Kariba

Die ehemals pulsierende Touristenstadt und der Stausee

Nachdem wir wieder ein paar Tage in Pamuzinda verbracht haben, geht es für uns zurück auf die Straße. Diesmal auf die andere Seite des Kariba Stausees: nach Kariba selbst. Das kleine Städtchen entstand damals, 1955, im Zuge des Staudamm-Baus. Hier lebten vor allem die Projektleiter und Arbeiter der Talsperre. Heute hat die Stadt etwa 27.000 Einwohner.

Auf etwa der Hälfte der Strecke liegt ein kleiner Ort namens Lions Den. Hier müssen wir unbedingt eine Pause machen, denn … hier gibt es BILTONG! Das gleichnamige kleine Restaurant Lions Den verkauft neben Souvenirs und ganz leckeren Burgern auch selbstgemachtes Biltong. Ich bin im Himmel! Es ist wirklich lecker und wir decken uns erstmal für die kommenden Tage ein.

Kariba ist eigentlich ein ganz hübscher Ort mit einem wahnsinnig schönen Blick auf den Kariba Stausee. Der Ort lebt vom Tourismus und so gibt es hier viele Hotels und Restaurants – bzw. lebte vom Tourismus. Viele Hotels sind seit den Unruhen 2008 geschlossen, weil auch die Touristenströme nachlassen. Wir sind leider nur eine Nacht hier, denn ab morgen werden wir ein paar Tage und Nächte auf dem Wasser verbringen: Auf einem Hausboot! Eigentlich schade, dass wir nur so wenig Zeit an Land haben, denn diese Lodge ist wunderschön. Aber … wir kommen ja wieder und werden dann mit Sicherheit nicht nur einmal die Chance haben, länger hier zu bleiben.

Zum Sonnenuntergang machen wir noch eine kleine Tour durch die Stadt und zur Talsperre. Die schiere Größe dieses Bauwerks ist beeindruckend! Der Stausee ist zwar nicht mehr der größte, aber immer noch volumenmäßig der zweit- und flächenmäßig der siebtgrößte von Menschenhand erbaute Stausee der Erde. Gespeist wird er vom Sambesi, dem Sanyati aus Südosten und vielen weiteren kleinen Flüssen. Fast 60.000 Menschen (das Volk der Tonga) mussten damals umgesiedelt werden. Kein einfaches Unterfangen. Zumal die ortsansässigen Tonga nicht nur ein Fischervolk sind, dessen Lebensgrundlage die Fischerei ist, sondern auch weil sie an ihren Flussgott Nyami Nyami glauben.

Der Nyami Nyami wird dargestellt als übergroße Wasserschlange mit Fischkopf – wie groß er wirklich ist, vermag kein Tonga einzuschätzen und so heißt es immer, er sei „sehr groß“. Der Nyami Nyami sorgte laut seiner Geschichte dafür, dass die Tonga jahrhundertelang abgeschottet von der Außenwelt am Flussufer des Sambesi ein glückliches Leben führen konnten. Er sorgte stets dafür, dass ausreichend Wasser für die Bewässerung der Felder und Fische im Fluss waren. Eine Verbindung zum Flussgott Nyami Nyami und seiner Ehefrau, die beide in der Unterwelt der Kariba-Schlucht wohnten, fand jeweils durch die Stammesältesten der Tonga statt. Diese Idylle wurde allerdings durch die Planung und den Bau der Talsperre in den 1950er Jahren gestört. Die Frau des Nyami Nyami war zur Zeit des Aufstauens flussabwärts bei einem der anderen Tongadörfer, die ihre Hilfe brauchten, während der Nyami Nyami selbst flussaufwärts ein Dorf unterstützte. Dies führte dazu, dass die Gottheit und seine Frau nun auf ewig durch die Talsperre voneinander getrennt sind. Die Einheimischen führten die Überflutungen des Landes, die leichten Erdbeben während des Baus und die Todesfälle unter den Baustellenmitarbeitern auf den Einfluss und die Wut ihrer Flussgottheit zurück. Da die Stammesältesten der Tonga weitere Todesopfer verhindern wollten, besänftigten sie den Nyami Nyami. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass der Bau ohne weitere schwere Zwischenfälle finalisiert werden konnte. Sie sind allerdings immer noch der Überzeugung, dass der Nyami Nyami nicht auf ewig von seiner Frau getrennt leben möchte und „now now“ dafür sorgen wird, dass die einzelnen Tongadörfer wieder vereint sind und ihrer ursprünglichen Lebensweise nachgehen können: am Sambesi leben und fischen.

An der Talsperre kann man übrigens sehr günstige, aber wirklich schöne, handgemachte Souvenirs kaufen. Vor allem die Tonga Walkingsticks hier sind sehr fein und sauber verarbeitet!

Ein echter Tonga Walkingstick besteht aus acht Elementen und wird von Hand aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt (Ringe und Kugel im „Magischen Ball“ inklusive):

  1. Der Griff repräsentiert den Nyami Nyami, den die Tonga als ihren Flussgott verehren.
  2. Der Mopane Baum ist der Zeremonienbaum der Tonga, der im Sambesi-Tal wächst und unter dem die Trommler sitzen.
  3. Die Figuren repräsentieren Tonga-Männer, die während Zeremonien auf ihren Trommeln spielen.
  4. Die Spiralen repräsentieren die Wellen des Sambesi Flusses.
  5. Der Fisch steht für das Grundnahrungsmittel der Tonga.
  6. Der Holzring (oder manchmal auch mehrere Ringe) repräsentiert den Armschmuck, den Tonga-Frauen während traditioneller Zeremonien tragen.
  7. Die Hand hält den “Magischen Ball” mit einer losen Kugel in seiner Mitte, der von traditionellen Heilern und Wahrsagern genutzt wird, um böse Geister fernzuhalten.
  8. Die Pfeife ist eine lange Holzpfeife, die von Tonga-Männern zum Rauchen genutzt wird. Früher rauchten die Männer ausschließlich Marihuana und die Frauen Tabak.

Der Kariba Heights Aussichtspunkt macht noch auf eine weitere Nebenwirkung des Kariba Stausees aufmerksam: Die Operation Noah.

Die Operation Noah war eine Wildtier-Rettungsaktion am Sambesi. In einer fünf Jahre andauernden Rettungsaktion wurden über 6.000 kleine und große Tiere (Elefanten, Antilopen, Nashörner, Löwen, Leoparden, Zebras, Warzenschweine, Vögel und Schlangen) gerettet und auf das Festland umgesiedelt. Die Wildtiere wurden aus den steigenden Gewässern gebracht und größtenteils in den Matusadona-Nationalpark und rund um den Kariba Stausee gebracht.

Hausboot auf dem Kariba Stausee

Die kommenden Tage sind wirklich überaus entspannend. Kein Internet, kein Handyempfang, nur begrenzt Strom und eine noch geringere künstliche Geräuschkulisse als bereits in den letzten Wochen auf dem Festland.

Wir fahren zwei Mal am Tag mit einem kleinen Beiboot auf den See, am Ufer entlang und lassen uns von der Tierwelt auf dem Wasser und im Matusadona Nationalpark treiben. Kleine, lustige Nebeninformation: Matusadona bedeutet übersetzt „der Ort des rollenden Dunges“, weil der Nationalpark sehr bergig ist und naja … Tierdung nicht liegen bleibt, sondern ins Rollen kommt.

Elefanten, Krokodile, Hippos, verschiedene Wasservögel … andere Geräusche hören wir in den kommenden Tagen kaum. Der perfekte Ort, um mich weiter und wirklich ohne Ablenkung auf meine anstehende FGASA-Prüfung vorzubereiten.

Die einzige Ablenkung, die ich habe, ist angeln. Yup. Bahia war angeln. Und ich habe tatsächlich etwas gefangen! Hätte ich auch nicht gedacht … und es macht sogar richtig Spaß! Zumindest, wenn man nicht selbst den Wurm dran- und den Fisch wieder abmachen muss.

Jane leistet uns zwei Nächte lang auf dem Hausboot Gesellschaft. Sie ist quasi im Kariba Stausee aufgewachsen. Während Andreas mich, bzw. meine Angel, mit Würmern versorgt, erklärt Jane mir wie ich am erfolgreichsten einen Fisch fange und Captain Stanley nimmt mir die gefangenen Fische ab, die unser Koch abends noch frisch zubereitet.

Wer mich kennt, der weiß, dass afrikanische Sonnenuntergänge mit Abstand meine liebsten Sonnenuntergänge sind (wobei manche Sonnenuntergänge am Bodensee da fast mithalten können), aber oh wow … die Sonnenuntergänge auf dem Kariba Stausee sind von allen in Afrika ganz hoch im Kurs!

Ach ja … und … hatte ich den Sternenhimmel schon erwähnt?

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