Nachhaltiges Reisen

Auf Reisen nicht mehr als seine Fußabdrücke zu hinterlassen, ist nicht immer ganz einfach, aber in vielen Ländern umso wichtiger. Kaum ein Land dieser Welt hat das Privileg, solch gute Bildungsmöglichkeiten anzubieten, wie wir in Deutschland nutzen können.

Dass Reisen verändert, hört man so oft, dass man manchmal nur noch mit den Augen rollen möchte. Leider muss ich Dir sagen, dass Reisen wirklich verändert. Reisen zeigt Dir neue Blickwinkel, lässt Dich in neue Welten eintauchen und neue Emotionen kennen lernen, von denen Du vorher wirklich nicht wusstest, dass Du sie in Dir trägst. Reisen schafft auch neues Bewusstsein. Bewusstsein für sich, für seine Mitmenschen, für das, was wirklich wichtig ist und auch für die Umwelt. Von all den Orten, die ich besuchen darf und Kulturen, die mir ihre Welt zeigen, möchte ich irgendwann auch einmal meiner Nachwelt nicht nur erzählen und Fotos zeigen können. Ich möche es ihnen zeigen!

All die schönen Orte und Kulturen dieser Erde zu erhalten, ist nur dann möglich, wenn wir gemeinsam daran arbeiten – und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Aus diesem Grund versuche ich hier all die Tipps & Tricks aufzulisten, die es Dir einfacher machen, nachhaltig zu reisen. Da die Liste so schnell nicht vollständig sein wird und es immer wieder neue Kleinigkeiten gibt, die man tun kann, freue ich mich sehr über Deine Ideen in den Kommentaren.

Bevor ich es vergesse: Was im Ausland nachhaltig ist, ist es auch hier Zuhause 🙂

1. Sehr einfach, sehr wirkungsvoll: Plastik ist doof.

Das meiste Plastik ist einfach unnötig. Warum werden Bananen oder Orangen nochmals einzeln in Plastik verpackt? Sie haben doch schon eine Schale. Oder warum muss der bereits in Plastik verpackte Apfel nochmal in einer Plastiktüte in den Rucksack gepackt werden? Naja. Ihr wisst ja, worauf ich hinaus will. Natürlich lässt sich der Plastikwahnsinn in vielen Ländern nicht vermeiden, aber er lässt sich zumindest eingrenzen. Nehmt ’ne Juuuute mit in den Urlaub und lasst wenigestens die Plastiktüten weg. Da es gerade in Südostasien oft nur 0.5 L Wasserflaschen oder 5 L (und mehr) Kanister zu kaufen gibt und das Hahnwasser absolut nicht trinkbar ist, habe ich uns zwei Trinkflaschen gekauft, die wir über die Wasserkanister auffüllen können und wenigstens ein bisschen Plastik einsparen. Diese Flaschen sind außerdem faltbar (da ich gerne mit wenig Gepäck reise), auslaufsicher und natürlich BPA frei.

2. Handtücher, Wasser und Strom sparen

Verhaltet euch einfach wie Zuhause auch. Da wascht ihr die Handtücher ja auch nicht jeden Tag, oder? Handtücher aufhängen und nicht auf den Boden legen, beim Zähneputzen und Hände einseifen das Wasser ausmachen und das Handyladekabel aus der Steckdose ziehen, solange ihr es nicht benötigt. Viele Länder haben akuten Wassermangel und das Wasser, das ihr verschwendet, fehlt den Einwohnern in ihrem Alltag. Auch ist die Netzspannung im Ausland selten so stabil wie bei uns in Deutschland. Bevor die Sicherungen also durchbrennen und man sie austauschen muss, lieber das Handy erst nach dem Haareföhnen einstecken oder die Haare einfach lufttrocknen lassen – tut ihnen eh besser. Die Klimaanlage funktioniert übrigens auch, wenn man sie erst einschaltet, sobald man zurück ist. Sie muss nicht all die Stunden leer laufen.

3. Lokal einkaufen und Trinkgeld geben

Bei lokalen Händlern einzukaufen, hat nicht nur den Vorteil, dass man wieder viel Plastik spart, da die Früchte auf dem Markt nicht einzeln verpackt sind, sondern man unterstützt auch die Einwohner des Landes, sodass diese sich ihre Lebensgrundlage sichern können. Außerdem kommt das jeweilige Produkt nicht vom anderen Ende der Welt, sondern hat nur wenige Meter Transportweg hinter sich. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang: Trinkgeld geben. Auch das dient ihnen zur Sicherung der Lebensgrundlage für sich und ihre Familie. Uns tut € 1,00 weniger in der Reisekasse sicherlich nicht weh, aber in anderen Ländern ist das oft fast ein Tageslohn. Allerdings gibt es auch Länder, in denen das Trinkgeld schon als Service- oder Touristen-Fee auf die Gesamtsumme aufgeschlagen wurde, bzw. Trinkgeld geben sogar unhöflich ist. An dieser Stelle tritt Punkt #10 in Kraft 🙂

4. Tierquälerei und Touriprogramm vermeiden

Ein Thema, das mir wirklich am Herzen liegt, sind Attraktionen wie Elefanten reiten, Tiger streicheln oder Selfies mit Koalabären machen. Diese sind IMMER mit Folter und unfassbarer Tierquälerei verbunden – egal, was euch erzählt wird! Über diese Themen könnt ihr euch im Einzelnen auf vielen Seiten im Internet informieren. Lerne nein zu sagen! Auch, wenn das kleine Mädchen noch so niedlich und bedürftig aussieht, das vor Dir steht und den Affen für Dich tanzen lässt. Du alleine bestimmst über Deine Taten und, ob Du – eigens für Touristen gegründete – unmoralische und fragwürdige Attraktionen unterstützen möchtest. Du liebst Tiere und verbringst gerne Zeit mit ihnen? Dann besuche doch lieber eine Elefanten-Aufpeppel-Station in Thailand, als auf ihnen zu reiten.

5. Strohhalme und Plastikbesteck

Tatsächlich gehören Einweg-Strohhalme und -Plastikbesteck zu den unnötigsten Erfindungen der Welt. Oke, das war zu hart. Aber sie sind beide wirklich umweltverschmutzend. Die Lebensdauer beträgt, je nach Essgeschwindigkeit, etwa 10 Minuten und der Verschmutzungsgrad, den sie den Meeren antun, ist damit sicherlich nicht aufzuwiegen. Bei mir immer im Handgepäck: Göffer. Eine Gabel-Löffel-Messer-Kombination, die ursprünglich das Campen erleichtern sollte. Aber auch für unterwegs ist es der beste – immer wieder verwendbare – Begleiter.

6. Qualität statt Quantität

Es muss nun wirklich kein 0,50 ct T-Shirt von Primemark sein und genauso wenig das überteuerte „I ♥ Mallorca“-Shirt vom Billigtourischuppen am Strand. Nach zwei Mal waschen sind sie beide eh kaputt. Wer ein nachhaltiges Mitbringsel aus dem Urlaub haben möchte, sollte lieber dem Schneider um die Ecke einen Besuch abstatten. Hier bleibt das Geld auch bei dem, der die Arbeit hat und muss nicht an Ramsch-Imperien weiter gereicht werden. So hat der handgewebte Schal aus einem balinesischen Ureinwohnerdorf nicht nur Zukunft, sondern erzählt auch eine wundervolle Geschichte, die man täglich bei sich tragen darf.

7. Nahverkehr oder das gute alte Fahrrad

Es muss nicht für jede Strecke das Taxi, der Scooter oder ein Uber sein. Oftmals ist man mit einer Tram oder U-Bahn sogar schneller, und natürlich auch deutlich günstiger, in Metropolen unterwegs. Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt, kann es auch sehr schön und entspannend sein, sich Fahrräder zu leihen und die Gegend damit zu erkunden. Natürlich kann man selten auf das umweltschädlichste Fahrzeug verzichten – das Flugzeug. Aber auch hier kann man einen kleinen Beitrag zur Umwelt leisten: Man kann mittlerweile fast überall seine CO2 Emissionen ausgleichen. Diese werden von verschiedenen Organisationen ausgerechnet und können in Euro-Spenden an Umweltorganisationen zumindest ein wenig kompensiert werden. Übrigens bieten auch viele Busse und andere Transportmittel diesen Ausgleich an.

8. Zeitalter der Digitalität nutzen

Heutzutage haben wir eines immer bei uns: das Smartphone. All die Flugtickets vom Online-Checkin oder Hotelbuchungsbestätigungen muss man wirklich nicht mehr ausdrucken, sondern kann die PDF auf seinem Smartphone speichern. Wer sichergehen will, vor Ort an seine Buchungsbestätigungen zu kommen und Angst hat, die E-Mail könnte verloren gehen oder der Akku leer, speichert diese zusätzlich in der privaten Dropbox ab und hat so von überall Zugriff darauf. Google Maps bietet außerdem die kostenlose Funktion an, Karten offline zu speichern. Wer das angereiste Land vorab in Deutschland offline speichert, muss keine haptische Karte mitnehmen. All das spart nicht nur Papier, sondern auch Gepäck.

9. Vorbild sein

Wie oft ich im Ausland schon schief angeguckt wurde, als ich die Plastiktüte beim Einkaufen verneint habe, kann ich kaum noch zählen. Vielerorts wissen die Menschen, aufgrund fehlender Bildung, einfach nicht, was Umweltverschmutzung bedeutet. Also heißt es hier: Vorbild sein und Aufklären so oft es geht, in der Hoffnung, man kann auch nur die kleinste Veränderung bewirken.

10. Informier Dich!

Auch beim Thema Nachhaltigkeit ist die oberste Priorität, sich zu informieren. Hat das Land aktuell Wassermangel? Solltest Du auf unnötigen Strom verzichten? Wie sieht die allgemeine Lage aus? Das Beantworten all solcher Fragen hilft Dir, das Land vor Ort zu unterstützen, die Umwelt zu schonen und den Einwohnern den Alltag nicht unnötig schwer zu machen.

11. Speziellen Müll wieder mit nach Hause nehmen

In wenigen Ländern wird Müll so gut recycelt, wie in Deutschland. Aus diesem Grund solltest Du speziellen Müll, wie Batterien, einfach wieder mit nach Hause nehmen und hier entsorgen. Auch Verpackungsmüll, den Du vor der Reise schon hast, kannst Du vor Antritt schon im Gelben Sack entsorgen und nimmst ihn so erst gar nicht mit.

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