Ein Hippo im Kafue Nationalpark I Bahia Fox

Kafue Nationalpark

Wo die Seele aufblüht und die Wildnis ruft

Der Kafue Nationalpark, der größte Nationalpark in Sambia, erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 22.000 Quadratkilometern und bietet eine atemberaubende Vielfalt an Wildtieren, Landschaften und Ökosystemen. Mit seiner unberührten Schönheit lockt der Park Naturbegeisterte aus aller Welt an. So auch mich 🙂

Trotz seiner enormen Größe ist der Park übrigens vergleichsweise und aktuell noch wenig besucht. Massentourismus gibt es hier nicht, Infrastruktur sucht man vergeblich, jedoch findet man nahezu unberührte afrikanische Wildnis!

Der Park liegt im Herzen Sambias und erstreckt sich entlang des mäandernden Kafue-Flusses. Er wurde 1924 gegründet und ist als Teil der fünf-Länder-umfassenden Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA), wichtiger Schutzraum mit unberührter Wildnis und einer außergewöhnlichen Vielfalt an Tierarten. Der Park zeichnet sich darüber hinaus durch seine abwechslungsreiche Topographie aus, die von dichten Wäldern über Savannen bis hin zu Feuchtgebieten reicht.

Die Hauptattraktion des Kafue Nationalparks ist wohl seine Tierwelt: Elefanten, Löwen, Leoparden, Nilpferde, Krokodile, Büffel und eine Vielzahl von Antilopenarten können in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Nur Giraffen sucht man vergeblich, da sie aufgrund der Vegetation und den natürlichen Umständen hier einfach nicht vorkommen und auch nie vorkamen. Mit mehr als 500 Vogelarten ist der Park ebenso ein Paradies für Vogelbeobachter.

Geier im Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

Ganz besonders beeindruckend fand ich im Kafue (und das, obwohl ich Wasser nicht sehr mag) den Perspektivenwechsel durch die Safari vom Boot aus. Mehr dazu weiter unten.

Ich durfte diesen Park im Juni 2023 besuchen – als erster Gast der Saison übrigens. Richtig cool!

Genauer gesagt war ich im hohen Norden, den Busanga Plains:

Der Lufupa River fließt in die Busanga Swamps, und weite offene Flächen überfluten während der Regenzeit, was üppiges Weideland für eine Vielzahl von Wildtieren schafft. Das ausgedehnte Mosaik aus grasbewachsenen saisonalen Überschwemmungsebenen erstreckt sich bis zum Horizont – zweifellos ein traumhaft guter Ort für Wildtierbeobachtungen im Kafue. Die 720 km² Überschwemmungsebenen sind gespickt mit Palmenhainen, Schilfrohrbetten, von Lilien bedeckten Lagunen, Wäldern, offenen Wasserwegen und Ufervegetation. Wenn sich die Ebenen nach der Regenzeit leeren, ziehen sie zahlreiche Wildtiere und faszinierendes Vogelleben an, darunter riesige Herden Lechwe-Antilopen, Pukus, massive Büffelherden, Streifengnus, Lichtenstein-Antilope, Wasserböcke und (normalerweise) einzelgängerische Weidetiere wie Pferdeantilopen und Oribis. Aufgrund reicher Beutemöglichkeiten sind die Raubtierbestände hier beeindruckend groß! Löwen, Schakale, Karakale, Servale und Ginsterkatzen sind regelmäßige Besucher, und oft wird man beim Abendessen von Hyänen musikalisch begleitet.

Keine 5 Minuten Fahrt vom Flugfeld dauerte es und diese wunderschöne Herde Pferdeantilopen begrüßte uns im Park! Was eine Begrüßung!

Dadurch, dass nur so wenige Autos im gesamten Park fahren (dürfen) und diese Autos dann eigentlich auch ausschließlich von qualitativ hochwertig ausgebildeten Guides gefahren werden, die haargenau wissen, wie man sich in der Wildnis zu verhalten hat, reagierten z.B. diese Pferdeantilopen kaum auf uns und grasten tiefenentspannt nur wenige Meter von uns entfernt.

Im morgendlichen Nebel, als die Sonne über den Horizont stieg, schmückten zahlreiche Herden Lechwe-Antilopen die Ebenen in verschiedenen Alters- und Größenstufen, von Neugeborenen bis zu kampferprobten Großeltern und allem dazwischen. Viele der Herden zählten mehrere hundert Tiere! Zwischen ihnen sah man etliche Pukus und konnte auch vereinzelt Kronen- und Klunkerkraniche erkennen, viele von ihnen in Gesellschaft ihrer Jungen. Mit ihren scharfen, schmalen Schnäbeln und zierlichen Beinen sind Klunkerkraniche die größten Kraniche in Afrika und zugleich die höchstfliegenden Vögel auf dem Kontinent! Auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet eingestuft, findet man Klunkerkraniche oft gemeinsam mit Lechwes auf den Schwemmebenen, die zugleich einen ihrer wenigen bekannten Brutplätze darstellen.

Sambia erkannte glücklicherweise rechtzeitig, dass der Erhalt natürlicher Schätze von entscheidender Bedeutung ist und setzt sich aktiv für den Schutz des Parks und dessen Tierwelt ein. Durch Maßnahmen wie Anti-Wilderei-Programme und nachhaltigen Tourismus wird sichergestellt, dass der Park auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt.

Kafue Nationalpark im morgendlichen Nebel, Sambia I Bahia Fox

Die Busanga Plains genießen den Ruf, einer der besten Orte für die Beobachtung von Leoparden zu sein, besonders bei nächtlichen Pirschfahrten. Zudem beherbergt er eine der letzten Gepardepopulationen in ganz Sambia! Dank effektiver Maßnahmen gegen Wilderei vor Ort, verdoppelte sich eine der größten Wildhund-Populationen weltweit in den letzten drei Jahren sogar bereits. In derselben Zeitspanne hat sich auch die Löwenpopulation von anfangs eher entmutigenden 8 auf beeindruckende 47 erhöht – und diese Zahl steigt weiterhin an.

Leoparden und Geparde habe ich zwar keine gesehen, aber dafür Löwen! Und sogar Löwen, die sich mit einem Hippo um ein totes Lechwe streiten! WOW!

Die einheimischen Stämme des Kafue Nationalparks haben eine reiche kulturelle Geschichte, die eng mit der umgebenden Natur verbunden ist. Die tiefe Verbundenheit mit dem Land und ihre alten Traditionen faszinieren mich sehr! Auch die Umgangsweise des Staates mit ihnen: Aus Kambodscha oder Simbabwe kenne ich es zum Beispiel, dass traditionelle Völker umgesiedelt werden (Angkor Wat). Sambia hat sich jedoch dazu entschieden, niemandem sein Zuhause wegzunehmen, sondern Regeln aufzustellen, mit Hilfe derer ein friedvoller Umgang mit der Natur herrschen kann.

Die lokal ansässigen Menschen im Kafue Nationalpark sind meist Fischer. Sie dürfen weiterhin traditionell (und dadurch auch nachhaltig) fischen, nur müssen sie zum Beispiel dazu ein gelbes T-Shirt anziehen, um sich von der Natur abzuheben und sichtbar zu machen. So sieht man ab und zu tatsächlich in Gelb gekleidete Männer durch den Park laufen – übrigens auch, wie ich davon erfahren habe: In der Mittagspause saß ich mit meinem Fernglas auf der Veranda und scannte den vor meinen Füßen liegenden Park, als ich plötzlich Menschen herumlaufen sah und völlig erschrocken das Lodge-Personal danach fragte 🙂

Puku im Kafue Nationalpark I Bahia fox

Die beste Reisezeit, um in den Kafue Nationalpark zu fahren?

Die meisten Unterkünfte haben nur von Mai/Juni bis November geöffnet, weil es in der anderen Jahreshälfte zu nass und stürmisch wird. Viele Straßen sind dann nicht mehr befahrbar und die spärlich vorhandene Infrastruktur noch spärlicher vorhanden.

Der Zeitpunkt der Öffnung hängt auch jedes Jahr erneut von der vorangegangenen Regenzeit ab. Im Jahr 2023 machte das Shumba Camp von Wilderness, in dem ich war, zum Beispiel erst im Juni auf.

Wie kommt man in den Kafue Nationalpark?

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Mit dem Kleinflugzeug oder dem Auto.

  • 1,5h Flug von Lusaka
  • 2h Flug von Livingstone
  • 8-10h Autofahrt von Lusaka

Wobei eine Anreise mit dem Auto sehr ungewöhnlich ist und auch nicht ratsam. Der Park ist so spärlich besiedelt und besucht, dass man bei einer Autopanne oder einer nicht mehr befahrbaren Straße wenig Hilfe erhalten oder rufen könnte.

Was kann man im Kafue Nationalpark erleben?

Auf jeden Fall Safaris (Deutsch: Pirschfahrten)!

Die Besonderheit: Safari kann man hier nicht „nur“ zu Fuß oder vom Auto aus machen, sondern auch mit dem Boot. Die meisten von euch wissen ja, dass ich wirklich kein großer Fan von Wasseraktivitäten bin und Isaac (mein wundervoller und fantastischer Guide) musste mich auch wirklich lange überreden, bis ich mitkam – und wie dankbar bin ich ihm, dass er mich überzeugen konnte! Nicht nur, dass diese Perspektive für Fotos absolut grandios und mal was anderes ist, sondern es hat auch etwas wahnsinnig Meditatives durch die schmalen, von Hippos getrampelten, absolut ruhigen Kanäle zu fahren und die sich darin spiegelnde Landschaft zu bewundern.

Auch für Vogel-Liebhaber ist eine Safari im Boot eine absolute Empfehlung, weil man vom Wasser aus natürlich auch noch ganz andere Vögel zu Gesicht bekommt als nur von Land aus.

Übrigens hat sich durch diese Boot-Safari auch meine Sichtweise auf Nilpferde grundlegend geändert – nicht nur die buchstäbliche Sichtweise. Wo ich anfangs noch dachte, Isaac will uns umbringen, weil er tiefenentspannt super nah an Nilpferdfamilien (teilweise mit sehr kleinen Jungtieren) vorbei- und heranfuhr, verstand ich sehr schnell, dass die Nilpferde im Kafue Nationalpark einfach nur noch tiefenentspannter sind als Isaac selbst.

Ein Walking-Safari (zu Fuß) kann man – wie überall – nicht die ganze Saison über machen, weil anfangs das Gras noch zu hoch ist und die Sicherheit der Gäste nicht gewährleistet ist. Aber sie ist generell möglich!

Bootfahren im Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

Sonnenuntergang im Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

Tsetsefliegen im Kafue Nationalpark – ein Problem?

Ja und nein. Die Lodges und Unterkünfte, die ich kenne, sind in Gegenden erbaut, in denen kein Tsetsefliegen-Gebiet mehr ist. Allerdings ist das natürlich auch keine Garantie! Am Flugfeld (etwa 30-45 Minuten von der Lodge entfernt, in der ich übernachtet habe) auf den Busanga Plains habe ich mir einige Bisse eingeholt und die Fliegen waren auch mit ein Grund, warum wir leider nicht allzu lange bei den Pferdeantilopen verweilt haben. Ich habe mir allerdings auch schon in Simbabwe oder Uganda einige Bisse eingefangen und bin bislang gesund geblieben. Das Risiko muss man für sich gemeinsam mit seinem Arzt einschätzen. Es kommt auch immer ganz auf die Reisezeit und lokale Region an, weshalb ich das nicht zu sehr pauschalisieren möchte.

Was ich auf jeden Fall sagen kann: Diese Mistdinger können auch durch Jeans beißen … AUA!

Dein Guide: Puku vs. Lechwe – wer ist wer?

Zwei Antilopen, die Du mit Sicherheit sehr oft im Kafue Nationalpark, vor allem in den Busanga Plains, sehen wirst, sind Pukus und Lechwes.

Oder wie ich sie anfangs liebevoll in einen Topf warf und nannte: Puchwe

Denn anfangs hat man wirklich das Gefühl, diese zwei wunderschönen Tiere niemals auseinander halten zu können.

Hier habe ich für euch die wesentlichen Unterschiede zusammengefasst:

  • Lechwes sind größer als Pukus
  • Lechwes haben mehr weiß an ihrem Bauch als Pukus
  • Lechwes halten sich am Wasser auf, während Pukus Grasflächen bevorzugen
  • Lechwes haben weiter ausladende Hörner als Pukus

Erkennst Du den Unterschied? Wer ist wer?

Puku und Lechwe im Kafue Nationalpark, Sambia I Bahia Fox

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