Victoria Falls

Mosi-Oa-Tunya, der Donnernde Rauch (The Smoke that Thunders)

Die nächsten 340 km (abzüglich der ersten 120 km bis zur Teerstraßenkreuzung in Dete) von Binga aus vergehen, verglichen mit dem Hinweg, wie im Flug. In Victoria Falls angekommen, müssen wir uns erstmal wieder an Menschen gewöhnen, da wir bis zu diesem Zeitpunkt in jeder Lodge die einzigen zwei Gäste waren. Wobei viel ist hier auch nicht los. Die Lodge, in der wir schlafen, hat 73 Zimmer, von denen – wir inklusive – nur drei belegt sind.

Wir beschließen diesen Abend etwas touristischer, aber nicht weniger schön und entspannend mit einer Luxury Cruise auf dem Zambezi River, der in die Victoria Wasserfälle mündet, ausklingen zu lassen. Ich bin eigentlich wirklich kein großer Fan von Wasser, aber auf diesem ruhigen Fluss habe ich mich ziemlich wohl gefühlt.

Für den nächsten Morgen haben wir uns fest vorgenommen, sehr früh aufzustehen, um noch vor Sonnenaufgang an den Wasserfällen zu sein, deren Gischt wir von unserem Zimmer aus sehen können. Mosi-oa-Tunya, der donnernde Rauch. Sehr passend! Noch im Dunkeln stehen wir am Parkeingang und können es kaum glauben: Die nächsten 2,5 Stunden werden wir tatsächlich die einzigen zwei Gäste im gesamten Park sein! Wir witzeln zwar schon die gesamte Reise darüber, wie wohlhabend und dekadent wir doch seien, dass wir jede Lodge und jeden Park ganz für uns alleine buchen, aber ich muss schon sagen, dass mir dieses Land (wie so viele andere Länder auch, die vom Tourismus abhängig sind) wirklich leid tut. Wer sich unsicher ist, eine Reise nach Simbabwe zu buchen, dem sei gesagt sein: Dieses Land ist bereit! Auf wirklich allen Ebenen und mit allen Coronavorschriften.

Auch hier an den Wasserfällen kann man klar erkennen, dass die letzte Regenzeit ein wirklicher Segen war, denn man sieht genau nichts. Nichts außer einer tosenden Flut Wasser, die kaum als solche zu erkennen ist, sondern mehr einer großen Rauchwolke ähnelt. Zurzeit tosen hier pro Sekunde (!) 3.500 Kubikmeter Wasser runter, während es in ruhigeren Zeiten lediglich 300 Kubikmeter sind. Trotz der nicht vorhandenen Sicht haben wir jede Menge Spaß und werden allein von der Gischt, die auf uns runter regnet, binnen weniger Minuten klatschnass. Aber es ist schließlich nur Wasser und die Temperaturen steigen, sobald die Sonne aufgeht.

Gut, dass Livingstone damals in der Trockenzeit hier ankam, sonst hätte er dieses Wunderwerk der Natur mit Sicherheit nicht entdeckt.

Wenn man nicht gerade im Mai da ist, sondern eher Juli/August und der Wasserstand nicht mehr ganz so hoch ist, hat man auch eine deutlich bessere Sicht – wie bei uns, ein Jahr später:

Zum Mittagessen gehen wir in die Victoria Falls Safari Lodge, bzw. den Victoria Falls Safari Club, und ich muss sagen, das Essen war wirklich unglaublich lecker. So lecker, dass ich es hier direkt erwähnen möchte. Abgesehen von der Tatsache, dass ich seit etwa einem Jahr nicht mehr wirklich auswärts gegessen habe und das allein schon ein Highlight für mich ist, ist das Essen geschmacklich überaus empfehlenswert.

Empfehlenswert ist aber vor allem das Geier-Restaurant (Vulture Culture), das hier jeden Tag um 13:00 Uhr öffnet! Nein, hier werden keine Geier serviert. Moses geht jeden Tag in Begleitung von denjenigen Gästen, die möchten, um immer die gleiche Uhrzeit, an immer den gleichen Ort und wirft ein paar Fleischstücke auf den Boden. In Sekundenbruchteilen sammeln sich zahlreiche Geier um das Fleisch, die vorab schon in den Bäumen und am Himmel auf Moses warteten. In Summe ist es gerade einmal so viel Fleisch, dass es für die Menge an Geiern lediglich ein kleiner Appetizer ist; sie werden hiervon definitiv nicht satt. Warum tut er das und warum finde ich es trotzdem gut, dass wilde Tiere „gefüttert“ werden? Moses möchte die Aufmerksamkeit auf ein sehr großes Problem lenken: das Geiersterben.

Das Aussterben jeder beliebigen Art in einem Ökosystem wird dessen komplexe Zusammenhänge negativ verändern und schwächen – aber einige Arten spielen eine so einzigartige und wichtige Rolle, dass ihr Aussterben katastrophal wäre. Mehr als vielleicht jede andere Vogelfamilie würden Geier – diese missverstandenen, aber lebenswichtigen Müllmänner und -frauen der Vogelwelt – mit ihrem Aussterben das gesamte Ökosystem massiv durcheinanderbringen. Und doch wird diese Gefahr leider immer realer: Auf dem afrikanischen Kontinent wurden mittlerweile sieben der elf Geierarten an den Rand des Aussterbens gedrängt, mit Rückgängen zwischen 80 und 90 Prozent in den letzten 50 Jahren. Die Ursachen für diese schwindende Population sind unterschiedlich, aber Vergiftungen haben sich als die vielleicht schwerwiegendste Bedrohung herausgestellt. In den letzten Jahren gab es eine Flut von verheerenden Vergiftungsfällen. Bei einer einzigen dieser Aktionen starben alleine in Botswana 537 Geier auf einmal! Gäbe es keine Geier mehr in unseren Ökosystemen, die sich um totes, verwesendes Fleisch kümmern, würden Krankheiten wie Covid-19 in Zukunft nur eines der vielen Probleme für uns werden.

Gründe für das Vergiften gibt es, wie gesagt, leider einige: In manchen südafrikanischen Kulturen werden Körperteile von Geiern für verschiedene Rituale genutzt; legt man nachts ein Geiergehirn unter sein Kopfkissen, so werden einem die nächsten Lottozahlen vorhergesagt; Wilderer vergiften diese Tiere auch gerne, weil sie klar erkennbare Zeichen am Himmel für Kadaver sind und sie so schneller auffliegen könnten. Es ist schrecklich.

Danke, Moses, dass Du Tag für Tag Bewusstsein schaffst.

Die Fütterung ist kostenlos, aber Trinkgeld gerne gesehen und wohl verdient.

Andreas geht einfach nicht aus dem Kopf, dass ich die Wasserfälle (in seinen Augen) im Mai 2021 nur so kläglich gesehen habe und nicht in deren vollen Pracht. Also beschließt er, das zu ändern:

Puuuhhhh … was soll ich sagen?! Meine eigenen Fotos mit der Kamera sind, bis auf eins, vor Aufregung so schlecht geworden, dass ich Euch in der folgenden Galerie die Aufnahmen von Andreas zeige, der zum Glück Fotos und Videos gemacht hat.

Einen weiteren tollen Ausblick auf die Wasserfälle bietet die Brücke selbst! Da man streng genommen Simbabwe verlässt und sich auf internationalem Boden befindet (nicht in Sambia, denn der dazugehörige Grenzposten befindet sich noch weiter hinter der Brücke), vergiss Deinen Reisepass nicht. Ich wurde zwar noch nie danach gefragt, aber die Möglichkeit besteht, dass man ihn abgeben und später wieder abholen muss.

Eröffnet 1905, wurde der Bau der Brücke vor Ort von einem 27-Jährigen Chefingenieur begleitet. Mit einer Gesamtlänge von fast 200 Metern und einer Höhe von 128 Metern (Fun Fact: Sie ist genau so hoch wie die Staumauer in Kariba), verbindet dieses Meisterwerk aus Stahl die beiden Länder Simbabwe und Sambia.

Abenteuerlustige kommen hier auch auf ihren Geschmack: Von Bundgee Jumping, über Wildwasser Rafting bis hin zu Flying Fox wird hier eine Menge geboten.

High Tea im berühmten Victoria Falls Hotel fällt diesmal weniger dekadent aus als üblich, denn mit uns ist nur noch ein weiteres Pärchen dort. Wir trinken trotzdem einen Rock/Malawi Shandy und genießen diese spektakuläre Aussicht. Das Hotel wurde ursprünglich 1904 für die Arbeiter an der Kapstadt-Kairo-Eisenbahnlinie (Rhodes großer Traum) gebaut und ist heute eines der luxuriösesten Hotels Afrikas.

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