Uganda

Ich habe nun fast vier Monate Zeit gebraucht, um diesen Blogpost zu schreiben. Dies hat verschiedene Gründe: Ich bin gerade frisch nach Südafrika gezogen und habe einen neuen Job angefangen, war dazwischen noch in Namibia bei meiner Familie, muss und musste mich an viel Neues in einem völlig neuen Lebensabschnitt, Land und Job gewöhnen … aber der Hauptgrund ist, um ehrlich zu sein, dass ich leider etwas Zeit brauchte, um Uganda so zu verarbeiten, dass ich auch Schönes über diese Reise schreiben kann. Dieses wunderschöne Land hat es wirklich nicht verdient, dass ich mit Frust, Enttäuschung und einer ordentlichen Lebensmittelvergiftung im Bauch, einen Blogpost schreibe, der lediglich meine einzelne Reise und die damit zusammenhängenden Negativ-Erfahrungen widerspiegelt und nicht auch die zahlreichen positiven Seiten dieses Landes.

Was passiert ist? Nun … Diese Geschichte soll hier keine Rolle spielen. Dieser Blogpost wird vielleicht nicht ganz so persönlich und emotional, wie er hätte werden können, wenn vor Ort alles anders abgelaufen wäre, aber ich hoffe trotzdem, dass ich es schaffe, alle persönlichen und emotionalen Eindrücke so einzufangen und in Worte zu fassen, wie es dieses traumhaft schöne Land verdient hat.

Also so viel dazu. Verzeiht mir die Verspätung!

Generelle Informationen

Uganda, eine Republik im Herzen Ostafrikas. Uganda, die Perle Afrikas!

Ugandas Hauptstadt und gleichzeitig auch größte Stadt des Landes ist Kampala. Da hier im Alltag über 40 verschiedene Sprachen – nicht Akzente! – gesprochen werden, wurde sich auf eine universale Amtssprache geeinigt: Swahili. Soweit ich das beurteilen kann, spricht jeder zumindest ein paar der wichtigsten Wörter auf Swahili und man kann sich ganz gut untereinander verständigen. Aber vor allem im Militär und bei der Polizei wird Swahili gesprochen, da sie die Kommandosprache ist. Die meisten Bürger sprechen Luganda, speziell in der Region um und in Kampala. In ganz Uganda gibt es über 60 verschiedene Völker, die jeweils ihre eigenen Kulturen, Bräuche und eben teilweise auch Sprachen haben – ihr könnt euch ja vorstellten, wie herrlich bunt das dann aussieht! 85% der Bevölkerung sind Christen, 14% sunnitische Muslime und der letzte 1% fällt offiziell unter „der Rest“.

Das Binnenland, mit einer Fläche von 2/3 der Bundesrepublik Deutschland grenzt im Norden an den Südsudan, im Osten an Kenia, im Süden an Tansania, im Südwesten an Ruanda und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Die Grenzen zu Kenia und Tansania verlaufen zum Teil durch den Victoriasee.

Die eigene Einwohnerzahl kann die Republik Uganda lediglich schätzen. Das liegt zum einen daran, dass es ein Dritte-Welt-Land ist und die bürokratisierte Priorisierung auf anderen Dingen als Volkszählung liegt und zum anderen, dass wenn tatsächlich eine Volkszählung stattfindet … naja … sich Menschen teilweise einfach verstecken, wenn sie nicht mitgezählt werden möchten. So liegt die Schätzung bei ca. 41,58 Millionen Einwohnern. Im Durchschnitt sind diese Einwohner 16,7 Jahre alt – 27,8 Jahre jünger als der Durchschnitt der Deutschen! Dies hat mehrere traurige Gründe: Die Lebenserwartung ist niedriger, auch aufgrund schlechter medizinischer Versorgung; die Durchschnittsfamilie hat mehr Kinder, auch weil Frauen meist keine Karriere machen oder nicht lange in der Schule bleiben. Immerhin wurden im Jahr 1996 die Schulgebühren abgeschafft und die generelle Schulbesuchsdauer stieg dadurch von 2,8 Jahren auf über sechs Jahre an sowie die Einschulungsrate auf 98%. Sechs Jahre … das deckt in Deutschland gerade einmal etwas mehr als die Grundschulzeit ab.

Wie ihr ja mittlerweile wisst, gucke ich mir immer gerne den Index der menschlichen Entwicklung des Landes an, in das ich reise, um eine kleine Vorstellung davon zu erhalten, was mich erwarten könnte. Der Kosovo ist in diesem Index nicht berücksichtigt, also war Simbabwe bisher das Land, mit dem niedrigsten Index, in das ich reisen durfte. Nun hat Uganda mit Platz #159 (von 189 Ländern) die Führung übernommen.

In Uganda zahlt man mit dem Uganda Schilling (UGX). Zurzeit ist 1 Euro etwa 4.000 UGX wert. Uganda befindet sich in der Zeitzone UTC +3, also aktuell zwei Stunden vor Deutschland.

Zur Ein- und Weiterreise nach Uganda ist eine Gelbfieberimpfung verpflichtend – auch bereits für die online Beantragung des Touristenvisum. Diese übernimmt nach Vorkasse (95€) meist die Krankenkasse, kann aber nicht bei jedem Arzt gemacht werden, sondern nur bei für diese Impfung Zertifizierten. Das Visum kostet 50 USD (ca. 45€) und muss vor Einreise und weit genug im Voraus online beantragt werden.

Okay … genug Bürokratie! Auf geht’s!

Hier noch schnell unser Reiseüberblick:

Oh halt! Eine Sache noch! In Uganda gibt es ganz besondere Kühe: Die Ankole- oder Watussirinder mit ihren überdimensional langen Hörnern, die bis in die Spitze mit Blut versorgt werden. Wissenschaftler vermuten, dass sie dies als Überlebenstaktik entwickelt haben, um so nah am Äquator, der Uganda im Süden teilt, nicht zu überhitzen und ihre Körpertemperatur besser regulieren zu können. Je länger die Hörner, desto größer das Statussymbol für den Besitzer. Ganze Kleinkriege wurden schon angeführt, weil man sich um den Besitz dieser Rinder stritt!

Kampala

Der Hügel der Antilopen, wie der Name der Hauptstadt aus Luganda übersetzt bedeutet. Kampala ist auf insgesamt sieben Hügeln erbaut und zur damaligen Staatsgründung wurde der Haupthügel von einigen, domestizierten Impalas (Schwarzfersenantilopen) beweidet.

Kampala ist bunt, laut und voll. Anders kann ich es nicht sagen – aber auf eine interessante Art und Weise, nicht negativ! Wir verbringen die Zeit hier damit durch die Stadt zu spazieren, die Eindrücke auf uns wirken zu lassen und ein paar Erledigungen für die anstehende Hochzeit zu machen, auf der wir eingeladen sind. Aber dazu später mehr.

Ein Eindruck war für mich besonders interessant und bleibend: Wir waren buchstäblich die einzigen weißen Menschen im ganzen Land. Also vermutlich waren da noch mehr, aber wir sind auf der gesamten Reise keinem anderen begegnet. Nicht, dass ich mich damit unwohl gefühlt habe oder Hautfarbe jemals für mich ein Thema oder überhaupt ein Gedanke war (nachdem meine riesengroße Familie auf der ganzen Welt mindestens einmal im Jahr um eine weitere Nationalität wächst ♥), aber es war bleibend.

Mzungu (Aussprache: Musungu) stammt aus dem Swahili und bedeutet wörtlich übersetzt „Wanderer / jemand, der ziellos umherwandert“, aber man sagt das auch zu Menschen mit weißer Hautfarbe. Überall wo wir sind oder sogar nur im Auto durchfahren, hören wir vor allem Kindern laut MZUNGU! MZUNGU! schreien und mit dem Finger auf uns zeigen – meistens aus Freude oder freudiger Überraschung! Menschen mit weißer Hautfarbe bedeuten: Touristen, Geld, oft Süßigkeiten oder andere Spenden. Wie und ob das moralisch okay ist oder Touristen sich anders verhalten sollten, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten. Aber auch nicht immer ist es Freude …

Wir fuhren im Nordosten des Landes – an der Grenze zum Südsudan – und erhielten kurz vorher die Information eine bestimmte Straße zu meiden (die deutlich schneller ist und wir eigentlich gefahren wären), weil wenige Stunden zuvor AK47-bewaffnete Rebellenkriege begannen, die nicht selten auch in gewalttätigen Entführungen von Touristen enden, sollte sich doch mal ein Auto hierher verirren. Wie gesagt: Als einzige Weiße in Sichtweite, waren wir ziemlich leicht als Touristen identifizierbar. Also fuhren wir eine andere Straße, die so wenig eine Straße war, dass nicht einmal Google Maps sie als Feldweg anerkannte. Nachdem die Dichte menschlicher und tierischer Population immer weiter abnahm und die der Vegetation immer weiter zunahm, beschlossen wir im nächsten Dorf anzuhalten und zur Sicherheit nochmal nach dem Weg zu fragen – buchstäblich mitten im Nirgendwo! Da wir noch Reste vom Mittagessen übrig hatten, fragte ich das Dorfoberhaupt, ob ich sie den Kindern geben dürfe. Er war sehr glücklich darüber und nickte meine Frage ab. Ich bemerkte schon die ganze Zeit, dass wir den Kindern nicht ganz geheuer waren, denn sie starten uns völlig irritiert und mit offenem Mund an. So ging ich zum Auto und holte das Essen.

Als ich auf die Kinder zuging, rannten sie alle weg. Sogar das Dorfoberhaupt musste etwas schmunzeln und kam mir zur Völkerverständigung zur Hilfe. Er übersetzte den Kindern, dass in den Päckchen Essen sei und sie es essen können. Mir wiederum erklärte er, dass die Kinder heute zum ersten Mal in ihrem Leben einen weißen Menschen sehen. Wow! Sie trauten mir immer noch nicht und wollten nicht näherkommen, weshalb ich die Essenspäckchen auf halbem Weg auf einem Fahrradsattel ablegte und wieder zurück zum Auto ging, um genügend Abstand zwischen uns zu kreieren und sie das Essen nehmen würden. Das Dorfoberhaupt sagte ihnen erneut, dass sie bitte zugreifen sollen … aber bis zu unserer Abfahrt blieb es unangetastet. Ich weiß bis heute nicht, ob irgendjemand das Essen auch nur angefasst hat oder ob es bis heute auf diesem Fahrradsattel liegt und zu einem Mzungu-Museum wurde.

Bahá’í Haus der Andacht

Das kontinentale Bahá’í Haus der Andacht in Afrika befindet sich in Kampala, Uganda. Es steht also völlig außer Frage, dass wir dorthin fahren möchten, wenn wir schon einmal hier sind! Die wenigen Stunden Zeit, die wir hatten, bevor wir von Kampala aus durchs Land losfuhren, waren leider nicht genug für einen Besuch. Wir beschlossen also, dies nach Rückkehr von unserer Rundreise zu machen – allerdings mit flauem Gefühl im Magen: Am 16. November 2021 verübte der IS zwei Terroranschläge auf die Innenstadt Kampalas. Zu diesem Zeitpunkt waren wir zwar gerade weit weg im Nordosten des Landes, aber trotzdem hinterließ es ein ungutes Gefühl im Magen. Allen Statistiken zum Trotz. Wir nahmen uns fest vor, nach Ankunft in Kampala so schnell wie möglich in unsere Unterkunft zu kommen, Menschenmassen und vor allem die Innenstadt zu meiden. Unser Flug weiter nach Namibia ging in der nächsten Nacht um 3:00 Uhr morgens und so würden wir uns nur zu absoluten Un-Stoßzeiten an kritischen Orten aufhalten …

Wir fuhren nach Kampala ein und in der Ferne, etwas erhöht auf einem der Hügel sah ich das Haus der Andacht. Ich konnte nicht anders als zu fragen, ob wir nicht doch kurz dort vorbeifahren können – wohlwissend hatte Andreas es jedoch bereits fest eingeplant. Durch wenig befahrene und umso schlechtere Hinterhofstraßen bahnten wir uns unseren Weg.

… und es war das Beste, das wir hätten machen können. Sobald wir dort waren (und die außerordentlich gründliche Sicherheitskontrolle passiert hatten: das Auto unten stehen, die Kamera im Auto lassen und nichts weiteres als ein Gebetbuch und ein Handy mitnehmen) machte sich ein beruhigendes Sicherheitsgefühl in uns breit, das unseren Puls nach all den verrückten Ereignissen und Unwohlsein sofort wieder auf Normalnull sinken ließ. Von Weitem hörten wir bereits den Chor üben, in den Gärten lernten Studenten aller Religionen und wir verbrachten schöne Momente mit Freunden aus Uganda.

Mit einer ganz besonderen Botschaft nach Deutschland verabschiedete sich der Chor von uns:

Unabhängigkeitsdenkmal

Uganda erlangte seine Unabhängigkeit von England nach etwa 100 Jahren am 9. Oktober 1962. Trotz der Unabhängigkeit musste das Land aber danach noch einige Diktatoren (vor allem Idi Amin 1971 – 1979) und blutige Massaker überstehen, was Ugandas Geschichte noch reicher machte – leider eben negativ. Von gewalttätigen, schweren Menschenrechtsverletzungen, bürgerkriegsartigen Zuständen und wirtschaftlichen Niedergängen versucht sich das Land noch bis heute zu erholen. Aber auch bis heute kommt es leider noch zu oft zu Menschenrechtsverletzungen und internen militärischen Auseinandersetzungen. Innenpolitisch ist Uganda – wie wir vor Ort mehrfach direkt mitbekamen – instabil: Verschiedene Bevölkerungsgruppen oder bewaffnete Rebellen bekriegen sich untereinander und das zuletzt auch, weil die Regierung sehr korrupt ist und das Land spaltet.

Hier ein paar Daten und Fakten, die ich persönlich sehr spannend und vielsagend finde:

  • Fragile State Index: 92,8 von 120 (weltweiter Rang: 24 von 178)
  • Demokratieindex: 4,94 von 10 (weltweiter Rang: 98 von 167)
  • Freedom in the World: 34 von 100 (Freiheitsstatus: nicht frei)
  • Pressefreiheit: 41,19 von 100
  • Korruptionswahrnehmungsindex: 27 von 100 (0 = sehr korrupt, 100 = sehr sauber)

Als wir etwas weiter unterhalb vom Unabhängigkeitsdenkmal standen – an der Statue des ersten Präsidenten Ugandas, Sir Edward Frederick William David Walugembe Mutebi Luwangula Mutesa II. (Fun Fact: Sie ist das teuerste Denkmal im ganzen Land.) – wurden wir auf einmal sehr schroff von bewaffneten Militärs gebeten, umgehend diesen Platz zu verlassen. Etwas irritiert liefen wir die Straße weiter runter und blieben dort stehen, wo die meisten anderen stehen blieben. Dann begann das Spektakel: Der Präsident von Uganda, Yoweri Kaguta Museveni, begleitet von einem der größten Militäraufgebote, die ich jemals kumuliert gesehen habe, fuhr an uns vorbei. Die gepanzerten Autos bestückt mit gepanzerten Soldaten, massiven Maschinengewehren und Granatenwerfern; auf dem Dach des Präsidentenautos eine überdimensionale 360-Grad-Kamera und mehrere Straßenzüge gleichzeitig abgesperrt von weiteren bewaffneten Soldaten in Vollmontur … zum einen muss der Präsident wirklich „beliebt“ sein, wenn er solch einen Personenschutz benötigt und zum anderen sieht man, wohin die meisten (Oder alle?) Steuergelder fließen.

Das Denkmal im Herzen der Stadt stellt einen Mann dar, der ein Kind von Bandagen entkleidet, die er selbst noch trägt und es in die Höhe hebt, um den Himmel zu berühren. Die Skulptur steht für ein neu geborenes Land, das von Kolonialismus und Knechtschaft befreit ist.

Nationale Moschee von Uganda

Der ehemals libysche Staatschef Muammar Gaddafi gab diese Moschee zur Ehrung einer seiner Partnerinnen (eine Muslima aus Uganda) als Geschenk an Uganda und zum Nutzen der muslimischen Bevölkerung in Auftrag. Er bezahlte für alle entstandenen Baukosten. Aus diesem Grund ist sie seit Fertigstellung 2007 auch bekannt unter dem Namen Gaddafi National Mosque. Nach dem Tod Gaddafis wurde sie im Jahr 2013 in Nationale Moschee von Uganda umbenannt, da die neue libysche Regierung „nicht bereit war, die Moschee unter dem alten Namen instand zu halten“.

Die Führung in der Moschee ist wirklich sehr interessant und man erhält spannende Einblicke – kann ich wirklich empfehlen! Am Eingang, an dem man auch sein Ticket inkl. Führung mit lokalem, muslimischem Guide kauft, werden Frauen und Männer noch entsprechend eingekleidet, wenn sie es nicht bereits sind: Männer tragen einen Kaftan, Frauen werden verschleiert. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich kleine Feministin immer ein großes Problem damit habe, mich verschleiern zu lassen, wie auch schon z.B. zuvor auf Bali. Aber auf der anderen Seite möchte ich jedem Menschen und jeder religiösen Stätte mit Respekt gegenübertreten und das bedeutet eben auch manchmal den eigenen Stolz Zuhause zu lassen. Mein Highlight der Moschee ist das Minarett: Auf 50,5 Metern Höhe kann man von oben die ganze Stadt überblicken!

Ziwa Rhino Sanctuary

Etwa 180 km nördlich von Kampala auf dem Weg zu den Murchison Wasserfällen, liegt das Ziwa Nashorn Schutzgebiet – der einzige Ort in ganz Uganda, in dem es wilde Nashörner gibt. Bis in die 1970er Jahre war Uganda weltweit für seinen hohen Bestand an Breitmaulnashörnern bekannt – leider. Denn seit den 1980ern waren aufgrund kommerzieller Wilderei und mangelnden Gesetzen absolut keine Breitmaulnashörner mehr vorhanden. In Uganda ware sie buchstäblich ausgestorben. Zwischen 2001 und 2006 wurden insgesamt acht Breitmaulnashörner ins Land gebracht, zwei in einen Zoo und die anderen sechs bildeten den Grundstein des Ziwa Projektes. Heute sind aus diesen einst sechs Nashörnern 32 geworden!

In Begleitung einer der Ranger, begibt man sich zu Fuß durch den Busch auf der Suche nach den Nashörnern. Wir laufen etwa eine Stunde, bis wir eine der Gruppen finden. Es war zwar nicht ganz so sehr Spurensuche und Abenteuer wie im Matobo Nationalpark in Simbabwe, aber trotzdem eine sehr schöne Erfahrung. Auf dem Weg dorthin wird uns viel erklärt, Fragen beantwortet und ein Einblick in die Aufzucht und den Schutz der Nashörner vor Ort gegeben. Wirklich toll, was hier alles geschieht!

Ziwa kommt aus dem Swahili und bedeutet: Die Frau vom See. Warum das Schutzgebiet diesen Namen trägt, konnte ich bisher nicht herausfinden, aber falls ich das noch tue, werde ich diese Information auf jeden Fall noch in diesen Blogpost einfügen.

Ugandas Wappentiere sind der Kob, eine Antilopenart, und der Kronenkranich – beide Tiere haben wir unter anderem hier gesehen! Der Kob symbolisiert die Tierwelt des Landes und der Kronenkranich das Land selbst. Beides wunderschöne Tiere und ich kann definitiv verstehen, warum sie das Wappen zieren.

Murchison Falls Nationalpark

Der Murchison Falls Nationalpark hat seinen Namen vom gleichnamigen Wasserfall, der vom Nil gespeist wird. Je nach Quelle gilt er als der Wasserfall, der die größte Masse an Wasser pro Sekunde über einen Quadratmeter schießt – und somit laut lokalen, unbestätigten Angaben der mächtigste Wasserfall der Welt ist. Er ist nur sieben Meter breit, aber bis zu 42 Meter tief. Weil viele Fische den Sturz nicht überstehen, lauern am Fuße des Wasserfalls jede Menge Krokodile und genießen ihr Festmahl – ebenfalls laut lokalen, unbestätigten Angaben: die größte Krokodilpopulation Ugandas.

Mit einer Fläche von 350.000 Hektar ist der Murchison Falls Nationalpark das größte Wildtierreservat Ugandas und beheimatet vier der „Big 5“ – lediglich das Spitzmaulnashorn kommt hier leider aufgrund von Wilderei nicht mehr vor. Zusammen mit den angrenzenden Reservaten Karuma und Bugungu erstreckt sich das Gebiet der Murchison Falls Conservation Area auf einer Fläche von über 5.000 Hektar. Der Park und die Conservation Area liegen auf 600 bis 1.300 m Höhe.

Schönheit und Biodiversität des Parks wurden in den frühen 1900ern bereits erkannt und Teile des Gebiets unter Naturschutz gestellt. Unter anderem weil die Tse-Tse-Fliege dort sehr aktiv ist und war. Dadurch ist die Schlafkrankheit ein allgegenwärtiges Thema und die britischen Kolonialherren evakuierten das ohnehin schon dünn besiedelte Gebiet in den 1930ern. Dies wiederum war gut für die Natur und gab ihr erneut ausreichend Ruhe und Abgeschiedenheit, um so ursprünglich und unangetastet zu bleiben, wie es teilweise heute noch den Eindruck erweckt. Mit Idi Amin kam leider die Wilderei und Korruption auch in diesen Teil des Landes. Elefanten, Löwen, Leoparden und andere Tierarten wurden zuhauf mit Maschinengewehren abgeschlachtet, um ihr Fell und Elfenbein zu erbeuten. Die Bestandszahlen der Elefanten fielen von 14.309 Exemplaren im Jahr 1973 über 6.030 im folgenden Jahr auf nur noch 2.246 im Jahr 1975. Auch das gesamte Vorkommen der Spitz- und Breitmaulnashörner wurde ausgerottet. Zusätzlich herrschten bis Ende der 1990er Jahre schwere Bürger- und vor allem Rebellenkriege in dieser Region und der Park war nahezu wildtierfrei. Während sich die Flora bereits sichtlich erholt hat, arbeitet die Tierwelt noch daran.

In Uganda gibt es insgesamt neun Nationalparks und sechs Wildreservate. Nahezu jeder von ihnen litt entweder unter Bürger- und Rebellenkriegen und/oder Idi Amin. Heute versucht das Land die noch zu rettenden Überbleibsel so gut es geht am Leben zu halten und wieder aufzubauen – leider nicht immer mit Erfolg, weil sie teilweise zu kurzfristige und falsche Entwicklungshilfe leisten. Der Viktoriasee überwucherte beispielsweise mit Wasserhyazinthen, was die Regierung mit dem Einsetzen von 70-80 kg schweren Nilbarschen nachhaltig unter Kontrolle zu bringen versuchte. Dies führte aber wiederum dazu, dass zahlreiche endemische Fischarten ausgerottet wurden.

Der wohl bekannteste Nationalpark Ugandas ist der Bwindi Impenetrable-Nationalpark mit seinen Schimpansen und Berggorillas an der Grenze zu Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Eine Trekking-Erlaubnis ist sehr teuer und da wir gerade erst unsere deutschen Jobs gekündigt haben, um in die Welt hinauszuziehen, entschieden wir uns schweren Herzens dies auf einen nächsten Besuch zu verschieben. Außerdem haben wir dadurch einen wirklich guten Grund, wieder zurückzukommen und unsere Negativ-Erfahrungen durch noch mehr Positive zu ersetzen. Zusätzlich hatten wir dadurch die Möglichkeit mit dem gesparten Geld Teile des Landes zu erkunden, die noch nicht viele Menschen gesehen haben und wir vielleicht sogar ausgelassen hätten. Mit unserer Entscheidung sind wir also wirklich zufrieden!

Der Park ist wunderschön und die Biodiversität ist unglaublich hoch – so in der Theorie. Leider wurden im Park Ölvorkommen entdeckt … Die chinesischen Bauherren ließen sich das wohl nicht zwei Mal sagen und verwandelten den Park mal eben in eine Baustelle. Eine zweispurige, geteerte Autobahn führt mittlerweile durch das Herz des Parks und es ist kein Wunder, dass sich die meisten Tiere im Schutz des Waldes oder im hohen Gras verstecken. Überall liegt Baustellenmüll, leere Zementsäcke und der Geräuschpegel der großen Trucks, die viel zu schnell durch den Park heizen, ohne Rücksicht auf Tiere nahe/auf der Straße zu nehmen, ist furchtbar. Ich werde niemals verstehen können, warum wieder einmal ein Naturschutzgebiet und teilweise letzter Zufluchtsort für Wildtiere zerstört wird, für nichts anderes als Geld und Macht. Es ist schrecklich. So schrecklich, dass ich kaum Fotos der Baustellen machte, weil ich nur sprach- und regungslos beobachtete.

Die Teile des Parks, die aktuell noch verschont wurden, sind wirklich schön: Savanne, Trockenwald, tropische Waldgebiete, Graslandschaften und Papyrussümpfe mischen sich untereinander und formen die Landschaft. Jackson-Kuhantilopen, Büffel, Oribis, Kobs, Elefanten und neben vielen anderen Tierarten begleiten uns sogar Rothschild-Giraffen durch den Park.

Der Nil

Der Nil fließt nicht nur durch Uganda, sondern ist aufgrund seiner Bedeutung für das Land sogar Teil des Wappens. Mit fast 7.000 Kilometern Länge gilt er als der längste Fluss Afrikas – oder sogar der Welt! Die Diskussion darüber, ob der Nil oder der Amazonas nun länger ist, hält noch an. Auch die Diskussion darüber, wo er denn jetzt genau seine Quelle hat: In Uganda steht ganz klar fest, dass die Quelle des Nils in Jinja ist, eine Stadt im Süden des Landes. Anderen Quellen zufolge entspringt er den Bergen Ruandas und Burundis. Der Nil durchfließt neben Uganda, Ruanda und Burundi noch den Südsudan, den Sudan, Tansania, Ägypten und mündet dann ins Mittelmeer.

Der Teil des Nils, der durch Uganda fließt, ist der Weiße Nil – neben dem Blauen Nil einer der beiden Hauptflüsse des Nils. Im Vergleich zum Blauen Nil hat er ein fünfmal so großes Einzugsgebiet und ist etwa 2,5-mal so lang, wie sein blauer Bruder. Aus diesem Grund wird er meistens als eigentlicher Nil bezeichnet.

Vom Murchison Falls Nationalpark aus kann man verschiedene Touren auf dem Nil unternehmen – mit einem Boot, einem Kajak oder auch zu Fuß. Leider wurde unser Boot aufgrund der geringen Belegung gegen eine Nussschale ausgetauscht und da ich absolut kein Wasserfan bin, haben Andreas und ich uns schweren Herzens gegen diese Aktivität entschieden. Da sie aber bereits bezahlt war und wir keine Chance hatten, unser Geld wieder zu kriegen, baten wir unsere Freude diese Tour bitte für uns zu unternehmen – denn wir wussten genau, was kommt: Dorothy würde einen Heiratsantrag erhalten! Dieser spezielle Ort wurde dafür ausgesucht, weil es schon immer ein Kindheitstraum von ihr war, eine Bootstour wie diese zum Fuße der Murchison Wasserfälle zu unternehmen und sie diese nun zum ersten Mal unternehmen würde. Spoiler Alert: Sie sagte JA!

Kidepo Valley National Park

Oh Kidepo Valley Nationalpark! Wow! Einfach wow!

Die schroffe Wildnis des Kidepo, der abgelegenste Nationalpark Ugandas, zählt meiner Meinung nach zu den schönsten und am wenigsten erforschten Reisezielen Afrikas – wundert mich auch nicht, denn der Weg dorthin ist … holprig und lang. Der Park befindet sich im Nordosten Ugandas und die Fahrt von Kampala aus mit dem Auto dauert locker 10, eher 14 Stunden. Der Park bietet aber auch fly-ins an, sodass man mit dem Flugzeug deutlich entspannter ankommt.

Vor wenigen Tagen erst musste ich schmunzeln, weil ich einen so schönen Grund dafür gefunden habe, warum ich mir so viel Zeit nahm, diesen Blogpost zu schreiben: Ein älteres Ehepaar (Mitte 80) war bei uns in der Lodge zu Gast, in der ich in Südafrika arbeite. Nach einer wirklich schönen Elefanten-Begegnung hier vor der Tür, kam ich mit ihnen ins Gespräch über Begegnungen, die sie bereits mit Elefanten hatten. Eine wirklich Umwerfende hatte der Herr Anfang der 1990er mit einem Elefanten in Uganda, im Kidepo. Daraufhin erzählte ich ihnen, dass ich jetzt erst neulich dort war! Sie waren völlig überrascht, weil ich tatsächlich der erste Mensch bin, auf den sie treffen, der jemals dort war – und dann auch noch so kürzlich erst! Mit Tränen in den Augen fragten sie mich, wie der Park mittlerweile aussähe, ob er sich wenigstens ein wenig von Idi Amin erholt hätte und ob sich die Anzahl der Tiere schon etwas erhöhen konnte. Anfang der 1990er sahen sie im gesamten Park drei Elefanten, elf Büffel und nur eine kleine Hand voll Giraffen und es brach ihnen das Herz, weil sie damals schon das Potential dieses Parks erkannt haben, wenn man nur endlich der Natur den Vortritt lässt. Überglücklich zeigte ich ihnen Fotos, Videos und versuchte in meinen Erzählungen keine Details auszulassen. Als sie abreisten und sich verabschiedeten sagten sie: „Danke, dass Du uns eine Frage beantwortet hast, die uns seit 30 Jahren auf dem Herzen und der Seele brennt. Zu wissen, wie sich der Park entwickelt hat, ist vermutlich das Highlight unserer letzten 30 Jahre!“ Und ich fühle es. Auch für mich war es ein wahres Highlight, Augenzeugenberichte von vor 30 Jahren zu hören und jetzt mit eigenen Augen sehen zu dürfen, wie sich dieser Park von all seinen Schrecklichkeiten erholt und entwickelt hat.

Über 77 Säugetier- und etwa 475 Vogelarten leben inmitten einer 1.500 Hektar großen, nahezu unberührten Savannenlandschaft, die von den Flüssen Kidepo und Narus mit Wasser versorgt wird.

Kaum ein Tourist verirrt sich aufgrund der schlechten Erreichbarkeit und Abgeschiedenheit in diesen Teil des Landes, der an den Südsudan und Kenia angrenzt. Auf etwa 2.700 Metern Höhe wechseln sich Trockensavanne und beeindruckende Bergmassive damit ab, Dich ins Staunen zu versetzen. Warum ich diese ganzen Superlative verwende? Weil der Park es verdient hat! Wow. Auch noch nach vier Monaten schwebe ich auf Wolke 7, wenn ich an Kidepo denke. Dadurch, dass dieser Park weder oft von Touristen besucht wird noch wirklich bewohnbar ist, fühlt man sich nicht nur weit entfernt von jeglicher Zivilisation und künstlichem Licht, sondern ist es auch.

Solch große Büffelherde habe ich vorher noch nie gesehen!

In den Park darfst Du nur in Begleitung eines bewaffneten Park-Rangers der Uganda Wildlife Authority fahren. Er fährt den ganzen Tag in Deinem eigenen Auto mit und kann Dir einige Fragen zum Park und den Tieren beantworten, nachdem Du ihn an einem der Ranger-Außenposten abgeholt hast. Warum sie im Auto bewaffnet sein müssen, habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden, aber so will es wohl das Gesetz in Uganda. Vielleicht hat das in diesem Teil des Landes auch eher mit Rebellenkriegen an den Grenzen zu tun als mit den Tieren.

Gerade als wir unseren Ranger abholten und unseren ersten Game Drive im Park starten wollten, stießen wir auf diese beiden Schabrackenschakale und Liebe war in der Luft! Irgendwie war den ganzen Tag Liebe in der Luft und in wenigen Wochen und Monaten wird der Park wohl mit neuen Babys verschiedenster Tierarten gesegnet 😉

Diesen lustigen Baum möchte ich Euch nicht vorenthalten: Kigelia Africana – oder besser bekannt als: Leberwurstbaum. Wie die bekannte, deutsche Kochwurst hängen die Früchte von den Ästen, woher der Leberwurstbaum auch seinen kuriosen Namen hat. Essen solltest Du seine Früchte aber auf keinen Fall! Für Menschen sind sie höchst giftig. Nur in äußersten Notzeiten wurden die Samen geröstet verzehrt, um Hungersnöte zu überbrücken. Außerdem werden sie manchmal fermentiert und zusammen mit ihrer Schale als Würze für traditionelles afrikanisches Bier genutzt. Großen Säugetiere wie Elefanten und Giraffen dienen sie allerdings als reguläre Nahrungsquelle. Auch Paviane können die harte Schale knacken und das Fruchtfleisch ohne Probleme verzehren. Üblicherweise dienen die Früchte, aber auch die Rinde und Wurzeln des Leberwurstbaumes, zur Herstellung von traditionellen Heilmitteln: Diese werden in weiten Teilen Afrikas auf Märkten verkauft und sollen zum Beispiel gegen Rheuma, Bandwürmer, bei Geschwüren oder Wunden helfen. Auch die Anwendung gegen Hautkrebs ist verbreitet. Wissenschaftlich ist eine heilende Wirkung allerdings noch nicht nachgewiesen. Im südlichen Malawi schreibt man den Früchten darüber hinaus eine ganz besondere, mystische Wirkung zu: Einer alten Legende zufolge beschützt die Frucht des Leberwurstbaumes das Zuhause vor Wirbelstürmen, wenn Du sie in einer Ecke Deines Hauses aufhängst. Da Du aber in Deutschland kaum Angst vor Wirbelstürmen haben musst, kannst Du die bis zu 10 Kilogramm schwere Frucht getrost liegen lassen und musst Dir keine Sorgen um Übergepäck machen.

Im Kidepo Nationalpark fährt man kaum einen Meter, ohne nicht eine Vielzahl von Tierarten zu sehen: Antilopen, Katzen, Elefanten, Büffel … dieser Park lässt wirklich kaum einen Wunsch offen. Grüßt ihn bitte ganz herzlich, sollte einer von Euch mal dorthin fliegen oder fahren!

Sipi Falls

Aqua Sipi! – Willkommen in Sipi!

Der Sipi Wasserfall, etwa fünf bis sechs Autostunden von Kampala entfernt, besteht aus drei Wasserfällen, die alle auf verschiedenen Höhenmetern liegen. Er ist benannt nach dem Fluss Sipi, der wiederum seinen Namen von einer bananenstauden-ähnlichen Pflanze aus der Umgebung hat: Sep. Der zweite Wasserfall – mit 69 Metern Gefälle – ist bekannt unter dem Namen Simba (der Löwe), der Dritte – mit 87 Metern Gefälle – unter dem Namen Ngasire (die Bedeutung dieses Wortes versuche ich gerade noch herauszufinden) und der erste Wasserfall hat ein beeindruckendes Gefälle von ca. 100 Metern.

Die Wasserfälle sind üblicherweise der Beginn einer mehrtägigen Wanderung zum erloschenen 4.321 m hohen Vulkan Mount Elgon. Da wir leider nicht so viel Zeit im Gepäck hatten – und vorab auch leider gar nichts von dieser Wanderung wussten -, machten wir lediglich eine Halbtageswanderung zu den Wasserfällen und der umliegenden Region. Die Wanderung auf fast 2.000 Höhenmetern ist nicht ganz unanstrengend und festes Schuhwerk ist auf jeden Fall zu empfehlen, da die unbefestigten Wege durch die Gischt der Fälle sehr rutschig sind. Die Wanderung jedoch ist jede Schweißperle wert!

Durch Arabica-Kaffeeplantagen, Bananenstauden, Zwiebelfelder und weiteren Anbaugebieten schlängelt sich der Weg langsam nach oben. Kaffee ist Ugandas Hauptexportgeschäft und hier legt er tatsächlich nur ein paar Meter vom Feld, über die Röstung und bis in die Tasse zurück. Frischer geht’s nicht! Der Geruch in der Luft, während wir über die Felder wandern, ist unbeschreiblich. Mmmhh …

Der Ausblick von jedem einzelnen der Wasserfälle ist unglaublich schön und ich kann mich gar nicht entscheiden, welcher mich am meisten beeindruckt hat. Auf der Hälfte angekommen, erreicht man eine Art Plateau und hat das Gefühl in einer völlig anderen Welt zu sein. Irgendwie steht hier oben die Zeit still. Ein wahrer Happy Place.

Die Temperaturen sind im Vergleich zum Rest des Landes zu jeder Jahreszeit relativ mild. Morgens und abends zog ich immer einen Pullover und lange Hosen an.

Solltet ihr jemals in der Gegend und auf der Suche nach einem sehr guten Guide sein, meldet euch! Sam hat einen sooo tollen Job gemacht, weiß sehr viel, ist sehr umsichtig, in diesem Ort geboren und aufgewachsen, spricht die lokale Sprache, kennt fast jeden und ist obendrein noch sehr lustig. Er versorgte uns mit einer lustigen Geschichte nach der anderen, z.B. Folgende: Diese Pflanze wird – auch heute noch – oft anstelle von Toilettenpapier benutzt. Sie ist sehr weich und riecht gut. Als Kinder haben Sam und seine Cousins sie ab und zu mit Chili eingerieben, bevor ihr Vater oder Onkel auf Toilette ging …

Bevor wir es uns abends alle zusammen mit einem Sundowner auf einer nahe gelegenen Klippe gemütlich machen, erfüllt mir Champion noch einen Herzenswunsch: Ich pflanze einen Baum. Auf all meinen Reisen versuche ich nach Möglichkeit nicht nur nachhaltig und umweltbewusst ein Land zu erkunden, sondern auch einen grünen Fußabdruck zu hinterlassen. Einen einzigen Baum zu pflanzen wird unsere Welt noch nicht retten, aber mittlerweile sind es schon deutlich mehr als nur einer und wenn das nur einen weiteren Menschen inspiriert das Gleiche zu tun, naja … beeinflussen wir irgendwann alle zusammen die Welt ein bisschen positiver. Darf ich euch meinen kleinen Avocado-Baum vorstellen? Er hat die Koordinaten 1°20’10.1“N 34°22’02.2“E – falls jemand dort in der Ecke ist, lasst mich doch bitte wissen, wie weit er schon gewachsen und ob die Kinder vor Ort schon davon essen können 🙂

… und dann genossen wir die letzten Momente in Sipi.

Mbale / Traditionelle Hochzeit

Jede Hochzeit in Afrika ist anders, genau wie jede Hochzeit in Europa oder Asien anders ist. Als wir die Einladung zu einer Hochzeit in Uganda erhielten, war ich sofort Feuer und Flamme: Wieder in eine neue Kultur eintauchen und sie hautnah aus erster Reihe erleben – YAY!

Streng genommen wurden wir aber nicht auf eine Hochzeit eingeladen, sondern auf eine Art Verlobungsfeier. Im Brauch dieser Kultur in Uganda stellt jeweils die Braut ihren Bräutigam ihrer Familie und ihrem gesamten Dorf vor und andersrum. Wir waren im Dorf der Braut eingeladen. Je nach Wohlstand der Familie fällt die Feier größer oder kleiner aus, aber prinzipiell muss die Familie das gesamte Dorf einladen, mit Essen und Trinken versorgen und für einige Stunden unterhalten. In der Zwischenzeit werden Abgeordnete der Familie in einen Raum eingeschlossen und verhandeln die Mitgift – das kann ebenfalls Stunden dauern.

Die Gäste treffen sich vor den Toren des Anwesens (in unserem Fall ein sehr großes Anwesen, da die Familie der Braut sehr reich und politisch stark involviert ist), um gemeinsam als Autokolone einzufahren. Dort angekommen werden wir nach Familie der Braut und Familie des Bräutigams sortiert, da diese beiden Familien zunächst getrennt voneinander auf dem gleichen Grundstück feiern. Wir dürfen erstmal essen. Wie immer probiere ich von allem etwas und wie immer war das nicht die klügste Idee, weil ich endlich mal akzeptieren sollte, dass mein Magen nicht alles in einem Dritte-Welt-Land verarbeiten kann. Naja, aber ich bin eben neugierig.

Nach dem Essen heißt es dann: Warten. Und weiter warten, denn die Verhandlungen um die Mitgift sind noch nicht abgeschlossen. Am Ende enthält die Mitgift Geld, viele Kühe und weitere Details, die leider unter Verschluss gehalten werden. Während der Bräutigam nur stillschweigend dabei sitzt und nicht sprechen darf, befindet sich seine Braut im Haus ihrer Eltern und macht sich fertig.

Die Verhandlungen sind nach etwa vier Stunden endlich vorbei und der Hauptteil des Events beginnt. Hierfür nehmen alle Familienmitglieder der Braut bereits auf der linken Seite des Pavillons Platz und alle Angehörigen des Bräutigams reihen sich – Männer getrennt von den Frauen – auf, um nacheinander einzulaufen und auf der rechten Seite Platz zu nehmen. Beim Einlaufen wird laute Musik gespielt und jeder Angehörige des Bräutigams erhält eine kleine Stoff-Ansteckblume von den Brautjungfern der Braut als Willkommensgeschenk überreicht.

Wie lange das Programm, die Tänze, Gebete und Gesangseinlagen am Ende gingen und was danach passierte, kann ich Euch leider nicht sagen, weil wir schon wieder weiter mussten, um nicht zu lange im wirklich verrückt gefährlichen Verkehr Ugandas bei Nacht zu fahren.

Danke Diana und Israel, dass wir Teil Eures besonderen Tags sein durften!

Jinja

In Jinja machten wir auf dem Rückweg von der Hochzeit nur einen kurzen Stopp für eine Nacht, um die Fahrt nach Kampala zu verkürzen und eben nicht zu lange im Dunkeln fahren zu müssen. Da hier nach lokalen Aussagen die Quelle des Nils ist, ist Jinja ein sehr von Tourismus erschlossener Ort. Aber mehr kann ich leider wirklich nicht zu dieser Stadt sagen, da wir buchstäblich im Dunkeln ankamen und am nächsten Morgen nach dem Frühstück wieder weiterfuhren.

Webale, Mukwano! – Danke, mein Freund! Ich werde wieder kommen.

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