Kruja

Vor knapp zwei Jahrzehnten hat meine Cousine einen ganz wundervollen Mann (Etion) geheiratet, der aus der Stadt Krujë (übersetzt: die Quelle / der Brunnen) stammt und dessen Familie teilweise heute noch hier lebt. Es gibt sogar eine Straße, die nach ihnen benannt ist – ziemlich cool – und in der wohnen sie auch.

Der Hauptteil der Stadt hat etwa 10.000 Einwohner, die ganze Gemeinde jedoch knapp 60.000 Einwohner.

Das historisch bedeutsame Städtchen liegt 520 Meter ü. A. und so steil am Steilhang des Mali i Krujës – einem Gipfel der Skanderbeg Bergkette -, dass es kaum ebene Flächen gibt. Skanderbeg ist ein ehemaliger Fürst und der berühmte Nationalheld der Albaner, der hier auch seine Festung erbaut hat. Die Festung ist für die Albaner ein historisches Heiligtum und beherbergt das Skanderbeg Museum, ein Ethnographisches Museum und ein Hamam (Türkisches Bad). Das Ethnographische Museum der Stadt ist weniger bekannt, aber dafür nicht weniger interessant: Es beschreibt die Geschichte der Bewohner der Region Krujës vor der Industrialisierung und zeigt historische Einrichtungsgegenstände, Trachten, Handwerkstätigkeiten und vieles mehr.

Die Region Krujë ist für sein traditionelles Handwerkt bekannt, das auch dort direkt auf dem Markt aus erster Hand verkauft wird. Zu Füßen des Burghügels liegt die restaurierte Basarmeile, deren Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stammen und die typische Architektur der Berggegend widerspiegeln. Dass sich hier ein Bummel mehr als lohnt, erklärt sich hoffentlich von selbst. Man fühlt sich unwillkürlich mehrere Dekaden zurückversetzt.

Auf meiner albanischen To-Do-Liste steht unter anderem noch der Besuch des Wallfahrtortes der Bektaschi (islamisch-alevitischer Derwischorden) Sari Salltik auf der Bergspitze des Krujë-Berges. Diesen erreicht man entweder auf einem Pfad quer durch die Felswand oder über einen etwas weiteren – nicht so steilen – Umweg an der Rückseite des Berges mit asphaltierten Straßen.

Aber was soll ich sagen? Mein absolutes Highlight dieser Stadt war das Abendessen bei Etions Eltern. Selbstgemachtes Byrek, viele andere Leckereien und trotz Sprachbarrieren mehr Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Liebe als man sich erträumen kann. Wir sind zwar nur angeheiratet miteinander verwandt und waren bis dato Fremde, sind aber eben doch eine Familie.

Dieser Abend ist nicht in Worte zu fassen und deshalb versuche ich es erst gar nicht ♥

Wer noch Zeit übrig hat, sollte sich einfach ein wenig durch die engen, zauberhaften Gassen treiben lassen, die Aussicht und den Bockshornklee-Geruch in der Luft genießen. Letzteres lässt sich vermutlich am besten genießen, wenn man persisches Blut in seinen Adern hat und Bockshornklee Hauptbestandteil des eigenen Lieblingsessens ist … vielleicht hat mich dieser Ort deshalb so verzaubert … womit wir wieder beim Essen wären.

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