Nachhaltiges Reisen

„Durch unseren exponentiellen technologischen Fortschritt sind wir an einer Singularität in der Entwicklung unserer Spezies angekommen, an der das Handeln einer einzigen Generation über die Zukunft unseres gesamten Planeten entscheidet. Egal welche Richtung wir gemeinsam wählen oder ob jeder beliebig weitermacht wie bisher: Wir tragen die Verantwortung für die Zukunft, denn die Konsequenzen unseres Handelns werden sich erstmals nicht mehr durch Eingriffe im Nachhinein korrigieren lassen. Dabei bietet die Anerkennung gewisser Grenzen für unser kollektives Handeln die Chance, durch Verschiebung unseres Entwicklungsschwerpunktes von maximaler Expansion auf klare Fokussierung unsere Kreativität zu bündeln und in sinnvolle Innovation zu verwandeln.“
– Dr. Rüdiger Fox (Der 0,1-Prozent Joker – Wie wir unsere Freiheit zurückerobern und ganz nebenbei die Welt retten)

Auf Reisen nicht mehr als seine Fußabdrücke zu hinterlassen, ist nicht immer ganz einfach, aber in vielen Ländern umso wichtiger. Kaum ein Land dieser Welt hat das Privileg, diesbezüglich solch gute Bildungsmöglichkeiten anzubieten, wie wir in Deutschland nutzen können.

Dass Reisen verändert, hört man so oft, dass man manchmal nur noch seine Augen verdrehen möchte. Leider muss ich Dir sagen, dass Reisen wirklich verändert. Reisen zeigt Dir neue Blickwinkel, lässt Dich in neue Welten eintauchen und Emotionen kennenlernen, von denen Du vorher noch nicht einmal wusstest, dass Du sie überhaupt in Dir trägst. Reisen erweitert Deinen Tellerrand und schafft neues Bewusstsein. Bewusstsein für sich, für Deine Mitmenschen, für das, was wirklich wichtig ist und auch für die Umwelt. Von all den Orten, die ich bereisen darf und Kulturen, die mir ihre Welt zeigen, möchte ich irgendwann auch einmal meiner Nachwelt nicht nur erzählen und Fotos zeigen können. Ich möchte ihnen die Möglichkeit schaffen, das alles mit ihren eigenen Augen sehen und mit ihrem eigenen Herzen zu erfahren!

All die schönen Orte und Kulturen dieser Erde zu erhalten, ist nur dann möglich, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten – jede noch so kleine Kleinigkeit hilft! Aus diesem Grund versuche ich hier all die Tipps & Tricks aufzulisten, die es Dir einfacher machen, nachhaltiger zu reisen. Da die Liste so schnell nicht vollständig sein wird und es immer wieder neue Kleinigkeiten gibt, die man tun kann, freue ich mich sehr über Deinen Input in den Kommentaren.

Fünf Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen (aus Gründen der Vereinfachung und Verständlichkeit, spreche ich in diesem Blogpost wissenschaftlich-inkorrekt zusammenfassend nur von CO2-Emissionen und nicht CO2äq-Emissionen) gehen global auf den Tourismus zurück. Aber nachhaltig zu reisen bedeutet mehr als nur Treibhausgasemissionen einzusparen. Ich hoffe euch mit dem folgenden Post ein Gefühl dafür geben zu können, wie denkbar einfach Nachhaltigkeit auf Reisen ist, aber auch wie wertvoll und wichtig! Nachhaltigkeit bedeutet nicht unbedingt auch teurer und wirklich jeder von uns kann ein paar wichtige Dinge beachten und einen Anfang machen. Je mehr, desto besser!

Hilfreiche Links findet ihr ganz unten und bevor ich es vergesse: Was im Ausland nachhaltig ist, ist es auch hier Zuhause 🙂

Kompensation der CO2-Emissionen

Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Den CO2-Ausstoß zu kompensieren ist nicht dasselbe wie gar nicht erst zu fliegen. Ich weiß. Aber trotz des Fliegens habe ich einen verhältnismäßig geringen ökologischen Fußabdruck, weil ich bewusst auf viele Dinge in meinem Alltag achte und konsequent umsetze. Da ich meine Neugierde auf die Welt nicht zurückhalten kann, gönne ich mir den Luxus des Reisens. Umso wichtiger ist es für mich, jeden einzelnen meiner Flüge über vertrauenswürdige Websites zu kompensieren. Für einen Flug von Stuttgart nach Hamburg kostet das ca. 10€ (eine Strecke, die ich normalerweise mit dem Zug zurücklege) und für einen Flug von München nach Namibia ca. 60€ – absolut angemessen im Verhältnis zum Ticketpreis. Ja, es sind zusätzliche Kosten, aber schließlich verursachst Du diese Umweltkosten und deshalb sollten sie auch irgendwie nach dem Verursacherprinzip abgerechnet werden.
Positiver Nebeneffekt von Emissionskompensation: Kleine, lokale Gemeinden werden unterstützt und profitieren von den Projekten, in die man mit seiner Kompensation investiert.

Direktflüge buchen und Länge der Reise

Der Flug alleine verursacht etwa 90% der CO2-Emissionen Deiner gesamten Reise. Start und Landung stoßen hierbei die größte Menge aus. Wenn Du direkt fliegst, sparst Du je nach Anzahl der Zwischenstopps sogar über die Hälfte an CO2-Emissionen ein – und ganz nebenbei auch noch die Angst, Deinen Anschlussflug zu verpassen oder Dein Gepäck an einem der Zwischenstopps zu verlieren.
Flugreisen und Nachhaltigkeit? Wie passt das zusammen? Immer mehr Airlines arbeiten daran, ihren CO2-Fußabdruck nachhaltig zu senken. Das machen sie z.B. entweder durch die Nutzung von alternativen Treibstoffen (teilweise sogar mit CO2-verbrauchendem Treibstoff) oder durch eine Kompensation.
Noch eine Möglichkeit, nachhaltiger zu Reisen: Seltener Reisen und dafür länger wegbleiben. Das spart einiges an CO2, ganz nebenbei auch Geld und gibt Dir deutlich mehr Entspannung als von einem Ziel zum nächsten zu hechten. Wunderbar, diese ganzen positiven Nebeneffekte, oder?

Reisezeit

Hast Du Dir schonmal überlegt in der Nebensaison zu reisen? Für Familien ist das nicht immer möglich, da sie sich an Schulferienzeiten halten müssen – aber auch hier kann man auch einfach mal über Ostern verreisen und nicht im Sommer, wenn alle unterwegs sind. Damit sorgst Du dafür, dass Reiseziele weniger überladen und -lastet sind, die lokale Bevölkerung über das ganze Jahr verteilt Einkommen hat und durch weniger Touristen auf einmal deutlich entspannter ist. Außerdem ist es deutlich günstiger und Dank unserem Klimawandel kann man eh nicht mehr wirklich voraussagen, wie das Wetter zu einer bestimmten Jahreszeit ist – oder sogar morgen?!

Die drei R’s

Reduce, Reuse, Recycle.
Reduce: Reduziere Dein Gepäck – je leichter Du fliegst, desto weniger CO2 stößt Du aus. Reduziere aber auch Deinen Konsum – kaufe lieber hochwertig und einmalig anstatt: Qualität statt Quantität. Viele nachhaltige Unternehmen bieten ebenfalls eine Art Garantie oder Reparaturservice an.
Reuse: Verpackungen, Outfits, Besteck, Gläser … so viel Du kannst. Nimm wiederbefüllbare Miniatur-Duschgel etc. mit und benutze nicht die kleinen Fläschchen im Hotel. Besorge Dir eine wiederverwendbare Plastiktüte für Deine Flüssigkeiten im Handgepäck.
Recycle: Nicht in allen Ländern wird Müll so gut getrennt, wie in Deutschland. Aus diesem Grund solltest Du speziellen Müll, wie Batterien, einfach wieder mit nach Hause nehmen und hier entsorgen. Auch Verpackungsmüll, den Du vor der Reise schon hast, kannst Du vor Antritt schon im Gelben Sack entsorgen und nimmst ihn so erst gar nicht mit.

Sehr einfach, sehr wirkungsvoll: (virgin) Plastik ist doof.

Nur 9% des weltweiten Plastiks wird wirklich recycelt! Das meiste Plastik ist einfach unnötig. Warum werden Bananen oder Orangen nochmals einzeln in Plastik verpackt? Sie haben doch schon eine Schale?! Oder warum muss der bereits in Plastik verpackte Apfel nochmal in einer Plastiktüte in den Rucksack gepackt werden? Naja. Ihr wisst ja, worauf ich hinaus will. Natürlich lässt sich der Plastikwahnsinn in vielen Ländern nicht vermeiden, aber er lässt sich zumindest eingrenzen. Nehmt ’ne Juuuute mit in den Urlaub und lasst wenigstens die Plastiktüten weg.
In einem zweiwöchigen Urlaub, verbraucht man etwa 30 Plastikflaschen: Da es gerade in Südostasien oft nur 0.5 L Wasserflaschen oder dann 5 L (und mehr) Kanister zu kaufen gibt und das Hahnwasser oft nicht trinkbar ist, habe ich mir eine Trinkflasche gekauft, die ich über die Wasserkanister auffüllen kann und wenigstens ein bisschen Plastik einspare. Meine Flaschen sind außerdem faltbar (da ich gerne mit wenig Gepäck reise).
Auch ein wiederverwendbarer, Thermo-Kaffeebecher ist mein ständiger Reisebegleiter. Diesen nutze ich regelmäßig für sowohl warme als auch kalte Getränke!

Update [08. Januar 2020]: Mittlerweile ist seit mehr als einem Jahr eine Glasflasche mein ständiger Begleiter. Die weichen, faltbaren Plastikflaschen schimmelten irgendwann und so praktisch sie auch sind, so sehr ist aber Glas geschmacks- sowie geruchsneutral und gründlicher zu reinigen. Meine Flasche ist eine Soulbottle. Sie wird nicht nur klimaneutral in Deutschland produziert, sondern vom Erlös spenden sie zusätzlich Geld an diverse Organisationen.

Update [24.06.2020]: Nachdem ich einfach zu tollpatschig für Glas bin (zwei Mal … ) und mich ebenfalls das Gewicht der Glasflasche ein bisschen gestört hat, bin ich jetzt bei einer 24bottle gelandet und nach aktuellen Stand auch wirklich glücklich.

Update [11.03.2022]: Meine 24bottle habe ich in der Zwischenzeit verschenkt, weil sie jemand anderen sehr glücklich gemacht hat. Meine Fahrrad-Trinkflasche hat nun ihren Platz eingenommen und ich muss sagen, dass ich überaus zufrieden bin – vor allem, weil sie 750ml Fassungsvermögen hat. Sie begleitet mich nun schon seit einigen Monaten quer durch den afrikanischen Kontinent und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie vorerst meine letzte Flasche sein wird 😉 Im südlichen Afrika gibt es übrigens fast nur 5 L Wasserkanister (und mehr), die Du aber nicht ständig neu kaufen musst, sondern immer wieder auffüllen lassen kannst. YAY!

Handtücher, Wasser und Strom sparen

Verhaltet euch auf Reisen einfach wie Zuhause: Da wascht ihr eure Handtücher ja auch nicht jeden zweiten Tag, oder? Handtücher aufhängen und nicht auf den Boden legen, während des Zähneputzens und Händeeinseifens das Wasser ausmachen und das Handyladekabel aus der Steckdose ziehen, solange ihr es nicht nutzt. Viele Länder haben akuten Wassermangel und das Wasser, das ihr verschwendet, fehlt den Einwohnern dann in ihrem Alltag. Auch die Netzspannung ist im Ausland selten so stabil wie bei uns in Deutschland. Bevor die Sicherungen also durchbrennen und man sie austauschen muss, steckt das Handy lieber erst nach dem Haare föhnen ein oder lasst die Haare einfach lufttrocknen – ist eh besser für sie. Die Klimaanlage funktioniert übrigens auch, wenn man sie erst einschaltet, sobald man zurück ist. Sie muss nicht all die Stunden leerlaufen.

Lokal einkaufen, buchen und Trinkgeld geben

Bei lokalen Händlern einzukaufen, hat nicht nur den Vorteil, dass man wieder viel Plastik sparen kann, da die Früchte auf dem Markt nicht einzeln verpackt sind, sondern man unterstützt auch die Einwohner des Landes direkt, sodass sich diese ihre Lebensgrundlage sichern können. Außerdem kommt das jeweilige Produkt nicht vom anderen Ende der Welt, sondern hat nur wenige Meter Transportweg hinter sich sowie immer saisonal. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang: Trinkgeld geben. Auch das dient ihnen zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage und die ihrer Familie. Mir tut der € 1,00 weniger in der Reisekasse sicherlich nicht weh, aber in anderen Ländern ist das oft nahezu ein ganzer Tageslohn. Allerdings gibt es auch Länder, in denen das Trinkgeld schon als Service- oder Touristen-Fee auf die Gesamtsumme aufgeschlagen wurde, bzw. Trinkgeld geben sogar unhöflich ist.
Aktivitäten kann man auch hervorragend vor Ort bei lokalen Anbietern buchen. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass das Geld wieder beim jeweiligen Menschen bleibt und nicht nur bruchstückhaft über ein großes Unternehmen abgerechnet wird. Außerdem: Wer kann einem denn besser ein neues Land vorstellen und zeigen als jemand, der dort wohnt?!

Tierquälerei und Touriprogramm vermeiden

Ein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt, ist das Vermeiden von Attraktionen wie Elefantenreiten, Tiger- und Löwenbabies streicheln oder Selfies mit Koalabären machen. Diese sind IMMER mit Folter und unfassbarer Tierquälerei verbunden – egal, was euch erzählt wird! Über diese Themen könnt ihr euch im Einzelnen auf vielen Seiten im Internet informieren oder sprecht mich einfach darauf an. Lerne nein zu sagen! Auch, wenn das kleine Mädchen noch so niedlich und bedürftig aussieht, das vor Dir steht und den Affen für Dich tanzen lässt. Du allein bestimmst über Deine Taten und darüber, ob Du – eigens für Touristen gegründete – unmoralische und fragwürdige Attraktionen unterstützen möchtest. Du liebst Tiere und verbringst gerne Zeit mit ihnen? Dann besuche doch lieber eine Elefanten-Auffang-Station in Thailand, als auf ihnen zu reiten. Aber Achtung! Auch solche Stätten und z.B. gerne auch Kinderheime sind mittlerweile im Ausland für Touristen so beliebt, dass es schon viele Anbieter gibt, die man meiden sollte: Da werden dann auch gerne mal Kinder für einen Tag ausgeliehen oder Falschinformationen über die Herkunft der Tiere verbreitet, weil man gelernt hat, dass Touristen im Urlaub gerne ihre Karma-Punkte auffüllen wollen.

Eine einfache Faustregel zur Unterschreidung bei Auffang-Stationen: Eine echte Tierschutzorganisation lässt weder Interaktionen mit den Tieren zu, noch verkauft sie Tiere oder züchtet sie. Trifft nur einer dieser drei Punkte zu, lauf bitte weiter.

Kleine Gesten anstatt Freiwilligendienst

Ich will auf gar keinen Fall sagen, dass Freiwilligendienste schlecht sind! Leider haben einige Länder erkannt, dass sich Touristen auf Reisen gerne Karma-Punkte erkaufen, indem sie freiwillig in einem Waisenhaus oder einem Tierkrankenhaus aushelfen, um das dann auf Sozialen Medien zu teilen und sich besser zu fühlen. Wie schon weiter oben erwähnt, musst Du deshalb leider mittlerweile wirklich aufpassen, wo Du diese Programme buchst! Und selbst, nachdem Du Dich verrückt informiert hast, kannst Du Dir immer noch nicht sicher sein, ob Du nun wirklich hilfst oder Dein Geld einer Mafia gibst. Oder – und das ist ebenfalls ein Problem – ob das Projekt, so gut es auch sein mag, wirklich nachhaltig ist. Nur weil Du eine Schule baust, heißt das noch lange nicht, dass dauerhaft Geld für Lehrer, Essen und Schulmaterial zur Verfügung steht. Nur weil Du einen Brunnen gräbst, heißt das noch lange nicht, dass dauerhaft Geld und fachmännische Hände zur Instandhaltung da sind. Nur weil Du dem Nashornbaby Milch fütterst, heißt das nicht, dass es zurück in die Wildnis kommt und wirklich seine Art vom Aussterben rettet. Dazu kommt noch, dass Du mit Deiner Freiwilligenhilfe eventuell lokalen Einwohnern ihren Job wegnimmst: Natürlich bevorzugt das Bauunternehmen einen Ausländer, der viel Geld dafür zahlt, zu helfen, über einen Lokal, der Bezahlung für seine Arbeit haben möchte.
Die Grat zwischen langfristiger Hilfe und Karma-Punkte sammeln ist leider sehr schmal und manchmal schadest Du der lokalen Bevölkerung (ob Tier oder Mensch) sogar nachhaltig.
Auf Reisen Gutes zu tun, ist dabei viel einfacher als Du denkst – es sind Kleinigkeiten: Buche lokale Aktivitäten (bspw. über die Backstreet Academy in Asien), buche Übernachtungen lokal (nicht immer ist Airbnb eine gute, lokale Sache – ich spreche von lokalen Bed & Breakfasts oder Lodges), buche Grün, zeige Solidarität und vote with your wallet („Bestimme mit Deinem Portmonnait“)! Weltweit geht jeder zehnte Job in den Tourismus und mit jedem zehnten Touristen wird wiederum ein Job im Tourismus in Namibia geschaffen. Mit Deiner Buchung hast Du einen größeren Hebel als Du denkst.

Störe niemals Schulunterricht

… und überprüfe jeden Deiner Anbieter, ob sie Vorschriften zur Vermeidung von Kinderarbeit haben.
Bildung ist der Schlüssel zu … naja … allem, irgendwie. Bei allem was mit Kindern zu tun hat, halte kurz inne und frag Dich: Hätten sie nicht eigentlich gerade Schule? Warum sind sie zu bestimmten Zeiten an Touristen-Hotspots? Was kann ich tun, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass es wirtschaftlicher ist die Schule zu schwänzen als in die Schule zu gehen?

Du besuchst im Zuge einer Reise eine Schule? Achte darauf, dass der Besuch zu regulären Pausenzeiten stattfindet.

Strohhalme und Plastikbesteck

Tatsächlich gehören Einweg-Strohhalme und Plastikbesteck zu den unnötigsten Erfindungen dieser Welt. Naja, fast zumindest. Auf jeden Fall sind sie weit entfernt von lebensnotwendig. Sie sind beide wirklich umweltverschmutzend. Die Lebensdauer beträgt – je nach Essgeschwindigkeit – etwa zehn Minuten und der Verschmutzungsgrad, den sie den Meeren und der Natur hinterlassen, ist damit sicherlich nicht aufzuwiegen. Ich habe z.B. immer Besteck und einen To-Go-Becher dabei, um im Fall der Fälle auch wirklich auf Einweg verzichten zu können – wiegt nicht viel, kostet nicht viel und nimmt im Rucksack auch nicht viel Platz weg, aber die Natur wird es euch danken.

Qualität statt Quantität

Es muss nun wirklich kein 50 ct T-Shirt von Primemark sein und genauso wenig das überteuerte „I ♥ Mallorca“-Shirt vom Billigtourischuppen am Strand. Nach zwei Mal waschen sind sie beide eh kaputt und unser Konsumverhalten sollten wir auch mal überdenken. Wer ein nachhaltiges Mitbringsel aus dem Urlaub haben möchte, sollte lieber dem Schneider um die Ecke einen Besuch abstatten. Hier bleibt das Geld auch bei dem, der die Arbeit geleistet hat und muss nicht an Ramsch-Imperien weitergereicht werden. So hat der handgewebte Schal aus einem balinesischen Ureinwohnerdorf nicht nur Zukunft, sondern erzählt auch eine wundervolle Geschichte, die man täglich bei sich tragen darf. Oder der handgeschnitzte Holzelefant aus Namibia, der mich jeden Morgen nach dem Aufwachen anguckt (actually less creepier than it sounds) und mich daran erinnert, dass er die lokalen Handwerksausbildungen unterstützt und Familien eine Zukunft samt Bildung ermöglichen kann.

Nahverkehr, Car Pooling/Sharing oder das gute Fahrrad

Es muss nicht für jede Fahrt das Taxi, der Scooter (Habt ihr euch mal mit der Umweltbilanz eines eScooters beschäftigt?) oder ein Uber sein. Oftmals ist man mit einer Tram oder der U-Bahn sogar schneller und natürlich auch deutlich günstiger in Metropolen unterwegs. Zusätzlich lernt man das Land und seine Bürger viel echter kennen und Du wirst erstaunt sein, wie viele schöne, kreative Bahnhöfe es auf dieser Welt gibt … Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt und es die Verkehrsverhältnisse zulassen, kann es auch sehr schön und entspannend sein, Fahrräder auszuleihen und die Gegend damit zu erkunden. Natürlich kann man selten auf das umweltschädlichste Fahrzeug verzichten: das Flugzeug. Aber auch hier kann man einen kleinen Beitrag zur Umwelt leisten: Man kann mittlerweile fast überall seine CO2 Emissionen ausgleichen. Diese werden von verschiedenen Organisationen ausgerechnet und können in Euro-Spenden an verschiedene Projekte zumindest ein wenig kompensiert werden. Übrigens bieten auch viele Busse und andere Transportmittel diesen Ausgleich an. Achtet nur bitte auf Greenwashing!! Für einen Flug (unabhängig der Dauer) nur wenige Cents CO2-Ausgleich zu zahlen, ist definitiv Greenwashing.
Aber nicht immer und überall kann man am Ende auf ein Auto verzichten: Wo dies nicht geht, kann man sich z.B. über Car Sharing oder sogar Car Pooling informieren. Das ist dann nicht nur besser für die Umwelt, sondern unterstützt gleichzeitig auch noch die lokale Infrastruktur und neue Fortbewegungskonzepte.

Zum Vergleich ist hier eine einfach gehaltene Übersicht der durchschnittlichen Verbräuche auf eine Strecke von 800 km:

Fahrrad: klimaneutral
Bahn: 0,1 kg CO2 mit Ökostrom und 23 kg CO2 mit einem Strommix
E-Auto: 0,1 kg CO2 mit Ökostrom und 32 kg CO2 mit einem Strommix
Fernbus: 23 kg CO2
Auto (Verbrennungsmotor): 114 kg CO2
Flugzeug: 228 kg CO2

Wer noch mehr Zeit auf seinen Reisen mitbringt, dem möchte ich noch ans Herz legen: Meist ist die langsamste Art zu reisen, die Umweltschonenste. Informiert Euch über Zugstrecken- und Busnetze oder vielleicht sogar einen Segelturn? Die Dinge auch auf Reisen langsam anzugehen, ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unsere Seele 🙂

Zeitalter der Digitalisierung nutzen

Heutzutage haben wir eines immer bei uns: Das Smartphone. All die Flugtickets vom Online-Checkin oder Hotelbuchungsbestätigungen muss man wirklich nicht mehr ausdrucken, sondern kann sie als PDF auf seinem Smartphone speichern. Wer sichergehen will, vor Ort an seine Buchungsbestätigungen zu kommen und Angst hat, die E-Mail könnte verloren oder der Akku leer gehen, speichert diese zusätzlich in der privaten Dropbox ab und hat so von überall Zugriff darauf. Google Maps bietet außerdem die kostenlose Funktion an, Karten offline zu speichern. Wer das angereiste Land vorab in Deutschland offline speichert, muss keine haptische Karte mitnehmen. All das spart nicht nur Papier, sondern auch Gepäck. Wenn ich nicht alleine, sondern in Begleitung reise, schicken wir uns gegenseitig alle Dokumente per WhatsApp, sodass wir hier nochmal eine Sicherheitskopie haben.

Kleiner Reisetipp am Rande: Auch ein Foto meines Reisepasses, Personalausweises, Impfausweis oder anderer wichtiger Dokumente habe ich in meiner Dropbox gespeichert, für den Fall, dass sie verloren gehen. Das erleichtert die Wiederbeschaffung – vor allem im Ausland!

Vorbild sein & spread the word

Wie oft ich im Ausland schon schief angeguckt wurde, wenn ich eine Plastiktüte beim Einkaufen verneint habe, kann ich kaum noch zählen. Vielerorts wissen die Menschen aufgrund fehlender Aufklärung einfach nicht, was Umweltverschmutzung bedeutet, warum es sich wichtig und auch einfach ist und wie wenig Zeit uns hierfür noch bleibt. Also heißt es hier: Vorbild sein und (respektvoll auf Augenhöhe) Aufklären so oft es geht, in der Hoffnung, man kann auch nur die kleinste Veränderung bewirken.

Informier Dich!

Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist die oberste Priorität sich zu informieren. Hat das Land aktuell Wassermangel? Solltest Du auf unnötigen Stromverbrauch verzichten? Wie sieht die allgemeine Lage aus? Welche Tiere leben dort und wie kann ich ihren Lebensraum respektieren? Gibt es kulturelle Kleidervorschriften, die ich beachten sollte? Das Beantworten all solcher Fragen hilft Dir, das Land vor Ort zu unterstützen, die Umwelt zu schonen und den Einwohnern ihren Alltag nicht unnötig schwer zu machen. Denn Du darfst nie vergessen, dass Du zu Gast bei ihnen bist.
Um mich vorab über ein Land (und meistens vor allem über dessen Geschichte) zu informieren, lese ich zusätzlich gerne passende Romane/Krimis/Bücher oder gucke mir Filme an (bspw. Queen of Katwe, Bloodlions, A United Kingdom, The Last King of Scotland etc.).

Nützliche Links für Euch

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