Binga

Am Morgen der Abfahrt vom Hwange freue ich mich darauf, dass wir heute nur 170 km weit fahren müssen. Zu früh gefreut. Für diese kurze Strecke brauchen wir über vier Stunden! Die Straße nach Binga ist ein absoluter Albtraum und wir fahren die letzten … naja … 140 km mit Schrittgeschwindigkeit durch ein Schlagloch nach dem anderen. Anfangs wundern wir uns noch, warum keiner der Anwohner die Hand raushält, um bei uns mitfahren zu dürfen. Dann realisieren wir, dass sie lieber schmunzelnd weiterlaufen, weil sie genau wissen, dass sie die nächsten Kilometer zu Fuß schneller sind. Zeitweise spielen wir mit dem Gedanken, an einem der tieferen Schlaglöcher zu pausieren und eine Runde schwimmen zu gehen, hatten dann aber doch Angst, dass das Wasser darin tief genug für Krokodile sei. Unser Auto wird mit jedem Kilometer lauter (irgendetwas am Motor ist wohl kaputt) und Musik hören können wir nicht, da es das Dröhnen nicht übertönen könnte. Schließlich erreichen wir ein so hohes Level an Frust, dass es in Albernheit ausartet und wir anfangen lauthals Lieder umzudichten (pothole ist das englische Wort für Schlagloch):

  • „This is the highway of hell“
  • „Wouldn’t it be nice if streets were better, wouldn’t it be nice if streets were smooth.“
  • „There are one million potholes to Binga, thats a fact. That’s a thing we can’t deny. Like the fact that I will love you till I die.“
  • „Ain’t no pothole deep enough“

Nach Kilometer 93 planen wir die erste App für Pothole-Spotter (ein Hobby, das nach Launch unserer App, steiler durch die Decke gehen wird als jedes Plane- oder Train-Spotting): Potholes of Southern Africa. Das wird der Hit!

Nachtrag 2022: Ein paar der Dollar, die man an den Mautstellen bezahlt, wurden wohl nun doch für die Reparaturen an den Straßen verwendet – YAY! Diese Strecke ist zwar immer noch schlecht, aber zumindest doppelt so schnell befahrbar. Fragt sich, wie lange noch …

Weil wir eh schon total fertig von der bisherigen Fahrt sind, beschließen wir nicht schon bei der ersten Gelegenheit zur Lodge abzubiegen, sondern noch einen insgesamt 1,5-stündigen Umweg (20 km) zum Waisenhaus in Binga zu fahren, damit wir am nächsten Tag nicht nochmal rausfahren müssen und das Auto einfach stehen lassen können.

Und genau das machen wir am nächsten Tag: Nichts. Da wir auch mal wieder keinen Strom und somit ebenfalls kein Internet haben, liegen wir die folgenden Tage mit Buch am Pool, lernen (für meine anstehende FGASA Prüfung) und ruhen uns einfach nur aus.

An unserem letzten Abend möchte uns einer der Kapitäne aus dem angrenzenden Hafen auf einen Sundowner mit aufs Wasser nehmen – den Kariba See, der eigentlich ein Stausee ist. Der Kariba Stausee wurde Ende der 50er Jahre von Menschenhand erbaut und aufgestaut. Zur damaligen Zeit war er das größte, von Menschenhand gestaute Wasser der Welt! Er ist heute flächenmäßig 10 Mal so groß wie der Bodensee, aber an der tiefsten Stelle nur (je nach Quelle) 80 bis 91 m tief. Je nach Wasserstand sieht man mal mehr und mal weniger von Wasser konservierte Bäume, die nun schon seit über 60 Jahren im Wasser stehen.

In den Teilen des Sees, in denen viel gefischt wird und somit auch viele Boote auf dem Wasser sind, werden leere Plastikflaschen an den Baumspitzen befestigt, damit die Fischer ihre Boote nicht gegen die Bäume fahren.

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