Simbabwe

Die Frage, die mir am Häufigsten gestellt wird, seitdem ich zum ersten Mal Fuß auf simbabwischen Boden gesetzt habe, ist: „Wie sicher fühlst Du Dich in Simbabwe?“. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich darauf am treffendsten antworte und eines morgens, inmitten des Mana Pools Nationalparks, im Norden des Landes, kam mir endlich die passende Antwort: Simbabwe ist (bis dato) weltweit das einzige Land, in dem ich mitten im Nirgendwo, einen fremden, in Camouflage gekleideten, AK47 bewaffneten, großen, starken Mann ohne zu zögern in mein Auto einsteigen lasse und mich dabei auch noch sehr wohl fühle. In diesem Fall war es einer der Park-Ranger, die Tag ein, Tag aus bewaffnet durch den Busch streifen, um die Wildtiere vor Wilderei zu schützen.

Auch unterwegs in Städten oder Dörfern hatte ich nie bedenken, dass in unser vollbepacktes Auto eingebrochen oder mir etwas aus dem Rucksack gestohlen wird. Die einzigen bettelnden Menschen, die ich innerhalb eines gesamten Monats sah, waren zwei Kinder in der Hauptstadt Harare. Und das, obwohl die Arbeitslosenquote offiziell bei 95% liegt. Inoffiziell hingegen schätzt man sie auf 5%, da die meisten der ca. 15 Millionen Einwohner nicht angemeldeten Gewerben nachgehen. Diese sind z.B. Fliegende Händler, Obstverkäufer an den Straßen, Minibusfahrer … wer schon einmal außerhalb Europas war, weiß wovon ich spreche.

Die Menschen in Simbabwe sind so nett, dass ich mich zu keiner Zeit auch nur ein bisschen unwohl gefühlt habe. Sogar die Polizisten/innen! In Simbabwe sind Rundfunkgebühr für das Autoradio und die Versicherung sowie Zulassung für das Auto an der Windschutzscheibe angebracht (das sieht dann ungefähr so aus wie eine Autobahnplakette in Österreich), sodass sie bei den zahlreichen Polizeikontrollen schnell und gut sichtbar kontrolliert werden können. Eben diese waren für unser Auto abgelaufen. Freitags, zwei Tage bevor wir unseren ersten Roadtrip starten, wollen wir die Papiere noch schnell in der nächstgrößeren Stadt verlängern lassen – hat soweit auch alles geklappt, nur dass der Drucker dort kaputt war und sie es uns für die Windschutzscheibe nicht ausdrucken konnten. Aus anderen Ländern bin ich es gewohnt, dass Offizielle diese (und viele andere) Begebenheiten dafür nutzen, sich mit Geld schmieren zu lassen. Auch hätten sie bei uns tatsächlich eine rechtliche Grundlage dafür gehabt, uns eine reguläre Strafe zahlen zu lassen, denn offiziell war bei uns alles abgelaufen. Wir hatten lediglich ein Foto der Verlängerungen aus der Zulassungsstelle auf dem Smartphone, das wir als Beweis vorzeigen konnten. Kein einziger der Polizisten hat auch nur Anstalten gemacht, uns Strafe, geschweige denn Schmiergeld zahlen zu lassen! Bei jeder einzelnen dieser Polizeikontrollen (je nach Größe der Stadt wird man allein innerhalb einer Stadt zwei bis fünf Mal kontrolliert) wurden wir freundlich begrüßt, gefolgt von einem „How’s it?“ und der namentlichen Vorstellung mit Dienstgrad. Wir durften jedes Mal ohne Geldzahlungen weiterfahren, uns wurde eine schöne Reise gewünscht und ein kurzer, sympathischer Smalltalk war fast immer drin. Wow. Das habe ich wirklich nicht kommen sehen. Vor allem in einem Land, das so arm ist, wie Simbabwe. Ein Land, in dem viele Menschen (vor allem seit Beginn der Pandemie) von einer Mahlzeit zur Nächsten leben.

Ich bin fasziniert und gerührt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser Menschen!

Der Landesname Simbabwe bedeutet aus dem Shona übersetzt so viel wie „Haus aus Stein“. Der Name geht auf die heutige Ruinenstätte Groß-Simbabwe im Süden des Landes zurück. Shona ist eine der 16 offiziellen Landessprachen: Chewa, Chibarwe, Englisch, Gebärdensprache, Kalanga, Khoisan, Nambya, Ndau, Nord-Ndebele, Shangani, Shona, Sotho, Tonga, Tswana, Venda, Xhosa. In der Schule lernt jedes Kind aber bereits ab der ersten Klasse Englisch, sodass dies die universelle Sprache im gesamten Land ist und man überall problemlos kommunizieren kann.

Wie so viele andere Länder Afrikas, war auch Simbabwe bis vor „Kurzem“ noch eine europäische Kolonie: eine Britische. Erst am 18. April 1980 erlangte das Land seine international anerkannte Unabhängigkeit.

Simbabwe ist eine der weltweit ärmsten Volkswirtschaften und gehört nach dem Fragile States Index zu den 20 Ländern, die sich in den letzten zehn Jahren (2010-2020) am stärksten verbessert haben, wobei das Land in den letzten Jahren stets eine der schlechtesten Bewertungen erhielt. Im internationalen Human Development Index belegt Simbabwe Platz 150 (Deutschland: Platz 6). Natürlich macht Korruption auch vor diesem Land keinen Halt – der Unterschied zu vielen anderen Ländern ist allerdings, dass Korruption hier auf wesentlich höherer Ebene stattfindet. Zwar sind Staats- und Regierungschefs sehr korrupt, aber nicht jeder einzelne Polizist oder Mitarbeiter der Visa-Stelle. Weil man deshalb eigentlich nie mit Korruption und Bestechungsgeldern in Berührung kommt, ist das Reisen als Tourist durch dieses Land sehr angenehm. Alles wovor man sich bei Polizeikontrollen „fürchten“ muss, ist, dass die Polizisten mal wieder sehr sympathisch sind, man sich mal wieder in netten Gesprächen verliert und den gesamten Verkehr aufhält (der in Simbabwe meistens sehr überschaubar ist).

Die Währung in Simbabwe (der Simbabwe-Dollar) ist sehr instabil. Bargeld gibt es selten und außerdem ist die Inflation seit über zwei Jahren sehr hoch. Aus diesem Grund zahlt man hier oft mit dem viel stabileren US-Dollar – aber auch das geht nicht immer, weil vor allem kleine Banknoten sehr knapp sind. Bis zur Einführung des Simbabwe-Dollar war die Landeswährung US-Dollar. Da die USD-Noten im großen Stil das Land „verlassen“ haben, herrschte nun Bargeldknappheit. Dieses Problem wollte man damals deshalb mit der Einführung des Simbabwe-Dollar (Einführungswechselkurs 1:1) lösen. (Side Note: Beide bisherigen Präsidenten Mugabe und Mnangagwa haben mehrere Hochschulabschlüsse, darunter auch in VWL und BWL.) Da der Simbabwe-Dollar außerhalb des Landes nirgends akzeptiert wird, lag der Schwarzmarktpreis für USD zunächst direkt bei 1:3 und vervielfachte sich in der Folgezeit. Heute liegt der Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt bei etwa 1:120 und bei der Bank bei 1:84. Als staatliche Gegenmaßnahme zur Inflation, wurde der USD im Juni 2019 und bis vor kurzem für illegal erklärt. Als eine weitere Folge wurden zu den kaum verfügbaren 2- und 5-Simbabwe-Dollar-Noten kürzlich auch noch 10er und 20er gedruckt. Andere Währungen wie der US-Dollar, südafrikanische ZAR und Pula (Botswana) sind daher bei der Bevölkerung deutlich beliebter und als Rückgeld erhält man oft ein Potpourri aus verschiedenen Währungen.

Ein kluges Köpfchen aus Simbabwe hatte wohl im Jahr 2011 genug von dem ganzen Problem und entwickelte ein mobiles, kontaktloses und vor allem bargeldloses Bezahlsystem: EcoCash. EcoCash funktioniert vom Prinzip her ähnlich wie PayPal, allerdings benötigt man hierfür kein Bankkonto, sondern lediglich ein SMS-fähiges Handy. Eine Statistik aus dem Jahr 2017 zeigt, dass bereits 6,7 Millionen Einwohner Simbabwes EcoCash nutzen – im Vergleich zu etwa 2 Millionen Einwohnern mit Bankkonto. Das entging auch der Regierung nicht und so wurden 2% Gebühren in Form von Steuern eingerichtet, die der Zahlende trägt. Zahlt man als Tourist in Geschäften mit dem sehr beliebten USD, wird man oft angesprochen und gefragt, ob für einen bezahlt werden darf und die USD dann (meist zu Schwarzmarktkursen) dafür bekommt.

Um das Reisen allgemein zu vereinfachen, empfehle ich Touristen US-Dollar aus Deutschland mitzubringen. Vor allem kleine Scheine zwischen einem und fünf USD sollte man nicht zu knapp einpacken, da Rückgeld von kleinen Beträgen sonst gerne mal ein Problem werden könnte.

Was aber haben wir in Simbabwe gemacht? Wie kamen wir überhaupt auf die Idee, während einer Pandemie und ohne Reiseanbieter in ein Land zu reisen, das die Meisten so als Reiseziel gar nicht auf dem Schirm haben? Nun … wenn alles klappt, werden wir dieses Jahr noch dorthin ziehen und damit ich das Land und seine Leute vorher einmal kennenlerne, haben wir beschlossen, vorab einen Monat dort zu verbringen. Ich möchte in diesem Beitrag bewusst darauf verzichten zu intensiv auf Corona bedingte Einreisebestimmungen und Abläufe einzugehen, weil dieser Bericht auch noch darüber hinaus existieren und zum Reisen einladen soll. Wer allerdings Fragen diesbezüglich hat, darf mich gerne jederzeit anschreiben. Zusammenfassend kann ich sagen: Das Maskentragen und Händedesinfizieren wird sogar gewissenhafter ausgeführt als in Deutschland, fast alle im Tourismus Arbeitenden sind bereits vollständig geimpft und in Städten wie Victoria Falls ist sogar schon jeder einzelne Bürger geimpft (trotzdem werden Masken getragen, Abstand gehalten, Hände desinfiziert und regelmäßig PCR-getestet).

Das Visum kauft man mit deutschem Pass ganz unproblematisch bei Einreise direkt bei der Passkontrolle. Es kostet 30 USD, die man zwar auch mit Karte bezahlen kann, aber nur sofern gerade Strom und Internet da sind, was nicht immer der Fall ist. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man diese 30 USD also auch lieber bar und passend mitbringen.

Die Shona sind weltberühmt für ihre Steinkunst. Wer nach besonderen Souvenirs sucht, sollte sich am letzten Tag vor Abflug aus Harare etwas früher auf den Weg zum Flughafen machen und noch einen Abstecher auf dem Steinskulpturenmarkt in der Airport Road machen (Richtung Flughafen auf der rechten Seite). Die Jungs sind unglaublich talentiert und die Figuren eigentlich unverschämt günstig. Von klein bis überdimensioniert wird hier jeder fündig. Hat man etwas Bestimmtes im Kopf, so kann man den Jungs auch bei Ankunft in Harare eine Vorlage in die Hand drücken und sie wenige Tage oder Wochen später dort abholen.

Unsere Route sah also wie folgt aus:

Pamuzinda

Die erste Woche verbringen wir in der Nähe von Selous, bei unserem voraussichtlich neuen Arbeitgeber. Auf dem Weg dorthin gehen wir noch kurz einkaufen, damit wir für den ersten Kaffee am Morgen und ein Müsli nicht immer erst zur Lodge fahren/laufen müssen. Mich trifft der Schlag: Lebensmittel sind so unglaublich teuer! Für ein paar Äpfel, Haferflocken, Milch und Kaffee zahlen wir 47 USD! Wie bitte soll sich jemals ein Bürger, der – wenn überhaupt – minimalst verdient, solche Preise leisten können, wenn mir schon mit deutschem Gehalt der Geldbeutel weh tut?! Die Antwort ist ganz einfach: Gar nicht. Denn hier einkaufen kann nur, wer verdammt gut verdient. Alle anderen essen (wenn sie es sich leisten können) drei Mal am Tag Sadza (Maisbrei). Autsch. Simbabwe ist eben doch nicht Namibia oder Südafrika, sondern ein richtiges Dritte-Welt-Land.

Den ersten Schock überwinde ich erfolgreich, nachdem ich in unserem Zuhause für die nächsten Wochen von zwei riesengroßen Rhodesian Ridgebacks und ihren sechs Welpen empfangen werde. Ridgebacks wurden früher einmal zur Löwenjagd und heute teilweise zum Anti-Poaching (der Kampf gegen die Wilderei) eingesetzt; dementsprechend groß und stark sind sie. Sie sind optisch sehr beeindruckend, aber können die liebsten Hunde der Welt sein, wenn man sich auf sie einlässt – und ich liebe sie! Seitdem mir das erste Mal ein ausgewachsener Ridgeback zum Kuscheln auf den Schoß krabbelte, weil er fälschlicherweise dachte, er sei noch ein kleines Welpen, bin ich (eigentlich ein Katzenmensch) verliebt in diese Hunderasse.

Da Ridgebacks leider nur für ihre Kraft und nicht ihre Ausdauer bekannt sind, werden zum Anti-Poaching mittlerweile meistens Deutsche Schäferhunde oder Belgian Malinois eingesetzt. Es ist wirklich beeindruckend beim Training zuzugucken! Diese Hunde sind so intelligent und hören aufs Wort – dabei muss der Hundeführer nicht einmal laut rufen, sondern lediglich leise flüstern oder ein kurzes Handzeichen geben. Also ein Wilderer möchte ich (abgesehen von den offensichtlichen Gründen) wirklich nicht sein …

In Pamuzinda leben Waisenkinder: Ein Warzenschwein, fünf Löwen und ein kleiner Elefant. Rocky, das Warzenschwein, wurde im November 2019 von Andreas mit der Flasche aufgezogen. Heute ist er riesengroß (viel zu groß) und wird von allen Seiten (viel zu sehr) verwöhnt. Dunho, der Elefant, verlor seine Mama und weil er der Einzige seiner Art auf dem Gelände ist, hat er einen neuen besten Freund an seine Seite bekommen, der Tag und Nacht bei ihm ist und auf ihn aufpasst. Mit ein bisschen Glück kommt aber bald eine Herde Elefanten auf das Gelände, denen er sich dann anschließen kann. Die Löwen in Pamuzinda waren einst dressierte Löwen für Filmdreharbeiten. Da man das glücklicherweise stoppte, kamen sie nach Pamuzinda, wo sie nun ihre letzten Lebensjahre verbringen dürfen. Weil man Wildkatzen leider nicht wieder auswildern kann, wenn sie einmal in Gefangenschaft waren, sind sie weit draußen auf dem Gelände in ihrem eigenen Bereich und müssen regelmäßig gefüttert werden. Um jegliche Interaktion mit Gästen zu vermeiden, stehen sie auch nicht auf dem Programm für Touristen und den einzigen menschlichen Besuch, den sie kriegen, ist von den Rangern bei der Fütterung.

Ein häufiger Besucher der Lodge ist Jasmin, die Giraffe. Sie ist zwar keine Waise, aber guckt ab und zu gerne einfach mal vorbei. Mittlerweile ist sie das zweite Mal schwanger und bekommt bald ihr Baby!

Ein weiterer Grund, warum wir die erste Woche in Pamuzinda verbringen möchten, bevor wir auf Entdeckungsreise gehen, ist der Chengeta Kids e.V. Verein. Ein gemeinnütziger Verein, den Andreas im Jahr 2020 gründete, um die an das Grundstück der Lodge angrenzende Schule zu unterstützen. Wir bringen nicht nur Sachspenden mit, sondern auch Monetäre. Wie wir die am besten investieren, beraten wir in mehreren Treffen gemeinsam mit dem Schulleiter, dem Lehrerkollegium und Müttern der Schüler. Dank unserer Freunde und Familien konnten wir zusätzlich zwei bis unter den Rand gefüllte Koffer voller Kinderklamotten aus Deutschland mitbringen, die wir an besonders bedürftige Kinder (und ein Waisenhaus in Binga) verteilen.

Weitere Sachspenden dürfen wir der Mitarbeiter-Fußballmannschaft von Pamuzinda überreichen: Neue Trikots, Shorts, Schuhe und zwei neue Bälle mit Ballpumpe! Während sie Andreas dazu überreden mit ihnen zu trainieren, fotografiere ich fleißig und habe jede Menge Spaß mit den Mitarbeiterkindern.

Von den bisher eingegangenen Geldspenden können wir zwei Familien komplett mit Nahrungsmitteln für einen Monat, Haushaltsutensilien, Schuluniformen für alle vier Kinder, Schulgebühren und Solarlichtern für deren Hütten (damit die Kids abends nach ihrem teilweise sehr langen Weg nach Hause noch lernen und ihre Hausaufgaben machen können, wenn es im Winter schon spätestens um 18:00 Uhr stockdunkel wird) ausstatten. Außerdem übernehmen wir für 39 weitere Kinder und jeweils ein komplettes Jahr die Schulgebühren, kaufen den ersten Drucker der Schule und Schulbücher für die Abschlussjahrgänge. Die genauen Berichte könnt ihr hier nachlesen.

Bevor wir die Sachspenden allerdings zu den Familien nach Hause bringen dürfen (das machen wir mit dem Auto, damit sie nicht alles selbst kilometerweit tragen müssen und um ihnen direkt auch noch die Solarlampen zu installieren), müssen wir vorab bei der örtlichen Dorfvorsteherin um Erlaubnis fragen. Sie muss über alles Bescheid wissen, was in ihrer Region passiert. Abgesehen davon, wie unglaublich interessant es ist eine neue Kultur kennenzulernen, ist es obendrein auch noch sehr spannend, sie und ihren Mann kennenzulernen. Um Sprachbarrieren zu vermeiden und zu übersetzen, begleitet uns der Schulleiter. Zunächst unterhalten wir uns über weitere Projekte, die eventuell zeitnah in der Region umgesetzt werden könnten und natürlich auch über den vielen Regen, der in der letzten Saison das Land mit einer reichhaltigen Ernte segnete. Sie ist sehr nett, dankbar und selbstverständlich erhalten wir ihr Okay! Glücklich machen wir uns auf den Weg ins Dorf der beiden Familien …

An dieser Stelle nochmal DANKE an alle Freunde, Familienmitglieder und Spender! Es ist eine große Ehre ausführen zu dürfen, was jeder Einzelne von Euch unterstützt und wir hoffen, dass wir mit unseren Fotos und Erzählungen das Glück und die Dankbarkeit so weitergeben können, wie wir sie hier vor Ort erfahren dürfen ♥

In den nächsten Tagen und Wochen werden wir öfter an der Schule sein, um Gespräche zu führen, den Drucker zu installieren und damit ich ausreichend Fotos für die Vereins-Website machen kann. Dabei setze ich mich abwechselnd in die einzelnen Klassen und fotografiere nicht nur, sondern lerne auch viel: Über die Kulturen Simbabwes, kulturelle Tänze (natürlich bleibt meine Anwesenheit nicht unbemerkt und ich werde gebeten, etwas über deutsche Volkstänze zu erzählen) und die Geschichte des Landes. Es ist so herzerwärmend, dass es mir schwerfällt, die richtigen Worte zu finden.

An dem Tag, an dem wir die Dorfvorsteherin besuchen, sitzen wir abends – mal wieder – mit Little P. in der Lodge und essen gemeinsam zu Abend. Wir unterhalten uns über die verschiedenen Kulturen des Landes und er erzählt uns, dass er mit Sally, einer Shona-Frau verheiratet ist. Ich habe direkt hunderte Fragen, die ich endlich jemandem stellen kann, der offen darüber spricht! Üblicherweise spricht man hier nicht offen über Geldgeschäfte und schon gar nicht mit Menschen, die man erst wenige Tage kennt. Aber Little P. ist Engländer, noch nicht allzu lange im Land und durch seinen europäischen Kulturhintergrund hat er überhaupt kein Problem damit, mir die zahlreichen Fragen zu beantworten und sogar sein Lobola-Buch offen zu zeigen. Wie spannend!

In der Shona-Kultur ist es Tradition, dass die Braut der Familie abgekauft wird, bevor man(n) sie heiraten darf. Dieser Brautpreis, die Lobola, wird streng mit dem Familienoberhaupt verhandelt und ist nicht selten so hoch, dass der Bräutigam-in-spe es niemals in seinem Leben komplett abbezahlen kann oder wird, weshalb er sozusagen immer in der Schuld der Familie steht und regelmäßig für dies und jenes aufkommen muss. Im Fall von Little P. waren es ca. 15.000 USD – für ihn nicht unrealistisch komplett zu bezahlen. Die Lobola deckt nicht nur Geschenke für jedes einzelne Familienmitglied und Lebensmittel ab, sondern Little P. musste unter anderem auch dafür bezahlen, dass er beim Vater der Braut während der Verhandlungen auf einem Stuhl sitzen oder von einem Teller essen durfte.

An den wenigen freien Tagen in Pamuzinda machen wir, was sonst im dortigen Alltag auch gemacht wird: Wir helfen dabei drei Eland-Bullen in den Chengeta-Park zu entlassen, wir reiten mit Shepard durch den Busch oder treffen uns abends mit Matt und Maria auf einen Sundowner bei den Büffeln (Side Note: Auf gar keinen Fall sollte man Büffeln so nah kommen, wenn man sie nicht kennt! Büffel sind weitaus mehr als nur „afrikanische Kühe“. Sie sind sehr aggressiv und können ohne viel Anstrengung ein Auto mitsamt Insassen umkippen. Alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen, die nicht im Video zu sehen sind, haben wir im Vorfeld getroffen. Bitte nicht nachmachen!)

Matobo Nationalpark (früher: Matopos National Park)

Der Matobo Nationalpark ist der älteste Nationalpark (1926) Simbabwes und einer der Beliebtesten. Nicht nur weil der skrupellose britische Eroberer und Politiker Cecil John Rhodes (der damals Nord- und Südrhodesien in der Hochphase des Imperialismus im 19. Jahrhundert kolonialisierte) hier begraben liegt, sondern vor allem wegen seiner wunderschön schroffen, über 200 Millionen Jahre alten Granitfelsformationen, die einen herrlichen Kontrast zu dem sanften Grün der Vegetation bieten.

Vor etwa 2.000 Jahren lebten die San (indigene Ethnien im südlichen Afrika) in dieser Region Simbabwes und hinterließen zahlreiche Felsmalereien, die heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Man schätzt, dass etwa 30.000 Malereien im gesamten Gebiet versteckt sind, was es zu der umfangreichsten Kunstgalerie Afrikas macht. Diese Hügelregion ist ebenfalls der Ort, den Cecil John Rhodes 1896 aussuchte, um mit den Führern der Ndebele schlussendlich doch noch einen Friedensvertrag zu verhandeln.

Wir fahren die 440 km von Pamuzinda zur Shashani Matobo Hills Lodge in etwa 6,5h. Die Hauptstraßen sind zwar geteert und die Nebenwege okay, aber unser Auto ist einfach nicht wirklich für offroad gemacht (Toyota Voxy). Nichtsdestotrotz wollten wir uns davon nicht abhalten, im Endeffekt ist (bis auf diverse Reifenpannen) auch alles gut gegangen und wir sind von A nach B gekommen. Je nachdem wohin im Land man fährt, muss man öfter oder seltener durch Maut-Stationen fahren. Pro Maut-Stelle zahlt man 2 USD, 30 Rand oder 170 ZWL – auch hier empfehle ich wieder, viele kleine Scheine bei sich zu haben, da Wechselgeld auch hier oft ein Problem ist.

Diese Landschaft verschlägt mir den Atem! Vier Tage sind einfach wirklich nicht genug Zeit, um alles auf sich wirken lassen zu können und ich freue mich schon jetzt darauf, hier bald mehr Zeit verbringen zu können.

Die zu zahlende Conservation Fee (sozusagen der Parkeintritt, der zur Erhaltung der lokalen Flora und Fauna gezahlt werden muss) beträgt pro Tag und Person für Nicht-Einheimische 15 USD.

So machen wir uns am nächsten Morgen sehr früh auf den Weg zum Haupteingang des Nationalparks, wo wir Andy treffen – unseren Guide für diesen Tag. Andy ist ein sehr erfahrener Field Guide, mit dem wir zunächst zu Fuß Breitmaulnashörner aufspüren wollen. Die Nashörner in diesem Park werden Tag und Nacht von bewaffneten Rangern in gebührendem Abstand begleitet, um sie vor Wilderern zu schützen – erfolgreich! Denn in den letzten Jahrzehnten kam lediglich ein einziges Nashorn ums Leben und das auf natürlichem Weg. Die letzte Regenzeit war ergiebig und das Gras ist dementsprechend hoch. Um einen ersten Überblick zu bekommen klettern wir eineinhalb Stunden den ersten Felsen bis zu dessen Spitze hinauf. Oben angekommen heißt es erst einmal abwarten, gucken und gut hinhören. Und endlich können wir sie erahnen! Weil sie sich nicht groß bewegen, sind wir uns zunächst nicht ganz sicher, ob es wirklich Nashörner oder doch kleinere Felsen sind. Also klettern wir so schnell es geht wieder runter und ein paar Kilometer weiter auf den nächsten Felsen wieder hinauf. In der Zwischenzeit genieße ich es sehr, mit zwei ausgebildeten Guides (Andy und Andreas) zu Fuß im Busch zu laufen, ihnen alle Fragen zu stellen, die ich habe, mich auf Tierspuren prüfen zu lassen und mich so weiterhin bestmöglich auf meine anstehende FGASA Field Guide Level 1 Theorieprüfung vorzubereiten (die ich mit 97% bestanden habe – YAY!). Auf der zweiten Hügelspitze angekommen, sind wir uns dann ganz sicher, dass es wirklich Nashörner sind. Wir klettern wieder runter und machen uns weiter zu Fuß auf den Weg durch den Busch, unseren Augen, Ohren und unserer Nase folgend – Tiere haben teilweise einen sehr ausgeprägten Geruch und je nach Windrichtung und -stärke ist auch dies immer ein guter Indikator auf deren Standort und Laufrichtung.

Und da sind sie! Eine Mutter und ihr Kalb! Nach insgesamt fast vier Stunden Bushwalk stehen wir vor ihnen und sie lassen uns auf bis zu zehn Meter an sich heran. Die Mutter ist nach wenigen Augenblicken so entspannt mit uns in ihrer Nähe, dass sie sich hinlegt und langsam die Augen zu macht. Wow! Was für eine gewaltige Ehre uns hier zu Teil wird. Wir genießen jeden Augenblick und lassen die beiden dann wieder alleine, bevor sie sich von uns gestört fühlen können. Das Glück, das ich in diesem Moment verspürt habe, kann man meinem Gesicht auf den Fotos wohl ganz gut entnehmen …

Wer bisher noch nicht im südlichen Afrika war, ist vielleicht irritiert darüber, dass ich eine Jacke und sogar eine Mütze trage. Aber auch auf diesem Kontinent gibt es Jahreszeiten – nicht nur Regen- und Trockenzeiten. Macht Euch auf jeden Fall mit dem jeweils lokalen Wetter vertraut, bevor ihr für eine Reise packt. Während es in Selous an diesem Tag etwa 29 Grad warm war, war es im Matobo Nationalpark so kalt, dass ich unter meiner Jacke sogar noch einen Pullover anhatte und nur nicht fror, weil wir uns den ganzen Tag bewegten.

Ursprünglich wollten wir nach dem Tracking noch ein paar der entlegeneren Felsmalereien betrachten und auch zu Rhodes‘ Grab gehen, da der Ausblick von dort oben atemberaubend sein soll. Jedoch machte Andys Auto Probleme und wollte dann irgendwann gar nicht mehr anspringen. Die Tochter meines Vaters, die ich bin, versuchte ich zunächst das Problem mit Alu-Kaugummipapier zu lösen, was dann schlussendlich auch klappte! Dann war jedoch schon so viel Zeit ins Land gegangen, dass es dunkel wurde und wir zurückfahren mussten. Aber … wir kommen wieder und Andy versprach uns das nächste Mal zu den spektakulären Malereien zu fahren.

Hwange Nationalpark

Weitere 360 km Autofahrt bringen uns von Matopos zum Elephant’s Eye, unserer nächsten Lodge. Vom ältesten Nationalpark des Landes geht es für uns jetzt weiter in den größten Nationalpark des Landes: Der Hwange Nationalpark umfasst fast etwa 15.000 km² (halb so groß wie Belgien). Aufgrund seiner gewaltigen Artenvielfalt zählt der Hwange Nationalpark, benannt nach einem lokalen Stammesführer, zu einem der bedeutendsten Naturschutzgebiete des Landes.

Bereits auf dem Hwange-Gelände, aber noch kurz vor dem offiziellen Nationalpark, befindet sich die Painted Dog Conservation, eine Auffangstation für verletzte oder verwaiste Wildhunde. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, diese Tiere wieder auszuwildern, sobald sie fit genug sind. Von diesen zauberhaften Kreaturen gibt es in ganz Afrika nur noch etwa 7.000 Tiere, weshalb sie zu den am stärksten bedrohten Tierarten auf dem gesamten Kontinent zählen. Das Gelände ist sehr liebevoll hergerichtet und neben einer Art Museum, die über die Geschichte der Auffangstation und die Tiere informiert, leisten sie großartige Arbeit dabei, die lokale und nationale Bevölkerung durch Schulstudientage zu informieren und aufzuklären. Im Gegensatz zu Wildkatzen, kann man Wildhunde nämlich sehr wohl wieder auswildern und bis auf zwei Ausnahmen, konnten sie das bisher auch jedes Mal erfolgreich tun.

Wir sind gerade damit fertig unsere Koffer auszupacken und setzen uns mit einem frisch aufgebrühten Kaffee auf unsere grandiose Terrasse mit direktem Blick auf ein nicht allzu weit entferntes Wasserloch, als wir von einer gigantischen Herde Elefanten und ihren Babys begrüßt werden! Welch ein Anblick!

Die zu zahlende Conservation Fee im Hwange Nationalpark beträgt pro Tag und Person für Nicht-Einheimische 20 USD.

Sowohl auf der eigenen Concession des Elephant’s Eye als auch im Hauptpark, haben wir wundervolle Game Drives (nur wir zwei und der Guide, weil keine weiteren Gäste vor Ort sind). Zugegeben, wir sehen viel, aber nicht alles. Aber das ist okay, denn das bedeutet, dass die Regenzeit wirklich gut war: Das Gras ist hoch, die Tiere können sich gut verstecken und haben ausreichend Wasser. Einfach nur durch die afrikanische Savanne (genauer gesagt das Miombo Woodland) zu fahren und den warmen Wind im Gesicht zu spüren, ist schon schön genug.

An unserem letzten Abend fahren wir wieder raus in den Park für einen der schönsten Sundowner mit unglaublich leckeren Snacks, die uns einer der besten Köche dieses Landes gezaubert hat: Chef Ennok. YUMMI!

Pünktlich zur Golden Hour erscheint wieder eine riesengroße Herde Elefanten um uns herum. Was haben wir doch für ein Glück …

Eine massive Stromleitung führt in den Park, um die Lodges und Wasserlöcher dauerhaft mit Strom versorgen zu können. Diese nutzen Paviane gerne als Nachtquartier, um sich vor Leoparden in Sicherheit zu bringen. Sobald man mit dem Auto an ihnen vorbeifährt, hangeln sie sich in Windeseile aus ihrem „Versteck“ in Richtung Boden, weil sie denken, dass sie dort sicherer wären. Nicht gerade die intelligentesten Kreaturen auf dieser Erde, aber ziemlich amüsant.

Binga

Am Morgen der Abfahrt freue ich mich darauf, dass wir heute nur 170 km weit fahren müssen. Zu früh gefreut. Für diese kurze Strecke brauchen wir über vier Stunden! Die Straße nach Binga ist ein absoluter Albtraum und wir fahren die letzten … naja … 140 km mit Schrittgeschwindigkeit durch ein Schlagloch nach dem anderen. Anfangs wundern wir uns noch, warum keiner der Anwohner die Hand raushält, um bei uns mitfahren zu dürfen. Dann realisieren wir, dass sie lieber schmunzelnd weiterlaufen, weil sie genau wissen, dass sie die nächsten Kilometer zu Fuß schneller sind. Zeitweise spielen wir mit dem Gedanken, an einem der tieferen Schlaglöcher zu pausieren und eine Runde schwimmen zu gehen, hatten dann aber doch Angst, dass das Wasser darin tief genug für Krokodile sei. Unser Auto wird mit jedem Kilometer lauter (irgendetwas am Motor ist wohl kaputt) und Musik hören können wir nicht, da es das Dröhnen nicht übertönen könnte. Schließlich erreichen wir ein so hohes Level an Frust, dass es in Albernheit ausartet und wir anfangen lauthals Lieder umzudichten (pothole ist das englische Wort für Schlagloch):

  • „This is the highway of hell“
  • „Wouldn’t it be nice if streets were better, wouldn’t it be nice if streets were smooth.“
  • „There are one million potholes to Binga, thats a fact. That’s a thing we can’t deny. Like the fact that I will love you till I die.“
  • „Ain’t no pothole deep enough“

Nach Kilometer 93 planen wir die erste App für Pothole-Spotter (ein Hobby, das nach Launch unserer App, steiler durch die Decke gehen wird als jedes Plane- oder Train-Spotting): Potholes of southern Africa. Das wird der Hit!

Weil wir eh schon total fertig von der bisherigen Fahrt sind, beschließen wir nicht schon bei der ersten Gelegenheit zur Masumu River Lodge abzubiegen, sondern noch einen insgesamt 1,5-stündigen Umweg (20 km) zum Waisenhaus in Binga zu fahren, damit wir am nächsten Tag nicht nochmal rausfahren müssen und das Auto einfach stehen lassen können.

Und genau das machen wir am nächsten Tag: Nichts. Da wir auch mal wieder keinen Strom und somit ebenfalls kein Internet haben, liegen wir die folgenden Tage mit Buch am Pool, lernen und ruhen uns einfach nur aus.

An unserem letzten Abend möchte uns einer der Kapitäne aus dem angrenzenden Hafen auf einen Sundowner mit aufs Wasser nehmen – den Kariba See, der eigentlich ein Stausee ist. Der Kariba Stausee wurde Ende der 50er Jahre von Menschenhand erbaut und aufgestaut. Zur damaligen Zeit war er das größte, von Menschenhand gestaute Wasser der Welt! Er ist heute flächenmäßig 10 Mal so groß wie der Bodensee, aber an der tiefsten Stelle nur (je nach Quelle) 80 bis 91 m tief. Je nach Wasserstand sieht man mal mehr und mal weniger von Wasser konservierte Bäume, die nun schon seit über 60 Jahren im Wasser stehen.

In den Teilen des Sees, in denen viel gefischt wird und somit auch viele Boote auf dem Wasser sind, werden leere Plastikflaschen an den Baumspitzen befestigt, damit die Fischer ihre Boote nicht gegen die Bäume fahren.

Victoria Falls

Die nächsten 340 km (abzüglich der ersten 120 km bis zur Teerstraßenkreuzung in Dete) vergehen, verglichen mit dem Hinweg, wie im Flug. In Victoria Falls angekommen, müssen wir uns erstmal wieder an Menschen gewöhnen, da wir bis zu diesem Zeitpunkt in jeder Lodge die einzigen zwei Gäste waren. Wobei viel ist hier auch nicht los. Die Ilala Lodge, in der wir schlafen, hat 73 Zimmer, von denen – wir inklusive – nur drei bis vier belegt sind.

Wir beschließen diesen Abend etwas touristischer, aber nicht weniger schön und entspannend mit einer Luxury Cruise auf dem Zambezi River, der in die Victoria Wasserfälle mündet, ausklingen zu lassen. Ich bin eigentlich wirklich kein großer Fan von Wasser, aber auf diesem ruhigen Fluss habe ich mich ziemlich wohl gefühlt.

Für den nächsten Morgen haben wir uns fest vorgenommen, sehr früh aufzustehen, um noch vor Sonnenaufgang an den Wasserfällen zu sein, deren Gischt wir von unserem Zimmer aus sehen können. Mosi-oa-Tunya, der donnernde Rauch. Sehr passend! Noch im Dunkeln stehen wir am Parkeingang und können es kaum glauben: Die nächsten 2,5 Stunden werden wir tatsächlich die einzigen zwei Gäste im gesamten Park sein! Wir witzeln zwar schon die gesamte Reise darüber, wie wohlhabend und dekadent wir doch seien, dass wir jede Lodge und jeden Park ganz für uns alleine buchen, aber ich muss schon sagen, dass mir dieses Land (wie so viele andere Länder auch, die vom Tourismus abhängig sind) wirklich leid tut. Wer sich unsicher ist, eine Reise nach Simbabwe zu buchen, dem sei gesagt sein: Dieses Land ist bereit! Auf wirklich allen Ebenen und mit allen Coronavorschriften.

Auch hier an den Wasserfällen kann man klar erkennen, dass die letzte Regenzeit ein wirklicher Segen war, denn man sieht genau nichts. Nichts außer einer tosenden Flut Wasser, die kaum als solche zu erkennen ist, sondern mehr einer großen Rauchwolke ähnelt. Zurzeit tosen hier pro Sekunde (!) 3.500 Kubikmeter Wasser runter, während es in ruhigeren Zeiten lediglich 300 Kubikmeter sind. Trotz der nicht vorhandenen Sicht haben wir jede Menge Spaß und werden allein von der Gischt, die auf uns runter regnet, binnen weniger Minuten klatschnass. Aber es ist schließlich nur Wasser und die Temperaturen steigen, sobald die Sonne aufgeht.

Gut, dass Livingstone damals in der Trockenzeit hier ankam, sonst hätte er dieses Wunderwerk der Natur mit Sicherheit nicht entdeckt.

Zum Mittagessen gehen wir in die Victoria Falls Safari Lodge, bzw. den Victoria Falls Safari Club, und ich muss sagen, das Essen war wirklich unglaublich lecker. So lecker, dass ich es hier direkt erwähnen möchte. Abgesehen von der Tatsache, dass ich seit etwa einem Jahr nicht mehr wirklich auswärts gegessen habe und das allein schon ein Highlight für mich ist, ist das Essen geschmacklich überaus empfehlenswert.

Empfehlenswert ist aber vor allem das Geier-Restaurant, das hier jeden Tag um 13:00 Uhr öffnet! Nein, hier werden keine Geier serviert. Moses geht jeden Tag in Begleitung von denjenigen Gästen, die möchten, um immer die gleiche Uhrzeit, an immer den gleichen Ort und wirft ein paar Fleischstücke auf den Boden. In Sekundenbruchteilen sammeln sich zahlreiche Geier um das Fleisch, die vorab schon in den Bäumen und am Himmel auf Moses warteten. In Summe ist es gerade einmal so viel Fleisch, dass es für die Menge an Geiern lediglich ein kleiner Appetizer ist; sie werden hiervon nicht satt. Warum tut er das? Moses möchte die Aufmerksamkeit auf ein sehr großes Problem lenken: das Geiersterben.

Das Aussterben jeder beliebigen Art in einem Ökosystem wird dessen komplexe Zusammenhänge negativ verändern und schwächen – aber einige Arten spielen eine so einzigartige und wichtige Rolle, dass ihr Aussterben katastrophal wäre. Mehr als vielleicht jede andere Vogelfamilie würden Geier – diese missverstandenen, aber lebenswichtigen Müllmänner und -frauen der Vogelwelt – mit ihrem Aussterben das gesamte Ökosystem massiv durcheinanderbringen. Und doch wird diese Gefahr leider immer realer: Auf dem afrikanischen Kontinent wurden mittlerweile sieben der elf Geierarten an den Rand des Aussterbens gedrängt, mit Rückgängen zwischen 80 und 90 Prozent in den letzten 50 Jahren. Die Ursachen für diese schwindende Population sind unterschiedlich, aber Vergiftungen haben sich als die vielleicht schwerwiegendste Bedrohung herausgestellt. In den letzten Jahren gab es eine Flut von verheerenden Vergiftungsfällen. Bei einer einzigen dieser Aktionen starben alleine in Botswana 537 Geier auf einmal! Gäbe es keine Geier mehr in unseren Ökosystemen, die sich um totes, verwesendes Fleisch kümmern, würden Krankheiten wie Covid-19 in Zukunft nur eines der vielen Probleme für uns werden.

Gründe für das Vergiften gibt es, wie gesagt, leider einige: In manchen südafrikanischen Kulturen werden Körperteile von Geiern für verschiedene Rituale genutzt; legt man nachts ein Geiergehirn unter sein Kopfkissen, so werden einem die nächsten Lottozahlen vorhergesagt; Wilderer vergiften diese Tiere auch gerne, weil sie klar erkennbare Zeichen am Himmel für Kadaver sind und sie so schneller auffliegen könnten. Es ist schrecklich.

Danke, Moses, dass Du Tag für Tag Bewusstsein schaffst.

Die Fütterung ist kostenlos, aber Trinkgeld gerne gesehen und wohl verdient.

Andreas, der schon einige Male in Victoria Falls war, geht einfach nicht aus dem Kopf, dass ich die Wasserfälle (in seinen Augen) nur so kläglich gesehen habe und nicht in deren vollen Pracht. Also beschließt er, das zu ändern:

Puuuhhhh … was soll ich sagen?! Meine eigenen Fotos mit der Kamera sind, bis auf eins, vor Aufregung so schlecht geworden (das muss was heißen), dass ich Euch in der folgenden Galerie die Aufnahmen von Andreas zeige, der zum Glück Fotos und Videos gemacht hat.

High Tea im berühmten Victoria Falls Hotel fällt diesmal weniger dekadent aus als üblich, denn mit uns ist nur noch ein weiteres Pärchen dort. Wir trinken trotzdem einen Rock/Malawi Shandy und genießen diese spektakuläre Aussicht. Das Hotel wurde ursprünglich 1904 für die Arbeiter an der Kapstadt-Kairo-Eisenbahnlinie (Rhodes großer Traum) gebaut und ist heute eines der luxuriösesten Hotels Afrikas.

Kariba

Nachdem wir wieder ein paar Tage in Pamuzinda verbracht haben, geht es für uns zurück auf die Straße. Diesmal auf die andere Seite des Kariba Stausees: nach Kariba selbst. Das kleine Städtchen entstand damals, 1955, im Zuge des Damm-Baus. Hier lebten vor allem die Projektleiter und Arbeiter der Talsperre. Heute hat die Stadt etwa 27.000 Einwohner.

Auf etwa der Hälfte der Strecke liegt ein kleiner Ort namens Lions Den. Hier müssen wir unbedingt eine Pause machen, denn … hier gibt es BILTONG! Das gleichnamige kleine Restaurant Lions Den verkauft neben Souvenirs und ganz leckeren Burgern auch selbstgemachtes Biltong. Ich bin im Himmel! Es ist wirklich lecker und wir decken uns erstmal für die kommenden Tage ein.

Kariba ist eigentlich ein ganz hübscher Ort mit einem wahnsinnig schönen Blick auf den Kariba Stausee. Der Ort lebt vom Tourismus und so gibt es hier viele Hotels und Restaurants. Wir sind leider nur eine Nacht hier, denn ab morgen werden wir ein paar Tage und Nächte auf dem Wasser verbringen: Auf einem Hausboot! Eigentlich schade, dass wir nur so wenig Zeit an Land haben, denn die Kariba Safari Lodge ist wohl bis dato meine absolute Lieblingslodge und ich könnte sofort hier einziehen. Aber … wir kommen ja wieder und werden dann mit Sicherheit nicht nur einmal die Chance haben, länger hier zu bleiben.

Zum Sonnenuntergang machen wir noch eine kleine Tour durch die Stadt und zur Talsperre. Die schiere Größe dieses Bauwerks ist beeindruckend! Der Stausee ist zwar nicht mehr der größte, aber immer noch volumenmäßig der zweit- und flächenmäßig der siebtgrößte von Menschenhand erbaute Stausee der Erde. Gespeist wird er vom Sambesi, dem Sanyati aus Südosten und vielen weiteren kleinen Flüssen. Fast 60.000 Menschen mussten damals umgesiedelt werden. Kein einfaches Unterfangen. Zumal die ortsansässigen Tonga nicht nur ein Fischervolk sind, dessen Lebensgrundlage die Fischerei ist, sondern auch weil sie an ihren Flussgott Nyami Nyami glauben. Der Nyami Nyami wird dargestellt als übergroße Wasserschlange mit Fischkopf – wie groß er wirklich ist, vermag kein Tonga einzuschätzen und so heißt es immer, er sei „sehr groß“. Der Nyami Nyami sorgte laut seiner Geschichte dafür, dass die Tonga jahrhundertelang abgeschottet von der Außenwelt am Flussufer des Sambesi ein glückliches Leben führen konnten. Er sorgte stets dafür, dass ausreichend Wasser für die Bewässerung der Felder und Fische im Fluss waren. Eine Verbindung zum Flussgott Nyami Nyami und seiner Ehefrau, die beide in der Unterwelt der Kariba-Schlucht wohnten, fand jeweils durch die Stammesältesten der Tonga statt. Diese Idylle wurde allerdings durch die Planung und den Bau der Talsperre in den 1950er Jahren gestört. Die Frau des Nyami Nyami war zur Zeit des Aufstauens flussabwärts bei einem der anderen Tongadörfer, die ihre Hilfe brauchten, während der Nyami Nyami selbst flussaufwärts ein Dorf unterstützte. Dies führte dazu, dass die Gottheit und seine Frau nun auf ewig durch die Talsperre voneinander getrennt sind. Die Einheimischen führten die Überflutungen des Landes, die leichten Erdbeben während des Baus und die Todesfälle unter den Baustellenmitarbeitern auf den Einfluss und die Wut ihrer Flussgottheit zurück. Da die Stammesältesten der Tonga weitere Todesopfer verhindern wollten, besänftigten sie den Nyami Nyami. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass der Bau ohne weitere schwere Zwischenfälle finalisiert werden konnte. Sie sind allerdings immer noch der Überzeugung, dass der Nyami Nyami nicht auf ewig von seiner Frau getrennt leben möchte und „now now“ dafür sorgen wird, dass die einzelnen Tongadörfer wieder vereint sind und ihrer ursprünglichen Lebensweise nachgehen können: am Sambesi leben und fischen.

An der Talsperre kann man übrigens sehr günstige, aber wirklich schöne, handgemachte Souvenirs kaufen. Vor allem die Tonga Wanderstöcke hier sind die Schönsten im ganzen Land! Ein echter Tonga Wanderstock besteht aus acht Elementen und wird von Hand aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt (Ringe und Kugel im „Magischen Ball“ inklusive):

  1. Der Griff repräsentiert den Nyami Nyami, den die Tonga als ihren Flussgott verehren.
  2. Der Mopane Baum ist der Zeremonienbaum der Tonga, der im Sambesi-Tal wächst und unter dem die Trommler sitzen.
  3. Die Figuren repräsentieren Tonga-Männer, die während Zeremonien auf ihren Trommeln spielen.
  4. Die Spiralen repräsentieren die Wellen des Sambesi Flusses.
  5. Der Fisch steht für das Grundnahrungsmittel der Tonga.
  6. Der Holzring (oder manchmal auch mehrere Ringe) repräsentiert den Armschmuck, den Tonga-Frauen während traditioneller Zeremonien tragen.
  7. Die Hand hält den “Magischen Ball” mit einer losen Kugel in seiner Mitte, der von traditionellen Heilern und Wahrsagern genutzt wird, um böse Geister fernzuhalten.
  8. Die Pfeife ist eine lange Holzpfeife, die von Tonga-Männern zum Rauchen genutzt wird. Früher rauchten die Männer ausschließlich Marihuana und die Frauen Tabak.

Der Kariba Heights Aussichtspunkt macht noch auf eine weitere Nebenwirkung des Kariba Stausees aufmerksam: Die Operation Noah.

Die Operation Noah war eine Wildtier-Rettungsaktion am Sambesi. In einer fünf Jahre andauernden Rettungsaktion wurden über 6.000 kleine und große Tiere (Elefanten, Antilopen, Nashörner, Löwen, Leoparden, Zebras, Warzenschweine, Vögel und Schlangen) gerettet und auf das Festland umgesiedelt. Die Wildtiere wurden aus den steigenden Gewässern gebracht und größtenteils in den Matusadona-Nationalpark und rund um den Kariba Stausee gebracht.

Hausboot auf dem Kariba Stausee

Die kommenden Tage sind wirklich überaus entspannend. Kein Internet, kein Handyempfang, nur begrenzt Strom und eine noch geringere künstliche Geräuschkulisse als bereits in den letzten Wochen auf dem Festland.

Wir fahren zwei Mal am Tag mit einem kleinen Beiboot auf den See, am Ufer entlang und lassen uns von der Tierwelt auf dem Wasser und im Matusadona Nationalpark treiben. Kleine, lustige Nebeninformation: Matusadona bedeutet übersetzt „der Ort des rollenden Dunges“, weil der Nationalpark sehr bergig ist und naja … Tierdung nicht liegen bleibt, sondern ins Rollen kommt.

Elefanten, Krokodile, Hippos, verschiedene Wasservögel … andere Geräusche hören wir in den kommenden Tagen kaum. Der perfekte Ort, um mich weiter und wirklich ohne Ablenkung auf meine anstehende FGASA-Prüfung vorzubereiten.

Die einzige Ablenkung, die ich habe, ist fischen. Yup. Bahia war fischen. Und ich habe tatsächlich etwas gefangen! Hätte ich auch nicht gedacht … und es macht sogar richtig Spaß! Zumindest, wenn man nicht selbst den Wurm dran- und den Fisch wieder abmachen muss. Ich bin wohl doch manchmal ein Mädchen.

Jane, aus dem Marketing, leistet uns zwei Nächte lang auf dem Hausboot Gesellschaft. Sie ist quasi im Kariba Stausee aufgewachsen. Während Andreas mich, bzw. meine Angel, mit Würmern versorgt, erklärt Jane mir wie ich am erfolgreichsten einen Fisch fange und Captain Stanley nimmt mir die gefangenen Fische ab, die unser Koch abends noch frisch zubereitet.

Wer mich kennt, der weiß, dass afrikanische Sonnenuntergänge mit Abstand meine Lieblings-Sonnenuntergänge sind (wobei manche Sonnenuntergänge am Bodensee da fast mithalten können), aber oh wow … die Sonnenuntergänge auf dem Kariba Stausee sind von allen in Afrika ganz hoch im Kurs!

Mana Pools Nationalpark

Nachdem wir wieder an Land gehen, dürfen wir jetzt fast eine komplette Woche im Mana Pools Nationalpark verbringen! Weil wir – mal wieder – die einzigen Gäste sind und die Lodge zur Firma gehört (wir also nichts für die Übernachtung bezahlen), müssen wir in Kariba noch schnell ein paar Lebensmittel einkaufen, bevor wir nach Mana Pools fahren. Warum ich das extra erwähne? Weil in Simbabwe gerade eine Milch- und Zucker-Knappheit herrscht und wir in mehreren Geschäften weder Milch noch Zucker kaufen konnten (Dank der Hilfe eines Einheimischen hatten wir am Ende doch noch frische Milch und mussten nicht auf Pulver umsteigen, aber das ist eine andere Geschichte). Wenn man in Simbabwe in einem Supermarkt einkaufen geht, könnte man den Eindruck gewinnen, es ist zwar alles teuer, aber alles vorhanden. Bei genauerem Blick erkennt man aber schnell, dass zwar alle Regale gefüllt sind, jedoch teilweise ganze Gänge voll mit ein und demselben Artikel.

Die zu zahlende Conservation Fee im Mana Pools Nationalpark beträgt pro Tag und Person für Nicht-Einheimische 20 USD. Man meldet sich ca. 6,5 km vor dem Maingate bei der Parks and Wildlife Authority (Marongora Parks Office) an und bezahlt die Conservation Fee im Reception Office im Park.

Der Mana Pools Nationalpark ist ca. 2.500 km² groß und gehört seit 1984 zum UNESCO Weltnaturerbe. Im südlichen Afrika hat man schnell den Eindruck, an einem wilden Ort zu sein und fast jeder Ort dort ist auch wilder als die „Wildnis“ in Deutschland, allein schon wegen der Vegetation und Tierwelt. Aber an einem so wilden Ort wie Mana Pools war ich wohl noch nie! Keine Zäune, ausschließlich wilde und freie Tiere, zur Regenzeit wuchernde Vegetation … ein in sich intaktes Ökosystem, das keinerlei Hilfe von außen braucht. Wow! Auch wenn durch den Bau der Kariba Talsperre das Ökosystem durch den nun sehr stetigen Wasserstand des Sambesi verändert wurde, kann man noch nicht sagen, ob dies negativ, positiv oder gar nahezu neutrale Auswirkungen hat.

Mana bedeutet auf Shona „vier“. Pools sind natürliche Wasserstellen. Aufgrund der vier immer noch in der Trockenzeit gefüllten Wasserstellen, hat der Park seinen Namen: Chissasiko Pool, Long Pool, Green Pool und Chine Pool.

Chissasiko Pool
Long Pool
Green Pool