories from our two friends and enjoying the setting sun. Shortly before darkness we leave and make our way to the tent camp for the last kilometers.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

This camp exceeds all our expectations by far! Really! We are welcomed with freshly made peppermint tea around a warm campfire, which was set up in the middle of the tent camp. The night is getting quite chilly, as soon as the sun goes down in the desert, the temperatures get close to freezing point. In our tents we first put on something warmer, warm ourselves at the campfire and wait for dinner, which is served in a big tent.

       

       

       

After dinner we all gather around the campfire, huddled up in thick woolen blankets. The Berbers, who led us through the desert today, organize a drumming session for us and let us participate in traditional dances, which later included more other traditional instrument. What started off more like a noise-jungle at the beginning quickly turns into „We will rock you“ and „Don’t worry be happy“; and so we sit together all evening until late at night, dancing, learning the different instruments and enjoying the small desert festivity.

       

       

       

       

       

We set the alarm clock for the next morning at 06:30, in order to enjoy the desert sunrise with its warming rays, coffee in hand. We are dog-tired from the very short night (it was freeeeeezing; I really advise to bring scarfs and hoodies), but even getting up early is of course rewarded by this magnificence sunrise, which leaves us speechless.

       

       

       

       

       

   

After we have found our words again, we pack our bags and make our way back to Marrakech. From here it is about 500 km and thanks to small food breaks the 11 hour drive is finally conquered.

Tired but happy and full of impressions we arrive late that evening at our hotel. In order to crown off this perfect trip, we decide to go into town and spend the last hours celebrating and reminiscing together in the tiny restaurant Café Des Épices with freshly squeezed juices and uber delicious food. We all agree, what a wonderful trip it was! The next morning Lisann and Sara have to leave early for the airport and so we say our goodbyes already that evening.

Thank you, girls, for the great time!

 

To get an overview here once again are our travel routes:

Day 1
Day 2
Day 3

Morocco

Click here for the english version.

Hier sind wir also. Drei Freundinnen aus Deutschland, von denen eine seit ca. einem halben Jahr in Barcelona studiert und zwei weiterhin in Deutschland. Und wir vermissen uns. Da sowohl die Flüge nach Barcelona als auch die nach Deutschland seit viel zu langer Zeit unerwartet teuer sind und wir zusätzlich alle drei noch wahnsinnig neugierig auf die Welt sind, werden wir kreativ und entscheiden uns dafür einen Trip nach Marokko zu planen. Ein Land, das zumindest mich schon seit längerer Zeit sehr interessiert, ich aber nicht allein bereisen möchte. Zum Glück studiert Lisann in Barcelona, denn durch sie werden wir auf ein Angebot aufmerksam, das Studententrips nach Marokko anbietet! Eigentlich sind es Trips nach Marokko von Barcelona aus, aber für nur 10€ mehr dürfen Paula und ich auch von Deutschland aus mitfliegen. Das müssen wir uns nicht lange überlegen und so buchen wir die 5-Tages-Tour durch Marokko für Anfang März. Meiner Meinung nach die beste Zeit, um Marokko zu besuchen, da die Tage warm, aber die Nächte kalt. Lieber decke ich mich mit einer zweiten Decke zu als nachts nichts schlafen zu können, weil es zu warm.

Apropos kalte Nächte. Hier ein paar Dinge, die ihr wissen solltet, bevor ihr nach Marokko reist:

  • Zumindest im März sind die Nächte sehr kalt. Das bedeutet vor allem für die Nächte in der Wüste, dass ihr auf jeden Fall eine Mütze oder einen Hoodie einpacken solltet, damit der Kopf nachts warmgehalten wird. Spoiler Alert: Unsere Mütter hatten alle recht damit, als sie uns in unserer Kindheit sagten: „Zieh eine Mütze an! Die meiste Wärme verliert der Mensch über den Kopf.“
  • Die meisten Menschen in Marokko sind muslimischen Glaubens. Das bedeutet nicht nur, dass wir als Gast in ihrem Land ihre Gewohn- und Gepflogenheiten respektieren müssen, sondern auch ihre Umgangsformen. Du solltest Dir also beim Packen Gedanken darüber machen, was Du in Marokko anziehen möchtest, um diesen respektvollen Umgang einzuhalten (vor allem, wenn man sich aus den Großstädten raus begibt): Mindestens Deine Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Unabhängig davon, ob das in anderen Ländern gerade modern ist, sind bauch- oder rückenfrei auch eher uncool. Pack am besten einen Schal oder ein Tuch mit ein, das Du Dir immer um die Schultern legen kannst oder bei Besichtigungen von heiligen Städten über den Kopf. Allerdings ist es nicht erforderlich in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen.
  • In Marokko bezahlt man mit Marokkanischen Dirham (MAD). Der Wechselkurs zum Euro beträgt aktuell etwa 1:10, was das Umrechnen wirklich einfach macht. ATMs findet man direkt am Flughafen, in allen größeren Städten und Dörfern und auch das Bezahlen mit Kreditkarte ist nahezu überall möglich.
  • Trinkgelder wurden von mir nicht gerne angenommen. Vielleicht kann mir ein Marokkaner, der das liest, erklären warum? Aus diesem Grund habe ich es schnell wieder gelassen, um niemanden zu beleidigen. Besteht ihr trotzdem auf Trinkgeld, so gebt es mit der rechten Hand, da die linke Hand in arabischen Ländern als beleidigend gilt. In Städten wird euch das jeder verzeihen, aber vielleicht auf manchen Dörfern nicht.
  • Eine Sim Karte mit 5GB Daten habe ich am Flughafen direkt für umgerechnet 8 € gekauft. Telekom Morocco hat unter anderem die besten Netzabdeckung landesweit.

Marokko ist ein Königreich und überall in den Hotels, Läden und Märkten trifft man auf das Portrait des Königs. Das Königreich liegt im Nordwesten Afrikas und ist über die sogenannte Straße von Gibraltar nur wenige Kilometer über das Mittelmeer vom spanischen Festland entfernt. Mit einer Bevölkerung von 32,6 Millionen Einwohnern hat das Land weniger als die Hälfte von Deutschland, ist jedoch aufgrund 447.000 m² Fläche etwa 1,2 Mal so groß. Marokkos Hauptstadt ist die Küstenstadt Rabat. Als Landessprache gilt zwar Arabisch am verbreitetsten, jedoch wird aufgrund der Kolonialzeit weit verbreitet Französisch gesprochen und in touristisch geprägten Orten auch fließend Spanisch, aufgrund der Nähe zum spanischen Festland. Erst seit 1956 ist Marokko keine französische Kolonie mehr und unabhängig.

Wie in allen arabischen Ländern ist Handeln gerne gesehen und wird zu einer regelrechten Sportart, wenn man sich darauf einlässt. Der echte Preis liegt im Normalfall bei 50 % des zuerst genannten, außer es sind Festpreise ausgeschrieben.

Die Einreise von Deutschland aus ist relativ unproblematisch. Mit einem Reisepass von mindestens sechs Monaten Gültigkeit darf man sich bis zu 90 Tage visafrei im Land aufhalten. Und so treffe ich mich mit Paula Bahia-standardmäßig drei Stunden vor Abflug hinter der Sicherheitskontrolle am Stuttgarter Flughafen. Noch nie war ich so schlecht auf eine Reise vorbereitet wie auf diese. Ich stecke gerade mitten in meiner Bachelorarbeit, mein Kopf steht mir weiß-Gott-wo und ich kann diesen fünf-Tages Trip nach Marokko kaum noch erwarten, um endlich wieder klar denken zu können. Kurz vor dem Landeanflug auf Marrakech füllen wir noch fix die Unterlagen für das Gesundheitsministerium aus, die wir bei Einreise, zusammen mit unserem Pass, dem Zollbeamten aushändigen (Tipp: Packt immer einen Kugelschreiber ein, denn diese werden im Flugzeug zum Ausfüllen der Unterlagen nie mit ausgeteilt.). In unseren Pässen vermerkt der Zollbeamte neben dem Einreisestempel handschriftlich eine Einreisenummer, die im jeweiligen Hotel erneut überprüft und abgefragt wird.

Wir heben Bargeld ab, kaufen uns eine Sim Karte und da wartet auch schon der Abholservice auf uns, der uns für den ersten Abend in ein Hotel nach Marrakech bringt, bevor der Trip am nächsten Tag beginnen wird. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt dauert nur ca. 15 Minuten. Schnell bringen wir unser Gepäck aufs Zimmer und spazieren los, um die ersten Eindrücke auf dem berühmten Jama El f’na Market zu sammeln – und natürlich Essen. Marrakech ist die wunderschöne Kombination aus dem alten, traditionellen und dem neuen Marokko. Seine labyrinthartigen Basare (Souqs) werden umsäumt von den Ruinen der Altstadt. Wir kaufen uns hier und da was Kleines für auf die Hand, essen uns von Stand zu Stand und genießen die leckeren frisch gepressten Säfte. Mit Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel, um für die kommenden Tage ausgeruht zu sein.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Ich werde oft gefragt, ob es sicher sei nach Marokko zu reisen. Vor allem als europäisch aussehende Frau. Alleine – muss ich zugeben – würde ich jetzt nicht unbedingt einen Roadtrip durch das Land machen. Aber auch als Gruppe von nur vier jungen Frauen (und in unserem Fall noch anderen Studenten, lokalen Fahrern und Reiseleitern) haben wir uns zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Wie in anderen arabischen Ländern wird man natürlich vor allem auf Märkten oft angesprochen, aber nie angefasst oder festgehalten. Die Marokkaner machen auf mich einen deutlich charmanteren und auch humorvolleren Eindruck als andere arabische Länder, die ich bereisen durfte. Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist, dass es deutlich weniger vermüllt ist als ich erwartet (und in anderen Ländern beobachtet) habe.

       

       

Am nächsten Morgen treffen wir beim Frühstück endlich auf Lisann, die ihre liebe Freundin Sara aus Spanien mitgebracht hat. Gegen 08:30 Uhr fahren wir nach dem Frühstück durch das Atlas Gebirge los, Richtung Dadestal. Die Wegstrecke an diesem Tag beträgt etwa 300 km. Den ersten kleinen Stopp machen wir mitten im Atlas Gebirge.

       

       

Zur Mittagessenszeit treffen wir in der Provinz und dortigen Hauptstadt des Südens Ouarzazate ein. Hier stärken wir uns in einem süßen kleinen Restaurant mit einem sehr traditionellen Gericht: Einer Gemüse-Tajine mit Couscous als Beilage. Eine Tajine ist ein rundes, aus Lehm gebranntes Schmorgefäß mit gewölbtem oder spitzem Deckel. Darin kann man nicht nur sehr gut Gemüse schmoren lassen, sondern auch alle möglichen Fleischarten. (Auf diesem Bild wurde der Inhalt der Tajine auf einem Teller angerichtet, aber weiter unten seht ihr die richtigen Bilder dazu.)

       

       

Mit vollem Magen und gestärkt laufen wir zu Fuß weiter zum UNSECO Weltkulturerbe Ksar Ait-Ben-Haddou. Die befestigte Stadt am Fuße des Hohen Altas dient häufig als internationale Filmkulisse – beispielsweise für den Film „Gladiator“ oder die Serie „Game of Thrones“. Wobei ich gestehen muss, dass ich zu den wenigen Menschen dieser Welt zähle, die „Game of Thrones“ nie gesehen haben. Please don‘t judge me! Wir lernen erstmals die Kultur kennen und hören kleine Geschichten. Unter anderem zeigt uns einer der Anwohner, wie er aus Tee und anderen Naturmaterialien ganze Landschaften kunstvoll auf Pergament brennt und es so für immer halt- und sichtbar macht. Der Aufstieg zur Plattform ist anstrengend, aber jeden Schritt wert, denn die Aussicht ist unglaublich schön!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Die zweite Nacht verbringen wir im Dadestal. Wir schaffen es gerade pünktlich, um noch den Sonnenuntergang im Gebirge bestaunen zu können. Das Abendessen im Hotel Vieux Chateau ist so unfassbar lecker und mit so viel Liebe zubereitet – falls ihr in der Gegend seid, dürft ihr euch das nicht entgehen lassen. Und wenn ihr nur zum Essen dort vorbeifahrt! Zur Vorspeise gibt es eine leckere Curry-Suppe und zur Hauptspeise wieder eine Gemüse-Tajine mit selbstmariniertem Hühnchen, Reis und Couscous. Wir sind im Himmel!

       

       

       

Nach einem ebenso leckeren Frühstück geht es gegen 09:00 Uhr morgens wieder auf die Straße. Unser heutiges Ziel ist das kleine Dorf Merzouga am Rande der Sahara und an der Grenze zu Algerien. Die Wegstrecke heute beträgt etwa 280 km. Auf dem Weg dorthin machen wir erst einmal Halt in der Oasenstadt Tinghir. Die Stadt ist mit zwei Palmenoasen gesegnet, aus denen man Datteln, Feigen, Oliven und viele weitere Leckereien ernten kann.

       

       

       

Kurz vor der Todra-Schlucht halten wir an und dürfen zu Fuß durch die atemberaubende Schlucht laufen. Die hohen Steilwände sind bis zu 300 m hoch und locken zahlreiche Klettersportler an. Respekt – ich würde mich da vermutlich nicht hoch trauen. Der Oued (Fluss) Todra hat sich hier einen eindrucksvollen Weg nach Süden eingeschnitten.

       

        

Am Ende der Schlucht werden wir wieder eingesammelt und halten zum Mittagessen in einem liebevoll eingerichteten kleinen Restaurant an der R702. Während wir auf unser Essen warten – wir entscheiden uns wieder für Pfefferminztee und eine Tajine – lassen sich Paula, Lisann und Sara von den Einheimischen in traditionelle Gewänder kleiden und ihre Hände mit Henna verschönern.

       

       

       

       

       

Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der Sahara! Diese dritte Nacht dürfen wir nämlich im marokkanischen Teil der Sahara Wüste schlafen. Weil ich 2012 schon einmal für 14 Tage im tunesisch-lybischen Teil der Sahara war und in etwa weiß, was auf uns zukommen wird, freue ich mich wie verrückt. Der Sternenhimmel, der Sonnenunter- und Sonnenaufgang ist einfach etwas ganz Besonderes, das man nie wieder in seinem Leben vergessen wird oder so woanders sehen darf. So kommen wir im kleinen Dorf Merzouga an. Auch hier wurden tatsächlich schon einige Filme gedreht.

Unser Wüsten-Camp ist noch ein paar Kilometer tiefer in der Wüste gelegen. Um dort hinzugelangen, werden Kamele gesattelt, auf denen wir durch die Wüste reiten dürfen. Nur Paula und ich entscheiden uns gegen das Reiten und für das Laufen. Mit meinem Hintergrundwissen und Paula als Vegetarierin, können wir das mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Dies hat allerdings auch noch weitere positive Nebenwirkungen: Barfuß durch den warmen Sahara-Sand laufen … wer jetzt nicht zu träumen anfängt, durfte das leider noch nie machen und kann nicht nachvollziehen, wie schön es ist, barfuß durch warmen Sand zu laufen. Davon abgesehen, dass es kaum ein effektiveres Fuß-Peeling gibt. Während alle anderen auf ihren Kamelen festsitzen, rennen wir wie kleine Kinder durch den weichen Sand und können großartige Fotos machen. Nach den vielen Autofahrten ist das Workout auch eine willkommene Abwechslung und tut richtig gut!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

(Sorry für den ganzen Foto-Spam, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches Bild ich am liebsten mag. #sorrynotsorry)

       

       

Paula entschied sich dann noch spontan dazu, die Karavane zu kidnappen und mit uns gemeinsam in die weite Welt durchzubrennen.

An der Sara-Düne angekommen (ihr erfahrt gleich noch, warum sie diesen Namen trägt) kann jeder, der möchte, sandboarden oder einfach nur in Ruhe die Abendsonne genießen – oder beides. Hier bleiben wir, bis die Sonne am Untergehen ist.

       

       

       

       

Zwei der Berber, die in diesem Teil der Sahara leben und aufwuchsen, setzen sich zu uns auf die Decke und lassen lachend all unsere tausend Fragen über ihren Lebenstil und Alltag über sich ergehen. Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Französisch. Wie sich herausstellt, sprechen die beiden acht Sprachen so ziemlich fließend! Aber vor allem eine Sprache spricht Moe fließend: Die Sprache der Liebe. Und so kriegt Sara einen – zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeinten – Heiratsantrag! Als Zeichen seiner Liebe – und weil die Düne zu dessen Füßen wir sitzen, zu klein ist, um bereits einen Namen zu haben – benennt er kurzerhand die Düne nach ihr: Die Sara-Düne. Lachend und quatschend sitzen wir so ein paar Stunden im Sand, erzählen aus unserem Alltag, hören Geschichten aus einem Berber-Alltag und genießen die untergehende Sonne. Kurz vor Dunkelheit brechen wir auf und machen uns auf den Weg, auf die letzten Kilometer ins Camp.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Dieses Camp übertrifft bei weitem all unsere Erwartungen! Wirklich! Wir werden mit frisch aufgebrühtem Pfefferminztee und einem warmen Lagerfeuer in der Mitte des Camps empfangen. In unseren Zelten ziehen wir uns erst einmal etwas Wärmeres an (sobald die Sonne in der Wüste untergeht, herrschen hier Temperaturen um den Gefrierpunkt), wärmen uns am Lagerfeuer und warten auf das Abendessen, das wir in einem großen Zelt gemeinsam einnehmen.

       

       

       

Nach dem Abendessen versammeln wir uns alle in dicke Wolldecken gekuschelt um das Lagerfeuer. Die Berber, die uns heute durch die Wüste geführt haben, veranstalten ein Trommelkonzert für uns und lassen uns an traditionellen Tänzen ihrer Familien teilhaben. Im Anschluss daran, dürfen wir auch mal selbst ran. Was anfangs eher nach einem Geräuschjungle klingt, wird schnell zu „We will rock you“ oder „Don’t worry be happy“. Und so sitzen wir den ganzen Abend bis in die Nacht zusammen, tanzen, lernen die verschiedenen Instrumente und genießen die Wüste.

       

       

       

       

       

Den Wecker für den nächsten Morgen haben wir uns auf 06:30 Uhr gestellt, damit wir mit Kaffee in der Hand dem Sonnenaufgang mit seinen wärmenden Strahlen entgegenfiebern können. Wir sind zwar hundemüde von der doch sehr kurzen Nacht, aber auch das frühe Aufstehen wird selbstverständlich mit einem Morgen, der uns die Sprache verschlägt, belohnt.

       

       

       

       

       

   

Nachdem wir unsere Worte wiedergefunden haben, packen wir unsere Taschen und machen uns auf den Weg zurück nach Marrakech. Von hier aus sind das knapp 500 km und dank zwei kleinen Essenspausen etwa 11 Stunden Fahrt, die vor uns liegen.

Müde, aber glücklich und voller Eindrücke kommen wir spät abends im Hotel an. Um unseren letzten Abend noch so perfekt ausklingen zu lassen, wie diese Reise, entschließen wir uns dazu, trotzdem noch in die Stadt zu gehen und in dem kleinen Restaurant Café Des Épices die letzten gemeinsamen Stunden bei frisch gepressten Säften und leckerem Essen zu verbringen. Am nächsten Morgen müssen Lisann und Sara schon früh zum Flughafen und so verabschieden wir uns schon abends voneinander.

Danke, Mädels, für die tolle Zeit!

 

Zur Übersicht hier noch einmal unsere Reiserouten:

Day 1
Day 2
Day 3

Travel Solo

Auf vielfachen Wunsch werde ich einmal versuchen zu erzählen und zu beschreiben, wie das Alleinreisen funktioniert und warum es alles andere als angsteinflößend ist. Wenn ihr darüber hinaus noch Fragen habt oder ich einzelne Punkte ausführlicher beleuchten soll, schreibt sie mir gerne in die Kommentare!

Meines Erachtens nach gibt es zwei Arten von Alleinreisenden:
1. Der/die Ruhe-Suchende
2. Der/die Abenteuer-Suchende
Machmal entdeckt man in sich auch eine hybride Form der beiden. Für mich allerdings gab es bisher nur diese beiden Reinformen.

1. Der/die Ruhe-Suchende
Das Herz schreit nach me-time! Das kann verschiedene Gründe haben und auch verschiedene Grade des Alleinreisens. Brauchst Du einfach dringend eine Auszeit von der Welt, möchtest Dich für ein paar Tage, vielleicht sogar mit Sonne im Gesicht und als Handtuchburrito oder einfach in einem Hotelzimmer als Deckenburrito einmummeln, das Handy aus machen und ein Buch nach dem anderen verschlingen, um in eine Welt abzutauchen, in der Deine Sorgen nicht existieren? (Das hat nichts mit „Weglaufen vor Problemen“ zu tun. Lass Dir das nicht einreden. Manchmal braucht man einfach ein wenig Abstand von der Welt, um danach klarer denken und sehen zu können. Und das ist gesund!) Für diese Art von Alleinreisen empfehle ich tatsächlich (und das aus meinem Mund) ein all-inclusive Hotel mit Abholservice und Restaurant. Du musst im Prinzip Dein Zimmer (oder den Strand) nicht verlassen, wenn Du nicht wirklich willst und das Hotelpersonal wird schnell merken, dass Du keine Animation brauchst und einfach nur Deine Ruhe haben willst. Da man solche Arten von Auszeiten selten lange im Voraus plant, findet man online auch einige Last-Minute-Pauschal-Reisen. Ich habe bisher mit Lufthansa Holidays super Erfahrungen gemacht (keine Werbung, ich kriege kein Geld oder sonstige Boni hierfür, das ist nur meine Erfahrung) und bin mit ihnen z.B. Ende 2018 nach Ägypten geflogen. In diesem Fall spielt das Land auch keine Rolle, sondern einfach nur der Preis. Ich wollte damals auf jeden Fall Sonne und deshalb ist meine Entscheidung auf Ägypten gefallen. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist im Übrigen eine wahnsinnig günstige Zeit dorthin zu verreisen – aber, wie gesagt: Diese Art von Auszeit ist zeitlich nicht planbar. Aber gönn sie Dir!
Auf der anderen Seite gibt es noch die Art von Ruche-Suchend, bei der man einfach mal wieder raus möchte und vielleicht gerade keiner der Freunde Zeit oder Geld hat, Dich zu begleiten. Man möchte keine großen Abenteuer erleben, ob jemand dabei ist oder nicht, macht in diesem Moment keinen großen Unterschied, aber man hat einfach das Bedürfnis, mal wieder ein Stückchen mehr von der Welt kennenzulernen. Hierfür empfehle ich so ziemlich jede Städtereise innerhalb Europas. Innerhalb von Europa kann man – auch als Frau – sehr einfach, sicher und entspannt reisen. Wirklich schief gehen kann hier kaum etwas, oftmals benötigt man noch nicht einmal eine lokale Simkarte, seitdem die Roaminggebühren abgeschafft wurden, weil das Land vom Provider abgedeckt ist. Von Deutschland aus gibt es oftmals günstige Flüge in europäische Metropolen, so ziemlich jeder spricht Englisch (manchmal sogar Deutsch) und ein Airbnb ist schnell gebucht. Vom Flughafen aus in die Stadt gibt es immer und überall öffentliche Verkehrsmöglichkeiten oder (leider noch nicht überall, aber in vielen Städten) Uber. Auch gibt es innerhalb Europas kaum wesentlich kulturelle Unterschiede was z.B. Kleidervorschriften oder Essgewohnheiten angeht, was die Reisevorbereitung deutlich einfacher macht. Nichtsdestotrotz schadet es nicht, sich vorab ein wenig einzulesen und das ein oder andere Tuch oder Schal einzupacken, falls man bspw. eine religiöse Stätte besichtigen möchte. Auch empfehle ich in beiden Fällen mit Handgepäck zu reisen, da das meistens ausreicht. Wie Du das am besten packst, kannst Du hier nachlesen.

2. Der/die Abenteuer-Suchende
Auf der anderen Seite gibt’s dann noch den Abendteurer (genderneutral). Wenn das Deine erste Reise allein ist, lege ich Dir auf jeden Fall erstmal einen europäischen Städtetrip ans Herz. Du musst Dich nicht direkt überfordern. Außer Du bist ein sehr extrovertierter Mensch, aber dann ist das vermutlich nicht Deine erste Reise allein. Abenteuersuchende Alleinreiser sind oft nicht nur in extremeren Situationen auf sich allein gestellt, sondern auch in alltäglichen Situationen, in denen sie gerne unter Menschen wären. Du musst offen auf Fremde zugehen können, wenn Dir danach ist, Du musst selbstbewusst mit neuen Situationen und vor allem Kulturen umgehen können, Du musst weltoffen sein und Dich auf die neue Welt einlassen können – erwarte und verlange nicht, dass sich im Ausland alle auf Dich einstellen. Du hast Dich dafür entschieden dorthin zu gehen, also bist Du die Person, die sich auf Dinge einstellen und einlassen muss. Fang am besten klein an: Auch in Europa kann man Abenteuer erleben und neue Menschen kennenlernen. Du musst nicht direkt für ein ganzes Jahr allein in Südamerika sein, Du darfst auch erstmal mit einer oder wenigen Woche(n) anfangen, um zu gucken, ob das was für Dich ist. Einen Aspekt vergisst man oft, weil man ihn unterschätzt: Im Normalfall hast Du niemanden, mit dem Du all Deine neuen Eindrücke und Erfahrungen teilst. Es gibt keinen Partner, großen Bruder oder guten Freund an Deiner Seite, mit dem Du abends den Tag Revue passieren lassen kannst, der Deine Hand nimmt, wenn Du überfordert bist (Unterschätze fremde Kulturen und fremde Gepflogenheiten nicht!) oder Dir bei Planungen und Suchen hilft.
Wenn das alles okay für Dich ist, ich Dir jetzt nicht zu viel Angst gemacht habe und Du mutig genug bist, es zu versuchen, dann erwartet Dich eine Welt voller Möglichkeiten und neuen Erfahrungen, die Dich – so klischeehaft es klingt – für Dein Leben lang prägen werden. Du wirst neue Freundschaften knüpfen, Geschichten hören, Tellerränder verschwinden lassen und Blickwinkel erweitern … und doppelt so groß nach Hause kommen, wie Du losgezogen bist.
Versprich mir nur im Vorfeld eines: Romantisier das Abenteuer allein nicht zu sehr. Es wird – jedenfalls für mich – immer schöner sein, gemeinsam neue Welten zu erkunden und Abenteuer zu erleben als allein.

Gute Reise 🙂

Sahara – English version

Walking on foot through the desert with six dromedaries, three accompanying Bedouins – born and raised in the Sahara, food and water for the next twelve days, your father, your older brother and your younger sister. Oh yes… armed with a satellite telephone in case of an emergency, it sounds like the beginning of an adventure. Now, when I also tell you that we walked along the Libyan border at a time when the Foreign Office warned not only about travelling to Libya itself, but specifically around the border region, it all starts to sound even more dramatic. But to be honest, we didn’t have any near-death experiences – except maybe me, when I had to have a thorn „operated“ out of my foot in the middle of the desert. It had drilled itself deep into my foot and was removed with a knife which was only good enough to peel potatoes. From that moment on I know what pain really feels like.

        

        

Unfortunately I can’t tell you exactly which route we took, so I’ll just tell you about my impressions, which in this case are much more expressive.

The Sahara has an almost limitless variety of landscapes, and that’s only in the relatively small part we were able to explore. We were there during Halloween, so the days were hot and the nights still bearably cool. Sweaters, long jogging trousers and sleeping bags were indispensable as we slept in the sand under the starry sky, no tent to warmly surrounding us. A marvellous dream! You won’t see a starry sky like this again in your life. On top of that we were very lucky because a meteor shower swept over us and we saw about 40 shooting stars each night.

        

We travelled for miles and miles across endless orange-red sand dunes, passing breathtaking little oases, and hiking over stones so sharp that even the Bedouins jumped on the dromedaries. We could not help but be amazed by all these wonders.

        

        

        

        

        

We deliberately chose to travel at that time of year because most dangerous animals, such as scorpions, are already in hibernation. Nevertheless you have to be careful because there are still some snakes hiding in the sand. They are not normally deadly, but without a car the way out of the desert takes so long that they would be, being unable to get an antidote in time. Watch your steps and trust your bedouin! In order to show us these lovely creatures in more detail (and to release them into freedom, safely out of reach), they couldn’t resist to keep them – temporarily – under control for us with their wooden sticks… help!

        

        

All the food and water we consumed for those 12 days was carried by the dromedaries. We woke up every morning with the first rays of sunshine, breakfasting on the bread we had baked beneath the sand under embers with which we boiled water for tea. Before noon, after the first few kilometers, we had biscuits and a small cup of cola to recharge our batteries. At noon and in the evening we cooked various dishes together using couscous, and had to drink about 4 litres of water a day to avoid dehydration. These incredibly powerful animals carried all our supplies for us day after day.

        

        

Therefore it was strictly regulated that before we eat, cook, build our camp or make fire, we saddle the dromedaries, tie their forelegs together (so they can’t run away at night but can still move freely) and prepare their food. Only when they were taken care of did we take care of ourselves.

        

        

        

        

        

How did we pass the time without a smartphone and without getting bored? We learned Arabic words, taught German, played „desert games“ with everything the dry earth had to offer, enjoyed the beautiful silence – and above all – each other’s company.

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

We spent our last night in an oasis, surrounded by a small desert village. Since we couldn’t take a shower for twelve days and the water was only meant for drinking and brushing our teeth, we were all the looking forward to a bath in the water… all except me. Since the village was very Muslim, it would have been disrespectful to jump into the oasis there, and probably even more so as a woman in bathing clothes. Well. I could endure the one extra day by looking forward to showering at the hotel. The desert air is filled with a very dry heat, so dry that one almost does not sweat, even though it is over 40° degrees hot. Even I, a big fan of personal hygiene, can say that it is absolutely bearable to survive this time unshowered. For the occasional refreshment, there are biodegradable hygienic wipes available at the drugstore, but please take them with you from the desert and dispose of them at home where appropriate.

        

On the way to the hotel we had to make a detour to visit Anakin …

… and the UNESCO World Heritage Site, where we drank tea with the inhabitants in their sandstone houses.

        

        

        

Almost two weeks without a mobile phone, Facebook and other distractions had a very healing effect. For me there is no better feeling than to lose all sense of time. However, accessibility also has its right to exist. When we reached civilization after the twelve days and switched on our mobile phones for the first time again, the most terrible and lasting news of my life so far was waiting for me. My stepdad, who was always more for me than „the new man at my mother’s side“ or a simple friend, had incurable lung cancer. In April 2016 his body freed itself from its pain and since then not a day goes by without me painfully missing him. But what good would it have done if this news had reached me earlier? So this journey ended up shaping me in another way. Twelve days away from civilization and the tangible awareness that one is not immortal taught me much more than humility and happiness, they taught me above all the courage to want to experience the world even more intensely.

Namibia – English version

Namibia

Wow. Africa! Once again you leave me so happy I’m speechless.

So many impressions still dance in my head, my heart filled to the brim with memories. For almost two weeks I’ve been trying to weave a tale for this blog post, but with no success. So I decided to just start writing and let myself be surprised by the outcome.

Where do I begin…?! It’s Tuesday afternoon, and with more than enough time on my hands – classic Bahia travel planning – I’m on my way to Munich airport. My first stop is Frankfurt where I meet up with my mom, her husband Michael and two of my cousins, Lara and Mona. Three hours and 45 minutes before departure I check my luggage in (having already checked in online the day before) and successfully pass through security. Happy with how smoothly everything is going and deeply relaxed with how much time I have, I sit with my book and have a coffee with a bite to eat. A colleague of mine sees my post on Instagram and responds that she’ll be in transit in Munich a few minutes before my departure. We still joke about my flight being delayed by a few minutes so that we can meet for a quick hug. Be careful what you wish for… Boarding starts on time and as I was taking my first steps down the tunnel to the plane Theresa comes up the stairs, right at my gate – too bad! So we just missed each other by a few moments.

Boarding completed. A few seconds later there’s an announcement: „Due to thunderstorms in Frankfurt our start is delayed by up to 60 minutes. The runway slots have to be reorganised due to the storm, and hopefully we will receive our turn shortly. If we’re lucky we can leave within the next 30-45 minutes as we’ve declared ourselves ready for takeoff.“ Wow. In Frankfurt I actually have exactly 50 minutes to catch my connecting flight. As a precaution I write to my mom, so if necessary she knows to notify the flight staff or, if there’s a ridiculous delay, I will fly a day later. But for now we’re all still very relaxed, you can’t change everything and there’s no point in making something out of nothing. After 40 minutes of waiting we finally get the go-ahead to take off. To stop myself from checking the time every two seconds, I try to distract myself with a new audio book of „Three Investigators“, keeping my pulse at a reasonably healthy level.

The flight is shorter than expected and we land in just over 30 minutes. The stewardess goes over all of the flights that are reached or not reached…except mine. Tied to my seat and too far away to ask about my flight, I do something I never do, I take my phone out of flight mode. In order to plan a rough sprint route I try to research a map of the Frankfurt airport transit area. Of course, there’s no chance because of security reasons. Plan B: I skim over as many travel blogs as possible which report on the Frankfurt transit area, and this works better. Now I have a very rough plan in my head. While all of this happens I keep my family – whose boarding has already begun – up to date while I’m literally suspended in midair. Just milliseconds after the plane lands at around 9:45pm, the first passengers jump up as if bitten by a snake and open the overhead lockers to pull their luggage out. I’m not one of them, knowing that the plane can’t move along the tarmac unless all the passengers are seated and luggage stowed away. Promptly on cue, flight staff instruct passengers to return to their seats.

With a heart rate of 390 I watch the seconds tick by, the minute hand on my watch has become irrelevant. It’s 9:49pm and my next flight should take off at 10:05pm, with boarding already having begun at 9:20pm. The 50 panicked passengers had finally sat back down when another announcement rings out: „We can only make our way to our final parking position once all of your luggage is out of the aisles and safely stowed above you in the designated luggage compartments.“ I take advantage of this brief, helpless moment and jump up from my seat, run eight rows forward into a free seat while vaulting over two abandoned suitcases in the aisle. The young man next to me looks at me very confused and dumbfounded, then we both laugh – his connecting flight is at 10:10pm so he can understand my actions completely.

The plane finally parks and all the passengers jump up at the same time to try and get to the exit as fast as possible. It’s 9:53pm and Gerhard and his wife Kunigunde (these names are fictitious) clog the aisle while rummaging around in their luggage for chewing gum. After politely requesting many times to let us pass, and being ignored… another passenger from further down the plane more firmly asks that all passengers not trying to catch a connecting flight please sit down to allow everyone else a chance to catch our flights. Of course, nobody does.

It’s 9:55pm and my mom sends me a voice message to tell me in a tearful voice that she’s doing everything she can, but the ground crew want to close the boarding gate. Just as mothers develop undiscovered powers to protect their child, children discover powers when they hear their mother’s cry. Undiscovered powers and also hitherto unknown extremely rude behaviour – sorry again at this point to all who I have run over the heaps. I am actually very nice, but after Gerhard brought down the fourth suitcase (which doesn’t belong to his Kunigunde) and stowed it back in slow motion, I squeezed past without any regard for them.

It’s 9:56pm and I have to get from gate A11 to gate B44. With my mother’s last voice message in my head and two messed up knees (which are absolutely not made for jogging) I break Usain Bolt’s world record over I-don’t-know-how-many-meters in Frankfurt’s transit area. 10:01pm on the clock and I see the passport control in the distance (since we’re travelling to Ethiopia), I call out „Sorry guys, I have a flight to catch!“. Boxing my way through people, trying to jump over belt stanchions (which really doesn’t work so I simply run them over) I plonk my passport and boarding pass on the counter in front of the police officer, panting and hyperventilating. Why I wasn’t arrested remains a mystery to me to this very day. Since I can’t even get a single word out, nor even put my thoughts into words, the officer responds with a perplexed expression and says „The boarding is already over“. I manage a barely understandable “ I do not care“, so he lets me pass and I continue running.

It’s 10:03pm and I finally reach my gate. With a throat as dry as sand, speechlessly I place my boarding pass on the counter, breathing heavily. It’s the wrong one. But don’t worry! I had only given her the wrong one of both. The lady takes a closer look at the new boarding pass and from behind I hear her colleague amazed: „Is that her?! Did she actually make it?!“ This time it is me who looks irritated and is asked: „Could it be that your family is waiting for you inside?“ Much more irritated I affirm her question. „Go inside quickly! You’re eagerly awaited.“ And with a beaming smile, her colleague adds „I’m so very glad you made it!“. My pulse is racing too fast to worry about it and I have to concentrate on keeping my jelly legs under control. I walk through the turnstile and am met by three policemen with the same bright smile and a „Wow! You really did it! Go through quickly!“. Okay… what’s going on here? I enter the plane, puffing hard and at my wits‘ end, I hand my boarding pass to the flight attendant. First she wants to send me towards the second corridor, then looks back at my name and pulls me back with tears of joy in her eyes. Two of her colleagues shout „OH MY GOSH IS THAT HER?!?“. Who am I being confused with?! The first flight attendant quickly sends me down the first corridor and whispers a „Your mom will be so happy to see you“. After I fall into my mother’s arms, crying with joy, I hear Lara laugh a few rows further away and my name being called. In the background there’s applause from the other passengers, and loud shouts of bliss. No kidding! As it turned out my family, and especially my mom, really tried EVERYTHING to stop the plane, already started a sit-in and wanted to fake a heart attack. In the end the entire plane was on the edge of their seats, praying and finally starting Mexican waves as I entered the plane. All the while the extremely dramatic Ethiopian Airlines jingle played in the background (you can listen to it here), making my performance perfect. Wow! My mom and I were so pumped up with adrenaline that we spent the first six hours of the flight watching Disney movie after Disney movie (Aladdin, of course… maybe twice) to calm down.

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But why are we even flying to Namibia? For one of the most beautiful reasons: my sister Mel is getting married! After my Werner passed away, my mom remarried in May 2018 and it could hardly make me happier. My Michael brings not only himself into the family, but two new siblings. As a child, his parents moved from Germany due to development assistance with him and all his siblings to Namibia, where he grew up and spent most of his life. His children, Christopher und Melanie, were both born and raised in Namibia. That’s why his daughter is getting married there.

*A side note: I talk about „my Werner“ and „my Michael“ because the term „step dad“ does neither of them justice. Both men are, and will always be more than that to me.

       Namibia

After about 20 hours of travel we land in Windhoek, the capital of Namibia – even my backpack made it, which I really didn’t expect! Before we set foot on official Namibian soil, even before immigration, I witness how valuable Michael has become, not only to me (emotionally, not for the following reason), but to this country. While ordinary mortals spend half an eternity getting through normal passport control, we are ushered to the diplomatic entrance where our passports are checked and Michael has a chat in Afrikaans with a Senegalese ambassador whose daughters I get to know a few days later at the wedding. At the airport I buy, as always, a national SIM card (3gb/week for about €4.00/week) and have it activated on site to ensure everything works. We pick up our rental car and make our way to Nina Farm, where the wedding will take place in a few days. There is no address, only GPS data to guide us.

               

Nina Farm belongs to the mother of the groom, (Martin) Shali, who is named after an important Namibian General. Shali’s mother (Meme Aune) herself was one of the freedom fighters involved in SWAPO (South West Africa People’s Organisation) and fought for freedom against the Apartheid regime of South Africa (and still does) – so I met some special guests at the wedding. Nina Farm was built on the site of a former gas station operated by a racist white minority. In order to set an example, Meme Aune (Shali’s mother) bought this land and built her cattle farm here. Racism is still a very big issue in Namibia. Another reason why Mel and Shali’s wedding is something very special for everyone on so many different levels; it’s setting an example. For some, it’s the first time they see a white woman kiss a man of colour.

       

(Don’t they look like movie stars?!)

We spent the first few days setting up (and planning) the wedding, accompanied by many LILILILILILILILI calls every time the bride was spotted. An African wedding is not like a German wedding, planned twelve months in advance – especially not when Mel is the bride. And so it happens that, in reality, nothing more has been planned or thought out than the guest list. Even the guest list is more of an open invitation to the whole country, so no one knows exactly how many people to expect. Explicitly uninvited wedding crashers included! But hey, as a descendant of Nelson Mandela you can do that. How I managed to disguise my typical, meticulously-timed organisation and planning and simply go with the flow… I can only explain myself by stating that this country and its people have simply enchanted me. The journey here is anything but my first trip, and I am not one of those people to say that one of the 43 countries I have visited so far has stood out. Every country offers something special; I love the Portuguese oranges, the Polish massages, the hospitality of the Cambodians, the coffee in Albania and Kosovo, the Norwegian moose sausage, the Vietnamese fruits. But Namibia has offered me something not even Germany has managed to offer so far; I’ve never felt more comfortable outside of my comfort zone, more myself, and arrived. So maybe I can now answer the question of which country is my favourite so far. Maybe I’ll call it „home“ soon, we will see…

       

      

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Not knowing exactly how many guests are coming to the wedding would be a real problem in Germany. Not here. A cousin-of brings 365 eggs as a wedding gift, a nephew-of-somebody-else brings 400kg of beef steaks, and so on. In conclusion: everyone was more than full and there was even food left over. My mom conjured up Persian foods and desserts with Michael’s sisters, one of the bridesmaids made the wedding cake the day before, someone else brought mopane worms (Yup. I tried them.), and much more which I unfortunately could not identify exactly. It was all delicious – even the worms.

       

       

       

       

       

       

The civil marriage ceremony is more of a formality. To do this, one must be at court as early as possible, because first come first serve. Friday morning at 8:00am we all arrive and wait about 45 minutes in the waiting room until we are allowed into the courtroom. It looks like it comes from an US series. Not quite as new and modern, and with the AC set way too cold, but basically the same. It doesn’t resemble the German romantic registry offices much. At 9:00am, the judge enters dressed in black robes and blue glittered high heels which flash a little under her robe with every step she takes – the scene reminds me a bit of Sex and the City 2, in which Carrie and her girls must hide amongst a group of fashionable ladies wearing burkas. She is so soft-spoken that we don’t understand much, except that she is very surprised that we are such a large wedding party. After all, we number about 20 people. The other couples-to-be have brought only their two witnesses. The usual questions; „Can you confirm that you are here of your own free will?“, „Can you confirm that you are not related?“ are accompanied by an „Obviously! I mean… look at them?!“ by Meme Aune, not worried about keeping her voice down. Mel and Shali are now officially married, and the judge throws them into a somewhat awkard „Now… say something nice“. To the contrary. LILILILILILILILILILILILILI! For us (Mama, Michael, Lara and Mona), we go back to Nina Farm to continue preparations. The others go to another farm between Windhoek and Nina. There, surrounded by free-roaming rhinos, they relax and have a picnic. Before we get in the car, Meme Aune gives me a warm hug and whispers to me „Now I’ve gained two daughters at once and you, my love, got another brother and another momma“. And I did.

       

       

       

       

       

The first night we all slept on Nina Farm. The second night we stayed with Roya and Hanso at Finkenstein. Finally I get to know the parents and brother of the two golden treasures Kyana and Layla, which I have been allowed to hold in my arms so often in Germany! Goodness! We slept at Auntie Lena over the next two nights. Auntie Lena, with her husband Eric and their daughter Erica, run a farm about 15 minutes drive from Nina Farm. Every one of these places feels so much like home because it’s filled with family, hospitality, love, life and laughter. It’s all starting to sound really cheesy, I know… but no kidding, it was really like that! Auntie Lena welcomed us all (Mama, Michael, Lara, Mona, Mel for a night, Tobi and Shiva, Michael’s brothers and sisters with children and so on…) not just making their house available, but filling the fridge too, all of this offered with the most open arms in which I was ever allowed to cuddle. In the evening we cooked together, and were happy to have Auntie Lena and her family with us for dinner so we could repay at least some of their hospitality.

       

       

       

The big day arrives! While Michael, along with Mona and Lara, went to the farm early in the morning to prepare the bridesmaids and groomsmen for the evening, we prepared the rest of the food, sewed the wedding dress (yes, on the wedding day), helped Mel put together an outfit for the after-party (yes, also on the wedding day) and whatever else was needed. Namibia has been dealing with a drought for almost three years now, and with no clear end they have to somehow cope with things (Hello climate change!). With the first sign of clouds for months, it happens… the skies open and it starts to drizzle! What would have ripped the ground from beneath the feet of a German bride brings tears of joy to the eyes of an African bride. Here, they say, if it rains on your wedding it is a sign that your deceased ancestors and family send their blessing for your marriage. Goosebumps. The day is already off to a great start before it’s even begun.

       

       

       

       

       

       

       

       

Before Mona and Lara drive off to the church they quickly conjure up a hairstyle… right, also very spontaneous. Luckily they are both there otherwise I’d be completely overstrained.

     

Ten minutes before going to church only Mama, Michael, Mel and I remain on the farm to help Mel get ready and we are doing really well for time. Mel only needs to put her shoes on before we can start driving. Mel bends down to tie the loop around her ankle… and her dress tears a good ten inches on her back! I take a deep breath and try to stay calm. „Mel…uhm… do not freak out, but… your dress just ripped.“ And Mel?! Peace personified. I keep my fingers crossed for all concerned, that one day I will be such a deeply relaxed bride. Moments later I found a needle and thread that, fortunately, Michael’s sister Rosi had laid aside in all her wisdom, and called Mama. Together with Michael, she sews Mel into her dress.

       

The church is a few minutes drive from Nina Farm, and the ride takes about 20 minutes along the gravel road. When we get to the church I gather up the bridesmaids so that we can get our bouquets and enter the church together. The church is full, and we could have filled it at least five more times with all the people who wanted to participate. The speeches and vows are heartwarming, eye-opening and goosebump-inducing. Since I cannot reproduce them or put them into words, I will upload them as soon as I collect them all. But one thing becomes clear to me again: As long as I cannot say the same thing about and to a man as Mel can say about and to Shali and as long as no man can say the same thing about and to me as Shali can say about and to Mel, I will remain a me with a clear conscience. THAT is what love between two people should be, activate in two people and activate two people in love in others. (Props go out to all my relationship role models: I dunno if you realise, but you have a huge impact on me).

       

       

       

       

[addendum, Nov 3rd 2019] Mel’s vow I can share already, I’ll submit Shali’s as soon as I have it:

„Hi babygh!
This… this right here is the most comfortable I’ve ever been. And I’ll tell you why.
Your warmth is radiant and ever sharing. And therefore I can never go cold.
Your eyes focused, unafraid and truth seeking. I can never be distrustful.
Your third clear, patient and forgiving. I can never be lost.
Your hands firm and aware. I can never be dropped.
Your smile big and never shy. I can never be faithless or unsafe.
Your mind ridiculously curious and rebellious. I can never be bored.
Your voice humble and careful. I can never be drowned.
Your ears present and waiting. I can never be silenced.
Your heart honest and playful. I can never be misled or put down.
And the rest of you is so damn squeeeeshy! I can never be uncomfortable.
This this right here is the most comfortable I’ve ever been. So thank you for sharing all your powers with me. I’m so excited to be sharing mine with you.
Now comfort is an interesting thing because I think it’s one of our most basic feelings we strive to achieve – a feeling of comfort and safety, throughout our joys and our fears, that knowing “everything will be ok”… as my papa says. BUT at the same time the uncomfortable things life has to offer are often the moments where we learn and grow the most… as my mama says. “this is a good learning opportunity”. And we all know full well that revolution doesn’t happen when we’re comfortable. That “in this life nothing gets handed to you, you have to work and go get it” as Meme says.
Oh our beloved parents! Thank you for teaching us to walk into life and this love with all our eyes wide open. Meme for raising an incredible man in a world that fights so hard for men not be. Mama and papa for raising me to see with my heart in a world that tells me to see with my fears. Because of you, we are. And because of you, I am. I am standing here today, in front of you and all of our loved ones, and I feel fierce and so full of life and love. Clear minded and more sure of who I am and what I want to become than I have ever been. Because of you, my love, I am. And I hope, trust, know that with me, you are.
We’ve already started building a home together, setting up strong foundations, making sure we have enough air and light coming in. Having an abundance of plants! As long as we’re careful about how we use water in this drought. We are empowered, safe and comfortable to be ourselves in our home. I’m so proud of us.
Comfort can be as small as the simple act of breathing. Breathing is all we have to give rest to heads and to give rhythm to our chests. Without it we can’t be a part of the playing or the learning. Now this is the comfort I am talking about. We breathe so beautifully together babygh and I love that we laugh every time we notice.
We are divinely placed here “see the signs, they’re all around us” as Freddy says. He’s right. It would be unwise to ignore them. “I’m ready, and it’s ok, ok?” as Chris said. And I am too babygh. I am ready to gracefully fall into this new world with you.. trusting that we will be wiser and better for it. Maybe even big enough to have kids one day. Because “ME Me I love you man” as you say and “I love allllllllll of you” as I say and will always say.“

       

       

       

       

Brides Peeeeeeeps <3
Groomsmen and Bridesmaids <3

With the religious portion of the wedding now over, the traditional African part begins. The bridal couple must now walk together from the church to the groom’s mother’s farm, accompanied by friends, family, dancers and music, where at the entrance gate they (hopefully) are allowed in by the mother and thus officially become part of the family. Meme Aune tells us, with a smile, how they used to take an endless amount of time, sometimes leaving the bride and groom to wait for hours at the gate. But not Meme Aune, she can’t wait to finally welcome them onto her property! Now the traditional handover of gifts begins: this should have taken place within a circle built of stone and clay especially for the wedding, but with so many guests there isn’t enough space, so a quick solution is devised. Gifts include a Bible, a bow and arrows, an axe and other traditional gifts with very profound meanings. The whole ceremony is accompanied by music, dancing and lots of LILILILILILILILI!!

       

       

       

       

The evening starts with something to eat, before the big party begins. Food from many different cultures and countries – but the most important thing I learnt this evening: Braai is fly! (Braai means BBQ) As already mentioned, everyone was more than full, and with filled stomachs the dance-floor could be inaugurated. Note to self: I urgently need to learn these amazing dance moves from Tara (Guuuuuuuurl!!!). Mel, herself an artist and musician, also performed some of her work as a mixture of jazz and poetry slam – and there they are again…those goosebumps. The party is over for me at 2:00 in the morning, my body still feeling the effects of some jet-lag and of the past few days‘ events. For the others it continues a little longer, until the sun rises again. But they don’t have far to go, because they simply camp on the fairground.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

        

       

   

It’s really difficult for me to put all the emotions and thoughts of this wedding into words, and then onto paper. Me, who is never at a loss for words. Even weeks later, I still search for them. This wedding, for so many reasons, will live longest in my memory – no offense to all the other weddings at which I have already had the pleasure to dance at! The way friends and family have tackled, gathered and pooled all their reserves of strength and nerve to make this day as perfect as possible. The love, openness and hospitality that each individual has shown me and us all. The little big chaos of everyone’s helping hands that has turned into something so beautiful. The humour none of us lost through all the stress we endured. All those people who made my heart grow a hundredfold because each one of them has a very special place in it.

After we slept in a little bit the next morning, we had breakfast together and say goodbye to everyone on the farm as Mama, Michael, Lara and I drive up to Tsumeb in the afternoon. In Tsumeb, Michael and his family built the Tsumeb Arts and Crafts Centre many, many years ago, where residents can sell their art to earn money. For some years, this arts and crafts center has made it onto the top of must-do lists of well-known online and offline travel guides – and rightly so! Not only can you buy something created with real passion, but also something which embodies the whole area. We felt comfortable here from the first second, and could not be happier spending the next five days here (with a little break in between).

       

       

       

       

       

The next morning, after breakfast, we drove to Etosha Pan. It’s about an hour’s drive from Tsumeb. I got the little Tippi from Africa jumping inside my heart (A book from my childhood which tells the tale of little Tippi, the daughter of two researchers in Africa, growing up in the midst of cheetahs and elephants – of course I always wanted to be like her). Somersaults of anticipation: Finally we get to see wild animals! Which is not quite true… when we drove back and forth along the gravel road between Windhoek and Nina Farm we were presented almost everything Namibia has to offer in flora and fauna; giraffes, springboks, zebra, warthogs, ostriches, monkeys and even an almost-wild-accident with an oryx! What would we have told our insurance company in Germany? Fortunately, Michael has very good reflexes and in contrast to us, the road in sight instead of the animal-filled landscape.

Wow! The Etosha Pan. Wow. Fun fact in passing: None of the following photos were taken with zoom, and none of the photos in this entire blog post have been retouched. With a lot of patience, peace and respect for nature you will get the best photos. But see for yourself:

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

When we arrived back in Tsumeb in the evening everyone is waiting for us: Mona, Jürgen (Michael’s brother), Alex (Jürgen’s son), Rosi and Biggi (Michael’s sisters) and even Oma (Michael’s mom). We spend the evening and the entire next day cooking, eating, playing cards, eating biltong (Snapsticks ftw!), shopping for sunglasses in a china shop, doing minor repairs on the property and lots and lots of laughing. A day’s break after all the hustle and bustle and the countless impressions is really good. Since it’s a bit warmer in Tsumeb than it is in Windhoek, we sleep – to the delight of all the mosquitoes – outside.

       

       

       

       

       

       

       

While writing this I notice two things: First, I just cannot keep my superlatives in check (#sorrynotsorry), and secondly I totally forgot to feed you information about this country. But I’ll catch you up with that quickly.

Namibia is home to about 2.2 million people. That is significantly less inhabitants than Berlin has, and that in a total area of ​​almost 830,000 km². By comparison, Germany is less than half as big. Until the end of the First World War (1884 – 1915) Namibia was still called German Southwest Africa and was a German colony. For another 70 years, Namibia had to thrive as a UN territory until, in 1990, it gained its independence from South Africa and its current name through strong international pressure. To this day, many streets have German names (and signs), there is an Oktoberfest, Carnival and also the gherkins from Thuringia can be bought at Spar around the corner. A bit crazy, but you get used to it quite quickly – after all, it feels like home. At least in Windhoek. If you travel, like us, even further north, you’ll quickly pass Black Forest Cherry Cake and Birkenstocks. Windhoek is not only the capital of the country, but also the biggest. Namibia’s second largest city is Rundu, on the border to Angola, where we will go the next day.

Namibia currently ranks 129th out of 189 countries worldwide in the Human Development Index. Since independence the country has made great strides in combating poverty, but in no other country in the world are wealth and poverty so unequally distributed as here. Unfortunately, I don’t know enough to form a clear opinion on the colonial history of Namibia, which is why I will not say much here. But what I know and can say is that unnecessary blood has flowed and I’m glad that Germany has been engaged in dialogue with Namibia since 2014 in order to work through the past. 

It’s already Wednesday, and after breakfast we drive to spend a night in Rundu. Rundu is located on the Okavango river in the Kavango region, right in the north of Namibia. In Rundu, Christopher and Mel grew up, and Michael spent much of his adult life there. The ride is absolutely spectacular! Mom and Michael didn‘t promise us (Lara, Mona and I) too much when they said that this is where the real Africa starts. Meter by meter it gets warmer, but the landscape gets a bit greener. Lined up at the side of the road are small villages made of clay, or corrugated iron huts. Michael remembers story after breathtaking story from years past which leave us amazed. Wow! It’s impressive what he has already done for this country, and what he has experienced here, especially in Rundu. And so we got the chance to meet a few of his friends on site – either for a coffee or to repair our rental car because it didn’t like the gravel roads too much.

       

       

       

Speaking of car hire. I definitely recommend renting a 4×4, otherwise you probably won’t have much fun. Whether in Etosha or somewhere off the few paved roads, with another car you will have little chance if you end up even a few meters off the road. If you’re driving on the left side of the road for the first time you should do it outside of the cities, on the straight roads, as the transition isn’t easy and you won’t have to worry about other cars on top of the animal slalom. Also to be recommended: A Michael as a passenger, always calmly pointing out if you turn onto the wrong side of the road, or giving you good advice ahead of time.

       

       

The Kavango region is named after its inhabitants, who are known for their wood carving art, which can be found, among other things, being sold on the side of the road. They are river people, divided into five tribes, which until today ensures its survival mainly by fishing. The capital of this region is Rundu. Throughout the area and as a natural border with Angola, the Okavango flows about 40km across the continent. This provides the livelihood to the poorest region of Namibia.

       

       

       

       

       

       

       

We actually wanted to sleep in the beautiful Tambuti Lodge, which used to be Michael’s home in the old days, and which he then expanded with other buildings before selling the land, the current owners turning it into a lodge. Unfortunately – everything is booked out – and rightly so. We decide to drive down the Okavango and look for a place to sleep. And behold! We land in another little micro-paradise.

       

       

       

       

       

       

We have our dinner at the Kavango River Lodge, with the most beautiful view over the Okavango. So nice that we manage not to say anything for minutes, and so beautiful that even I (eventually) pack my camera away. In the background we hear the go-away bird, which I have wanted to see and hear since my childhood and the 128th time watching „Animals are beautiful people“.

       

       

       

       

       

With a full stomach and sparkling eyes, we drive back to the lodge to end the day – as always – with 10-penny rummy. A power line somewhere has probably broken so we are left in the dark. Since this is normal here, candles are quickly organised and Lara gets into the horror story mood. Even today I get nightmares from a story she once told me as a kid, so I quickly get the playing cards. A short time later, the light and fan are back on.

       

In the morning for breakfast we get a visit from another of Michael’s friends, who has become headmaster at a school in the region. He tells us about his development programs he is currently implementing. Among other things, a program that aims to highlight the importance of hand washing, and another that sponsors sanitary napkins so that students can attend school while on their period and therefore don’t miss any lessons. Again, I become very humble when thinking about my life in Germany. Actually THE thing I love most about traveling: The more I am allowed to see of the world, the more humble and grateful I become for my life in Germany. At least I feel that way, it really grounds me regularly. We are really damn lucky in Germany.

Before we head back to Tsumeb, Michael shows us a bit more of the city. Among other things, a former (now vacant) mission station. He explains to us the politics of how to deal with a hompa (tribal chief of the respective Kavango tribes) or what you should and shouldn’t do on the border with Angola if you want to survive here. Once again he leaves us speechless before we ask him a flood of questions.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

We also discovered my two favourite African drinks up here, but you can actually buy these drinks throughout the country. Number one is the super refreshing and thirst quenching Rock Shandy. My favourite is Country Club. Rock Shandy is a blend of soda, lemonade, ginger ale and some non-alcoholic herbal liqueur.

My absolute favourite, and our drink of the vacation, is definitely Farmdudler. Rarely have I laughed as much as the moment mom spotted it at the gas station. Farmdudler tastes like Almdudler, just better somehow.

We have one more night in Tsumeb before going back to Windhoek for the last few days. As much as I look forward to seeing Roya, Hanso, Vahid, Rosi, Don, Mel and Shali again, I will miss Oma (btw almost 98 years old) and Biggi, who live in Tsumeb. Our last night is made even more perfect by Jürgen and Alex; they organised mosquito nets and hung them over our beds. OUR HEROES! That night I slept so well that in the morning I woke up completely confused, not knowing where I was at all. We tried to make the farewell as short and painless as possible. After all, it’s not a farewell, it’s a see you soon. A big chunk of my heart has definitely stayed in Tsumeb.

       

       

       

       

We made another small touristic detour on the way back to Namibia’s capital. Once we are here, we can’t resist seeing the largest meteorite ever found on Earth. A truly lovingly constructed area surrounds this 50-60 ton colossus of iron, nickel and cobalt. The Hoba meteorite hit the earth in the Otavi mountain, about 20km west of Grootfontein, about 80,000 years ago and will probably remain there forever. It’s estimated to be 190-410 million years old. If you stand on top of the meteorite, everything you say has a strange echoing sound that is hard to describe. Just try it! We discovered this only by accident, because I could not stop talking again. Obviously.

       

       

       

       

       

       

Arriving in Windhoek, a dinner awaits us along with everyone else. Gosh, how much I miss a full house. Okay okay, also the delicious food the ladies conjured up every night. On our penultimate day, we have breakfast at the Everyday Organic German Market and then plunder the Arts and Crafts Center in the city to buy some final souvenirs. With a heavy heart, we enjoy our last big family dinner and try not to think about having to return to Germany the day after.

       

       

       

       

       

       

Phew. Well, what should I say in conclusion… I think you could read the underlying tone within the last 6,000 words about how much this country has enchanted me. Once again I am so grateful that I was able to get to know and experience this country (with absolute certainty not for the last time) through family’s eyes, and again I did not have to be just a normal tourist. I am grateful for this country – not because I have seen so much misery and I am glad to be in Germany, but because I was allowed to be part of it and always will be. I am grateful for a family that is so great that I once again can’t find the words. I am grateful that each of these places feels like a home. I am thankful that I forgot all of my worries and fears, and re-learned to enjoy and live within the moment. But above all, I’m grateful that you, Michael, brought Namibia into my life.

While writing this text, I’ve taken the train several times around Germany, drank Paulaner Spezi, ate doner kebabs, organised appointments and other German things you can do to embrace your Germaness… but not for one second have I felt like I really arrived back in Germany. Will I ever again?

Namibia

Namibia

Click here for the english version.

Wow. Afrika. Und wieder einmal machst Du mich sprachlos vor Glück.

In meinem Kopf tanzen zahlreiche Eindrücke und mein Herz ist bis unter den Rand gefüllt von Erinnerungen. Fast zwei Wochen lang habe ich versucht, einen roten Faden für diesen Blogbeitrag zu spinnen, aber so ganz will mir das nicht gelingen. Also habe ich beschlossen einfach drauf los zu schreiben und mich selber davon überraschen zu lassen, worauf dieser Blogpost hinauslaufen wird.

Wo fange ich am besten an … ?! Es ist Dienstagmittag und mit viel zu viel Zeit im Gepäck – klassische Bahia-Reisezeitrechnung – mache ich mich auf den Weg zum Münchner Flughafen. Ich fliege über Frankfurt, um dort mit meiner Mama, ihrem Mann Michael und zwei meiner Cousinen Lara und Mona über Äthiopien nach Namibia zu fliegen. Drei Stunden und 45 Minuten vor Abflug habe ich bereits mein Gepäck aufgegeben, am Vortag online eingecheckt und erfolgreich die Sicherheitskontrolle passiert. Glücklich darüber, dass alles reibungslos klappt und tiefenentspannt dank ausreichender Vorlaufzeit, sitze ich mit Buch am Flughafen, trinke einen Kaffee und esse eine Kleinigkeit dazu. Eine Arbeitskollegin sieht meinen Post auf Instagram, antwortet, dass sie wenige Minuten vor meinem Abflug ebenfalls im Münchner Transit sein wird und wir witzeln noch darüber, dass mein Flug sich doch bitte um ein paar wenige Minuten verspäten soll, damit wir uns noch auf eine schnelle Umarmung treffen können. Be careful what you wish for … Mein Boarding beginnt pünktlich, ich habe gerade als Letzte die ersten Schritte in den Tunnel zu meinem Flugzeug gemacht, als Theresa im Transit, genau an meinem Gate, die Treppe hochkommt – Schade! Haben wir uns also wirklich nur um wenige Augenblicke verpasst.

Boarding completed. Wenige Sekunden später folgende Durchsage:“Aufgrund Unwetter in Frankfurt verschiebt sich unser Start um bis zu 60 Minuten. Die Landing-Slots in Frankfurt mussten aufgrund des Unwetters neu organisiert werden und hoffentlich in Kürze erhalten wir unseren neuen. Wenn wir Glück haben, können wir aber schon innerhalb der nächsten 30-45 Minuten starten, da wir uns als abflugbereit erklärt haben.“ Wow. In Frankfurt habe ich eigentlich exakt 50 Minuten Zeit, um meinen Anschlussflug zu erwischen. Vorsichtshalber schreibe ich meiner Mama, damit sie Bescheid weiß, notfalls dem Flugpersonal Bescheid geben kann oder – wenn es doof läuft – ich einen Tag später nachfliegen werde. Zum aktuellen Zeitpunkt sind wir alle noch sehr entspannt. Ändern kann man eh nichts und es wird schon irgendwie alles werden. Mit 40 Minuten Verspätung erhalten wir endlich die langersehnte Start-, bzw. Landeerlaubnis. Um während des kurzen Fluges nicht alle zwei Sekunden die Uhrzeit zu überprüfen, versuche ich mich mit dem neuen Hörbuch der „Drei Fragezeichen“ abzulenken und meinen Puls auf einem einigermaßen gesunden Level zu halten.

Der Flug dauert kürzer als gedacht und so sind wir nach etwas mehr als 30 Minuten im Landeanflug. Die Stewardess gibt noch kurz alle Flüge durch, die erreicht oder nicht erreicht werden … außer meinen. Gefesselt an meinen Sitz, zu weit entfernt, um die Frage nach meinem Flug kurz rüber zu rufen, mache ich etwas, das ich sonst nie mache: Ich nehme mein Handy aus dem Flugmodus. Um meine Sprint-Route vorab schon einmal grob im Kopf zu haben, versuche ich online eine Karte des Transitbereichs des Frankfurter Flughafens zu recherchieren. Aus Sicherheitsgründen natürlich absolut keine Chance. Plan B: So viele Reiseblogs wie möglich überfliegen, die etwas über den Frankfurter Transit berichten. Das klappt schon besser. Eine ganz grobe Route habe ich also im Kopf. Parallel halte ich meine Familie auf dem Laufenden, deren Boarding bereits begonnen hat, während ich noch sprichwörtlich in der Luft hänge. Das Flugzeug hat gegen 21:45 Uhr gerade wenige Millisekunden Boden unter den Füßen, als die ersten Passagiere schon wie von der Schlange gebissen aufspringen und die Overhead Locker öffnen, um ihr Gepäck heraus zu zerren. Noch gehöre ich nicht dazu, denn ich weiß genau, dass das Flugzeug sich auf dem Rollfeld nicht bewegen darf, wenn nicht alle Passagiere im Sitzen angeschnallt sind und das Gepäck sicher verstaut ist. Und prompt kommt auch die ermahnende Durchsage des Boardpersonals, sich umgehend wieder zu den Plätzen zu begeben.

Mit einem Puls von 390 beobachte ich den Sekundenzeiger auf meiner Uhr. Der Minutenzeiger ist mittlerweile irrelevant geworden. Es ist 21:49 Uhr. Mein nächstes Flugzeug soll um 22:05 Uhr abheben, Boarding war bereits um 21:20 Uhr. Die 50 panischen Passagiere haben sich endlich wieder gesetzt. Nächste Durchsage:“Wir können uns erst in die endgültige Parkposition begeben, wenn Sie das Gepäck aus dem Gang räumen und sicher über Ihnen in den dafür vorgesehenen Gepäckfächern verstauen.“ Ich nutze meinen kurzen Moment, in dem ich eh nichts an der Situation ändern kann, springe von meinem Sitz auf, renne acht Reihen nach vorne auf einen freien Sitz und katapultiere auf dem Weg noch zwei herrenlose Koffer an ihren Platz. Der junge Mann neben mir guckt mich erst überaus irritiert und entgeistert an, dann lachen wir beide los – sein Anschlussflug geht um 22:10 Uhr und er kann mich absolut verstehen. Wir haben nun endlich unsere endgültige Parkposition erreicht und diesmal springen alle Passagiere gleichzeitig auf und versuchen möglichst schnell Richtung Ausgang zu kommen. Es ist 21:53 Uhr und Gerhard mitsamt Ehegattin Kunigunde (diese Namen sind fiktiv) durchstöbert ersteinmal in aller Seelenruhe, den Gang verstopfend, das Handgepäck nach einem Kaugummi. Nach mehrfach ignorierter Bitte, uns kurz durchzulassen, ruft ein weiterer Passagier von hinten – diesmal nicht ganz so höflich wie ich -, dass doch bitte alle sitzen bleiben sollen, die keinen Anschlussflug haben, damit wir noch einen Hauch von Möglichkeit haben, unseren zu erwischen. Macht natürlich niemand.

Es ist 21:55 Uhr und meine Mama schickt mir eine Sprachnachricht, in der sie mir mit tränenbelegter Stimme erklärt, dass sie gerade alles dafür tut, aber das Bodenpersonal das Boarding schließen möchte. Genau so wie Mütter unentdeckte Kräfte entwickeln, wenn sie ihr Kind schützen möchten, entwickeln Kinder unentdeckte Kräfte, wenn sie ihre Mama weinen hören oder sehen. Unentdeckte Kräfte und zugleich bislang unbekanntes, überaus unhöfliches Verhalten – sorry nochmal an dieser Stelle an alle, die ich über den Haufen gerannt habe. Eigentlich bin ich ganz nett. Nachdem Gerhard auch den vierten Koffer aus der Gepäckablage geholt hat, der nicht seiner Kunigunde gehört und er ihn daraufhin wieder in Zeitlupe verstaute, quetsche ich mich ohne Rücksicht auf Verluste einfach an ihnen vorbei.

Es ist 21:56 Uhr und ich muss von A11 nach B44. Mit der letzten Sprachnachricht meiner Mutter im Kopf und zwei kaputten Knien, die absolut nicht fürs Joggen gemacht sind, breche ich Usain Bolts Weltrekord auf keine-Ahnung-wieviele-Meter im Transit des FRA. 22:01 Uhr, ich sehe von weitem die Passkontrolle (da wir nach Äthiopien reisen) und rufe aus voller Kehle „Sorry guys, I have a flight to catch!“, boxe mir meinen Weg durch die Menschen, versuche über Tensatoren zu springen (was nicht wirklich klappt und ich sie deshalb einfach umrenne) und knalle hechelnd und hyperventilierend meinen Pass und meine Boardkarte auf den Tresen des Polizeibeamten. Warum sie mich nicht festgenommen haben, ist mir bis heute schleierhaft. Da ich weder ein einziges Wort raus kriege, noch meine Gedanken überhaupt in Worte bündeln könnte, erhalte ich von ihm als Antwort lediglich einen perplexen Gesichtsausdruck und ein „Das Boarding ist bereits beendet.“. Auf mein kaum zu verstehendes „Mir egal.“ lässt er mich passieren und ich renne weiter.

Es ist 22:03 Uhr und ich erreiche mein Gate. Dort angekommen, mit einem Hals so trocken wie Sand, endgültig sprachlos lege ich schwer atmend meinen Boardingpass auf den Tresen. Es ist der Falsche. Aber keine Sorge! Ich hatte ihn nur den falschen von beiden gegeben. Die Dame guckt sich den neuen Boardingpass genauer an und von hinten höre ich ihren Kollegen erstaunt:“Is that her?! Did she actually make it?!“ Diesmal bin ich es, die irritiert guckt und werde gefragt:“Kann es sein, dass Ihre Familie drinnen auf Sie wartet?“ Deutlich irritierter bejahe ich ihre Frage. „Gehen Sie schnell rein! Sie werden sehnsüchtig erwartet.“ und mit einem strahlenden Lächeln fügt ihr Kollege noch hinzu „I’m so very glad you made it!“ Mein Puls ist zu hoch, um mir darüber weiter Gedanken zu machen und ich muss mich darauf konzentrieren, meine Wackelpudding-Beine halbwegs unter Kontrolle zu halten. Ich gehe durch das Drehkreuz und auf der anderen Seite erwarten mich drei Polizisten mit dem gleichen strahlenden Lächeln und einem „Wow! Sie haben es wirklich geschafft! Gehen Sie schnell weiter!“ Okay. Was geht hier vor sich? Ich betrete das Flugzeug, schwer schnaufend und mit den Nerven am Ende überreiche ich der Flugbegleiterin meinen Boardingpass. Zuerst will sie mich in den zweiten Gang schicken, guckt dann nochmals auf meinen Namen und lotst mich mit Freudentränen in den Augen zurück. Zwei ihrer Kollegen rufen „OH MY GOSH IS THAT HER?!?“. Mit wem werde ich gerade verwechselt?! Die erste Flugbegleiterin schiebt mich schnell in den ersten Gang zurück und flüstert mir ein „Your mom will be so happy to see you.“ ins Ohr, nachdem ich auch schon meiner Mama vor Freude weinend in die Arme falle und Lara ein paar Reihen weiter schallend lachen und meinen Namen rufen höre. Im Hintergrund Applaus der anderen Fluggäste und laute Rufe der Glückseligkeit. No kidding. Wie sich herausstellte, hat meine Familie und vor allem meine Mama wirklich ALLES versucht, um das Flugzeug aufzuhalten, hatte schon eine Sitzblockade gestartet und wollte einen Herzinfarkt vortäuschen. Am Ende hatte das gesamte Flugzeug mitgefiebert, gebetet und letztendlich Laolawellen gestartet, als ich das Flugzeug betrat. Im Hintergrund der überaus dramatische Ethiopian-Airlines-Jingle, den ihr euch hier anhören könnt und der meinen Auftritt perfekt machte. Wow. Zumindest meine Mom und ich waren so vollgepumpt mit Adrenalin, dass wir die ersten sechs Stunden Flug hellwach einen Disneyfilm nach dem anderen zusammen anguckten, um uns irgendwie wieder zu beruhigen – selbstverständlich auch Aladdin. Vielleicht auch zwei Mal.

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Aber warum fliegen wir überhaupt nach Namibia? Aus einem der wundervollsten Gründe: Meine Schwester Mel heiratet! Nach dem Tod meines Werners hat meine Mama im Mai 2018 erneut geheiratet und es könnte mich kaum glücklicher machen. Michael bringt nicht nur sich mit in die Familie, sondern auch zwei neue Geschwister. Als Kind sind seine Eltern mit ihm und all seinen Geschwistern zur Entwicklungshilfe von Deutschland nach Namibia gezogen, er durfte dort aufwachsen und den Großteil seines Lebens verbringen. Seine Kinder Christopher und Melanie sind beide in Namibia geboren und aufgewachsen. Deshalb heiratet seine Tochter auch dort.

(Kleine Erklärung am Rande: Ich spreche hier von „meinem Werner“ und „meinem Michael“, weil beiden Männern die Bezeichnung und der Titel „Stiefpapa“ einfach nicht gerecht werden würde. Sie sind beide mehr als das und werden immer mehr als das bleiben.)

       Namibia

Nach etwa 20 Stunden Flug und Reise landen wir in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia – sogar mein Backpack hat es geschafft, womit ich wirklich nicht gerechnet habe! Noch vor der Immigration, bevor ich auch nur einen Fuß auf offiziell namibianischen Boden gesetzt habe, werde ich Zeuge davon, wie wertvoll Michael nicht nur für mich geworden ist (emotional, nicht aus dem folgenden Grund), sondern für dieses Land schon immer war: Während sich der Normalsterbliche eine halbe Ewigkeit an die klassische Passkontrolle anstellt, werden wir zum Diplomateneingang gewunken, wo unsere Pässe kontrolliert werden und Michael ein Pläuschchen auf Afrikaans mit einer Botschafterin des Senegal hält, deren Töchter ich auf der Hochzeit wenige Tage später kennenlernen darf. Am Flughafen kaufe ich, wie immer, eine nationale SIM Card (3GB/Wochen für etwa €4,00/Woche) und lasse sie mir vor Ort einrichten, um sicher zu stellen, dass sie auch funktioniert. Wir holen unseren Mietwagen ab und machen uns auf den Weg zur Nina Farm, auf der die Hochzeit in wenigen Tagen stattfinden soll. Eine Adresse gibt es nicht, lediglich GPS Daten.

       

       

Die Nina Farm gehört der Mutter des Bräutigams: (Martin) Shali, benannt nach einem bedeutenden General Namibias. Shalis Mutter selbst war eine der Freiheitskämpferinnen, die auf Seiten des SWAPO (South-West Africa People’s Organisation) für die Freiheit und gegen das Apartheid-Regime der Südafrikaner kämpfte und das bis heute noch tut – dementsprechend besondere Gäste durfte ich an der Hochzeit kennenlernen. Die Nina Farm wurde erbaut auf dem Grundstück einer ehemaligen Tankstelle, die von einer rassistisch geprägten weißen Minderheit betrieben wurde. Nicht zuletzt um ein Zeichen zu setzen, kaufte Meme Aune (Shalis Mutter) diesen Grund und Boden und errichtete ihre Rinderfarm hier. Rassismus ist bis heute noch ein sehr großes Thema und Problem in Namibia. Ein weiterer Grund, warum die Hochzeit von Mel und Shali für alle auf verschiedenen Ebenen etwas ganz Besonderes ist: Sie setzt ein Zeichen. Manche sehen an diesem Tag zum ersten Mal, dass eine weiße Frau einen farbigen Mann küsst.

       

(Don’t they look like movie stars?!)

Die ersten Tage verbringen wir mit dem Aufbau (und der Planung) der Hochzeit, untermalt von vielen LILILILILILILI-Rufen, sobald die Braut gesichtet wird. Eine afrikanische Hochzeit ist eben keine deutsche Hochzeit, die zwölf Monate im Voraus penibel durchgeplant wird – vor allem nicht, wenn Mel die Braut ist Und so kommt es, dass im Prinzip nichts weiter geplant und durchdacht ist als die Gästeliste. Sogar die Gästeliste ist eher eine offene Einladung an das ganze Land, weshalb auch keiner genau weiß, wie viele Menschen erwartet werden können. Explizit ausgeladene Hochzeitscrasher inklusive! Aber hey. Als Enkel von Nelson Mandela kann man das schon mal machen. Wie ich es geschafft habe, meine für mich typische und penibel getaktete Organisation und Planung über den Haufen zu werfen und einfach mit dem Flow mit zuschwimmen, kann ich mir nur dadurch erklären, dass dieses Land und seine Menschen mich schlichtweg verzaubert haben. Die Reise hier her ist alles andere als meine erste Reise und ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen, dass ein Land aus meinen bis dato 43 Bereisten besonders hervorgestochen hat. Jedes Land hat etwas für sich Besonderes und wo ich von den portugiesischen Orangen, den Massagen in Polen, der Gastfreundschaft in Kambodscha, dem Kaffee in Albanien und im Kosovo, der Elchswurst in Norwegen, den Früchten im Vietnam […] schwärme, so hat Namibia etwas geschafft, das bisher noch nicht einmal Deutschland geschafft hat: Ich habe mich außerhalb meiner Komfortzone noch nie so wohl, ich selbst und angekommen gefühlt. Vielleicht habe ich also nun doch eine Antwort auf die Frage, welches Land mir bisher am Besten gefallen hat. Vielleicht werde ich aber auch bald „Zuhause“ dazu sagen. Es wird sich zeigen …

       

      

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Dass wir nicht genau wissen, wie viele Gäste zur Hochzeit kommen, wäre in Deutschland ein echtes Problem. Hier nicht. Der Cousin-von bringt 365 Eier als Hochzeitsgeschenk, der Neffe-von 400 KG Rindersteaks und so weiter. Fazit: Jeder wurde mehr als satt und es blieb sogar noch was übrig. Meine Mama zauberte mit Michaels Schwestern persisches Essen und Nachtische, die wir am Vorabend gemeinsam fertig machten, eine der Brautjungfern die Hochzeitstorte, ein anderer Mopane-Raupen (Yup. Ich habe sie probiert.) und noch vieles mehr, das ich leider nicht genau identifizieren konnte. Es war auf jeden Fall alles lecker – sogar die Raupen.

       

       

       

       

       

       

Die standesamtliche Hochzeit ist mehr eine Formsache. Hierzu trifft man sich so früh morgens wie möglich bei Gericht, denn first come, first serve. Freitagmorgen um 08:00 Uhr treffen wir alle ein, warten für etwa eine dreiviertel Stunde im Warteraum, bis wir in den Gerichtssaal dürfen. Dieser sieht aus, wie man ihn aus Ami-Serien kennt. Nicht ganz so neu und modern und die AC auf viel zu kalt eingestellt, aber im Prinzip genauso. Mit den deutschen romantischen Standesämtern hat das nicht viel zu tun. Um 09:00 Uhr betritt die Richterin in schwarzer Robe und blauen Glitzer-Highheels, die bei jedem Schritt ein wenig unter ihrer Robe hervor blitzen (die Szene erinnert mich etwas an Sex and the City 2, in der Carrie sich mit ihren Mädels auf dem Bazar verstecken muss und an die Gruppe Modemädchen in Burka gerät und ich muss schmunzeln), den Court Room. Sie spricht so leise, dass wir nicht viel verstehen, außer dass sie sehr überrascht darüber ist, dass wir doch eine so große Hochzeitsgesellschaft sind. Wir sind etwa 20 Personen. Die anderen Ehepaare-to-be bringen lediglich ihre beiden Trauzeugen mit. Das Übliche „Bestätigen Sie, dass Sie aus freien Stücken hier sind?“, „Bestätigen Sie, dass sie nicht verwandt sind?“, begleitet von einem „Obviously! I mean … look at them?!“ von Meme Aune und vieles, das wir der Lautstärke geschuldet nicht hören. Mel und Shali sind nun offiziell verheiratet und die Richterin wirft ihnen ein etwas unbeholfenes „Now … say something nice.“ entgegen. LILILILILILILILILILI! Für uns (Mama, Michael, Lara und Mona) geht es zurück auf die Nina Farm, um dort weiter aufzubauen. Die anderen fahren zu einer anderen Farm zwischen Windhoek und Nina Farm, um dort mit einem Picknick, umringt von freilaufenden Rhinos, etwas zur Ruhe zu kommen. Bevor wir ins Auto einsteigen, nimmt mich Meme Aune noch einmal herzlich in den Arm und flüstert mir ein „Now I got two daughters at once and you, my love, got another brother and another momma.“ And I did.

       

       

       

       

       

Die erste Nacht schlafen wir alle auf der Nina Farm. Die zweite Nacht bei Roya und Hanso in Finkenstein. Endlich lerne ich die Eltern und den Bruder zu den beiden Goldschätzen Kyana und Layla kennen, die ich in Deutschland schon so oft in den Arm nehmen durfte! Hach. Die nächsten beiden Nächte schlafen wir bei Auntie Lena. Auntie Lena betreibt mit ihrem Mann Eric, deren gemeinsamer Tochter Erica und einer weiteren Hilfe eine Farm ca. 15 Minuten Autofahrt entfernt der Nina Farm. Jeder einzelne dieser Orte fühlt sich so sehr nach Zuhause an, weil er gefüllt ist mit Familie, Gastfreundschaft, Liebe, Leben und Lachen. Langsam klingt alles sehr kitschig, ich weiß. But no kidding, es war wirklich so! Auntie Lena stellt uns (Mama, Michael, Lara, Mona, für eine Nacht Mel, Tobi und Shiva, Michaels Geschwistern mit Kindern und Anhang) nicht nur einfach ihr Haus zur Verfügung, sondern füllt den Kühlschrank bis oben hin und empfängt uns mit den offensten Armen, in die ich jemals einkuscheln durfte. Abends kochen wir gemeinsam und freuen uns, dass auch Auntie Lena und ihre Familie mit uns gemeinsam essen und wir uns ein wenig revanchieren können.

       

       

       

Der große Tag steht an! Während Michael früh morgens mit Mona und Lara auf die Farm gefahren ist, um mit den Brautjungfern und Groomsmen den letzten Feinschliff für abends vorzunehmen, bereiten wir anderen bei Auntie Lena das restliche Essen vor, nähen das Brautkleid fertig (Ja, am Tag der Hochzeit.), helfen Mel ein Outfit für die Party danach zusammen zu stellen (Ja, ebenfalls am Tag der Hochzeit.) und was eben sonst noch so anfällt. Namibia wartet seit drei Jahren auf Regen, muss irgendwie lernen mit der aktuellen Dürre zurecht zu kommen (Hallo Klimawandel!) und hat seit Monaten keine Wolken mehr gesehen … dann passiert es. Wolken ziehen auf und es tröpfelt! Was einer deutschen Braut nun endgültig den Boden unter den Füßen weggerissen hätte, treibt einer afrikanischen Braut Tränen der Freude in die Augen. Wenn es an Deinem Hochzeitstag regnet, geben Dir Deine verstorbenen Vorfahren und Familienmitglieder ihren Segen für die Ehe, sagt man hier. Gänsehaut. Der Tag scheint noch besser zu werden als er ohne hin schon ist und sein wird.

       

       

       

       

       

       

       

       

Bevor Mona und Lara mit den anderen zur Kirche vorfahren, wird noch schnell eine Frisur gezaubert … richtig. Ebenfalls sehr spontan. Zum Glück sind die beiden noch da, denn ich wäre damit völlig überfordert.

     

Zehn Minuten vor Abfahrt in die Kirche sind nur noch Mama, Michael, Mel und ich auf der Farm. Ich helfe Mel sich fertig zu machen und wir sind wirklich gut im Zeitplan. Nur noch Schuhe anziehen und wir können losfahren. Mel bückt sich, um die Schlaufe um ihren Knöchel zu binden … und ihr Kleid reißt gute zehn Zentimeter am Rücken auf. Ich atme tief ein und versuche ruhig zu bleiben. „Mel … uhm … don’t freak out, but … your dress just ripped.“ Und Mel?! Die Ruhe in Person. Ich drücke mir und allen Beteiligten die Daumen, dass ich auch mal so eine tiefenentspannte Braut werde. Wenige Augenblicke später hatte ich Nadel und Faden gefunden, die mir Michaels Schwester Rosi glücklicherweise vorher noch in aller Weisheit zur Seite gelegt hatte, und Mama gerufen. Gemeinsam mit Michael näht sie Mel in ihr Kleid ein, ich binde ihr die Schlaufen der Schuhe um die Knöchel und wir fahren los.

       

Die Kirche ist wenige Minuten mit dem Auto von Ninas Farm entfernt und die Fahrt dauert etwa 20 Minuten entlang der Sandpad. An der Kirche angekommen, trommle ich die restlichen Brautjungfern zusammen, damit wir unsere Blumensträuße in die Hand nehmen und gemeinsam in die Kirche einlaufen können. Die Kirche ist voll und wir hätten sie wohl noch mindestens fünf weitere Male füllen können mit all den Menschen, die daran teilhaben wollten. Die Reden und Gelöbnisse sind herzerwärmend, augenöffnend und gänsehautverursachend. Da ich sie unmöglich wiedergeben oder in Worte fassen kann, werde ich sie nachreichen und hochladen, sobald ich sie alle zusammengesammelt habe. Aber eins wird mir wieder klar: Solange ich nicht das Gleiche über und zu einem Mann sagen kann, wie Mel über und zu Shali und solange kein Mann das Gleiche über und zu mir sagen kann, wie Shali über und zu Mel, bleibe ich gerne und mit gutem Gewissen ein Ich. DAS muss Liebe mit zwei Menschen machen, in zwei Menschen auslösen und zwei verliebte Menschen in anderen auslösen. (Probs gehen raus an all meine relationship role models: I dunno if you realize that, but you have a huge impact on me.)

       

       

       

       

[Nachtrag, 03. November 2019]
Mels vow kann ich euch schon präsentieren, Shalis reiche ich nach, sobald ich ihn habe:

„Hi babygh!
This… this right here is the most comfortable I’ve ever been. And I’ll tell you why.
Your warmth is radiant and ever sharing. And therefore I can never go cold.
Your eyes focused, unafraid and truth seeking. I can never be distrustful.
Your third clear, patient and forgiving. I can never be lost.
Your hands firm and aware. I can never be dropped.
Your smile big and never shy. I can never be faithless or unsafe.
Your mind ridiculously curious and rebellious. I can never be bored.
Your voice humble and careful. I can never be drowned.
Your ears present and waiting. I can never be silenced.
Your heart honest and playful. I can never be misled or put down.
And the rest of you is so damn squeeeeshy! I can never be uncomfortable.
This this right here is the most comfortable I’ve ever been. So thank you for sharing all your powers with me. I’m so excited to be sharing mine with you.
Now comfort is an interesting thing because I think it’s one of our most basic feelings we strive to achieve – a feeling of comfort and safety, throughout our joys and our fears, that knowing “everything will be ok”… as my papa says. BUT at the same time the uncomfortable things life has to offer are often the moments where we learn and grow the most… as my mama says. “this is a good learning opportunity”. And we all know full well that revolution doesn’t happen when we’re comfortable. That “in this life nothing gets handed to you, you have to work and go get it” as Meme says.
Oh our beloved parents! Thank you for teaching us to walk into life and this love with all our eyes wide open. Meme for raising an incredible man in a world that fights so hard for men not be. Mama and papa for raising me to see with my heart in a world that tells me to see with my fears. Because of you, we are. And because of you, I am. I am standing here today, in front of you and all of our loved ones, and I feel fierce and so full of life and love. Clear minded and more sure of who I am and what I want to become than I have ever been. Because of you, my love, I am. And I hope, trust, know that with me, you are.
We’ve already started building a home together, setting up strong foundations, making sure we have enough air and light coming in. Having an abundance of plants! As long as we’re careful about how we use water in this drought. We are empowered, safe and comfortable to be ourselves in our home. I’m so proud of us.
Comfort can be as small as the simple act of breathing. Breathing is all we have to give rest to heads and to give rhythm to our chests. Without it we can’t be a part of the playing or the learning. Now this is the comfort I am talking about. We breathe so beautifully together babygh and I love that we laugh every time we notice.
We are divinely placed here “see the signs, they’re all around us” as Freddy says. He’s right. It would be unwise to ignore them. “I’m ready, and it’s ok, ok?” as Chris said. And I am too babygh. I am ready to gracefully fall into this new world with you.. trusting that we will be wiser and better for it. Maybe even big enough to have kids one day. Because “ME Me I love you man” as you say and “I love allllllllll of you” as I say and will always say.“

       

       

       

       

Brides Peeeeeeeps <3
Groomsmen and Bridesmaids <3

Die religiösen Trauungen sind vorbei und der traditionell afrikanische Teil der Hochzeit beginnt: Das Brautpaar muss nun gemeinsam zu Fuß den Weg von der Kirche bis zur Farm der Mutter des Bräutigams gehen, begleitet von Freunden, Familie, Tänzern und Musik, um am Tor der Farm (hoffentlich) von der Mutter hereingelassen zu werden und somit offiziell zur Familie zu gehören. Meme Aune erzählt uns schmunzelnd davon, wie sie sich früher gerne endlos damit Zeit ließen und das Brautpaar teilweise stundenlang am Tor warten musste. So aber nicht bei Meme Aune: Sie kann es kaum erwarten, die beiden endlich auf ihrem Grundstück zu begrüßen. Nun beginnt die traditionelle Geschenkeübergabe: Diese hätte eigentlich in einem eigens dafür aus Stein und Lehm gemauerten Kreis stattfinden sollen, allerdings sind wir so viele Gäste, dass der Platz nicht ausreicht und es kurzer Hand outgesourced wird. Als Geschenke erhalten Sie unter anderem eine Bibel, ein Pfeil und Bogen, eine Axt und weitere traditionelle Geschenke mit sehr tiefgründigen Bedeutungen. Begleitet und untermalt wird das Ganze wieder mit Musik, Tanz und ganz viel LILILILILILI.

       

       

       

       

Der Abend wird mit Essen eingeleitet, bevor die große Party beginnt. Essen aus verschiedensten Kulturen und Ländern – aber das Wichtigste, das ich an diesem Abend lerne: Braai is fly! [Braai bedeutet BBQ] Wie schon erwähnt, wurden alle mehr als satt und mit gefüllten Mägen konnte dann die Tanzfläche eingeweiht werden. Memo an mich: Ich muss mir dringend von Tara diese wahnsinns Tanzmoves beibringen lassen (Guuuuuuurl!!). Mel, selber Künstlerin und Musikerin, gibt ebenfalls ein paar ihrer Kunststücke als eine Mischung aus Jazz und Poetryslam zum Besten – und da ist sie wieder, diese Gänsehaut. Die Party ist für mich gegen 02:00 Uhr morgens beendet, weil uns allen noch der Flug und die letzten Tage in den Knochen hängen. Für die anderen geht es teilweise weiter, bis die Sonne wieder aufgeht. Weit haben sie es aber nicht, da einfach auf dem Festgelände gezeltet wird.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

        

       

   

Mir fällt es wirklich schwer, all die Emotionen und Gedanken dieser Hochzeit in Worte zu fassen und auf digitales Papier zu bringen. Mir, der nie die Worte fehlen. Auch Wochen danach suche ich immer noch nach ihnen. Diese Hochzeit war auf so vielen Ebenen die mir am nachhaltigsten in Erinnerung bleibende – no offense an alle anderen wundervollen Hochzeiten, auf denen ich schon tanzen durfte! Die Art, wie Freunde und Familie angepackt, alle Kraft- und Nervenreserven gesammelt und gebündelt haben, um diesen Tag so perfekt wie möglich zu machen. Die Liebe, Offenheit und Gastfreundschaft, die jeder einzelne mir und uns entgegengebracht hat. Das kleine große Chaos, das mit so vielen Händen und noch mehr Handgriffen in etwas so Schönes verwandelt wurde. Den Humor, den keiner von uns über all den Stress verloren hat. All die Menschen, die mein Herz um ein Hundertfaches größer werden ließen, weil jeder Einzelne von ihnen einen ganz besonderen Platz darin hat.

Nachdem wir am nächsten Morgen ein wenig ausschlafen konnten, wieder gemeinsam frühstückten und uns auf der Farm von allen verabschieden, fahren Mama, Michael, Lara und ich nachmittags noch nach Tsumeb weiter. In Tsumeb erbaute Michael mit seiner Familie vor vielen, vielen Jahren das Tsumeb Arts and Crafts Centre, in dem Anwohner ihre Kunst verkaufen und somit Geld verdienen können. Dieses Arts und Craft Center hat es schon seit einigen Jahren nach ganz oben auf die Must-Do-Listen der bekannten online und offline Reiseführer geschafft – zurecht. Nicht nur was man kaufen kann ist mit viel Herzblut und Leidenschaft erschaffen worden, sondern das gesamte Gelände. Man fühlt sich ab der ersten Sekunde wohl und wir könnten nicht glücklicher darüber sein, die nächsten fünf Tage (mit kleiner Unterbrechung) hier zu verbringen.

       

       

       

       

       

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, fahren wir in die Etosha Pfanne. Diese ist etwa eine Stunde Autofahrt von Tsumeb entfernt. In mir hüpft die kleine Tippi aus Afrika (Ein Buch meiner Kindheit, das von der kleinen Tippi erzählt, die als Tochter von zwei Forschern in Afrika zwischen Geparden und Elefanten aufwachsen darf – natürlich wollte ich immer wie sie sein.) Saltos vor Vorfreude: Endlich sehen wir wilde Tiere! Wobei das so nicht ganz stimmt. Allein auf den vielen Fahrten auf der Sandpad zur Nina Farm und auch auf der Strecke nach Windhoek wurde uns schon fast alles präsentiert, das Namibia so an Flora und Fauna zu bieten hat: Giraffen, Springboks, Zebras, Warzenschweine, Strauße, Affen und sogar einen beinahe-Wildunfall mit einer Oryx. Was wir wohl der Versicherung in Deutschland erzählt hätten? Zum Glück hat Michael sehr gute Reflexe und im Gegensatz zu uns die Straße im Auge und nicht die von Tieren erfüllte Ferne.

Wow! Die Etosha Pfanne. Wow. Fun Fact am Rande: Keines der folgenden Fotos wurde mit einem Zoom fotografiert und überhaupt keines der Fotos in diesem gesamten Blogpost ist (nach)bearbeitet. Mit viel Geduld, Ruhe und Respekt vor der Natur gelingen einem die besten Fotos. Aber seht selbst:

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Als wir abends wieder in Tsumeb ankommen, warten auch schon Oma (Michaels Mama), Mona, Jürgen (Michaels Bruder), Alex (Jürgens Sohn), Rosi (Michaels Schwester) und Biggi (Michaels Schwester) auf uns. Den Abend und den gesamten nächsten Tag verbringen wir gemeinsam mit kochen, essen, Karten spielen, Biltong essen, Sonnenbrillen-Shopping im China Shop, kleinen Reparaturen am Grundstück und viel, viel lachen. Einen Tag Pause nach all dem Trubel und den unzähligen Eindrücken tut wirklich gut. Da es in Tsumeb nochmal ein bisschen wärmer ist als schon zuvor in Windhoek, schlafen wir – ganz zur Freude aller Mücken – draußen.

       

       

       

       

       

       

       

Während des Schreibens fallen mir zwei Dinge auf: Zum einen schaffe ich es einfach nicht meinen Superlativ im Zaum zu halten (#sorrynotsorry) und zum anderen habe ich total vergessen, euch mit Informationen über dieses Land zu füttern. Aber das hole ich jetzt mal schnell nach.

Namibia beheimatet etwa 2,2 Mio Menschen. Das sind deutlich weniger Einwohner als Berlin hat, und das auf einer Gesamtfläche von knapp 830.000 km². Zum Vergleich: Deutschland ist weniger als halb so klein. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1884 – 1915) hieß Namibia noch Deutsch-Südwestafrika und war eine deutsche Kolonie. Weitere 70 Jahre musste sich Namibia als UN-Territorium durchschlagen, bis es 1990 endlich durch starken internationalen Druck seine Unabhängigkeit von Südafrika und seinen heutigen Namen erlangte. Bis heute haben viele Straßen deutsche Namen (und Schilder), es gibt ein Oktoberfest, Karneval und auch die Essiggurken aus Thüringen kann man im Spar um die Ecke einkaufen. Bisschen verrückt, aber man gewöhnt sich doch recht schnell daran – schließlich fühlt es sich an wie Zuhause. In Windhoek zumindest. Reist man, wie wir, noch weiter in den Norden, ist es auch ganz schnell vorbei mit Schwarzwälderkirschtorte und Birkenstocks. Windhoek ist nicht nur die Hauptstadt des Landes, sondern auch die Größte. Die zweitgrößte Stadt Namibias ist Rundu, an der Grenze nach Angola, wo wir am nächsten Tag hinfahren werden.

Aktuell belegt Namibia Platz 129 von 189 Staaten weltweit im Human Development Index. Seit seiner Unabhängigkeit hat das Land große Fortschritte gemacht, um die Armut zu bekämpfen, allerdings sind in keinem Land der Welt Reichtum und Armut so ungleich verteilt wie hier. Über die Kolonialzeitgeschichte Namibias kann ich mir leider noch keine ausgeprägte Meinung bilden, weshalb ich hier nicht viel zu sagen werde, da ich mich noch nicht genug damit auskenne. Was ich allerdings weiß und sagen kann, ist, dass unnötig viel Blut geflossen ist und dass ich froh darüber bin, dass Deutschland seit 2014 mit Namibia in den Dialog geht, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Es ist bereits Mittwoch und wir fahren nach dem Frühstück für eine Nacht nach Rundu, in den Norden Namibias. Rundu liegt in der Kavango-Region und direkt am Okavango. In Rundu sind Christopher und Mel aufgewachsen und Michael hat hier einen Großteil seines Erwachsenenlebens verbracht. Die Fahrt ist schon absolut spektakulär! Mama und Michael haben uns (Lara, Mona und mir) nicht zu viel versprochen, als sie sagte, dass hier das richtige Afrika beginnt. Meter um Meter wird es zwar noch wärmer, aber die Landschaft ein bisschen grüner. Am Straßenrand reihen sich kleine Dörfer aus Lehm- oder Wellblechhütten aneinander und Michael fällt eine atemberaubende Geschichte aus vergangenen Jahren nach der anderen ein, die uns aus dem Staunen nicht mehr rauslässt. Wow! Beeindruckend, was er für dieses Land schon alles gemacht und was er hier alles erlebt hat. Vor allem eben in Rundu. Und so dürfen wir vor Ort auch ein paar seiner Freunde kennenlernen – entweder auf einen Kaffee oder um unseren Mietwagen zu reparieren, dem die ganzen Sandpads wohl doch nicht so gut gefallen.

       

       

       

Apropos Mietwagen. Ich empfehle auf jeden Fall einen 4×4 zu mieten, ansonsten hat man vermutlich nicht sehr viel Spaß. Egal, ob im Etosha oder irgendwo abseits der wenigen asphaltierten Straßen, mit einem anderen Auto hat man kaum eine Chance oder eben nach wenigen Metern keinen Unterboden mehr. Wer das erste Mal im Linksverkehr fährt, sollte dies außerhalb einer der Städte auf den gerade Straßen üben, da die Umstellung an sich schon nicht sehr einfach ist und man zusätzlich zum Tier-Slalom nicht auch noch auf andere Autos Acht geben muss. Ebenfalls zu empfehlen: Einen Michael als Beifahrer, der einen immer wieder tiefenentspannt darauf hinweist, wenn man doch auf der falschen Seite abbiegt oder bereits sehr vorausschauende Tipps gibt.

       

       

Die Kavango-Region ist benannt nach seinen Einwohnern, die für ihre Holzschnitzkunst bekannt sind. Am Straßenrand wird diese unter anderem auch ausgestellt und verkauft. Sie sind ein in fünf Stämme unterteiltes Flussvolk, das bis heute sein Überleben hauptsächlich durch Fischfang sichert. Die Hauptstadt dieser Region ist Rundu. Durch das gesamte Gebiet und als natürlich Grenze zu Angola fliest der Okavango etwa 400 km quer durch den Kontinent. Dieser bietet die Lebensgrundlage der ärmsten Region Namibias.

       

       

       

       

       

       

       

Eigentlich wollen wir in der wunderschönen Tambuti Lodge schlafen, die ganz früher einmal Michaels Haus war und die er dann als Grundstück und um weitere Gebäude erweiterte, verkaufte und die jetzigen Besitzer eine Lodge draus machten. Leider ist hier – zurecht – alles ausgebucht. Wir beschließen an den Okvango runter zu fahren und dort nach einem Schlafplatz zu suchen. Und siehe da! Wir sind in einem weiteren kleinen Mikro-Paradies gelandet.

       

       

       

       

       

       

Unser heutiges Abendessen essen wir in der Kavango River Lodge mit dem schönsten Blick über den Okavango. So schön, dass wir es schaffen, minutenlang nicht miteinander zu sprechen und so schön, dass ich sogar (irgendwann) meine Kamera wegpacke. Im Hintergrund ruft laut der Go-Away-Vogel, den ich seit meiner Kindheit und dem 128. Mal „Die Lustige Welt der Tiere“, unbedingt in echt sehen und hören wollte.

       

       

       

       

       

Mit gefülltem Magen und strahlenden Augen fahren wir zur Lodge zurück, um den Tag – wie immer – mit 10-Penny-Rummy ausklingen zu lassen. Eine Stromleitung ist wohl kaputt gegangen und wir sitzen im Dunkeln. Da man das hier aber gewohnt ist, sind ruckzuck Kerzen organisiert und Lara kommt in Gruselgeschichtenstimmung. Noch heute kriege ich Albträume von einer Geschichte, die sie mir einmal als Kind erzählte und ich hole schnell die Spielkarten. Kurze Zeit später gehen aber auch schon wieder das Licht und der Ventilator an.

       

Morgens zum Frühstück kriegen wir Besuch von einem weiteren Freund von Michael, der mittlerweile Schulleiter einer Schule in der Region geworden ist und uns von seinen Entwicklungsprogrammen erzählt, die er gerade umsetzt. Unter anderem ein Programm, das die Wichtigkeit des Händewaschens bewusst machen soll und ein weiteres, das Damenbinden sponsort, damit die Schülerinnen auch während ihrer Periode die Schule besuchen können und nicht jeden Monat eine Woche ausfallen und den Unterricht verpassen. Wieder werde ich sehr demütig, wenn ich an mein Leben in Deutschland denke. Eigentlich DIE Sache, die ich am meisten am Reisen liebe: Je mehr man von der Welt sehen darf, desto demütiger und dankbarer für sein Leben in Deutschland wird man. Zumindest geht es mir so. Das erdet mich regelmäßig. Uns geht es in Deutschland echt verdammt gut.

Bevor wir wieder zurück nach Tsumeb fahren, zeigt uns Michael noch ein bisschen mehr von der Stadt. Unter anderem eine ehemalige, nun leer stehende Missionsstation. Dazu erklärt er uns die Politik, wie man mit einem Hompa (Stammesoberhaupt der jeweiligen Kavango-Stämme) verhandeln muss oder was man an der Grenze zu Angola lieber alles nicht tun und machen sollte, wenn man hier überleben möchte. Wieder einmal macht er uns zuerst sprachlos, bevor wir mit all unseren Fragen auf ihn einreden.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Meine beiden afrikanischen Lieblingsgetränke haben wir auch hier oben kennengelernt. Kaufen kann man diese beiden Marken aber im ganzen Land. Nummer eins ist das super erfrischende und Durst löschende Rock Shandy. Mein liebstes ist das von Country Club. Rock Shandy ist eine Mischung aus Soda, Limonade, Ginger Ale und irgendeinem alkoholfreien Kräuterlikör.

Mein absoluter Favorit und unser Getränk des Urlaubs ist definitiv Farmdudler. Selten so gelacht, wie in dem Moment, als Mama das an der Tankstelle entdeckte. Farmdudler schmeckt wie Almdudler, nur irgendwie noch besser.

Eine Nacht dürfen wir noch in Tsumeb schlafen, bevor es für die letzten Tage nach Windhoek zurück geht. So sehr ich mich auf Roya, Hanso und Vahid freue und darauf, Rosi, Don, Mel und Shali dort wieder zu sehen, so sehr werde ich (die btw bald 98-jährige) Oma und Biggi, die in Tsumeb wohnen, vermissen. Unsere letzte Nacht machen Jürgen und Alex noch perfekter als die Nächte zuvor schon waren: Sie haben Mückennetze organisiert und sie über unseren Betten aufgehangen. UNSERE HELDEN! In dieser Nacht habe ich so gut geschlafen, dass ich morgens völlig verwirrt aufwachte, weil ich nicht mehr wusste, wo ich gerade überhaupt bin. Wir versuchen den Abschied so kurz und schmerzlos wie möglich zu machen. Es ist schließlich auch kein Abschied, sondern ein Bis-Bald. Ein großes Stück meines Herzens ist auf jeden Fall in Tsumeb geblieben.

       

       

       

       

Noch einen kleinen Touri-Abstecher machen wir auf dem Weg zurück zu Namibias Hauptstadt. Wenn wir schon einmal hier sind, können wir es uns nicht nehmen lassen, den bisher größten auf der Erde gefundenen Meteoriten zu bestaunen. Ein wirklich liebevoll gebautes Areal umrundet diesen 50-60 Tonnen schweren Koloss aus Eisen, Nickel und Cobalt. Der Hoba-Meteorit ist in den Otavibergen, etwa 20 km westlich von Grootfontein, vor ca. 80.000 Jahren auf die Erde geknallt und wird vermutlich für immer dort liegen bleiben. Sein geschätztes Alter liegt bei 190 – 410 Millionen Jahren. Stellt man sich auf den Meteoriten, so hat alles, was man sagt einen seltsam hallend-dumpfen Schall, der sich wirklich kaum beschreiben lässt. Einfach mal ausprobieren! Haben wir auch nur durch Zufall entdeckt, weil ich mal wieder nicht aufhören konnte zu reden. Klar.

       

       

       

       

       

       

In Windhoek angekommen, erwartet uns ein gemeinsames Abendessen mit allen. Hach. Wie sehr ich ein volles Haus vermisse. Oke, oke. Auch das leckere Essen, dass die Ladies jeden Abend so gezaubert haben. An unserem vorletzten Tag frühstücken wir auf dem allsamstäglichen Bio-Deutschen-Markt und plündern danach das Arts and Craft Center in der Stadt, um die letzten Souvenirs einzukaufen. Schweren Herzens genießen wir unser letztes riesen großes Familien-Freunde-Abendessen und versuchen nicht daran zu denken, dass wir am nächsten Tag schon wieder nach Deutschland zurück müssen.

       

       

       

       

       

       

Puh. Na was soll ich abschließend noch alles sagen … ich denke, man konnte in den letzten 6.000 Worten ein wenig aus dem noch viel längeren Subtext rauslesen, dass mich dieses Land verzaubert hat. Ich bin mal wieder so unendlich dankbar, dass ich auch dieses Land (mit absoluter Sicherheit nicht zum letzten Mal) durch Familien-Augen kennenlernen und erleben durfte und schon wieder nicht nur ein normaler Tourist sein musste. Ich bin dankbar für dieses Land – nicht, weil ich so viel Elend gesehen hätte und froh darüber bin, in Deutschland zu sein, sondern ich bin dankbar, dass ich Teil hiervon sein durfte und immer sein werde. Ich bin dankbar für eine Familie, die so toll ist, dass mir wieder einmal die Worte fehlen. Ich bin dankbar dafür, dass sich jeder einzelne dieser Orte wie ein Zuhause anfühlt. Ich bin dankbar dafür, dass ich all meine Sorgen und Ängste vergessen und wieder gelernt habe, Momente und Augenblicke zu genießen. Aber vor allem bin ich dankbar dafür, dass Du, Michael, Namibia in mein Leben gebracht hast.

Beim Schreiben dieses Textes bin ich mehrfach im Zug durch Deuschland gefahren, habe Paulaner Spezi getrunken, Döner gegessen, Termine organisiert und was man eben noch so alles Deutsches tun kann … aber nicht eine Sekunde davon bin ich wirklich wieder in Deutschland angekommen. Werde ich das vielleicht nie wieder?

Dublin, Ireland

Die Hauptstadt der Republik Irland (nicht zu verwechseln mit Nordirland) liegt an der Ostküste der Insel, an der Mündung des / der Liffey. Welcher Artikel für den Fluss Liffey nun der Richtige ist, darüber streiten sich seit jeher die Geister.

Die Billigfluglinie Ryanair bietet seit Sommer 2017 vermehrt Flüge von Stuttgart und München nach Dublin an und so kann man für etwa 40€ von Stuttgart (und nach München) aus mit dem Rucksack nach Dublin fliegen. Extra Handgepäck muss seit November 2018 dazu gebucht werden. Wer unter der Woche fliegt, fliegt sogar noch günstiger. Irgendwie erschreckend, dass ein Zugticket von Stuttgart nach München 100€ kostet und ein Flug von Stuttgart über Dublin nach München nur 40€ und weniger. Aus diesem Grund finde ich es besonders wichtig zu betonen, dass ich selbstverständlich wieder meine CO2-Emissionen ausgeglichen habe. Meine CO2-Emissionen gleiche ich bei jeder Busfahrt und jedem Flug aus und, wenn es mein Studentengeldbeutel zulässt, dann auch ein paar Extra-Emissionen für Fleischkonsum zum Beispiel. Tut gar nicht weh und macht den Urlaub noch genießbarer.

Wieder einmal zeigt sich, dass Gemeinschaft etwas Gutes ist: In Irland zahlt man überall mit dem Euro. Also kein lästiges Umrechnen mehr. Yeah!

Der Name Dublin kommt aus dem Irischen und bedeutet Schwarzer Tümpel. Er kommt aus der Zeit, in der Dublin noch eine kleine Siedlung war. Da Dublin nun keine kleine Siedlung mehr ist und weder Einwohner noch Touristen gerne in einem schwarzen Tümpel sind, hat Dublin auch einen neuen (irischen) Namen erhalten: Baile Átha Cliath – die Stadt der Furt an der Schilfhürde. Klingt auch gleich viel einladender.

        

        

Mit dem Airlink Bus 747 fährt man ganz entspannt für 12€ (hin und zurück) vom Flughafen verschiedene Haltestellen in der Stadt an. Das Ticket dafür kauft man in der Ankunftshalle an einem Schalter. Mein Tipp: Direkt Hin- und Rückfahrt zusammen kaufen. Ist nicht nur günstiger, sondern auch entspannter, weil man sich bei der Rückreise nicht mehr darum kümmern muss. Die Busfahrer, und somit auch die Fahrt mit dem Bus, erinnern ganz stark an den Fahrenden Ritter aus Harry Potter und so duckt man sich aus Reflex an jedem Straßenschild oder hält die Luft an, wenn man einen anderen Bus oder eine Häuserwand passiert. Das Linksfahrgebot macht die Sache nicht besser. Sehr unterhaltsam auf jeden Fall!

Dublin ist in etwa so teuer wie das Leben in München und Stuttgart, deshalb haben mich die Preise nicht allzu sehr schockiert. Um dennoch sehr zentral zu wohnen, habe ich mir mal wieder ein Airbnb gebucht.

Das Stadtzentrum ist überschaubar und kann mühelos zu Fuß besichtigt werden. Der Nahverkehr ist mit Bussen zwar prima ausgebaut, aber so kann ich den Flair und die Atmosphäre der Stadt besser kennenlernen.

        

Gerne hätte ich das Kilmainham Gaol Gefängnis besucht, aber da man nur bestimmte Timeslots buchen kann, war ich leider zu spät dran. Es wurde mir aus verschiedenen Quellen empfohlen. Auch nach Howth an die Küste hat es mir zeitlich leider nicht mehr gereicht, da ich auch nur zwei Tage dort und das Wetter sowieso eher ungemütlich war – weshalb ich lieber im Warmen gesessen und mich durch die Stadt gegessen habe. Da auf meiner Bucket List aber noch ein Road Trip durch das Hinterland Irlands steht, ist das zu verkraften.

Die Iren durfte ich als unglaublich humorvolles, gastfreundliches und zuvorkommendes Volk kennenlernen und ich freue mich schon darauf, demnächst dem Rest von ihnen zu begegnen.

Hier also meine Top 9 Dinge, die ich in Dublin liebe:

9. Father Pat Noise

Father Pat Noise trifft man auf der O’Connell Bridge. Er ist wieder einmal ein Zeichen für den Humor und die Kreativität der Iren. Lange rätselte man, wer er ist, da es in den Archiven keine Aufzeichnungen über ihn gibt. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die Plakette, die seinen mysteriösen Tod auf den 10. August 1919 datiert, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von einer Untergrundorganisation angebracht worden war, um auf die Geldverschwendung in den sogenannten Boom-Jahren hinzuweisen. Die Stadt wusste damals mit ihrem Geld nichts anderes anzufangen, als für jeden geschichtlich noch so uninteressanten Menschen ein Denkmal zu erbauen. Das Anagramm „HSTI“ steht im Übrigen für SHIT.

        

        

        

8. Temple Bar District

Kein wirklicher Geheimtipp ist ein Spaziergang durch das Temple Bar Disctrict. Es ist bunt, es ist kreativ, es macht Spaß!

        

        

7. Streetart

Wie schon erwähnt, ist Dublin sehr bunt. Die Streetart ist hier weit verbreitet und hat auch wirklich noch viel mit Talent und Kunst zu tun. Es lohnt sich wahrlich immer die Augen offen zu halten, denn die Stadt ist voll davon.

        

        

        

        

6. Porridge @ Rosie’s Café

Ich frühstücke sehr gerne Porridge in seiner vielfältigen und abwechslungsreichen Art. Der Porridge aus Rosie’s Café ist einfach traumhaft lecker und wärmt von innen heraus, um gut in den nasskalten Dubliner Tag zu starten. Mmmhhh!

5. Umi Falafel

Weiter geht’s mit … Essen. Umi Falafel auf der Dame Street. Was soll ich sagen? Seht selbst:

4. Trinity College und Long Room

Viele gehen überhaupt nur oder erst nach Dublin, um einmal in der Bibliothek und dem Long Room des Trinity College zu stehen. Es ist atemberaubend zu sehen, wie diese Jahrhunderte alten Bücher dort meterhoch aufgereiht sind … am besten geht man früh morgens, um dem Massentourismus zu entfliehen.

        

        

Darf ich vorstellen? Mein Awkward-Face. Wenn ich was nicht mag, dann gestellte Fotos von mir alleine. Aber auf der anderen Seite wollte ich ein Foto von mir im Long Room … naja … ihr sehr ja, was dabei raus kam.

3. Marsh’s Library

Weniger, bzw. kaum, bekannt ist die Marsh’s Library in der St. Patrick’s Close, neben der St. Patrick’s Cathedral. Sie war die erste öffentliche Bibliothek in ganz Irland und warum sie in kaum einem Reiseführer steht, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Die Bücher sind zum Anfassen nah, man ist nahezu alleine dort und dieser Ort ist ganz magisch! Die Sammlung umfasst über 25.000 Bücher und 300 Manuskripte aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert und sogar 80 Bücher aus dem 15. Jahrhundert. Alle Bücher sind Unikate und werden in mühevoller Arbeit liebevoll gepflegt. Der Eintritt kostet lediglich 2€ für Studenten, 3€ für Erwachsene und ist mit Voranmeldung für Forscher kostenfrei.

        

        

        

2. Bunsen Burger

Irisches Weiderind mit Käse überschmolzen und hausgemachten Pommes … hach … von diesem Burger träume ich seither fast jede Nacht. Eat now, thank me later!

1. Harry-Potter-Feeling

Wohin man in Dublin auch geht, hinter jeder Ecke erwartet man entweder einen Hauselfen zu treffen oder über Drachen zu stolpern. Dieses Städtchen ist ein absolutes Muss für alle Harry-Potter-Nerds – mich inklusive! Die eine Gasse sieht aus wie die Nokturngasse und man traut sich kaum hinein, das nächste Gebäude erinnert an die Gringotts Bank und man wartet quasi nur darauf, Hermine und Ron streitend hinter einem der Bücherregale zu erwischen.

        

Kosovo

Die Republik Kosovo, wie das Land heute offiziell heißt, hat regierungstechnisch wirklich schon einiges mitgemacht. Bis 1992 war sie Bestandteil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, nach der sie 1992 von der Konstituierten Föderativen Bundesrepublik Jugoslawien abgelöst wurde, um 2003 offiziell wieder eine Teilregion der Republik Serbiens zu werden. Aus diesem Grund erhält jeder Bürger des Kosovo auch gratis eine serbische Staatsbürgerschaft geschenkt, obwohl die meistens niemand haben will. Zwischenzeitlich (von 1998 bis 1999) befand sich das kleine Land auf dem westlichen Teil der Balkanhalbinsel auch noch im Krieg – dem Kosovo Krieg. Einem bewaffneten Konflikt zwischen der NATO und Serbien, in dem es Serbien um Macht und der NATO darum ging, Serbiens Armee zum Rückzug zu zwingen, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu vermeiden. Erschreckend, oder? Gerade einmal vor 20 Jahren herrschte in diesem Land noch Krieg. Die Unabhängigkeit von Serbien erlange der Kosovo schlussendlich am 17. Februar 2008, der bis heute nationaler Feiertag ist. Immerhin 112 der 193 UNO-Staaten erkennen aktuell diese Unabhängikeit an.

Heute hat der Kosovo 1,9 Millionen Einwohner, die sich auf eine Fläche von 10.908 km² verteilen. In wenigen Stunden hat man das Land tatsächlich komplett durchfahren. Ja, Stunden. Denn abgesehen von der neu gebauten Autobahn, die nach Albanien führt, sind die Straßen dort gar nicht mal so gut.

Im Kosovo spricht man entweder Serbisch oder Albanisch. Wer allerdings weiß, wie Albanisch in Albanien klingt, der darf sich nicht erschrecken: Im Kosovo klingt die Sprache sehr viel härter, grober und (Samandar, das ist nur für Dich) männlicher. In Pristina, der Hauptstadt, kommt man aber auch mit Englisch ganz gut durch. Sogar Deutsch verstehen und sprechen vereinzelt Bürger – auch auf den Dörfern. Bezahlt wird im ganzen Land mit Euro. Nicht, weil der Kosovo bereits EU-Mitglied oder Beitrittskandidat ist, sondern weil die Wirtschaft des Landes zu schwach für eine eigene Währung ist. So kam es auch, dass sie vor dem Euro mit D-Mark bezahlten.

Eine Staatsreligion hat der Kosovo nicht. Die Republik bezeichet sich als säkular und hat dies auch so in der Verfassung verankert. (Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich auf die Immanenz und Verweltlichung der Gesellschaft beschränkt und auf darüber hinausgehende, religiöse Fragen verzichtet. Sie erwächst aus zwei Prozessen: zum einen aus der Säkularisierung, also dem mentalen Prozess der Entflechtung oder Trennung zwischen Religion und Staat, zum anderen aus der Säkularisation, dem konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen. Quelle: Wikipedia) Die meisten Kosovaren sind aber offiziell Muslime.

Hmm … was erzähle ich über Pristina … ich bin ganz ehrlich: Viel oder außergewöhnlich Schönes kann man hier nicht unbedingt sehen und machen. Eine geraume Zeit lang bin ich durch die Stadt geschlendert und habe wirklich versucht, Dinge zu sehen, über die ich schreiben sollte. Fehlanzeige.

        

Warum bin ich also in den Kosovo gereist? Zwei Mal sogar, um ehrlich zu sein. Das erste Mal (im August 2016) durfte ich das Land und vor allem seine Bürger kennenlernen, weil gute Freunde von mir dort geheiratet haben. Wenn man seine Wurzeln und Familie im Kosovo hat, ist es Tradition auch eine traditionelle Hochzeitsfeier vor Ort auszurichten. An genau dieser durfte ich damals mit wenigen anderen Freunden aus Deutschland teilhaben. Was ein Erlebnis! Aber davon werde ich nicht ohne Absprache mit dem Ehepaar berichten und deshalb gibt es hier auch vorerst keine Fotos davon 🙂

Das zweite Mal (im Mai 2018) bin ich in den Kosovo gereist, um meinen (allerliebsten) Cousin Samandar zu besuchen. Beide Male geschah die Anreise mit dem Auto – einmal aus Deutschland und einmal aus Albanien. Autofahren im Kosovo ist eine interessante Erfahrung und wenn man ausschließlich den deutschen Verkehr gewohnt ist, sollte man davon vielleicht absehen. Noch abenteuerlicher ist es nur in Albanien.

Im Sommer 1992 ist ein Teil meiner Familie nach Albanien ausgewandert, um dort als Pionier das Land religiös und wirtschaftlich in der Entwicklung zu unterstützen. Vor etwa 10 Jahren ist Sam dann in den Kosovo gezogen und arbeitet nun dort für eine Organisation, die mit dem Gesundheitsministerium zusammen dafür sorgt, das Land in Hinsicht auf Gesundheit und Hygiene zu verbessern und modernisieren. Ich bin ziemlich stolz!

Vier weitere Highlights habe ich aber trotzdem für euch – des spannungsbogenhalber wollte ich euch Pristina zunächst schlecht reden:

1. Der Kaffee im Kosovo ist einer der besten, den ich jemals getrunken habe. Nicht der türkische Kaffee (aber nur deshalb, weil ich ihn allgemein nicht so gerne trinke), sondern der Latte Macchiatto. Im Ernst! Da kann Italien einpacken.

2. Ein Mittagessen in der Punjabi Kitchen.

3.  Nachtisch und – of course – Kaffee im Tartine Deli.

4. Pizza oder Pasta im Ponte Veccio: Zum Glück für den kulinarischen Gaumen hat Italien im Kosovo tiefgreifende Spuren hinterlassen.

Auf dem Rückweg nach Albanien habe ich noch einen kleinen Abstecher in Prizren gemacht. Etwa 45 Minuten vor der albanischen Grenze befindet sich dieses kleine historische Juwel und endlich gibt es was zu erzählen. Mit 85.000 Einwohnern ist Prizren, nach Pristina, die zweitgrößte Stadt des Landes. In den vergangenen Jahrhunderten war Prizren jeweils von großer historischer Bedeutung für das Land und vor allem den dortigen Handel. Heute ist die Stadt ein wichtiger Knotenpunkt, um den man nicht herum kommt, wenn man das Land passiert. Das kulturelle Zentrum des Landes hat eine wunderschöne und teilweise noch vollständig erhaltene Altstadt mit historischen Bauten und unzähligen Moscheen.

        

Die Festung von Prizren, mit ihren 525 m über dem Meeresspiegel, ist defintiv den mühsamen Aufstieg durch die engen Gassen und löchrigen Straßen wert. (Watch your steps!) Anfang der 2000er fanden Archäologen erstmals heraus, dass der Platz um die Festung schon seit der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) besiedelt ist. Viel zu sehen gibt es oben – wie zu erwarten – nicht, aber der Ausblick ist wirklich unbezahlbar. Auch auf dem Weg nach oben kann man immer mal wieder durch die Büsche am Wegrand spicken und wird mit einem wahnsinns Ausblick belohnt, der untermalt wird von asynchron geschalteten Imame der zahlreichen Moscheen der Stadt.

        

        

Ja, touristisch und landschaftlich hat der Kosovo nicht viel zu bieten. Allerdings hat das Land etwas ganz anderes zu bieten, das man in dieser Intensität nicht in allzu vielen anderen Ländern der Welt erleben darf: Gastfreundschaft und Wärme. (Und selbstverständlich diesen atemberaubend guten Kaffee!) Wo man auch hinkommt und wen man auch kennenlernt, man fühlt sich im Bruchteil von Augenblicken zugehörig und als Teil der Gesellschaft. Sei es bei einem Besuch im Ministerium, einem Kaffee in der Stadt oder einem Abschiedsessen einer Arbeitskollegin meines Cousins. Alle Menschen begegneten mir mit einem strahlenden Lächeln voller Herzlichkeit, Interesse und Offenheit. Und allein für dieses zauberhafte Dazugehörigkeitsgefühl lohnt sich ein Abstecher in dieses kleine Land schon.

Danke für Deine Wärme, kleiner Kosovo 🙂

Tirana, Albania

Seit dem Sturz der kommunistischen Regierung 1991, wächst und gedeiht Albaniens Hauptstadt Tirana prächtig – um genau zu sein, hat sich seit damals die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Heute ist sie nicht nur politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landes, sondern auch kultureller. Museen, Theater, die Oper, … drapiert rings um den Skanderbeg Platz herum … hier ist für jedes Herz etwas dabei. Umgeben von Bergen und vor allem dem Hausberg Dajti bietet Tirana auch eine atemberaubend schöne Kulisse, um sich hier treiben zu lassen.

        

Tirana ist bunt. Nicht nur bezogen auf die Häuserfarben, sondern auch auf die Einwohner, die Religionen und das Wesen der Menschen. Das macht diese Stadt in meinen Augen zu einem ganz besonderen Juwel. Um diese Vielfalt und Lebensfreude zu unterstreichen, ließ z.B. ein ehemaliger Bürgermeister (der heute im Parlament sitzt) vor einigen Jahren mehrere Straßenzüge quietschbunt anmalen. Ohnehin war die Architektur der Stadt schon vorher etwas ganz Besonderes: die – wiederum – bunte Mischung aus Moderne, Balkan-Traditionellem und kommunistischem Plattenbau sieht einzeln und für sich gesehen vielleicht nicht sonderlich hübsch aus, ergibt sich aber in seiner Symbiose zu einem wirklich tollen Kunterbunt.

        

Die Nächte in Tirana sind ab Mai schon sehr heiß und windlos. Während meine Cousine und ihr Mann (Ohja, auch hier habe ich Familie!) noch mit dicker Decke und geschlossenen Fenstern schliefen, war es mir – deutscher Kartoffel – bereits mit nur Bettlaken und sperrangelweit geöffnetem Fenster schon viel zu heiß. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Air Condition.

Regelmäßige – unangekündigte – Stromausfälle sind hier an der Tagesordnung. Dies hat nicht immer etwas mit überlasteten Netzen zu tun, sondern auch gerne damit, dass Stromnetze erneuert und temporär einfach abgeschaltet werden. Natürlich nicht in der Nacht, sondern immer zu Zeiten, zu denen man duschen oder arbeiten muss. Auf fließendes Wasser muss die Stadt ebenfalls seit jeher verzichten. Das gibt es in ganz Tirana nicht. Hierfür stehen jedem Haus Wassertanks zur Verfügung, die meist auf den Dächern stehen. Bervor man also duschen will oder den Abwasch macht, muss man sie anschalten. Man sollte nur nicht vergessen, sie wieder auszuschalten: In der Zeit, in der sie aus sind, wird von unten Wasser zurück gepumpt. Vergisst man das, hat man schlichtweg auch kein Wasser mehr.

Albanien im Allgemeinen, aber Tirana im Besonderen ist sehr wissbegierig und hat nicht nur sehr viel Potential, sondern will es – meiner Meinung nach – auch nutzen. Es sind die kleinen Dinge, die deren Denkweise in meinen Augen sehr modern macht: Zum Beispiel ist jeder Straßenhund in Tirana ist kastriert und geimpft, jedoch frei und nicht eingesperrt. Es wird ein neues, modernes Stadtzentrum gebaut, aber nicht „auf“ das alte, historische Stadtzentrum, sondern daneben. Der Kommunismus hat dem Land vermutlich nicht viel Gutes gebracht, aber die Zahl der Analphabeten schrumpfte von über 80% auf nur 1-2%. An jeder Straßenecke sieht man Buchverkäufer, die ihre Ware auf dem Bürgersteig ausbreiten und lesehungrige Menschen glücklich machen. Außerdem lernen die Albaner nicht nur gerne von ihren Nachbarländern das Kochen, sondern perfektionieren es sogar noch. Und erst der Kaffee … im Vergleich zu Italien kostet hier eine frische Steinofenpizza aber nur etwa €2,00.

Im Folgenden erzähle ich euch von meinen Top 9 Dingen, die ihr in Tirana auf keinen Fall verpassen solltet:

9. Italienisch essen im Taiwan (Rinia) Park

Im Grunde könnt ihr überall gut (und sehr günstig) italienisch essen. Allerdings fand ich es wirklich schön, von der Terrasse des Casa della Pasta aus, mit Blick auf den Taiwan Park meine unglaublich leckeren Tortellini zu genießen und kann das nur empfehlen. So konnte ich auch mehreren Schulklassen dabei zuhören, wie sie die den Park nutzten, um albanische Gedichte oder andere Kunst vorzutragen. (Sorry, das Essen war so lecker, dass ich zu ungeduldig war, um vorher noch ein Foto zu machen.)

8. Frühstück im Stephens Center

Das 1994 als erstes Café in Albanien gegründete Stephens Center bietet alles, auf das man morgens oder auch mittags … oke … abends auch … so Appetit haben könnte. Das Frühstück hat es mir aber am meisten angetan. Chris und Laura kamen 1993 als Missionare nach Albanien, um den Menschen ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten und natürlich, um ihnen von Jesus zu erzählen. Keine Sorge, man wird weder bekehrt, noch belästigt. Das Essen ist super lecker und nebenbei finanziert man mit seinem Besuch auch noch diverse Wohltätigkeitsaktivitäten.

7. Getting lost und die Stadt auf sich wirken lassen

Natürlich gibt es die ein oder andere Sehenswürdigkeit in Tirana, aber sie sind alle sehr überschaubar und halten sich in Grenzen. Ich habe es vor allem genossen, einfach einen ganzen Tag durch Tirana zu laufen, hier und da – wie sich vermutlich erahnen lässt – eine (oder auch zwei) Kleinigkeit zu essen, weiter zu schlendern und die Stadt einfach auf mich wirken zu lassen.

        

        

        

6. Die Aussicht genießen auf dem Skytower

Wer schon den ein oder anderen meiner Blog-Posts gelesen hat, weiß, dass ich ein riesiger Fan von Aussichtsplattformen aller Art bin. Solch eine habe ich natürlich auch in Tirana gefunden: Es ist das 17. Stockwerk des Sky Tower. Mit seinen ca. 65 Metern Höhe war es damals – im Jahr 2000 -, als es gebaut wurde, das höchste Gebäude in ganz Albanien! Der Eintritt ist frei und man erreicht die Plattform ganz einfach über einen (verglasten) Aufzug.

        

        

5. Byrek essen bei Castit

Je öfter ich diesen Post Korrektur lesen, umso stärker fällt mir auf, dass ich schon wieder nur von Essen rede (#sorrynotsorry), aber wie kann ich auch anders, wenn es einfach so viel Gutes davon zu berichten gibt?! Und so geht es bei meinem Platz 5 – oh Wunder – wieder um Essen: Byrek. Das beste Byrek, das ich in Tirana aß, war definitiv das von Castit. Vermutlich ist „Castit“ gar kein Name, aber ich tu einfach mal so, weil das dann so klingt, als wäre er mein bester Freund geworden. Castit findet ihr auf der Rruga Bardhok Biba – grüßt ihn lieb von mir, wenn ihr in gefunden habt!

4. Parku i madh i Tiranes / Parku i Liqenit

Dieser Park hat es ab dem ersten Schritt auf meine Liste der Happy Places geschafft – und zwar ziemlich weit nach oben. Über zwei Stunden habe ich einfach Parkbankhopping gemacht, mich von meinen Gedanken durch den Park träumen lassen und über all die Entspanntheit sogar vergessen, viele Fotos zu machen. Wenn das mal nicht einiges heißt … tatsächlich ist dieser Park einer der wenigen Orte, dessen Stimmung meine Kamera vermutlich nicht ausreichend hätte einfangen können. Seht einfach selbst!

        

        

3. Kaffee trinken (bei Sophie)

Wie sehr ich mich beherrschen musste, nicht in jedem zweiten Satz zu erwähnen, wie gut der albanische Kaffee ist … jetzt kann ich es ja endlich loswerden: ER IST EIN GESCHENK DES HIMMELS! Im Ernst. Die Italiener haben schon echt ein Händchen dafür, aber die Albaner haben seine Herstellung perfektioniert. Sophie Caffe ist der albanische Starbucks – nur viel leckerer und vermutlich deutlich weniger korrupt. Aber egal wo ich Kaffee getrunken habe, er war einfach göttlich.

2. Verteilerkasten-Schnitzeljad und die Straßenkunst von Tirana

Zu den etlichen Verschönerungsmaßnahmen der Stadt, gehört unter anderem auch das Bemalen von Verteilerkästen. Überall in Tirana ist ausnahmslos jeder Verteilerkasten angemalt und jeder steht unter einem anderen Motto. Es macht also eine Menge Spaß durch die Stadt zu schlendern und auf dem Weg Chewbacca, die Ducktales oder andere Kindheitshelden zu treffen. Ich könnte ein ganzes Fotoalbum mit Verteilerkästen anlegen … außerdem stößt man an jeder Ecke auf Kleinstraßenkunst, die immer wieder begeistert.

                  

        

                 

        

        

        

1. Familie dort haben

Mein unangefochtener Platz 1 hat ausnahmsweise nichts mit Essen zu tun und zeigt demnach deutlich, wie wichtig er mir sein muss (Wichtiger als Essen!): Familie! Es ist ein überaus großes Privileg, Familie auf der ganzen Welt verteilt und die Möglichkeit zu haben, sie in ihrer Welt zu besuchen. Nirgends ist man fremd, sondern überall Zuhause <3