Kampala

Der Hügel der Antilopen…

… wie der Name der Hauptstadt aus Luganda übersetzt bedeutet. Kampala ist auf insgesamt sieben Hügeln erbaut und zur damaligen Staatsgründung wurde der Haupthügel von einigen, domestizierten Impalas (Schwarzfersenantilopen) beweidet.

Kampala ist bunt, laut und voll. Anders kann ich es nicht sagen – aber auf eine interessante Art und Weise, nicht negativ! Wir verbringen die Zeit hier damit durch die Stadt zu spazieren, die Eindrücke auf uns wirken zu lassen und ein paar Erledigungen für die anstehende Hochzeit zu machen, auf der wir eingeladen sind.

Ein Eindruck war für mich besonders interessant und bleibend: Wir waren buchstäblich die einzigen weißen Menschen im ganzen Land. Also vermutlich waren da noch mehr, aber wir sind auf der gesamten Reise keinem anderen begegnet. Nicht, dass ich mich damit unwohl gefühlt habe oder Hautfarbe jemals für mich ein Thema oder überhaupt ein Gedanke war (nachdem meine riesengroße Familie auf der ganzen Welt mindestens einmal im Jahr um eine weitere Nationalität wächst ♥), aber es war bleibend.

Mzungu (Aussprache: Musungu) stammt aus dem Swahili und bedeutet wörtlich übersetzt „Wanderer / jemand, der ziellos umherwandert“, aber man sagt das auch zu Menschen mit weißer Hautfarbe. Überall wo wir sind oder sogar nur im Auto durchfahren, hören wir vor allem Kindern laut MZUNGU! MZUNGU! schreien und mit dem Finger auf uns zeigen – meistens aus Freude oder freudiger Überraschung! Menschen mit weißer Hautfarbe bedeuten: Touristen, Geld, oft Süßigkeiten oder andere Spenden. Wie und ob das moralisch okay ist oder Touristen sich anders verhalten sollten, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten. Aber auch nicht immer ist es Freude …

Side Note: Zu diesem Thema empfehle ich die Dokumentation „The Last Tourist“.

Wir fuhren im Nordosten des Landes – an der Grenze zum Südsudan – und erhielten kurz vorher die Information eine bestimmte Straße zu meiden (die deutlich schneller ist und wir eigentlich gefahren wären), weil wenige Stunden zuvor AK47-bewaffnete Rebellenkriege begannen, die nicht selten auch in gewalttätigen Entführungen von Touristen enden, sollte sich doch mal ein Auto hierher verirren. Wie gesagt: Als einzige Weiße in Sichtweite, waren wir ziemlich leicht als Touristen identifizierbar. Also fuhren wir eine andere Straße, die so wenig eine Straße war, dass nicht einmal Google Maps sie als Feldweg anerkannte. Nachdem die Dichte menschlicher und tierischer Population immer weiter abnahm und die der Vegetation immer weiter zunahm, beschlossen wir im nächsten Dorf anzuhalten und zur Sicherheit nochmal nach dem Weg zu fragen – buchstäblich mitten im Nirgendwo! Da wir noch Reste vom Mittagessen übrig hatten, fragte ich das Dorfoberhaupt, ob ich sie den Kindern geben dürfe. Er war sehr glücklich darüber und nickte meine Frage ab. Ich bemerkte schon die ganze Zeit, dass wir den Kindern nicht ganz geheuer waren, denn sie starten uns völlig irritiert und mit offenem Mund an. So ging ich zum Auto und holte das Essen.

Als ich auf die Kinder zuging, rannten sie alle weg. Sogar das Dorfoberhaupt musste etwas schmunzeln und kam mir zur Völkerverständigung zur Hilfe. Er übersetzte den Kindern, dass in den Päckchen Essen sei und sie es essen können. Mir wiederum erklärte er, dass die Kinder heute zum ersten Mal in ihrem Leben einen weißen Menschen sehen. Wow! Sie trauten mir immer noch nicht und wollten nicht näherkommen, weshalb ich die Essenspäckchen auf halbem Weg auf einem Fahrradsattel ablegte und wieder zurück zum Auto ging, um genügend Abstand zwischen uns zu kreieren und sie das Essen nehmen würden. Das Dorfoberhaupt sagte ihnen erneut, dass sie bitte zugreifen sollen … aber bis zu unserer Abfahrt blieb es unangetastet. Ich weiß bis heute nicht, ob irgendjemand das Essen auch nur angefasst hat oder ob es bis heute auf diesem Fahrradsattel liegt und zu einem Mzungu-Museum wurde.

Bahá’í Haus der Andacht

Das kontinentale Bahá’í Haus der Andacht in Afrika befindet sich in Kampala, Uganda. Es steht also völlig außer Frage, dass wir dorthin fahren möchten, wenn wir schon einmal hier sind! Die wenigen Stunden Zeit, die wir hatten, bevor wir von Kampala aus durchs Land losfuhren, waren leider nicht genug für einen Besuch. Wir beschlossen also, dies nach Rückkehr von unserer Rundreise zu machen – allerdings mit flauem Gefühl im Magen: Am 16. November 2021 verübte der IS zwei Terroranschläge auf die Innenstadt Kampalas. Zu diesem Zeitpunkt waren wir zwar gerade weit weg im Nordosten des Landes, aber trotzdem hinterließ es ein ungutes Gefühl im Magen. Allen Statistiken zum Trotz. Wir nahmen uns fest vor, nach Ankunft in Kampala so schnell wie möglich in unsere Unterkunft zu kommen, Menschenmassen und vor allem die Innenstadt zu meiden. Unser Flug weiter nach Namibia ging in der nächsten Nacht um 3:00 Uhr morgens und so würden wir uns nur zu absoluten Un-Stoßzeiten an kritischen Orten aufhalten …

Wir fuhren nach Kampala ein und in der Ferne, etwas erhöht auf einem der Hügel sah ich das Haus der Andacht. Ich konnte nicht anders als zu fragen, ob wir nicht doch kurz dort vorbeifahren können – wohlwissend hatte Andreas es jedoch bereits fest eingeplant. Durch wenig befahrene und umso schlechtere Hinterhofstraßen bahnten wir uns unseren Weg.

… und es war das Beste, das wir hätten machen können. Sobald wir dort waren (und die außerordentlich gründliche Sicherheitskontrolle passiert hatten: das Auto unten stehen, die Kamera im Auto lassen und nichts weiteres als ein Gebetbuch und ein Handy mitnehmen) machte sich ein beruhigendes Sicherheitsgefühl in uns breit, das unseren Puls nach all den verrückten Ereignissen und Unwohlsein sofort wieder auf Normalnull sinken ließ. Von Weitem hörten wir bereits den Chor üben, in den Gärten lernten Studenten aller Religionen und wir verbrachten schöne Momente mit Freunden aus Uganda.

Mit einer ganz besonderen Botschaft nach Deutschland verabschiedete sich der Chor von uns:

Unabhängigkeitsdenkmal

Uganda erlangte seine Unabhängigkeit von England nach etwa 100 Jahren am 9. Oktober 1962. Trotz der Unabhängigkeit musste das Land aber danach noch einige Diktatoren (vor allem Idi Amin 1971 – 1979) und blutige Massaker überstehen, was Ugandas Geschichte noch reicher machte – leider eben negativ. Von gewalttätigen, schweren Menschenrechtsverletzungen, bürgerkriegsartigen Zuständen und wirtschaftlichen Niedergängen versucht sich das Land noch bis heute zu erholen. Aber auch bis heute kommt es leider noch zu oft zu Menschenrechtsverletzungen und internen militärischen Auseinandersetzungen. Innenpolitisch ist Uganda – wie wir vor Ort mehrfach direkt mitbekamen – instabil: Verschiedene Bevölkerungsgruppen oder bewaffnete Rebellen bekriegen sich untereinander und das zuletzt auch, weil die Regierung sehr korrupt ist und das Land spaltet.

Hier ein paar Daten und Fakten, die ich persönlich sehr spannend und vielsagend finde:

  • Fragile State Index: 92,8 von 120 (weltweiter Rang: 24 von 178)
  • Demokratieindex: 4,94 von 10 (weltweiter Rang: 98 von 167)
  • Freedom in the World: 34 von 100 (Freiheitsstatus: nicht frei)
  • Pressefreiheit: 41,19 von 100
  • Korruptionswahrnehmungsindex: 27 von 100 (0 = sehr korrupt, 100 = sehr sauber)

Als wir etwas weiter unterhalb vom Unabhängigkeitsdenkmal standen – an der Statue des ersten Präsidenten Ugandas, Sir Edward Frederick William David Walugembe Mutebi Luwangula Mutesa II. (Fun Fact: Sie ist das teuerste Denkmal im ganzen Land. – wurden wir auf einmal sehr schroff von bewaffneten Militärs gebeten, umgehend diesen Platz zu verlassen. Etwas irritiert liefen wir die Straße weiter runter und blieben dort stehen, wo die meisten anderen stehen blieben. Dann begann das Spektakel: Der Präsident von Uganda, Yoweri Kaguta Museveni, begleitet von einem der größten Militäraufgebote, die ich jemals kumuliert gesehen habe, fuhr an uns vorbei. Die gepanzerten Autos bestückt mit gepanzerten Soldaten, massiven Maschinengewehren und Granatenwerfern; auf dem Dach des Präsidentenautos eine überdimensionale 360-Grad-Kamera und mehrere Straßenzüge gleichzeitig abgesperrt von weiteren bewaffneten Soldaten in Vollmontur … zum einen muss der Präsident wirklich „beliebt“ sein, wenn er solch einen Personenschutz benötigt und zum anderen sieht man, wohin die meisten (Oder alle?!) Steuergelder fließen.

Das Denkmal im Herzen der Stadt stellt einen Mann dar, der ein Kind von Bandagen entkleidet, die er selbst noch trägt und es in die Höhe hebt, um den Himmel zu berühren. Die Skulptur steht für ein neu geborenes Land, das von Kolonialismus und Knechtschaft befreit ist.

Nationale Moschee von Uganda

Der ehemals libysche Staatschef Muammar Gaddafi gab diese Moschee zur Ehrung einer seiner Partnerinnen (eine Muslima aus Uganda) als Geschenk an Uganda und zum Nutzen der muslimischen Bevölkerung in Auftrag. Er bezahlte für alle entstandenen Baukosten. Aus diesem Grund ist sie seit Fertigstellung 2007 auch bekannt unter dem Namen Gaddafi National Mosque. Nach dem Tod Gaddafis wurde sie im Jahr 2013 in Nationale Moschee von Uganda umbenannt, da die neue libysche Regierung „nicht bereit war, die Moschee unter dem alten Namen instand zu halten“.

Die Führung in der Moschee ist wirklich sehr interessant und man erhält spannende Einblicke – kann ich wirklich empfehlen! Am Eingang, an dem man auch sein Ticket inkl. Führung mit lokalem, muslimischem Guide kauft, werden Frauen und Männer noch entsprechend eingekleidet, wenn sie es nicht bereits sind: Männer tragen einen Kaftan, Frauen werden verschleiert. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich kleine Feministin immer ein großes Problem damit habe, mich verschleiern zu lassen, wie auch schon z.B. zuvor auf Bali. Aber auf der anderen Seite möchte ich jedem Menschen und jeder religiösen Stätte mit Respekt gegenübertreten und das bedeutet eben auch manchmal den eigenen Stolz Zuhause zu lassen. Mein Highlight der Moschee ist das Minarett: Auf 50,5 Metern Höhe kann man von oben die ganze Stadt überblicken!

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