Roadtrip durch das südliche Namibia

Eine der schönsten Reisen, die ich bisher machen durfte, war definitiv dieser Roadtrip durch das südliche Namibia! Damit ihr euch einen ersten Überblick machen könnt, ist hier unsere Route:

Für allgemeine Informationen, Tipps und Tricks klickt euch einfach durch die anderen Post durch oder schreibt mir gerne.

Gereist sind wir im Dezember bis rein in den Januar des Folgejahres – insgesamt etwa drei Wochen. Ich empfehle auf jeden Fall: Je mehr Zeit man einplant, desto besser. Wir hatten nicht nur die schönsten Sonnentage, sondern tatsächlich auch noch das Glück eine der größten Regenzeiten der letzten Jahrzehnte mitzuerleben – in den meisten Fällen sogar so, dass es gerade aufhörte zu regnen, als wir ankamen und die Landschaft in den schönsten Farben des Regenbogens schimmerte. Wenn es in Namibia regnet, reagieren die Menschen anders als in Deutschland: Sie tanzen aus ihren Häusern, können nicht aufhören zu lächeln und sich zu freuen und werden sehr kreativ beim Entwickeln neuer Wassersportarten. Es ist ein Fest! Vor allem, wenn es so viel regnet wie in dieser verfrühten großen Regenzeit 2020/2021.

Das passende Auto – einen Toyota Hilux – mitsamt Dachzelt und vollständiger Campingausrüstung buchten wir (nicht zum ersten und definitiv nicht zum letzten Mal) bei Hubert und seiner Frau Lola. Eine absolute Herzensempfehlung! Hubert und Lola sind unglaublich unkompliziert und mindestens genauso zuverlässig. Zusätzlich sind sie preislich die Günstigsten, die wir gefunden haben. Geht also nicht besser! Grüßt sie lieb, wenn ihr bei ihnen bucht. Am besten meldet ihr euch mit eurer Anfrage direkt unter: iti07553@afol.com.na

        

Insgesamt betrug unser Roadtrip etwa 3.000 Kilometer Wegstrecke und fast 36 Stunden reine Fahrtzeit. Für diese Strecke verbraucht das Auto ca. 350 L Diesel – bei unserer ökologisch wertvollen Fahrweise (die teilweise auch den verkehrsleeren Straßen geschuldet war) sogar weniger als 300 L!

So ein Dachzelt ist im Übrigen sehr einfach auf- und wieder abgebaut. Wer noch nie in einem geschlafen oder damit gereist ist, muss sich wirklich keine Sorgen machen. Mein erster anleitungsfreier Auf- und Abbau (alleine) hat nur wenige Minuten gedauert (und wurde dann natürlich mit jedem Mal – und zu zweit – schneller und koordinierter) :

Zu zweit ist man aber trotzdem noch am Schnellsten 🙂

Wer noch nie außerhalb Deutschlands (und vielleicht auch Europas) gecampt hat, der wird sehr überrascht sein – positiv! Die meisten Campsites in Afrika bieten nur Platz für wenige Autos (es gibt schließlich auch weniger Reisende) und somit ist campen hier deutlich ruhiger, entschleunigter, entspannter und kontaktloser. Die Campsites sind deutlich schöner als die klassischen Europäischen, was nicht ausschließlich der sie umgebenden Landschaft geschuldet ist. Es ist ein Traum!

Ganz anders als in Europa, kosten die Übernachtungen auf Campsites in Namibia alle nur zwischen 80 – 250 NAD pro Person, Wasser und Strom (sofern vorhanden) inklusive. Wer nicht immer unbedingt campen will, für den bieten die meisten Campsites auch Unterbringungen in Lodges (entweder eine Art Hotelzimmer oder meistens sogar kleine, eigene Häuser mit Bad, Küche und allem, was man braucht) auf dem eigenen Gelände an.

Namibgrens

Die Reise hätte nicht schöner und besser starten können als in Namibgrens! Wir hatten das Auto noch nicht ganz geparkt als uns schon eine Horde bunter Hunde (Buchstäblich!) freudig schwanzwedelnd empfing. Familie Rabie betreibt die liebevoll gepflegte Anlage nun schon leidenschaftlich in vierter Generation. Da die Farm auf 1.850 m Höhe liegt, sind die Durchschnittstemperaturen 10 Grad kühler als in der sie umgebenden Wüste.

       

        

Unsere Campsite war das Mountain Camp 2. Das Tolle an genau dieser Campsite ist, dass wir den einen der Granitberge so im Rücken hatten, dass er uns bis morgens 09:30 Uhr kühlen Schatten spendete und wir wunderbar ausschlafen konnten.
Jede Campsite hat seine eigene Dusche, Toilette, kleine Küche und Braai-Area. Feuerholz kann man, wie an so ziemlich jeder Campsite, am Eingang für wenige NAD kaufen.

        

        

Noch etwas ganz Besonderes wartete an diesem Abend auf uns: Der Stern von Bethlehem! Nach 400 Jahren kamen sich die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems, Saturn und Jupiter, wieder so nahe wie lange nicht und erschienen optisch als ein großer Stern am Himmel! WOW! Als wir mit unserem Abendessen hoffnungsvoll auf einem der Granitfelsen saßen, gingen wir zunächst davon aus, dass wir kein Glück hätten, da es auf einmal sehr bewölkt wurde. Der nächste starke Windstoß fegte dann allerdings den Himmel klar (zumindest so klar, dass ich mit meinem Handy ein halbwegs okay-ishes Foto aufnehmen konnte, bevor sich die Erde weiter drehte und sich die Wolkendecke wieder verdickte) und da war er …

Hätten wir gewusst, wie schön die Umgebung und die Campsite sind, hätten wir auf jeden Fall mehr Zeit als nur eine Nacht hier verbracht. Die Umgebung bietet viele wunderschöne Wanderungen und einfach Raum um hervorragend zu entspannen oder die Seele baumeln zu lassen! We will be back …

Über den Spreetshoogte-Pass fahren wir weiter nach Solitaire, um den weltberühmten Apfelkuchen zu probieren. Den Pass runter empfiehlt es sich auf jeden Fall im Low Range zu fahren, um die Bremsen des Auots zu schonen.

        

        

Die Fahrt ist wirklich spektakulär schön! Aber das ist auch wirklich jede Fahrt hier in Namibia.
Der Apfelkuchen der Moose McGregor Desert Bakery in Solitaire ist leider schon ausverkauft als wir ankommen. Trotzdem ist diese kleine Tankstelle, knapp 80 Kilometer vor Sesriem, einen Abstecher wert.

        

        

        

Sesriem (Deadvlei / Sossusvlei)

Zwei von Namibias berühmtesten Highlights, die Dune 45 in Sossusvlei und das Deadvlei, sind nur wenige Kilometer von Sesriem entfernt. Die Sesriem NWR Campsite ist zwar nicht ansatzweise so charmant und schön wie Namibgrens (sie ist eben auch staatlich geführt und nicht in privater Hand), aber sie ist die am nächsten zum Parkeingang Gelegene, an sich sauber und die Mitarbeiter freundlich. Jede Campsite hat einen eigenen großen, schattenspendenden Baum, einen eigenen Wasserhahn und einen eigenen Stromanschluss; Bäder und Spülbecken sind gemeinschaftlich. Die Anbieter versuchen den Müll zwar zu trennen, aber die Böden der Tonnen sind leider teilweise so kaputt, dass der Müll entweder rausfällt und durch die Gegend weht oder eben direkt in einer der anderen Tonnen entsorgt werden muss, um eben genau das zu vermeiden.

        

Der Namib Naukluft Park ist mit ca. 50.000 km² das größte Schutzgebiet Namibias. Das Wort „Vlei“ kommt aus dem Afrikaans und bedeutet „Pfanne / Senke“. „Sossus“ wiederum kommt aus der Sprache der Nama und steht für „blinder Fluss“ – der Name Sossusvlei spielt auf den Tsauchab-Fluss an, dessen Wasser (wenn er denn mal welches führt), bereits auf dem Weg zur Pfanne vollständig versickert, ohne jemals (wieder) den Atlantik zu erreichen. In Sossusvlei gibt es nur wenige bis keinen Tag Wasser pro Jahr und dann nur, weil es angeschwemmt wird, nicht weil es dort regnet. Anfang Januar gab es aber tatsächlich das historische Ereignis: Regen in Sossusvlei! Was ein besonderes Schauspiel …

        

Die bis über 300 m hohen Sanddünen in Sossusvlei und Deadvlei sind die höchsten Dünen der Welt. Die Höchste von ihnen, die „Big Daddy“, sollte am besten früh morgens bestiegen werden. Der Aufstieg ist nicht gerade unanstrengend, dauert je nach Verfassung eine bis zwei Stunden und die 300 Höhenmeter auf Sand laufend sollten nicht unterschätzt werden. Es lohnt sich aber sehr und der Ausblick von oben ist atemberaubend! Aber auch von der Dune 45 und ihren 170 Höhenmetern hat man einen wunderschönen Sundowner-Spot. Der Sand dieser Düne ist im Übrigen fünf Millionen Jahre alt.

       

Dune 45

Auf der Düne ist es sehr windig und weil ich keine Tasche für meine Kamera dabei hatte, knirscht sie leider auch nach mehreren Wochen noch bei der Benutzung und freut sich sehr auf eine Sensorreinigung, sobald die Fotofachgeschäfte wieder öffnen dürfen.

        

Vom Gate aus sind es exakt 45 Kilometer zur Dune 45 und insgesamt 60 Kilometer nach Deadvlei. Der Name „Dune 45“ kommt aber übrigens nicht von den 45 Kilometern Entfernung, sondern daher, dass sie vom Atlantik aus gesehen, die 45. Düne ist. Wer zum Sundowner nicht mehr so weit fahren oder hoch klettern möchte, dem empfehle ich die Elim Dune nur wenige Kilometer hinter dem Gate. Sie ist ganz anders schön als die Dune 45 und deutlich einfacher zu erklettern.

        

        

Der Park um Deadvlei und die Dune 45 öffnet (im Sommer) von 05:15 bis 20:30 Uhr und darf nicht früher betreten oder später verlassen werden. Das sollte man auf jeden Fall einplanen, wenn man zum Sundowner in den Park fährt oder den gesamten Tag dort verbringen möchte.

Die Straße vom Parkeingang bis wenige Kilometer vor Deadvlei ist seit wenigen Jahren komplett geteert und traumhaft zu befahren. Fünf Kilometer vor dem Eingang zu Deadvlei endet diese Straße allerdings. Wer kein 4×4 hat, kann sein Auto hier abstellen und sich von einem der Shuttle die letzten Kilometer fahren lassen. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen mit einem nicht-geländefähigen Auto hier entlang zu fahren – die Fahrt endet schnell und teuer.

        

        

Ab hier sind es dann nochmal 30 bis 45 Minuten Fußmarsch, bis man in Deadvlei ankommt. Früh aufstehen lohnt sich wie immer sehr, denn nicht nur der Sonnenaufgang über Deadvlei und Big Daddy ist wunderschön, sondern es wird auch wieder sehr schnell sehr heiß und ein Spaziergang im Sand ist meist anstrengender als man es sich zunächst vorstellt. Die Morgende in der Wüste sind oft verhältnismäßig kalt, also denkt dran, einen Pullover einzupacken.

        

        

Wer Big Daddy besteigen will, sollte dies direkt ab dem Parkplatz machen und den Markierungen folgen – vom Vlei direkt aus, ist es sehr sehr sehr (…) sehr anstrengend … trust me. Been there, tried that.

         

Big Daddy

        

        

Namtib

Nachdem wir in Sesriem unsere (Dach)Zelte abbrachen, ging es weiter gen Süden zu unserer anderen Lieblingscampsite: Namtib, ein 164 km² großes Biosphärenreservat im Herzen der Tirasberge. Namtib ist ebenfalls eine inhabergeführte Campsite (und Lodge) und hat für deutsche (vor allem süddeutsche) Reisende ein ganz besonderes Ass im Ärmel: Selbstgemachte Spätzle! Und sie sind richtig, richtig lecker! Dazu verkaufen sie verschiedene Varianten Oryx-Fleisch, das sie selbst für den Eigenbedarf jagen, und Milch von den eigenen Kühen. Mhm!

        

Das Little Hunter’s Rest hat nur sechs Stellplätze und liegt mitten in der Wüste. Hier gibt es weder Handyempfang noch Strom (Strom und Wifi gibt es aber an der Mainlodge für wenige NAD). Perfekt, um einfach mal wieder ein paar Tage anzukommen (wie gerne wären wir auch hier länger geblieben … ). Die Bäder und Spülmöglichkeiten sind wunderschön und sehr sauber. Auch hier merkt man eben sofort, dass die Inhaber ihre Unterkünfte und das gesamte Reservat mit viel Liebe und Leidenschaft pflegen.

        

        

        

„Der Name „Little Hunter’s Rest“ kommt von dem historischen Hintergrund des Gebietes auf dem sich der Zeltplatz befindet. Artefakte und Überbleisel längst vergangener Zeiten, die wir unter den großen Kameldornbäumen gefunden haben, weisen darauf hin, daß Jäger der San (Buschleute) hier oft gerastet haben.“, so die Inhaber.

        

Wir verbringen die Weihnachtsfeiertage hier und noch nie war Winter, Weihnachten und unangenehme Realitäten (COVID-19) so weit entfernt, wie an diesem Ort.

Danke, Namtib!

       

Mit uns campt auch noch ein anderes deutsches Paar auf Namtib: Tanja und Armin – ebenfalls aus dem südlichen Deutschland! So können wir es uns natürlich absolut nicht nehmen lassen, den ersten Weihnachtsfeiertag gemeinsam mit Spätzle und Oryx-Gulasch zu feiern. Eine neue Tradition ist geboren…

Wären die Sonneuntergänge auf Namtib nicht so wunderschön, wären sie einfach zu perfekt, um wahr zu sein. Im Tal zwischen zwei Bergen geht exakt in der Mitte auf exakt einer abgebrochenen Bergspitze die Sonne unter. Fast schon zu kitschig … aber eben nur fast.

        

Schweren Herzens packen wir unser Zelt zusammen und fahren weiter …

Klein-Aus Vista

… wobei es uns die nächste Campsite einfach macht, Namtib nicht allzu sehr zu vermissen. Klein-Aus Vista liegt von Namtib aus vor Lüderitz und Kolmanskop (Kolmannskuppe). Die Site ist umgeben von schönen Mountainbike Trails und Wanderwegen. Piet, der Inhaber, fährt selbst leidenschaftlich gerne Mountainbike und rockt jedes Jahr erneut die 373 Kilometer des Extrem-Radrennen Desert Dash von Windhoek bis nach Swakopmund. Die Campsite und Lodges gehören zur Gondwana Collection, deren Unterkünfte wir bisher auch alle sehr mochten. Kein Vergleich zu NWR!

        

       

Klein-Aus Vista hat einen kleinen, sauberen Pool, eine schöne Pool Area mit ausreichend Liegestühlen und frischen Handtüchern, ein leckeres Restaurant und sehr sehr sehr leckere Rock Shandys. Neben Schmuck und Büchern, kann man im Shop am Eingang selbst- und handgemachte Chips oder andere Kleinigkeiten aus der Region kaufen. Die Gemeinschaftsbäder und Spülbecken sind sehr sauber und jede Campsite hat seine eigene Braai-Area mit Tisch und Bänken. Auch hier hat es uns gut gefallen, auch wenn vorerst nichts mit Namtib und Namibgrens mithalten kann 🙂 Weil wir noch so viele Spätzle und Oryx-Geschnetzeltes übrig haben, gibt es direkt noch ein zweites Festessen. Ist ja schließlich noch Weihnachten, ne?!

        

Für die Nutzung der Wanderwege zahlt man eine kleine Park-Fee im Shop oder direkt in bar in eine kleine Kasse, die dort ausliegt. Über einen der Wege gelangt man dann zum berühmten 100 x 150 m großen Stone Horse – hmm … die Strecke dorthin ist sehr schön und auf jeden Fall eine kleine Wanderung wert. Das Steinpferd an sich ist okay, aber für mich nur halb so beeindruckend wie die Landschaft und die echten Tiere, die wir auf dem Weg dorthin gesehen haben.

        

        

        

        

        

        

Lüderitz / Lüderitzbucht

Nach nun mehr als einer Woche nicht-Zivilisation, Wüste und nahezu Allein-Sein freuen wir uns doch ein bisschen, mal wieder in eine Stadt zu kommen. Dachten wir zumindest.

Auf der Fahrt nach Lüderitz fahren wir am ersten kleinen Geisterhaus vorbei, das uns einen Vorgeschmack auf Kolmanskop gibt.

Die Gegend um Klein-Aus Vista ist berühmt für seine wilden Pferde und auch wir haben Glück! Wobei der Kerl nicht mehr ganz so wild zu sein scheint oder zumindest sehr an Autos und Menschen gewöhnt ist, denn er wollte ganz offensichtlich ein paar Leckereien abstauben. Allerdings ist es nicht nur verboten wilde Tiere zu füttern (auch für die Locals – man darf ihnen lediglich bei Bedarf Wasser und Minerallecksteine zufüttern), sondern auch noch sehr schädlich für die Tiere. Selten wird ihnen Nahrung aus Autos gefüttert, die so in ihrer natürlichen Nahrungskette vorkommt und so kann es gut sein, dass man dadurch den Tieren nicht nur schadet, sondern sie sogar umbringt. Davon abgesehen, dass es schon sehr gefährlich für sie werden kann, wenn sie so an Autos gewöhnt sind, dass sie ihnen auf offener Straße entgegen laufen. Bitte haltet die Augen offen bei der Fahrt – aber das gilt für das gesamte Land, jede Straße und alle Tiere.

        

Lüderitz hat 12.500 Einwohner und liegt als Hafenstadt am Atlantischen Ozean. Gegründet wurde diese Stadt am 12. Mai 1883 … gegründet? Im Jahr 1883 legte ein deutscher Kaufmann aus Bremen mit seinem Schiff in dieser Bucht an der südwestlichen Küste Afrikas an. Durch Betrug erwarb er Stück für Stück Land von den Einheimischen, das im darauffolgenden Jahr als Grundstein der deutschen Kolonialherrschaft diente. Bis vor etwa 100 Jahren war Namibia nämlich noch eine deutsche Kolonie und hieß Deutsch-Südwestafrika. Der deutsche Kaufmann heißt Adolf Lüderitz und die Bucht trägt bis heute noch seinen Namen. Aufgrund der Diamanten und Bodenschätze war Lüderitz eine lange Zeit sogar die reichste Stadt Afrikas und eine der reichsten Städte der Welt! Mehr darüber erfahrt ihr gleich beim Thema Kolmanskop.

       

[Side Note: Leider würde es den Rahmen sprengen, an dieser oder einer andere Stelle in meinem Blog ausführlicher über die Deutsche Kolonialzeit zu schreiben. Beschäftigt man sich intensiver mit der deutschen Vergangenheit des Landes, wird schnell klar, dass Namibia viele und gute Argumente dafür hat, sich seiner geschichtlichen Vergangenheit zu stellen und die nationale Identität zu stärken. So erhalten nun die nach deutschen Berühmtheiten oder Feldherren der Kolonialzeit benannten Straßen, Schild für Schild ein neues Leben und werden in historische Größen aus Afrika und vor allem natürlich aus Namibia umgetauft. Denn ein „Vater des Kolonialismus“, der für Leid, Mord und Zerstörung verantwortlich ist, verdient nun wirklich keine eigene Straße. Ich bitte euch aber, bis spätestens vor eurer Einreise nach Namibia ausreichend über die Deutschen Kolonien und Genozide zu lesen und euer eigenes Bewusstsein dieser Epoche gegenüber zu schärfen. Ja, Namibia hat wunderschöne Gebäude aus der Kolonialzeit, ja, in Namibia sprechen sehr viele Menschen fließend Deutsch und ja, in Namibia kann man sehr viele deutsche Produkte kaufen, aber ja, man sollte sich auch bewusst sein, warum.]

Wir übernachten im Kratzplatz bei Familie Kratz, einem sehr liebevoll gestalteten B&B im Herzen der Stadt. Die Familie ist ausgesprochen nett, aber trotzdem entscheiden wir uns spontan dafür, auf nur eine Nacht zu verkürzen, weil uns einfach unser Dachzelt und die herrliche Einsamkeit abseits der Zivilisation fehlt. Wir sind eben doch beide große Fans von trockener Hitze und weniger Menschen. Bevor wir zurück in die Wüste fahren, spazieren wir jedoch noch durch die bunte Stadt (oder besser gesagt: lassen uns vom Wind durch die Gassen pusten), vorbei an der Felsenkirche, den ein oder anderen Kolonialzeitüberbleibseln und fahren bis zum Diaz Point / Diaz Spitze.

        

Lüderitz hat weniger als einen Regentag im Jahr und dieser ist meist auch nur sehr kurz. Wie Monica Kratz uns erzählte, hatte sie den Regentag in 2020 verpasst, weil sie nur schnell etwas aus der Küche holen musste … in der Zwischenzeit war der Regen dann auch schon wieder vorbei. Dafür windet es in Lüderitz viel. Sehr viel. An 200 Tagen im Jahr weht es sehr stark und an den anderen Tagen … irgendwie auch. Nur eben nicht ganz so stark. Das merken wir auch spätestens am Diaz Point, als ich meine Augen kaum offen halten kann und Andreas‘ Hosentascheninhalt in Windeseile beim Herausholen seines Handys im Ozean verschwindet. Die 80 NAD verbuchen wir dann wohl unter Opfergaben an Poseidon. Oder so.

        

        

        

       

Kolmanskop / Kolmannskuppe

Keine 15 Kilometer von Lüderitz entfernt, in Richtung Klein-Aus Vista – wo wir spontan beschließen, die zweite Lüderitz-Nacht zu verbringen, weil es uns dort so gut gefiel – befindet sich die Geisterstadt Kolmanskop. Ja, sie ist so cool, wie sie auf Fotos aussieht. Optisch zumindest, denn geschichtlich ist sie nicht nur sehr faszinierend, sondern auch mal wieder traurig und teilweise schrecklich.

       

        

        

Die Geisterstadt ist das heutige Überbleibsel der Diamantenzeit um 1911. Hier lebten damals 300 erwachsene Deutsche mit ihren 44 Kindern. Jedes dieser luxuriösen Häuser hatte fließend Wasser, Strom und eine Telefonleitung. Es gab ein eigenes Krankenhaus, eigene Lehrer für die 44 Kinder, ein Casino, eine Kegelbahn mit eigenem Kegelverein, ein Turnverein, diverse und regelmäßig wechselnde Theater und Opern, einen Ballsaal, ein überdimensioniertes Salzwasserschwimmbad, täglich frische Limonade, Eis für die Kühlschränke und alles, was das Herz sonst noch so begehrte. Denn alle 344 deutschen Einwohner durften das Gelände (auch aus Angst vor Diamantenschmuggel) nicht einfach so wieder verlassen. Diese beispiellose Stadtentwicklung ploppte innerhalb von nur zwei Jahren aus dem Boden. Trinkwasser und Lebensmittel wurden aus dem 1.000 Kilometer entfernten Kapstadt angekarrt. Geld spielte hier absolut keine Rolle und so wurden sogar die Maschinen und das gesamte Baumaterial für die Häuser und Infrastruktur aus Deutschland angeschippt. Im Krankenhaus von Kolmanskop wurde sogar der erste Röntgenapparat Afrikas installiert! Sicherlich auch deshalb, um die Arbeiter auf verschluckte Diamanten zu kontrollieren … sie waren wirklich kreativ. In einem Zimmer des Hauptgebäudes ist dazu heute eine Ausstellung.

Weil außer uns niemand dort war, durften wir sogar (in Anwesenheit des Guides) kegeln!

        

        

        

        

        

        

Gegenüber der pompösen Kolonialhäuser lebten auf engstem Raum in lagerhallenartigen Gebäuden und ohne 24/7-Bespaßung 800 Ovambo, die die Diamanten schurften. Die Arbeiter wurden aus Sicherheitsgründe in regelmäßigen Abständen „ausgewechselt“. Bevor sie jedoch das Gelände verlassen durften, mussten sie 14 Tage in Quarantäne. In dieser Zeit wurde ihnen Abführmittel eingeflöst und ihre Toiletten mit Sieben ausgestattet, um auch ja keinen Diamanten ungesehen nach draußen schmuggeln zu lassen.

        

Da die Diamanten aus dem Meer angespült werden, muss man dafür nur auf bis zu 5 m Tiefe suchen. Aus 10 Tonnen Sand konnten damals ein bis zwei Karat Rohdiamanten (0,2 – 0,4 Gramm) und bis zum Ersten Weltkriegs eine Tonne Diamanten (5 Millionen Karat) geschürft werden. Aber nein, wir haben keine Diamanten gefunden. Falls doch, so darf man sie natürlich nicht einfach mit raus nehmen.

         

         

         

Kolmanskop öffnet morgens um 08:00 Uhr und schließt bereits um 13:00 Uhr, da die Diamantenmiene bis heute aktiv ist und dort gearbeitet wird. Montag bis Samstag sind die Führungen (auf Deutsch, Englisch oder Afrikaans) um 09:30 Uhr und 11:00 Uhr; Sonn- und Feiertags findet sie um 10:00 Uhr statt. Die Führung ist im Eintrittspreis inbegriffen und geht lediglich 45 Minuten. Ich kann sie wirklich von Herzen empfehlen!

Der Eintritt kostet 130 NAD pro Person.

        

        

        

        

        

        

        

        

        

Was ich auch empfehlen kann, ist um Punkt 08:00 Uhr am Gate zu stehen. Wir dachten zunächst, dass wir einfach hinfahren, eine halbe Stunde fotografieren und dann wieder gehen. Pustekuchen! Das Gelände ist so groß und interessant, dass man die gesamten Öffnungszeiten dort verbringen kann ohne sich zu langweilen.

Fish River Canyon: Hobas & Fish River Lodge

Eigentlich wollten wir die nächsten zwei Nächte auf den Campsites Boplaas und /Ai /Ais Hotsprings im /Ai /Ais-Richtersveld Transfrontier Park an der Grenze zu Südafrika übernachten. Eigentlich. Beide Campsites haben uns absolut nicht überzeugt und waren sehr „uncharmant“, woraufhin wir spontan beschlossen bis zur Hobas Campsite weiter zu fahren und unser Glück zu versuchen. Im Regelfall muss man keine der Campsites vorbuchen (und schon gar nicht während COVID-19), weil immer Platz ist. Aber so ganz kriegt man das deutsche Organisationstalent wohl nicht aus mir raus und ich bin zunächst etwas nervös. Wie sich herausstellt, ist meine Sorge völlig überflüssig und wir können natürlich noch völlig entspannt zwischen fast allen Campsites wählen. Hier gibt es wieder Strom und Wifi für wenige Dollar. Das Wifi ist allerdings nur semi-schnell und ähnlich stabil. Jede Campsite hat ein kleines Spülbecken; die Waschräume sind wieder gemeinschaftlich.

Mit dem Preis für die Übernachtung zahlt man auch direkt die Parkgebühr. Aktuell liegt diese bei 85 NAD pro Person.

        

Unsere Entscheidung, die beiden vorherigen Campsites zu skippen, stellt sich als immer besser heraus! Nicht nur, dass Hobas wirklich sehr gemütlich ist, der Sonnenuntergang mal wieder der absolute Wahnsinn war, sondern auch, weil die Hobas Campsite direkt am Fish River Canyon und nur 10 Kilometer vom schönsten Aussichtspunkt auf den Canyon entfernt liegt.

        

Und so fahren wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück direkt zum Canyon – ich bin so gespannt! Der Anblick verschlug mir die Sprache. MIR! Mehr als mehrere „Wow.“ kamen mir nicht über die Lippen und es fällt mir auch heute noch schwer, diese Tiefe, diese Weite und einfach diese Ausmaße und Dimensionen in Worte zu fassen!

Der Fish River Canyon ist mit 160 Kilometern Länge, 27 Kilometern Breite und 550 m Tiefe nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt. Wow. Unglaublich!

Man kann ihn in einem 5-tägigen Marsch bewandern, jedoch nur, wenn das Wetter und die Temperaturen mitspielen. Zu unserer Reisezeit ist der Abstieg (vor allem alleine) verboten, da es im Canyon tagsüber gerne über 50 Grad warm wird und Lebensgefahr droht. Aber diese Wanderung steht definitiv noch auf unserer Liste!

        

        

        

Das Jahr 2020 lassen wir ganz entspannt und ruhig in der Fish River Lodge auf der anderen Seite des Canyons ausklingen.

        

        

Eine wirklich wunderschöne Lodge am Kamm des Fish River Canyon, jedoch sind wir sehr froh, die vorherige Nacht auf der Hobas Campsite verbracht zu haben, denn der Ausblick auf den Canyon ist dort um Welten besser! Und wir vermissen unser Dachzelt. Aber die zwei Nächte Luxus, nicht kochen, nicht spülen und den Kaffee bis fast ans Bett bekommen zwischendurch genießen wir sehr 🙂

Happy New Year!

        

Quiver Tree Forest

Der Köcherbaum (auf Afrikaans: Kokerboom) ist ausschließlich im südlichen Afrika beheimatet, wo er meistens eher einsam an felsigen Hängen wächst.

        

        

        

Es gibt zwei Köcherbaumwälder in der Nähe von Keetmanshoop. Der eine Park, mit 250 – 300 Quiver Trees, ist offizielles Nationaldenkmal und grenzt an den „Spielplatz der Riesen“. Ursprünglich wollten wir an der angrenzenden Quiver Tree Forest Campsite übernachten, aber auch diesen Plan änderten wir kurzfristig. Als wir die Auffahrt hochfuhren, wurde ich bereits stutzig, als ich ein „Wir haben Cheetahs!“-Schild sah und wir beide spätestens, als wir die meterhohen Zäune warnahmen, die offensichtlich etwas Gefährlicheres als Antilopen in Schach halten sollten. Bevor wir voreilige Schlüssel ziehen und eventuelle Unwahrheiten verbreiten, wollten wir aber doch mal nachfragen. Wie uns der Inhaber sehr ruppig und unfreundlich erklärte, besitzt er mehrere Geparden. Diese seien ihm als Weisen gegeben worden, weil die Mutter gestorben sei, und er zog sie mit der Muttermilch seiner Hunde auf. Okay, spätestens jetzt ist uns klar, dass wir hier ganz schnell weg und auf gar keinen Fall auch nur einen Cent lassen möchten. Dann bietet er uns noch zusätzlich an, dass wir – im Preis inklusive – um 17:00 Uhr sogar der Fütterung beiwohnen dürfen … ein Schulterblick in das Gehege verrät mir, dass das ziemlich sicher keine artgerechte Fütterung ist: Überall liegen Plastik-Spielbälle und anderes Spielzeug herum. Wir lehnen dankend ab und fahren weiter zu einer Empfehlung von Tanja und Armin – die Mesosaurus Fossil Campsite, nur wenige Kilometer weiter.

Warum wir so schnell es geht weg wollten? Weil hier ganz offensichtlich nicht der Schutz und die Erhaltung einer wilden Tierart im Mittelpunkt stehen, sondern wirtschaftliche Gewinne mit wehrlosen Lebewesen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde die Mutter erschossen und ihre Jungen (*und Mädels) genommen, um Touristen anzulocken. Würde es ihm wirklich um Conservation gehen, so hätte er nicht für sehr viel Geld einen Zaun gebaut, der mindestens mehrere Generationen Cheetas in Gefangenschaft überstehen wird, und die Cheetahs in seine offizielle Marketingkampagne integriert. Würde es ihm wirklich um Conservation gehen, so dürften keine Touristen bei der Fütterung im Gehege sein und mit den Tieren spielen (wie wir abends noch von anderen Gästen auf der zweiten Campsite erfahren, die aus dem selben Grund wie wir das Weite suchten). Würde es ihm wirklich um Conservation gehen, so würde er ihr Futter in deren Gehege frei laufen lassen, sodass sie weiterhin jagen und keine pummeligen Hauskatzen werden (was sie leider sind, wie wir beim Wegfahren sehen, weil zwei der Tiere zufällig nah genug für mein Tele-Objektiv am Zaun sitzen). Wir ihr merkt, könnte ich noch kilometerlang über dieses Thema weiterschreiben, aber ich gebe euch noch viel lieber eine einfache Faustregel an die Hand.

Es ist nicht immer offensichtlich erkennbar oder einfach zu sehen und zu wissen, welche Einrichtung wirklich umweltfreundlich ist, aber hier sind drei Zeichen für euch, auf die ihr achten könnt: Wenn eine Einrichtung oder Anlage die Interaktion mit wilden Tieren zulässt (und sogar ermutigt), wenn sie wilde Tiere züchten oder mit ihnen handeln – FINGER WEG! Wenn auch nur eines dieser drei Merkmale zutrifft, hat dieser Ort mit 100%iger Sicherheit nichts mit Conservation zu tun und ihr tut den Tieren weder einen Gefallen noch etwas Gutes. Im Gegenteil.

        

Wir sind sehr froh über Tanja und Armins Empfehlung und finden uns wenige Kilometer später auf der Mesosaurus Fossil Campsite wieder. Für diese Entscheidung sollen wir auch direkt belohnt werden: Denn hier, ganz ohne zusätzliche Kosten oder Tierzurschaustellung, gibt es sogar einen noch größeren Köcherbaumwald! Mit etwa 5.000 Bäumen ist dieser Wald sogar der mit der höchsten Köcherbaumdichte im ganzen Land! Da kann die andere Campsite nun auch endgültig einpacken.

        

        

        

Das Bushcamp ist sehr spartanisch und inmitten des Waldes gelegen. Durch den Köcherbaumwald und die Steinformationen kann man entweder auf einer gekennzeichneten Strecke mit seinem 4×4 fahren oder, wie wir, spazieren. Die Inhaber bieten zusätzlich eine einstündige Führung durch die Welt der Fossilien an, die sehr gut und interessant sein muss, aber wir leider verschlafen haben.

        

        

        

        

Kgalagadi Desert

Die Kalahari ist streng genommen keine Wüste, sondern eine Dornstrauch- oder teilweise Trockensavanne. Weil es hier aber doch so viel Sand gibt, wird sie sehr häufig als Wüste bezeichnet. Der Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark ist ein 38.000 km² großer Nationalpark, der sich über Südafrika und Botswana erstreckt, Namibia ist leider (noch) kein Teil davon und mit Zäunen abgeschottet. Aber Teile der Kalahari erstrecken sich über den Osten Namibias und wir hatten die Ehre, sie nach den ersten (und kurz vor den nächsten) Regenschauern dieser Regenzeit zu sehen.

        

        

        

        

Zwei Nächte verbringen wir (als einzige Gäste) in der Kalahari Game Lodge. Die Farm der Lodge hat einiges an frei lebendem Wildlife zu bieten – unter anderem Kalahari-Löwen! Die Löwen sind allerdings in einem eigenen Teil des Parks, damit sich Gäste frei auf dem Gelände um die Mainlodge bewegen können.

        

Die Löwen leben frei, sie sind wild und ihr Territorium hat eine Fläche von ca. 500 km². Das Gelände ist groß genug für zwei gesunde Rudel: eines im Norden mit acht Tieren und eines im Süden mit sieben Tieren. Auch ihre Beute läuft frei herum und muss naturgemäß von ihnen gejagt werden. Wer Löwen sehen will, muss Glück haben, denn das Gelände ist groß genug, dass sie ausreichend Platz hätten, sich zu verstecken. Aber wir haben Glück! Und ich sogar richtig viel, denn es sind meine ersten Löwen auf afrikanischem Boden. Schwierig, dieses Gefühl wirklich in Worte zu fassen …

       

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

         

        

Diese beiden Ladies sind keineswegs sauer auf uns, sondern gähnen nur:

        

        

        

        

        

        

        

        

Ich meine … mein Gesichtsausdruck sagt alles, oder?!

Aber nicht nur die Löwen sind wunderschön und absolut faszinierend – so faszinierend und schön, dass ich oft genug vergesse Fotos zu machen. (Ich!) Wir sehen kleine Herden von Giraffen, verschiedene Antilopen, Reptilien, Vögel und dank des Regens auch Blüten und Pflanzen.

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

Unsere Reise neigt sich dem Ende zu und schweren Herzens machen wir uns auf den Weg zurück nach Windhoek. Eine Nacht verbingen wir noch in der Kalahari Anib Lodge (ebenfalls wieder aus der Gondwana Collection), weil der Regen zu stark ist, um im Dachzelt zu schlafen. Schade! Wie gerne hätten wir die Reise wieder im Zelt beendet. Aber das zeigt uns ja nur, dass diese Reise noch lange nicht beendet ist, sondern nur kurzfristig pausiert wird 🙂

Namibia: Allgemein

Wie und warum ich mich in Namibia verliebt habe und was eigentlich meine Geschichte mit Namibia ist, habe ich hier versucht in Worte zu fassen.
Um euch eine Reise nach und durch Namibia so einfach wie möglich zu gestalten, update ich allgemeine Tipps und Tricks für Namibia ebenfalls regelmäßig. Fragen, die darüber hinaus gehen, werde ich sehr gerne versuchen zu beantworten und dann ebenfalls (anonym) in diesem Post veröffentlichen.

In diesem Post erzähle ich euch ein bisschen Allgemeines über Namibia, über einzelne Orte oder Städte. Wie immer gilt: Ich freue mich über Fragen und Kommentare 🙂 Meine längeren Roadtrips möchte ich Dir in eigenen Post vorstellen, damit alles einigermaßen übersichtlich bleibt.

Namibia

Namibia beheimatet etwa 2,2 Mio Menschen. Das sind deutlich weniger Einwohner als Berlin hat und das auf einer Gesamtfläche von knapp 830.000 km², also etwa zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland. Mit einer Bevölkerungsdichte von 2,82 Einwohnern pro km² ist Namibia das am dünn besiedelste Land der Welt – nach der Mongolei.

Bis zu zwölf verschiedene Völker und Kulturen sind in Namibia einheimisch. Manche schon seit Anbeginn ihrer Ethnogenese, andere wiederum haben sich erst mit der Zeit angesiedelt. Die größte Bevölkerungsgruppe, mit etwa 50% Anteil an der Gesamtbevölkerung, sind die Ovambo, die ursprünglich aus dem nördlichen Teil des Landes stammen. Die anderen 50% bestehen aus Damara, Herero, Himba, Caprivier, San, Nama, Kavango, Coloureds, Rehoboter Baster und die weiße Bevölkerung, bestehend aus hauptsächlich Deutschen, die allerdings nur 6% der Gesamtbevölkerung ausmachen.

       

Von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1915) hieß Namibia noch Deutsch-Südwestafrika und litt unter den deutschen Kolonialherrschern. So sind die deutschen Kolonialherren unter anderem für den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts (an den Herero und Nama) verantwortlich. Weitere 70 Jahre musste sich Namibia als UN-Territorium durchschlagen, bis es 1990 endlich durch starken internationalen Druck seine Unabhängigkeit von Südafrika und seinen heutigen Namen erlangte. Bis heute haben viele Straßen deutsche Namen (und Schilder), es gibt ein Oktoberfest, Karneval und auch die Essiggurken aus Thüringen kann man im Spar um die Ecke einkaufen. Bisschen verrückt, aber man gewöhnt sich doch recht schnell daran – schließlich fühlt es sich irgendwie an wie Zuhause. In Windhoek zumindest. Reist man noch weiter in den Norden oder in den Süden des Landes, ist es auch ganz schnell vorbei mit Schwarzwälderkirschtorte und Birkenstocks. Windhoek ist nicht nur die Hauptstadt des Landes, sondern auch die Größte. Rundu, im Norden des Landes an der Grenze zu Angola, ist die zweitgrößte Stadt Namibias.

Aktuell belegt Namibia Platz 130 von 189 Staaten weltweit im Human Development Index. Seit seiner Unabhängigkeit hat das Land große Fortschritte gemacht, um die Armut zu bekämpfen, allerdings sind in kaum einem Land der Welt Reichtum und Armut so ungleich verteilt wie hier.

Die Währung in Namibia ist der Namibia-Dollar (NAD), allerdings kann auch überall mit südafrikanischen Rand (ZAR) bezahlt werden und sogar die Geldautomaten spucken öfter mal Rand aus – das ist völlig normal.

Offizielle Amtssprache ist Englisch, aber – wie bereits erwähnt – Deutsch ist weit verbreitet. Daneben werden noch Sprachen wie Afrikaans, Oshivambo, Otjiherero, Khoekhoegowab und viele weitere lokale Dialekte und Sprachen gesprochen.

Namibia ist zeitlich eine Stunde vor Deutschland und somit in der Zeitzone UTC + 2.

Windhoek / Windhuk

Windhoek ist nicht nur die Hauptstadt Namibias, sondern auch das politische, kulturelle, industrielle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Je nach Quelle wohnen in Windhoek zwischen 300.000 und 400.000 Menschen. Der Name „Windhoek“ ist abgeleitet aus dem Afrikaans und bedeutet „windige Ecke“. Die veraltete Schreibweise „Windhuk“, aus der Kolonialzeit, wird nicht mehr offiziell genutzt. Geographisch liegt Windhoek ziemlich genau in der Mitte des Landes und tatsächlich kreuzen sich hier auch alle Verkehrverbindungen von Nord nach Süd und von Ost nach West. Aufgrund der hügeligen Landschaft liegt der internationale Flughafen Hosea Kutako etwa vierzig Kilometer außerhalb der Stadt.

       

Windhoek ist eingefasst zwischen den Erosbergen im Osten, den Auasbergen im Süden und dem Khomashochland im Westen und Norden, die bis zu 2.000 Meter hoch sind und eine Ausdehnung der Stadt stark einschränken. Die Stadt liegt zwischen 1.625 und 1.725 Metern über dem Meeresspiegel. Bis heute sind in Windhoek zahlreiche Gebäude aus der Kolonialzeit zu finden und es ist auffällig, wie sauber die Stadt ist. Die Stadt bietet einige Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Christuskirche, den Tintenpalast (Sitz der Regierung), die „Alte Feste“, das Denkmal des deutschen Reiters sowie mehrere Museen und Galerien. Fast alle namibischen oder in Namibia tätigen Unternehmen haben ihren Sitz in Windhoek. Viele Firmen haben deutsch-namibische Eigentümer. Durch diese Konzentration wächst die Stadt kontinuierlich um fast 12.000 Menschen jährlich.

       

Während des Ersten Weltkrieges endete 1915 die deutsche Kolonialzeit in Windhoek und die Stadt wurde von südafrikanischen Truppen, die unter britischem Kommando standen, besetzt. Später wurde die Infrastruktur verbessert, Straßen geteert, die Wasserversorgung ausgebaut etc., während das Prinzip der Rassentrennung aus der Apartheid in Schulen und Krankenhäusern fortgesetzt wurde. Wie auch in Südafrika, wurden die schwarzen Einwohner immer wieder zur Umsiedlung gezwungen, was zu heftigen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen führte, die in den Jahren 1959 bis 1963 ihren Höhepunkt erreichten. Als Namibia 1990 die Unabhängigkeit von Südafrika erlangte, erlebte die Stadt einen starken Aufschwung in politischer, kultureller und touristischer Hinsicht und die Einwohnerzahl stieg rapide an.

Windhoek hat mittlerweile tatsächlich einen Zero Waste Store! Da kann ich natürlich nicht einfach nur dran vorbei laufen …

Tea Tasting mit meiner Schwester Mel im Zero Waste Store

       

Hast Du schonmal von „Fat Cook“ gehört? Das ist tatsächlich keine Beleidigung für übergewichtige Menschen, sondern eines der leckersten Dinge, die Du jemals essen wirst! Fat Cooks sind quasi frittierte Teigballen. Oft isst man sie nur in Sauce getränkt, aber auch nicht zu selten gefüllt mit z. B. Hackfleisch – mir läuft das Wasser im Mund zusammen! Kaufen kannst Du sie an jeder Straßenecke, aber die besten, die ich bisher gegessen habe, gab es in der Independence Avenue bei einem Café namens Nixon.

    

Jeden Samstag von 08:00 – 12:00 Uhr findet in Windhoek der wöchentlich Biomarkt „Green Market“ am Fuße der Stephanus Kirche, in Klein Windhoek. Hier findet man alles über schöne, handgefertigte Souvenirs, frisches Gemüse, leckere Backwaren oder einfach nur guten, frisch gebackenen Kuchen und leckeren Kaffee.

    

Für alle Biltong- und Fleischliebhaber habe ich noch einen besonderen Tipp in Windhoek: In der Grove Mall im EG gibt es einen kleinen Shop … sobald mir der Name wieder einfällt, lass ich es euch wissen!

Brandberg

Das Brandbergmassiv liegt in der Erongo-Region im Westen Namibias, etwa 90 km vom Atlantischen Ozean entfernt. Es umfasst eine Fläche von 760 km². Der Gebirgszug hat eine mittlere Höhe von 2.500 Metern und überragt seine Umgebung eindrucksvoll um etwa 2.000 Meter. Sein höchster Berg, der Königstein, ist mit seinen 2.573 Metern gleichzeitig auch der höchste Berg des gesamten Landes. Der Königsstein selbst kann bewandert werden, allerdings nur in den Monaten mit gemäßigterem Klima – also April bis September.

       

Der Name des 30 km langen und 23 km breiten Brandbergmassivs leitet sich von seinen leuchtenden Farben ab, die die untergehende Sonne auf die Bergkette malt – als würde der Berg in Flammen stehen. Die nächstgelegene Stadt ist Uis, die etwa 30 km entfernt ist und diverse Übernachtungsmöglichkeiten bietet. Wir haben direkt am Brandberg in der Brandberg White Lady Lodge in einem Baumhaus übernachtet. Aber auch das Zelten ist hier etwas sehr Besonderes, weil man beispielsweise mit etwas Glück aus der Dusche heraus die vom Aussterben bedrohten Wüstenelefanten beobachten kann.

        

       

Der Brandberg ist berühmt für seine zahlreichen Felsmalereien, von denen angeblich 50.000 Stück auf dem ganzen Berg zu finden sind. Einige dieser 2.000 bis 4.000 Jahre alten Malereien sind nur schwer zugänglich. Wissenschaftler sind sich heute sicher, dass die Malereien von den San (Buschmännern) stammen, die das Gebiet vor langer Zeit bewohnten. Neben Malereien von Kriegern oder Jägern findet man eine große Anzahl von verschiedenen Tiermalereien – ein wichtiger Hinweis darauf, dass es zu dieser Zeit reichlich Wildtiere gegeben haben muss.

         

        

        

Das bekannteste Felsbild, die White Lady, wurde 1917 vom deutschen Forschungsreisenden Reinhard Maack entdeckt, der als erster Europäer den Königstein bestieg. Er deutete die White Lady, eine 45 cm große Felsmalerei, als Kriegerin.

Jahre später, 1955, interpretierte dann der französische Priester Henri Breuil das Gemälde als weiße Frau, nachdem er die Figur mit einer griechischen Darstellung auf Kreta verglichen hatte. Obwohl Wissenschaftler heute davon überzeugt sind, dass das Gemälde einen männlichen Krieger oder Schamanen der San darstellt, blieb der Name „White Lady“ bestehen. Der Weg zur White Lady ist etwa fünf Kilometer lang und ein einheimischer Guide (Fragt nach Patricia, sie macht einen tollen Job!) begleitet alle Gäste, um weiteren Vandalismus an den Malereien zu vermeiden. Die Gemäldegruppe, zu der auch die White Lady gehört, muss mittlerweile durch schmale Gitter gesichert werden, die aber nicht die Sicht stören. Fotos mit Blitz sind verboten (und unnötig), weil die Gemälde dadurch zerstört werden. Es empfiehlt sich, die Wanderung direkt am Morgen zu machen, da es sehr schnell sehr heiß wird, sobald die Sonne scheint.

        

        

        

Das Brandbergmassiv haben wir im Zuge eines kleinen Roadtrips mit Swakopmund verbunden. Wir hatten viel Glück und konnten innerhalb von drei Tagen gleich zwei der drei Herden Wüstenelefanten sehen, von denen es weltweit insgesamt nur noch weniger als 300 Stück gibt.

        

        

        

        

Aber man kann nicht nur Wüstenelefanten bestaunen …

        

        

Swakopmund

Swakopmund ist mit etwa 34.000 Einwohnern die Hauptstadt der Erongo-Region. Die Stadt wird umgangssprachlich auch das „Activity Center of Namibia“ genannt, weil man nirgendwo sonst im Land als Tourist so viele verschiedene Dinge unternehmen kann. Ein Aquarium, Sanddünen-Boarding, Kajaking, Rundflüge, diverse Tagesausflüge, Quad-Touren und vieles mehr. So sehr ich verstehen kann, warum die Namibier ihr Swakopmund lieben (und vor allem um Weihnachten alle dorthin pilgern, um die Feiertage dort zu verbringen) und so sehr ich verstehen kann, warum viele Touristen diesen Ort so sehr mögen, so weit unten ist er „leider“ auf meiner Namibia-Liste. Allerdings nicht, weil es dort nicht schön und interessant ist, sondern nur, weil der Rest des Landes einfach so schön ist, sodass es Swakopmund überschattet 🙂 Und auch, weil ich nicht die Art Reisende bin, die gerne die klassischen Touristen-Aktivitäten unternimmt – völlig wertfrei!

Die Geschichte der Stadt beginnt mit der Ankuft des portugiesischen Seefahrers Bartholomäus Diaz auf namibischem Boden am Cape Cross im Jahr 1487, wo er ein Steinkreuz errichtete. Im Jahr 1793 ankerten zwei holländische Seeleute kurz vor der Mündung des Swakop-Flusses. Im Jahr 1862 hisste dann die Besatzung eines deutschen Kanonenbootes die deutsche Flagge an der Mündung des Swakop-Flusses, um die Besetzung des Territoriums zu signalisieren. Mit diesem hoheitlichen Akt wurde den Engländern, die den Hafen von Walvis Bay besetzten, die Besetzung dieses Küstengebietes durch das Deutsche Reich demonstriert. Noch heute findet man am Cape Cross eine der größten Robben-Kolonien weltweit.

Zeila Shipwreck (Hentiesbaai)

Geographisch liegt Swakopmund inmitten von Dünen und der Wüste, nahe der Mündung des Swakop-Flusses. Während der Kolonialzeit war Swakopmund ein wichtiger Hafen, obwohl die Bedingungen nicht gerade günstig waren: Das Küstenwasser war viel zu flach, es fehlte eine geschützte Lagune und die Brandung war viel zu stark. Außerdem war der Hafen von Lüderitz zu weit entfernt und der nahe gelegene Hafen von Walvis Bay stand unter britischer Besatzung. Da die Ausschiffung von Siedlern und Truppen auf Brandungsbooten ein lebensgefährliches Unterfangen war, wurde mit sehr viel Geld ein künstlicher Hafen gebaut. Ab 1894 wurde dann ein regelmäßiger Frachtverkehr unter Führung einer Hamburger Reederei aufgenommen. Zunächst wurde 1902 ein 325 Meter langer, hölzerner Steg gebaut, der 1912 durch einen eisernen ersetzt wurde. Die komplette Versorgung der deutschen Kolonie wurde über Swakopmund abgewickelt. Die Überreste dieses Stegs sind noch heute zu sehen, wo 2010 ein Restaurant mit Austernbar auf dem sogenannten „Jetty“ eröffnete.

       

Um die Transportmittel zu verbessern, wurde am 01. Juli 1902 die erste deutsch-südwestafrikanische Eisenbahnlinie zwischen Swakopmund und Windhoek eröffnet. Die Namib-Wüste ist über 100 Kilometer breit; die Strecke nach Windhoek betrug 382 km, wobei die Bahn 1.673 Meter über dem Meeresspiegel erklimmen musste. Die Schmalspurbahn fährt heute von Walvis Bay über Swakopmund nach Windhoek. An einigen Tagen der Woche wird zusätzlich ein Personenwagen an den Güterzug angehängt. Zusätzlich pendelt der Luxus-Personenzug Desert Express zwischen Swakopmund und Windhoek.

Heute ist Swakopmund vor allem ein Urlaubsort und somit von großer touristischer Bedeutung. Aufgrund der milden klimatischen Bedingungen, vor allem während der Hochsaison im Dezember und Januar, ist die Stadt ein Anziehungspunkt für viele Touristen (hauptsächlich aus dem eigenen Land) – in einem solchen Ausmaß, dass Unterkünfte Monate im Voraus gebucht werden müssen. Viele südafrikanische und namibische Rentner haben sich hier niedergelassen. Während der Kolonialzeit wurde Swakopmund als „Deutschlands südlichster Küstenort“ bezeichnet, obwohl die Wassertemperaturen aufgrund der kalten Benguela-Strömung des Atlantiks kaum über 20 °C erreichten.

        

        

Was wir in Swakopmund gemacht haben? Wir waren viel spazieren, haben Laugenbrötchen in deutschen Bäckereien gekauft, frischen Fisch gegessen und waren im Fitness Studio. Swakopmund war eine (auch klimatisch) schöne, erholsame, kurze Pause, bevor wir weiterfuhren und die Zivilisation wieder hinter uns ließen.

Hoba Meteorit

BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOMMMMMM!!!!

So ähnlich oder eher noch viel lauter muss es wohl vor etwa 80.000 Jahren geklungen haben, als der Hoba-Meteorit auf die Erde einschlug. Er ist der größte intakte, jemals auf unserer Erde entdeckte Meteorit. Bis zum Jahr 1920 war er vollständig von Erde bedeckt und tauchte nur zufällig beim Pflügen des Bodens auf. Der Hoba-Meteorit ist in den Otavibergen, etwa 20 km westlich von Grootfontein, auf die Erde geknallt und wird vermutlich für immer dort liegen bleiben. Sein geschätztes Alter liegt bei 190 – 410 Millionen Jahren.

        

Ein wirklich liebevoll erbautes Areal umrundet diesen 50-60 Tonnen schweren Koloss aus Eisen, Nickel und Cobalt. Der Parkplatz ist sehr groß und der Garten um das Gelände schön angelegt. Am Eingang gibt es einen kleinen Ticketschalter mit lokalem Souveniershop, in dem Du für wenige NAD ein Ticket kaufen kannst. Du folgst anschließend einem schmalen Weg, gesäumt von schattenspendenden Bäumen und bevor Du zum Meteoriten gelangst, stolperst Du über Schilder, die vor herabfallenden kosmischen Steinbrocken warnen – ob ein Helm hier wirklich ausreicht? Das ist natürlich alles nur ein Spaß und das Gelände absolut sicher.

Du wunderst Dich vielleicht, warum vom damals bestimmt gewaltigen Einschlagskrater heute nicht mehr viel zu sehen ist. Das liegt daran, dass Krater von größeren Meteoriten im Verlauf weniger Jahrzehnte durch Pflanzenbewuchs und atmosphärisch bedingte Verwitterung unkenntlich gemacht werden.

        

Der Hoba-Meteorit beeindruckt nicht nur durch seine Größe, seine Struktur und die Wärme, die er ausstrahlt, sondern auch durch seine Akustik. Akustik?! Stell Dich mal in die Mitte des Meteoriten und sing ein Lied oder erzähl eine Geschichte. Den seltsam hallend und doch dumpfen Schall kann ich Dir wirklich kaum in Worten beschreiben.

Tsumeb und Etosha Nationalpark / Pfanne

In Tsumeb erbaute Michael mit seiner Familie vor vielen, vielen Jahren das Tsumeb Arts and Crafts Centre, in dem Anwohner ihre handgefertigte Kunst verkaufen und somit eigenes Geld verdienen können. Dieses Arts und Craft Center hat es schon seit einigen Jahren nach ganz oben auf die Must-Do-Listen der bekannten online und offline Reiseführer geschafft – zurecht. Nicht nur was man kaufen kann ist mit viel Herzblut und Leidenschaft erschaffen worden, sondern das gesamte Gelände.

        

        

Von Tsumeb aus ist man in weniger als einer Stunde direkt in der Etosha Pfanne.

„Einst schlich sich eine Gruppe Fremder in das Land der Eingeborenen. Jäger umzingelten die Eindringlinge und brachten fast alle ums Leben – Männer und Kinder. Die Frauen jedoch ließen sie frei. Von tiefer Trauer erfüllt, wiegte eine junge Mutter ihr totes Kind in den Armen. Sie weinte so bitterlich, dass ihre vielen Tränen einen großen See bildeten. Als die Wärme der Sonnenstrahlen den See austrocknet, ist der ganze Boden mit einer hauchfeinen, silbrig-weißen Schicht aus Salz bedeckt.“ Der Legende nach liegt hier der Ursprung der Etosha-Pfanne.

        

        

        

        

Die Etosha-Pfanne liegt im Herzen des Etosha-Nationalparks, der in etwa halb so groß ist wie die gesamte Schweiz. Als eines der größten Naturschutzgebiete der Welt, liegt der Etosha-Nationalpark im Norden Namibias. Der Name „Etosha“ hat seinen Ursprung in der Sprache der Ovambo, einem der indigenen Völker Namibias, und bedeutet so viel wie „großer weißer Platz“. Diese Bezeichnung macht ihrem Namen alle Ehre, denn die Pfanne ist über und über mit einer silbrig-weißen Salz-Lehmkruste überzogen. Die zusätzlich ganzjährig spärliche Vegetation verleiht der Etosha-Pfanne ihre charakteristische mystische Färbung.

        

        

        

        

In der Etosha-Pfanne kannst Du nicht nur vier der berühmten Big Five (Elefanten, Spitzmaulnashörner, Leoparden und Löwen – einzig den Kaffernbüffel wirst Du hier nicht finden) entdecken, sondern eine Artenvielfalt, die Dich aus dem Staunen nicht mehr rauslässt. Neben etwa 130 verschiedenen Säugetierarten, kannst Du mehr als 340 verschiedene Vogelarten bestaunen. Wo und wann Du welche Tiere genau sehen kannst, lässt sich allerdings nicht vorhersagen, da es sich um ihren natürlichen Lebensraum handelt. Am Eingang und in den staatlichen Camps findest Du aber sogenannte Guestbooks, in denen Reisende ihre Sichtungen notieren und Dir so einen Anhaltspunkt geben. Beachte aber, dass Nashorn-Sichtungen dort niemals eingetragen werden dürfen, um es Wilderern so schwierig wie möglich zu machen, diesen wunderschönen und leider vom Aussterben bedrohten Tieren Leid zuzufügen.

        

        

        

        

In den Etosha-Nationalpark darfst Du mit Deinem eigenen Auto und ohne Guide fahren. Da die Straßen nicht befestigt sind, empfehle ich Dir, dies mit einem geländetauglichen Auto zu tun. Du solltest alles, was Du für Deinen Ausflug brauchst, vorne bei Dir im Auto haben und nicht im Kofferraum, da Du Dein Fahrzeug im Park außerhalb weniger designierter Stellen (Restaurants und Toiletten) nicht verlassen darfst. Am Ticketschalter erhältst Du für wenige NAD einen Wege-Plan, in dem alle Wasserlöcher, Restaurants, Toiletten und Tore eingezeichnet sind. Darüber hinaus findest Du darin viele Bilder der Tiere, um sie vor Ort zu erkennen und voneinander zu unterscheiden – vor allem bei den vielen Vögeln ist das oft nicht ganz einfach. In der gesamten Pfanne darfst Du nicht schneller als 60 km/h fahren und teils lassen die Straßen, aber vor allem die zahlreichen Tiersichtungen, gar nicht mehr zu. Vor Sonnenuntergang verlässt Du den Park durch eines der Tore oder meldest Dich in Deiner Unterkunft an.

        

        

        

        

Bedenke bitte immer, dass Du als Gast im Zuhause dieser vielen, wunderschönen Kreaturen bist. Behandle sie mit viel Respekt, Ruhe und ausreichend Abstand.

Rundu

Rundu liegt in der Kavango-Region und direkt am Okavango Fluss. Die Fahrt in den Norden des Landes allein ist schon absolut spektakulär! Meter um Meter wird es zwar immer wärmer, aber die Landschaft gleichzeitig deutlich grüner. Am Straßenrand reihen sich kleine Dörfer aus Lehm- oder Wellblechhütten aneinander. Die Kavango-Region ist benannt nach seinen Einwohnern, die für ihre Holzschnitzkunst bekannt sind. Am Straßenrand wird diese unter anderem auch ausgestellt und verkauft. Sie sind ein in fünf Stämme unterteiltes Flussvolk, das bis heute sein Überleben hauptsächlich durch Fischfang sichert. Die Hauptstadt dieser Region ist Rundu. Durch das gesamte Gebiet und als natürlich Grenze zu Angola fliest der Okavango etwa 400 km quer durch den Kontinent. Dieser bietet die Lebensgrundlage der ärmsten Region Namibias.

        

        

        

        

Namib Wüste

[tbd] Aber hier schon einmal vorab ein paar Fotos und ein Video zum Einstimmen:

        

       

        

       

        

       

      

        

Reisen mit Bahia be like:

       

Tipps & Tricks: Namibia

Um Dir neben all den schönen Eindrücken meiner Namibiareisen auch nützliche Informationen mit an die Hand zu geben, habe ich Dir die Folgenden aufgeschrieben. Wenn Du darüber hinaus noch Fragen hast, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Touristenvisum vor Ort verlängern
Wieder was gelernt: Offiziell darf man zwar 90 Tage pro Jahr (ob das für 12 Monate gilt oder ein Kalenderjahr, muss ich noch herausfinden) als Tourist in Namibia bleiben, allerdings erhält man bei Einreise meistens nur ein Visum für 30 Tage. Vermutlich kann man direkt bei der Immigration am Flughafen nach den vollen 90 Tagen fragen (solange man ein passendes Flugticket hat), aber daran habe ich natürlich nicht gedacht. Zu meiner Verteidigung: Bei Reiseantritt wusste ich auch noch nicht, dass ich länger als 30 Tage bleiben werde.
Um das Touristenvisum zu verlängern, sollte man sich so früh wie möglich beim Ministry of Home Affairs and Immigration in der Independence Avenue, Windhoek, anstellen. Sie machen um 08:00 Uhr morgens auf. Weil sich die meisten aber anscheinend schon ab 06:00 Uhr anstellen, ist die Schlange um 07:45 Uhr schon wirklich lang. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 08:00 – 13:00 und 14:00 – 17:00 Uhr. Jedoch nicht am letzten Tag des Monats! Da haben sie nur bis 11:00 Uhr geöffnet. Selbstverständlich beantrage ich meine Verlängerung am Letzten des Monats, weil ich das vorab nicht wusste.
Für den Verlängerungsantrag innerhalb der 90 Tage benötigt ihr lediglich euren Pass und euer ausgedrucktes Rückflugticket. Ich war mir nicht sicher, ob ich die 80N$ bezahlen muss (Ehrlich gesagt, hätte ich das vermutlich nur gemusst, wenn ich die 90 Tage überschreite. Allerdings wäre mein Visum am nächsten Tag abgelaufen, ich hatte nur noch 23 Minuten bis zur Schließung um 11:00 Uhr morgens, zum aktuellen Wechselkurs waren es gerade mal ca. 5,00€ und ich wollte kein Risiko eingehen.), aber soweit ich das gesehen habe, kann man die vor Ort auch mit Karte bezahlen. Zur Sicherheit würde ich allerdings Bargeld mitnehmen. Die Quittung hierfür wird Dir ausgehändigt – behalte sie direkt in der Hand, denn diese musst Du mit Deinem Pass zusammen abgeben und einreichen. Das entsprechende Antragsformular kann man entweder vorab online herunterladen und ausgefüllt mitbringen oder man nimmt sich eins vor Ort und nutzt das stundenlange Anstehen, um es auszufüllen – denkt dran, einen Stift mitzunehmen.
Es gibt drei verschiedene Schlangen, an denen man sich anstellen kann. Das nur in geschriebenen Worten zu erklären, könnte verwirrend werden (es ist basically die Mittlere), also fragt vor Ort einfach schnell nach, bevor ihr euch stundenlang an der Falschen anstellt und die Öffnungszeiten verpasst.
Eventuell geht es zu COVID-Zeiten anders zu als sonst, aber nach meiner Erfahrung steht man zunächst draußen sehr lange an (morgens ist es schattig, also ein guter Zeitpunkt für langes Warten), weil drinnen nur eine begrenzte Anzahl an Menschen sein dürfen. Dies wird vor der Tür auch streng kontrolliert. Drinnen dann das klassische Hände-Desinfizieren und in Listen-Eintragen, aber ab hier geht alles ganz schnell: Für das Touristenvisum nimmt man den Schalter geradeaus, ganz rechts, oben auf der Empore. Dort legst Du Deinen Pass, das ausgefüllte Formular, die Quittung über die bezahlten 80N$ und Dein ausgedrucktes Rückflugticket auf den Tresen. Eine Unterschrift und ein paar Stempel später heißt es dann, dass man in zwei Tagen seinen Pass abholen darf. Zwei Tage dann ein ähnliches Prozedere: Früh morgens an der Schlange anstellen, warten bis man rein darf, drinnen zum gleichen Schalter wie schon zwei Tage zuvor, hoffen, dass der Pass gefunden wird (kann auch mal länger dauern – nur die Hoffnung nicht verlieren 😉 ), zurück zum Cashier, 500N$ „success fee“ bezahlen, mit der Quittung zurück zum Schalter und glücklich das Ministry verlassen. Innerhalb der ersten 90 Tage wird im Regelfall jede Verlängerung genehmigt.
Side Note: Für den Behördengang gibt es seit Neustem eine Kleiderverordnung! Lange Hosen/Kleider/Röcke und geschlossene Schuhe sind Pflicht. Andernfalls wird man wieder nach Hause geschickt und darf nicht eintreten.

               

Morocco

Click here for the english version.

Hier sind wir also. Drei Freundinnen aus Deutschland, von denen eine seit ca. einem halben Jahr in Barcelona studiert und zwei weiterhin in Deutschland. Und wir vermissen uns. Da sowohl die Flüge nach Barcelona als auch die nach Deutschland seit viel zu langer Zeit unerwartet teuer sind und wir zusätzlich alle drei noch wahnsinnig neugierig auf die Welt sind, werden wir kreativ und entscheiden uns dafür einen Trip nach Marokko zu planen. Ein Land, das zumindest mich schon seit längerer Zeit sehr interessiert, ich aber nicht allein bereisen möchte. Zum Glück studiert Lisann in Barcelona, denn durch sie werden wir auf ein Angebot aufmerksam, das Studententrips nach Marokko anbietet! Eigentlich sind es Trips nach Marokko von Barcelona aus, aber für nur 10€ mehr dürfen Paula und ich auch von Deutschland aus mitfliegen. Das müssen wir uns nicht lange überlegen und so buchen wir die 5-Tages-Tour durch Marokko für Anfang März. Meiner Meinung nach die beste Zeit, um Marokko zu besuchen, da die Tage warm, aber die Nächte kalt. Lieber decke ich mich mit einer zweiten Decke zu als nachts nichts schlafen zu können, weil es zu warm.

Apropos kalte Nächte. Hier ein paar Dinge, die ihr wissen solltet, bevor ihr nach Marokko reist:

  • Zumindest im März sind die Nächte sehr kalt. Das bedeutet vor allem für die Nächte in der Wüste, dass ihr auf jeden Fall eine Mütze oder einen Hoodie einpacken solltet, damit der Kopf nachts warmgehalten wird. Spoiler Alert: Unsere Mütter hatten alle recht damit, als sie uns in unserer Kindheit sagten: „Zieh eine Mütze an! Die meiste Wärme verliert der Mensch über den Kopf.“
  • Die meisten Menschen in Marokko sind muslimischen Glaubens. Das bedeutet nicht nur, dass wir als Gast in ihrem Land ihre Gewohn- und Gepflogenheiten respektieren müssen, sondern auch ihre Umgangsformen. Du solltest Dir also beim Packen Gedanken darüber machen, was Du in Marokko anziehen möchtest, um diesen respektvollen Umgang einzuhalten (vor allem, wenn man sich aus den Großstädten raus begibt): Mindestens Deine Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Unabhängig davon, ob das in anderen Ländern gerade modern ist, sind bauch- oder rückenfrei auch eher uncool. Pack am besten einen Schal oder ein Tuch mit ein, das Du Dir immer um die Schultern legen kannst oder bei Besichtigungen von heiligen Städten über den Kopf. Allerdings ist es nicht erforderlich in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen.
  • In Marokko bezahlt man mit Marokkanischen Dirham (MAD). Der Wechselkurs zum Euro beträgt aktuell etwa 1:10, was das Umrechnen wirklich einfach macht. ATMs findet man direkt am Flughafen, in allen größeren Städten und Dörfern und auch das Bezahlen mit Kreditkarte ist nahezu überall möglich.
  • Trinkgelder wurden von mir nicht gerne angenommen. Vielleicht kann mir ein Marokkaner, der das liest, erklären warum? Aus diesem Grund habe ich es schnell wieder gelassen, um niemanden zu beleidigen. Besteht ihr trotzdem auf Trinkgeld, so gebt es mit der rechten Hand, da die linke Hand in arabischen Ländern als beleidigend gilt. In Städten wird euch das jeder verzeihen, aber vielleicht auf manchen Dörfern nicht.
  • Eine Sim Karte mit 5GB Daten habe ich am Flughafen direkt für umgerechnet 8 € gekauft. Telekom Morocco hat unter anderem die besten Netzabdeckung landesweit.

Marokko ist ein Königreich und überall in den Hotels, Läden und Märkten trifft man auf das Portrait des Königs. Das Königreich liegt im Nordwesten Afrikas und ist über die sogenannte Straße von Gibraltar nur wenige Kilometer über das Mittelmeer vom spanischen Festland entfernt. Mit einer Bevölkerung von 32,6 Millionen Einwohnern hat das Land weniger als die Hälfte von Deutschland, ist jedoch aufgrund 447.000 m² Fläche etwa 1,2 Mal so groß. Marokkos Hauptstadt ist die Küstenstadt Rabat. Als Landessprache gilt zwar Arabisch am verbreitetsten, jedoch wird aufgrund der Kolonialzeit weit verbreitet Französisch gesprochen und in touristisch geprägten Orten auch fließend Spanisch, aufgrund der Nähe zum spanischen Festland. Erst seit 1956 ist Marokko keine französische Kolonie mehr und unabhängig.

Wie in allen arabischen Ländern ist Handeln gerne gesehen und wird zu einer regelrechten Sportart, wenn man sich darauf einlässt. Der echte Preis liegt im Normalfall bei 50 % des zuerst genannten, außer es sind Festpreise ausgeschrieben.

Die Einreise von Deutschland aus ist relativ unproblematisch. Mit einem Reisepass von mindestens sechs Monaten Gültigkeit darf man sich bis zu 90 Tage visafrei im Land aufhalten. Und so treffe ich mich mit Paula Bahia-standardmäßig drei Stunden vor Abflug hinter der Sicherheitskontrolle am Stuttgarter Flughafen. Noch nie war ich so schlecht auf eine Reise vorbereitet wie auf diese. Ich stecke gerade mitten in meiner Bachelorarbeit, mein Kopf steht mir weiß-Gott-wo und ich kann diesen fünf-Tages Trip nach Marokko kaum noch erwarten, um endlich wieder klar denken zu können. Kurz vor dem Landeanflug auf Marrakech füllen wir noch fix die Unterlagen für das Gesundheitsministerium aus, die wir bei Einreise, zusammen mit unserem Pass, dem Zollbeamten aushändigen (Tipp: Packt immer einen Kugelschreiber ein, denn diese werden im Flugzeug zum Ausfüllen der Unterlagen nie mit ausgeteilt.). In unseren Pässen vermerkt der Zollbeamte neben dem Einreisestempel handschriftlich eine Einreisenummer, die im jeweiligen Hotel erneut überprüft und abgefragt wird.

Wir heben Bargeld ab, kaufen uns eine Sim Karte und da wartet auch schon der Abholservice auf uns, der uns für den ersten Abend in ein Hotel nach Marrakech bringt, bevor der Trip am nächsten Tag beginnen wird. Die Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt dauert nur ca. 15 Minuten. Schnell bringen wir unser Gepäck aufs Zimmer und spazieren los, um die ersten Eindrücke auf dem berühmten Jama El f’na Market zu sammeln – und natürlich Essen. Marrakech ist die wunderschöne Kombination aus dem alten, traditionellen und dem neuen Marokko. Seine labyrinthartigen Basare (Souqs) werden umsäumt von den Ruinen der Altstadt. Wir kaufen uns hier und da was Kleines für auf die Hand, essen uns von Stand zu Stand und genießen die leckeren frisch gepressten Säfte. Mit Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel, um für die kommenden Tage ausgeruht zu sein.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Ich werde oft gefragt, ob es sicher sei nach Marokko zu reisen. Vor allem als europäisch aussehende Frau. Alleine – muss ich zugeben – würde ich jetzt nicht unbedingt einen Roadtrip durch das Land machen. Aber auch als Gruppe von nur vier jungen Frauen (und in unserem Fall noch anderen Studenten, lokalen Fahrern und Reiseleitern) haben wir uns zu keiner Zeit unwohl gefühlt. Wie in anderen arabischen Ländern wird man natürlich vor allem auf Märkten oft angesprochen, aber nie angefasst oder festgehalten. Die Marokkaner machen auf mich einen deutlich charmanteren und auch humorvolleren Eindruck als andere arabische Länder, die ich bereisen durfte. Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist, dass es deutlich weniger vermüllt ist als ich erwartet (und in anderen Ländern beobachtet) habe.

       

       

Am nächsten Morgen treffen wir beim Frühstück endlich auf Lisann, die ihre liebe Freundin Sara aus Spanien mitgebracht hat. Gegen 08:30 Uhr fahren wir nach dem Frühstück durch das Atlas Gebirge los, Richtung Dadestal. Die Wegstrecke an diesem Tag beträgt etwa 300 km. Den ersten kleinen Stopp machen wir mitten im Atlas Gebirge.

       

       

Zur Mittagessenszeit treffen wir in der Provinz und dortigen Hauptstadt des Südens Ouarzazate ein. Hier stärken wir uns in einem süßen kleinen Restaurant mit einem sehr traditionellen Gericht: Einer Gemüse-Tajine mit Couscous als Beilage. Eine Tajine ist ein rundes, aus Lehm gebranntes Schmorgefäß mit gewölbtem oder spitzem Deckel. Darin kann man nicht nur sehr gut Gemüse schmoren lassen, sondern auch alle möglichen Fleischarten. (Auf diesem Bild wurde der Inhalt der Tajine auf einem Teller angerichtet, aber weiter unten seht ihr die richtigen Bilder dazu.)

       

       

Mit vollem Magen und gestärkt laufen wir zu Fuß weiter zum UNSECO Weltkulturerbe Ksar Ait-Ben-Haddou. Die befestigte Stadt am Fuße des Hohen Altas dient häufig als internationale Filmkulisse – beispielsweise für den Film „Gladiator“ oder die Serie „Game of Thrones“. Wobei ich gestehen muss, dass ich zu den wenigen Menschen dieser Welt zähle, die „Game of Thrones“ nie gesehen haben. Please don‘t judge me! Wir lernen erstmals die Kultur kennen und hören kleine Geschichten. Unter anderem zeigt uns einer der Anwohner, wie er aus Tee und anderen Naturmaterialien ganze Landschaften kunstvoll auf Pergament brennt und es so für immer halt- und sichtbar macht. Der Aufstieg zur Plattform ist anstrengend, aber jeden Schritt wert, denn die Aussicht ist unglaublich schön!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Die zweite Nacht verbringen wir im Dadestal. Wir schaffen es gerade pünktlich, um noch den Sonnenuntergang im Gebirge bestaunen zu können. Das Abendessen im Hotel Vieux Chateau ist so unfassbar lecker und mit so viel Liebe zubereitet – falls ihr in der Gegend seid, dürft ihr euch das nicht entgehen lassen. Und wenn ihr nur zum Essen dort vorbeifahrt! Zur Vorspeise gibt es eine leckere Curry-Suppe und zur Hauptspeise wieder eine Gemüse-Tajine mit selbstmariniertem Hühnchen, Reis und Couscous. Wir sind im Himmel!

       

       

       

Nach einem ebenso leckeren Frühstück geht es gegen 09:00 Uhr morgens wieder auf die Straße. Unser heutiges Ziel ist das kleine Dorf Merzouga am Rande der Sahara und an der Grenze zu Algerien. Die Wegstrecke heute beträgt etwa 280 km. Auf dem Weg dorthin machen wir erst einmal Halt in der Oasenstadt Tinghir. Die Stadt ist mit zwei Palmenoasen gesegnet, aus denen man Datteln, Feigen, Oliven und viele weitere Leckereien ernten kann.

       

       

       

Kurz vor der Todra-Schlucht halten wir an und dürfen zu Fuß durch die atemberaubende Schlucht laufen. Die hohen Steilwände sind bis zu 300 m hoch und locken zahlreiche Klettersportler an. Respekt – ich würde mich da vermutlich nicht hoch trauen. Der Oued (Fluss) Todra hat sich hier einen eindrucksvollen Weg nach Süden eingeschnitten.

       

        

Am Ende der Schlucht werden wir wieder eingesammelt und halten zum Mittagessen in einem liebevoll eingerichteten kleinen Restaurant an der R702. Während wir auf unser Essen warten – wir entscheiden uns wieder für Pfefferminztee und eine Tajine – lassen sich Paula, Lisann und Sara von den Einheimischen in traditionelle Gewänder kleiden und ihre Hände mit Henna verschönern.

       

       

       

       

       

Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der Sahara! Diese dritte Nacht dürfen wir nämlich im marokkanischen Teil der Sahara Wüste schlafen. Weil ich 2012 schon einmal für 14 Tage im tunesisch-lybischen Teil der Sahara war und in etwa weiß, was auf uns zukommen wird, freue ich mich wie verrückt. Der Sternenhimmel, der Sonnenunter- und Sonnenaufgang ist einfach etwas ganz Besonderes, das man nie wieder in seinem Leben vergessen wird oder so woanders sehen darf. So kommen wir im kleinen Dorf Merzouga an. Auch hier wurden tatsächlich schon einige Filme gedreht.

Unser Wüsten-Camp ist noch ein paar Kilometer tiefer in der Wüste gelegen. Um dort hinzugelangen, werden Kamele gesattelt, auf denen wir durch die Wüste reiten dürfen. Nur Paula und ich entscheiden uns gegen das Reiten und für das Laufen. Mit meinem Hintergrundwissen und Paula als Vegetarierin, können wir das mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Dies hat allerdings auch noch weitere positive Nebenwirkungen: Barfuß durch den warmen Sahara-Sand laufen … wer jetzt nicht zu träumen anfängt, durfte das leider noch nie machen und kann nicht nachvollziehen, wie schön es ist, barfuß durch warmen Sand zu laufen. Davon abgesehen, dass es kaum ein effektiveres Fuß-Peeling gibt. Während alle anderen auf ihren Kamelen festsitzen, rennen wir wie kleine Kinder durch den weichen Sand und können großartige Fotos machen. Nach den vielen Autofahrten ist das Workout auch eine willkommene Abwechslung und tut richtig gut!

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

(Sorry für den ganzen Foto-Spam, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches Bild ich am liebsten mag. #sorrynotsorry)

       

       

Paula entschied sich dann noch spontan dazu, die Karavane zu kidnappen und mit uns gemeinsam in die weite Welt durchzubrennen.

An der Sara-Düne angekommen (ihr erfahrt gleich noch, warum sie diesen Namen trägt) kann jeder, der möchte, sandboarden oder einfach nur in Ruhe die Abendsonne genießen – oder beides. Hier bleiben wir, bis die Sonne am Untergehen ist.

       

       

       

       

Zwei der Berber, die in diesem Teil der Sahara leben und aufwuchsen, setzen sich zu uns auf die Decke und lassen lachend all unsere tausend Fragen über ihren Lebenstil und Alltag über sich ergehen. Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Englisch, Spanisch und Französisch. Wie sich herausstellt, sprechen die beiden acht Sprachen so ziemlich fließend! Aber vor allem eine Sprache spricht Moe fließend: Die Sprache der Liebe. Und so kriegt Sara einen – zugegebenermaßen nicht ganz ernst gemeinten – Heiratsantrag! Als Zeichen seiner Liebe – und weil die Düne zu dessen Füßen wir sitzen, zu klein ist, um bereits einen Namen zu haben – benennt er kurzerhand die Düne nach ihr: Die Sara-Düne. Lachend und quatschend sitzen wir so ein paar Stunden im Sand, erzählen aus unserem Alltag, hören Geschichten aus einem Berber-Alltag und genießen die untergehende Sonne. Kurz vor Dunkelheit brechen wir auf und machen uns auf den Weg, auf die letzten Kilometer ins Camp.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Dieses Camp übertrifft bei weitem all unsere Erwartungen! Wirklich! Wir werden mit frisch aufgebrühtem Pfefferminztee und einem warmen Lagerfeuer in der Mitte des Camps empfangen. In unseren Zelten ziehen wir uns erst einmal etwas Wärmeres an (sobald die Sonne in der Wüste untergeht, herrschen hier Temperaturen um den Gefrierpunkt), wärmen uns am Lagerfeuer und warten auf das Abendessen, das wir in einem großen Zelt gemeinsam einnehmen.

       

       

       

Nach dem Abendessen versammeln wir uns alle in dicke Wolldecken gekuschelt um das Lagerfeuer. Die Berber, die uns heute durch die Wüste geführt haben, veranstalten ein Trommelkonzert für uns und lassen uns an traditionellen Tänzen ihrer Familien teilhaben. Im Anschluss daran, dürfen wir auch mal selbst ran. Was anfangs eher nach einem Geräuschjungle klingt, wird schnell zu „We will rock you“ oder „Don’t worry be happy“. Und so sitzen wir den ganzen Abend bis in die Nacht zusammen, tanzen, lernen die verschiedenen Instrumente und genießen die Wüste.

       

       

       

       

       

Den Wecker für den nächsten Morgen haben wir uns auf 06:30 Uhr gestellt, damit wir mit Kaffee in der Hand dem Sonnenaufgang mit seinen wärmenden Strahlen entgegenfiebern können. Wir sind zwar hundemüde von der doch sehr kurzen Nacht, aber auch das frühe Aufstehen wird selbstverständlich mit einem Morgen, der uns die Sprache verschlägt, belohnt.

       

       

       

       

       

   

Nachdem wir unsere Worte wiedergefunden haben, packen wir unsere Taschen und machen uns auf den Weg zurück nach Marrakech. Von hier aus sind das knapp 500 km und dank zwei kleinen Essenspausen etwa 11 Stunden Fahrt, die vor uns liegen.

Müde, aber glücklich und voller Eindrücke kommen wir spät abends im Hotel an. Um unseren letzten Abend noch so perfekt ausklingen zu lassen, wie diese Reise, entschließen wir uns dazu, trotzdem noch in die Stadt zu gehen und in dem kleinen Restaurant Café Des Épices die letzten gemeinsamen Stunden bei frisch gepressten Säften und leckerem Essen zu verbringen. Am nächsten Morgen müssen Lisann und Sara schon früh zum Flughafen und so verabschieden wir uns schon abends voneinander.

Danke, Mädels, für die tolle Zeit!

 

Zur Übersicht hier noch einmal unsere Reiserouten:

Day 1
Day 2
Day 3

Sahara – English version

Walking on foot through the desert with six dromedaries, three accompanying Bedouins – born and raised in the Sahara, food and water for the next twelve days, your father, your older brother and your younger sister. Oh yes… armed with a satellite telephone in case of an emergency, it sounds like the beginning of an adventure. Now, when I also tell you that we walked along the Libyan border at a time when the Foreign Office warned not only about travelling to Libya itself, but specifically around the border region, it all starts to sound even more dramatic. But to be honest, we didn’t have any near-death experiences – except maybe me, when I had to have a thorn „operated“ out of my foot in the middle of the desert. It had drilled itself deep into my foot and was removed with a knife which was only good enough to peel potatoes. From that moment on I know what pain really feels like.

        

        

Unfortunately I can’t tell you exactly which route we took, so I’ll just tell you about my impressions, which in this case are much more expressive.

The Sahara has an almost limitless variety of landscapes, and that’s only in the relatively small part we were able to explore. We were there during Halloween, so the days were hot and the nights still bearably cool. Sweaters, long jogging trousers and sleeping bags were indispensable as we slept in the sand under the starry sky, no tent to warmly surrounding us. A marvellous dream! You won’t see a starry sky like this again in your life. On top of that we were very lucky because a meteor shower swept over us and we saw about 40 shooting stars each night.

        

We travelled for miles and miles across endless orange-red sand dunes, passing breathtaking little oases, and hiking over stones so sharp that even the Bedouins jumped on the dromedaries. We could not help but be amazed by all these wonders.

        

        

        

        

        

We deliberately chose to travel at that time of year because most dangerous animals, such as scorpions, are already in hibernation. Nevertheless you have to be careful because there are still some snakes hiding in the sand. They are not normally deadly, but without a car the way out of the desert takes so long that they would be, being unable to get an antidote in time. Watch your steps and trust your bedouin! In order to show us these lovely creatures in more detail (and to release them into freedom, safely out of reach), they couldn’t resist to keep them – temporarily – under control for us with their wooden sticks… help!

        

        

All the food and water we consumed for those 12 days was carried by the dromedaries. We woke up every morning with the first rays of sunshine, breakfasting on the bread we had baked beneath the sand under embers with which we boiled water for tea. Before noon, after the first few kilometers, we had biscuits and a small cup of cola to recharge our batteries. At noon and in the evening we cooked various dishes together using couscous, and had to drink about 4 litres of water a day to avoid dehydration. These incredibly powerful animals carried all our supplies for us day after day.

        

        

Therefore it was strictly regulated that before we eat, cook, build our camp or make fire, we saddle the dromedaries, tie their forelegs together (so they can’t run away at night but can still move freely) and prepare their food. Only when they were taken care of did we take care of ourselves.

        

        

        

        

        

How did we pass the time without a smartphone and without getting bored? We learned Arabic words, taught German, played „desert games“ with everything the dry earth had to offer, enjoyed the beautiful silence – and above all – each other’s company.

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

We spent our last night in an oasis, surrounded by a small desert village. Since we couldn’t take a shower for twelve days and the water was only meant for drinking and brushing our teeth, we were all the looking forward to a bath in the water… all except me. Since the village was very Muslim, it would have been disrespectful to jump into the oasis there, and probably even more so as a woman in bathing clothes. Well. I could endure the one extra day by looking forward to showering at the hotel. The desert air is filled with a very dry heat, so dry that one almost does not sweat, even though it is over 40° degrees hot. Even I, a big fan of personal hygiene, can say that it is absolutely bearable to survive this time unshowered. For the occasional refreshment, there are biodegradable hygienic wipes available at the drugstore, but please take them with you from the desert and dispose of them at home where appropriate.

        

On the way to the hotel we had to make a detour to visit Anakin …

… and the UNESCO World Heritage Site, where we drank tea with the inhabitants in their sandstone houses.

        

        

        

Almost two weeks without a mobile phone, Facebook and other distractions had a very healing effect. For me there is no better feeling than to lose all sense of time. However, accessibility also has its right to exist. When we reached civilization after the twelve days and switched on our mobile phones for the first time again, the most terrible and lasting news of my life so far was waiting for me. My stepdad, who was always more for me than „the new man at my mother’s side“ or a simple friend, had incurable lung cancer. In April 2016 his body freed itself from its pain and since then not a day goes by without me painfully missing him. But what good would it have done if this news had reached me earlier? So this journey ended up shaping me in another way. Twelve days away from civilization and the tangible awareness that one is not immortal taught me much more than humility and happiness, they taught me above all the courage to want to experience the world even more intensely.

Why Namibia – English version

Namibia

Wow. Africa! Once again you leave me so happy I’m speechless.

So many impressions still dance in my head, my heart filled to the brim with memories. For almost two weeks I’ve been trying to weave a tale for this blog post, but with no success. So I decided to just start writing and let myself be surprised by the outcome.

Where do I begin…?! It’s Tuesday afternoon, and with more than enough time on my hands – classic Bahia travel planning – I’m on my way to Munich airport. My first stop is Frankfurt where I meet up with my mom, her husband Michael and two of my cousins, Lara and Mona. Three hours and 45 minutes before departure I check my luggage in (having already checked in online the day before) and successfully pass through security. Happy with how smoothly everything is going and deeply relaxed with how much time I have, I sit with my book and have a coffee with a bite to eat. A colleague of mine sees my post on Instagram and responds that she’ll be in transit in Munich a few minutes before my departure. We still joke about my flight being delayed by a few minutes so that we can meet for a quick hug. Be careful what you wish for… Boarding starts on time and as I was taking my first steps down the tunnel to the plane Theresa comes up the stairs, right at my gate – too bad! So we just missed each other by a few moments.

Boarding completed. A few seconds later there’s an announcement: „Due to thunderstorms in Frankfurt our start is delayed by up to 60 minutes. The runway slots have to be reorganised due to the storm, and hopefully we will receive our turn shortly. If we’re lucky we can leave within the next 30-45 minutes as we’ve declared ourselves ready for takeoff.“ Wow. In Frankfurt I actually have exactly 50 minutes to catch my connecting flight. As a precaution I write to my mom, so if necessary she knows to notify the flight staff or, if there’s a ridiculous delay, I will fly a day later. But for now we’re all still very relaxed, you can’t change everything and there’s no point in making something out of nothing. After 40 minutes of waiting we finally get the go-ahead to take off. To stop myself from checking the time every two seconds, I try to distract myself with a new audio book of „Three Investigators“, keeping my pulse at a reasonably healthy level.

The flight is shorter than expected and we land in just over 30 minutes. The stewardess goes over all of the flights that are reached or not reached…except mine. Tied to my seat and too far away to ask about my flight, I do something I never do, I take my phone out of flight mode. In order to plan a rough sprint route I try to research a map of the Frankfurt airport transit area. Of course, there’s no chance because of security reasons. Plan B: I skim over as many travel blogs as possible which report on the Frankfurt transit area, and this works better. Now I have a very rough plan in my head. While all of this happens I keep my family – whose boarding has already begun – up to date while I’m literally suspended in midair. Just milliseconds after the plane lands at around 9:45pm, the first passengers jump up as if bitten by a snake and open the overhead lockers to pull their luggage out. I’m not one of them, knowing that the plane can’t move along the tarmac unless all the passengers are seated and luggage stowed away. Promptly on cue, flight staff instruct passengers to return to their seats.

With a heart rate of 390 I watch the seconds tick by, the minute hand on my watch has become irrelevant. It’s 9:49pm and my next flight should take off at 10:05pm, with boarding already having begun at 9:20pm. The 50 panicked passengers had finally sat back down when another announcement rings out: „We can only make our way to our final parking position once all of your luggage is out of the aisles and safely stowed above you in the designated luggage compartments.“ I take advantage of this brief, helpless moment and jump up from my seat, run eight rows forward into a free seat while vaulting over two abandoned suitcases in the aisle. The young man next to me looks at me very confused and dumbfounded, then we both laugh – his connecting flight is at 10:10pm so he can understand my actions completely.

The plane finally parks and all the passengers jump up at the same time to try and get to the exit as fast as possible. It’s 9:53pm and Gerhard and his wife Kunigunde (these names are fictitious) clog the aisle while rummaging around in their luggage for chewing gum. After politely requesting many times to let us pass, and being ignored… another passenger from further down the plane more firmly asks that all passengers not trying to catch a connecting flight please sit down to allow everyone else a chance to catch our flights. Of course, nobody does.

It’s 9:55pm and my mom sends me a voice message to tell me in a tearful voice that she’s doing everything she can, but the ground crew want to close the boarding gate. Just as mothers develop undiscovered powers to protect their child, children discover powers when they hear their mother’s cry. Undiscovered powers and also hitherto unknown extremely rude behaviour – sorry again at this point to all who I have run over the heaps. I am actually very nice, but after Gerhard brought down the fourth suitcase (which doesn’t belong to his Kunigunde) and stowed it back in slow motion, I squeezed past without any regard for them.

It’s 9:56pm and I have to get from gate A11 to gate B44. With my mother’s last voice message in my head and two messed up knees (which are absolutely not made for jogging) I break Usain Bolt’s world record over I-don’t-know-how-many-meters in Frankfurt’s transit area. 10:01pm on the clock and I see the passport control in the distance (since we’re travelling to Ethiopia), I call out „Sorry guys, I have a flight to catch!“. Boxing my way through people, trying to jump over belt stanchions (which really doesn’t work so I simply run them over) I plonk my passport and boarding pass on the counter in front of the police officer, panting and hyperventilating. Why I wasn’t arrested remains a mystery to me to this very day. Since I can’t even get a single word out, nor even put my thoughts into words, the officer responds with a perplexed expression and says „The boarding is already over“. I manage a barely understandable “ I do not care“, so he lets me pass and I continue running.

It’s 10:03pm and I finally reach my gate. With a throat as dry as sand, speechlessly I place my boarding pass on the counter, breathing heavily. It’s the wrong one. But don’t worry! I had only given her the wrong one of both. The lady takes a closer look at the new boarding pass and from behind I hear her colleague amazed: „Is that her?! Did she actually make it?!“ This time it is me who looks irritated and is asked: „Could it be that your family is waiting for you inside?“ Much more irritated I affirm her question. „Go inside quickly! You’re eagerly awaited.“ And with a beaming smile, her colleague adds „I’m so very glad you made it!“. My pulse is racing too fast to worry about it and I have to concentrate on keeping my jelly legs under control. I walk through the turnstile and am met by three policemen with the same bright smile and a „Wow! You really did it! Go through quickly!“. Okay… what’s going on here? I enter the plane, puffing hard and at my wits‘ end, I hand my boarding pass to the flight attendant. First she wants to send me towards the second corridor, then looks back at my name and pulls me back with tears of joy in her eyes. Two of her colleagues shout „OH MY GOSH IS THAT HER?!?“. Who am I being confused with?! The first flight attendant quickly sends me down the first corridor and whispers a „Your mom will be so happy to see you“. After I fall into my mother’s arms, crying with joy, I hear Lara laugh a few rows further away and my name being called. In the background there’s applause from the other passengers, and loud shouts of bliss. No kidding! As it turned out my family, and especially my mom, really tried EVERYTHING to stop the plane, already started a sit-in and wanted to fake a heart attack. In the end the entire plane was on the edge of their seats, praying and finally starting Mexican waves as I entered the plane. All the while the extremely dramatic Ethiopian Airlines jingle played in the background (you can listen to it here), making my performance perfect. Wow! My mom and I were so pumped up with adrenaline that we spent the first six hours of the flight watching Disney movie after Disney movie (Aladdin, of course… maybe twice) to calm down.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191001_225333-300x225.jpg         Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191002_080208-300x225.jpg

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191001_225316-225x300.jpg

But why are we even flying to Namibia? For one of the most beautiful reasons: my sister Mel is getting married! After my Werner passed away, my mom remarried in May 2018 and it could hardly make me happier. My Michael brings not only himself into the family, but two new siblings. As a child, his parents moved from Germany due to development assistance with him and all his siblings to Namibia, where he grew up and spent most of his life. His children, Christopher und Melanie, were both born and raised in Namibia. That’s why his daughter is getting married there.

*A side note: I talk about „my Werner“ and „my Michael“ because the term „step dad“ does neither of them justice. Both men are, and will always be more than that to me.

       Namibia

After about 20 hours of travel we land in Windhoek, the capital of Namibia – even my backpack made it, which I really didn’t expect! Before we set foot on official Namibian soil, even before immigration, I witness how valuable Michael has become, not only to me (emotionally, not for the following reason), but to this country. While ordinary mortals spend half an eternity getting through normal passport control, we are ushered to the diplomatic entrance where our passports are checked and Michael has a chat in Afrikaans with a Senegalese ambassador whose daughters I get to know a few days later at the wedding. At the airport I buy, as always, a national SIM card (3gb/week for about €4.00/week) and have it activated on site to ensure everything works. We pick up our rental car and make our way to Nina Farm, where the wedding will take place in a few days. There is no address, only GPS data to guide us.

               

Nina Farm belongs to the mother of the groom, (Martin) Shali, who is named after an important Namibian General. Shali’s mother (Meme Aune) herself was one of the freedom fighters involved in SWAPO (South West Africa People’s Organisation) and fought for freedom against the Apartheid regime of South Africa (and still does) – so I met some special guests at the wedding. Nina Farm was built on the site of a former gas station operated by a racist white minority. In order to set an example, Meme Aune (Shali’s mother) bought this land and built her cattle farm here. Racism is still a very big issue in Namibia. Another reason why Mel and Shali’s wedding is something very special for everyone on so many different levels; it’s setting an example. For some, it’s the first time they see a white woman kiss a man of colour.

       

(Don’t they look like movie stars?!)

We spent the first few days setting up (and planning) the wedding, accompanied by many LILILILILILILILI calls every time the bride was spotted. An African wedding is not like a German wedding, planned twelve months in advance – especially not when Mel is the bride. And so it happens that, in reality, nothing more has been planned or thought out than the guest list. Even the guest list is more of an open invitation to the whole country, so no one knows exactly how many people to expect. Explicitly uninvited wedding crashers included! But hey, as a descendant of Nelson Mandela you can do that. How I managed to disguise my typical, meticulously-timed organisation and planning and simply go with the flow… I can only explain myself by stating that this country and its people have simply enchanted me. The journey here is anything but my first trip, and I am not one of those people to say that one of the 43 countries I have visited so far has stood out. Every country offers something special; I love the Portuguese oranges, the Polish massages, the hospitality of the Cambodians, the coffee in Albania and Kosovo, the Norwegian moose sausage, the Vietnamese fruits. But Namibia has offered me something not even Germany has managed to offer so far; I’ve never felt more comfortable outside of my comfort zone, more myself, and arrived. So maybe I can now answer the question of which country is my favourite so far. Maybe I’ll call it „home“ soon, we will see…

       

      

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Not knowing exactly how many guests are coming to the wedding would be a real problem in Germany. Not here. A cousin-of brings 365 eggs as a wedding gift, a nephew-of-somebody-else brings 400kg of beef steaks, and so on. In conclusion: everyone was more than full and there was even food left over. My mom conjured up Persian foods and desserts with Michael’s sisters, one of the bridesmaids made the wedding cake the day before, someone else brought mopane worms (Yup. I tried them.), and much more which I unfortunately could not identify exactly. It was all delicious – even the worms.

       

       

       

       

       

       

The civil marriage ceremony is more of a formality. To do this, one must be at court as early as possible, because first come first serve. Friday morning at 8:00am we all arrive and wait about 45 minutes in the waiting room until we are allowed into the courtroom. It looks like it comes from an US series. Not quite as new and modern, and with the AC set way too cold, but basically the same. It doesn’t resemble the German romantic registry offices much. At 9:00am, the judge enters dressed in black robes and blue glittered high heels which flash a little under her robe with every step she takes – the scene reminds me a bit of Sex and the City 2, in which Carrie and her girls must hide amongst a group of fashionable ladies wearing burkas. She is so soft-spoken that we don’t understand much, except that she is very surprised that we are such a large wedding party. After all, we number about 20 people. The other couples-to-be have brought only their two witnesses. The usual questions; „Can you confirm that you are here of your own free will?“, „Can you confirm that you are not related?“ are accompanied by an „Obviously! I mean… look at them?!“ by Meme Aune, not worried about keeping her voice down. Mel and Shali are now officially married, and the judge throws them into a somewhat awkard „Now… say something nice“. To the contrary. LILILILILILILILILILILILILI! For us (Mama, Michael, Lara and Mona), we go back to Nina Farm to continue preparations. The others go to another farm between Windhoek and Nina. There, surrounded by free-roaming rhinos, they relax and have a picnic. Before we get in the car, Meme Aune gives me a warm hug and whispers to me „Now I’ve gained two daughters at once and you, my love, got another brother and another momma“. And I did.

       

       

       

       

       

The first night we all slept on Nina Farm. The second night we stayed with Roya and Hanso at Finkenstein. Finally I get to know the parents and brother of the two golden treasures Kyana and Layla, which I have been allowed to hold in my arms so often in Germany! Goodness! We slept at Auntie Lena over the next two nights. Auntie Lena, with her husband Eric and their daughter Erica, run a farm about 15 minutes drive from Nina Farm. Every one of these places feels so much like home because it’s filled with family, hospitality, love, life and laughter. It’s all starting to sound really cheesy, I know… but no kidding, it was really like that! Auntie Lena welcomed us all (Mama, Michael, Lara, Mona, Mel for a night, Tobi and Shiva, Michael’s brothers and sisters with children and so on…) not just making their house available, but filling the fridge too, all of this offered with the most open arms in which I was ever allowed to cuddle. In the evening we cooked together, and were happy to have Auntie Lena and her family with us for dinner so we could repay at least some of their hospitality.

       

       

       

The big day arrives! While Michael, along with Mona and Lara, went to the farm early in the morning to prepare the bridesmaids and groomsmen for the evening, we prepared the rest of the food, sewed the wedding dress (yes, on the wedding day), helped Mel put together an outfit for the after-party (yes, also on the wedding day) and whatever else was needed. Namibia has been dealing with a drought for almost three years now, and with no clear end they have to somehow cope with things (Hello climate change!). With the first sign of clouds for months, it happens… the skies open and it starts to drizzle! What would have ripped the ground from beneath the feet of a German bride brings tears of joy to the eyes of an African bride. Here, they say, if it rains on your wedding it is a sign that your deceased ancestors and family send their blessing for your marriage. Goosebumps. The day is already off to a great start before it’s even begun.

       

       

       

       

       

       

       

       

Before Mona and Lara drive off to the church they quickly conjure up a hairstyle… right, also very spontaneous. Luckily they are both there otherwise I’d be completely overstrained.

     

Ten minutes before going to church only Mama, Michael, Mel and I remain on the farm to help Mel get ready and we are doing really well for time. Mel only needs to put her shoes on before we can start driving. Mel bends down to tie the loop around her ankle… and her dress tears a good ten inches on her back! I take a deep breath and try to stay calm. „Mel…uhm… do not freak out, but… your dress just ripped.“ And Mel?! Peace personified. I keep my fingers crossed for all concerned, that one day I will be such a deeply relaxed bride. Moments later I found a needle and thread that, fortunately, Michael’s sister Rosi had laid aside in all her wisdom, and called Mama. Together with Michael, she sews Mel into her dress.

       

The church is a few minutes drive from Nina Farm, and the ride takes about 20 minutes along the gravel road. When we get to the church I gather up the bridesmaids so that we can get our bouquets and enter the church together. The church is full, and we could have filled it at least five more times with all the people who wanted to participate. The speeches and vows are heartwarming, eye-opening and goosebump-inducing. Since I cannot reproduce them or put them into words, I will upload them as soon as I collect them all. But one thing becomes clear to me again: As long as I cannot say the same thing about and to a man as Mel can say about and to Shali and as long as no man can say the same thing about and to me as Shali can say about and to Mel, I will remain a me with a clear conscience. THAT is what love between two people should be, activate in two people and activate two people in love in others. (Props go out to all my relationship role models: I dunno if you realise, but you have a huge impact on me).

       

       

       

       

[addendum, Nov 3rd 2019] Mel’s vow I can share already, I’ll submit Shali’s as soon as I have it:

„Hi babygh!
This… this right here is the most comfortable I’ve ever been. And I’ll tell you why.
Your warmth is radiant and ever sharing. And therefore I can never go cold.
Your eyes focused, unafraid and truth seeking. I can never be distrustful.
Your third clear, patient and forgiving. I can never be lost.
Your hands firm and aware. I can never be dropped.
Your smile big and never shy. I can never be faithless or unsafe.
Your mind ridiculously curious and rebellious. I can never be bored.
Your voice humble and careful. I can never be drowned.
Your ears present and waiting. I can never be silenced.
Your heart honest and playful. I can never be misled or put down.
And the rest of you is so damn squeeeeshy! I can never be uncomfortable.
This this right here is the most comfortable I’ve ever been. So thank you for sharing all your powers with me. I’m so excited to be sharing mine with you.
Now comfort is an interesting thing because I think it’s one of our most basic feelings we strive to achieve – a feeling of comfort and safety, throughout our joys and our fears, that knowing “everything will be ok”… as my papa says. BUT at the same time the uncomfortable things life has to offer are often the moments where we learn and grow the most… as my mama says. “this is a good learning opportunity”. And we all know full well that revolution doesn’t happen when we’re comfortable. That “in this life nothing gets handed to you, you have to work and go get it” as Meme says.
Oh our beloved parents! Thank you for teaching us to walk into life and this love with all our eyes wide open. Meme for raising an incredible man in a world that fights so hard for men not be. Mama and papa for raising me to see with my heart in a world that tells me to see with my fears. Because of you, we are. And because of you, I am. I am standing here today, in front of you and all of our loved ones, and I feel fierce and so full of life and love. Clear minded and more sure of who I am and what I want to become than I have ever been. Because of you, my love, I am. And I hope, trust, know that with me, you are.
We’ve already started building a home together, setting up strong foundations, making sure we have enough air and light coming in. Having an abundance of plants! As long as we’re careful about how we use water in this drought. We are empowered, safe and comfortable to be ourselves in our home. I’m so proud of us.
Comfort can be as small as the simple act of breathing. Breathing is all we have to give rest to heads and to give rhythm to our chests. Without it we can’t be a part of the playing or the learning. Now this is the comfort I am talking about. We breathe so beautifully together babygh and I love that we laugh every time we notice.
We are divinely placed here “see the signs, they’re all around us” as Freddy says. He’s right. It would be unwise to ignore them. “I’m ready, and it’s ok, ok?” as Chris said. And I am too babygh. I am ready to gracefully fall into this new world with you.. trusting that we will be wiser and better for it. Maybe even big enough to have kids one day. Because “ME Me I love you man” as you say and “I love allllllllll of you” as I say and will always say.“

       

       

       

       

Brides Peeeeeeeps <3
Groomsmen and Bridesmaids <3

With the religious portion of the wedding now over, the traditional African part begins. The bridal couple must now walk together from the church to the groom’s mother’s farm, accompanied by friends, family, dancers and music, where at the entrance gate they (hopefully) are allowed in by the mother and thus officially become part of the family. Meme Aune tells us, with a smile, how they used to take an endless amount of time, sometimes leaving the bride and groom to wait for hours at the gate. But not Meme Aune, she can’t wait to finally welcome them onto her property! Now the traditional handover of gifts begins: this should have taken place within a circle built of stone and clay especially for the wedding, but with so many guests there isn’t enough space, so a quick solution is devised. Gifts include a Bible, a bow and arrows, an axe and other traditional gifts with very profound meanings. The whole ceremony is accompanied by music, dancing and lots of LILILILILILILILI!!

       

       

       

       

The evening starts with something to eat, before the big party begins. Food from many different cultures and countries – but the most important thing I learnt this evening: Braai is fly! (Braai means BBQ) As already mentioned, everyone was more than full, and with filled stomachs the dance-floor could be inaugurated. Note to self: I urgently need to learn these amazing dance moves from Tara (Guuuuuuuurl!!!). Mel, herself an artist and musician, also performed some of her work as a mixture of jazz and poetry slam – and there they are again…those goosebumps. The party is over for me at 2:00 in the morning, my body still feeling the effects of some jet-lag and of the past few days‘ events. For the others it continues a little longer, until the sun rises again. But they don’t have far to go, because they simply camp on the fairground.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

        

       

   

It’s really difficult for me to put all the emotions and thoughts of this wedding into words, and then onto paper. Me, who is never at a loss for words. Even weeks later, I still search for them. This wedding, for so many reasons, will live longest in my memory – no offense to all the other weddings at which I have already had the pleasure to dance at! The way friends and family have tackled, gathered and pooled all their reserves of strength and nerve to make this day as perfect as possible. The love, openness and hospitality that each individual has shown me and us all. The little big chaos of everyone’s helping hands that has turned into something so beautiful. The humour none of us lost through all the stress we endured. All those people who made my heart grow a hundredfold because each one of them has a very special place in it.

After we slept in a little bit the next morning, we had breakfast together and say goodbye to everyone on the farm as Mama, Michael, Lara and I drive up to Tsumeb in the afternoon. In Tsumeb, Michael and his family built the Tsumeb Arts and Crafts Centre many, many years ago, where residents can sell their art to earn money. For some years, this arts and crafts center has made it onto the top of must-do lists of well-known online and offline travel guides – and rightly so! Not only can you buy something created with real passion, but also something which embodies the whole area. We felt comfortable here from the first second, and could not be happier spending the next five days here (with a little break in between).

       

       

       

       

       

The next morning, after breakfast, we drove to Etosha Pan. It’s about an hour’s drive from Tsumeb. I got the little Tippi from Africa jumping inside my heart (A book from my childhood which tells the tale of little Tippi, the daughter of two researchers in Africa, growing up in the midst of cheetahs and elephants – of course I always wanted to be like her). Somersaults of anticipation: Finally we get to see wild animals! Which is not quite true… when we drove back and forth along the gravel road between Windhoek and Nina Farm we were presented almost everything Namibia has to offer in flora and fauna; giraffes, springboks, zebra, warthogs, ostriches, monkeys and even an almost-wild-accident with an oryx! What would we have told our insurance company in Germany? Fortunately, Michael has very good reflexes and in contrast to us, the road in sight instead of the animal-filled landscape.

Wow! The Etosha Pan. Wow. Fun fact in passing: None of the following photos were taken with zoom, and none of the photos in this entire blog post have been retouched. With a lot of patience, peace and respect for nature you will get the best photos. But see for yourself:

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

When we arrived back in Tsumeb in the evening everyone is waiting for us: Mona, Jürgen (Michael’s brother), Alex (Jürgen’s son), Rosi and Biggi (Michael’s sisters) and even Oma (Michael’s mom). We spend the evening and the entire next day cooking, eating, playing cards, eating biltong (Snapsticks ftw!), shopping for sunglasses in a china shop, doing minor repairs on the property and lots and lots of laughing. A day’s break after all the hustle and bustle and the countless impressions is really good. Since it’s a bit warmer in Tsumeb than it is in Windhoek, we sleep – to the delight of all the mosquitoes – outside.

       

       

       

       

       

       

       

While writing this I notice two things: First, I just cannot keep my superlatives in check (#sorrynotsorry), and secondly I totally forgot to feed you information about this country. But I’ll catch you up with that quickly.

Namibia is home to about 2.2 million people. That is significantly less inhabitants than Berlin has, and that in a total area of ​​almost 830,000 km². By comparison, Germany is less than half as big. Until the end of the First World War (1884 – 1915) Namibia was still called German Southwest Africa and was a German colony. For another 70 years, Namibia had to thrive as a UN territory until, in 1990, it gained its independence from South Africa and its current name through strong international pressure. To this day, many streets have German names (and signs), there is an Oktoberfest, Carnival and also the gherkins from Thuringia can be bought at Spar around the corner. A bit crazy, but you get used to it quite quickly – after all, it feels like home. At least in Windhoek. If you travel, like us, even further north, you’ll quickly pass Black Forest Cherry Cake and Birkenstocks. Windhoek is not only the capital of the country, but also the biggest. Namibia’s second largest city is Rundu, on the border to Angola, where we will go the next day.

Namibia currently ranks 129th out of 189 countries worldwide in the Human Development Index. Since independence the country has made great strides in combating poverty, but in no other country in the world are wealth and poverty so unequally distributed as here. Unfortunately, I don’t know enough to form a clear opinion on the colonial history of Namibia, which is why I will not say much here. But what I know and can say is that unnecessary blood has flowed and I’m glad that Germany has been engaged in dialogue with Namibia since 2014 in order to work through the past. 

It’s already Wednesday, and after breakfast we drive to spend a night in Rundu. Rundu is located on the Okavango river in the Kavango region, right in the north of Namibia. In Rundu, Christopher and Mel grew up, and Michael spent much of his adult life there. The ride is absolutely spectacular! Mom and Michael didn‘t promise us (Lara, Mona and I) too much when they said that this is where the real Africa starts. Meter by meter it gets warmer, but the landscape gets a bit greener. Lined up at the side of the road are small villages made of clay, or corrugated iron huts. Michael remembers story after breathtaking story from years past which leave us amazed. Wow! It’s impressive what he has already done for this country, and what he has experienced here, especially in Rundu. And so we got the chance to meet a few of his friends on site – either for a coffee or to repair our rental car because it didn’t like the gravel roads too much.

       

       

       

Speaking of car hire. I definitely recommend renting a 4×4, otherwise you probably won’t have much fun. Whether in Etosha or somewhere off the few paved roads, with another car you will have little chance if you end up even a few meters off the road. If you’re driving on the left side of the road for the first time you should do it outside of the cities, on the straight roads, as the transition isn’t easy and you won’t have to worry about other cars on top of the animal slalom. Also to be recommended: A Michael as a passenger, always calmly pointing out if you turn onto the wrong side of the road, or giving you good advice ahead of time.

       

       

The Kavango region is named after its inhabitants, who are known for their wood carving art, which can be found, among other things, being sold on the side of the road. They are river people, divided into five tribes, which until today ensures its survival mainly by fishing. The capital of this region is Rundu. Throughout the area and as a natural border with Angola, the Okavango flows about 40km across the continent. This provides the livelihood to the poorest region of Namibia.

       

       

       

       

       

       

       

We actually wanted to sleep in the beautiful Tambuti Lodge, which used to be Michael’s home in the old days, and which he then expanded with other buildings before selling the land, the current owners turning it into a lodge. Unfortunately – everything is booked out – and rightly so. We decide to drive down the Okavango and look for a place to sleep. And behold! We land in another little micro-paradise.

       

       

       

       

       

       

We have our dinner at the Kavango River Lodge, with the most beautiful view over the Okavango. So nice that we manage not to say anything for minutes, and so beautiful that even I (eventually) pack my camera away. In the background we hear the go-away bird, which I have wanted to see and hear since my childhood and the 128th time watching „Animals are beautiful people“.

       

       

       

       

       

With a full stomach and sparkling eyes, we drive back to the lodge to end the day – as always – with 10-penny rummy. A power line somewhere has probably broken so we are left in the dark. Since this is normal here, candles are quickly organised and Lara gets into the horror story mood. Even today I get nightmares from a story she once told me as a kid, so I quickly get the playing cards. A short time later, the light and fan are back on.

       

In the morning for breakfast we get a visit from another of Michael’s friends, who has become headmaster at a school in the region. He tells us about his development programs he is currently implementing. Among other things, a program that aims to highlight the importance of hand washing, and another that sponsors sanitary napkins so that students can attend school while on their period and therefore don’t miss any lessons. Again, I become very humble when thinking about my life in Germany. Actually THE thing I love most about traveling: The more I am allowed to see of the world, the more humble and grateful I become for my life in Germany. At least I feel that way, it really grounds me regularly. We are really damn lucky in Germany.

Before we head back to Tsumeb, Michael shows us a bit more of the city. Among other things, a former (now vacant) mission station. He explains to us the politics of how to deal with a hompa (tribal chief of the respective Kavango tribes) or what you should and shouldn’t do on the border with Angola if you want to survive here. Once again he leaves us speechless before we ask him a flood of questions.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

We also discovered my two favourite African drinks up here, but you can actually buy these drinks throughout the country. Number one is the super refreshing and thirst quenching Rock Shandy. My favourite is Country Club. Rock Shandy is a blend of soda, lemonade, ginger ale and some non-alcoholic herbal liqueur.

My absolute favourite, and our drink of the vacation, is definitely Farmdudler. Rarely have I laughed as much as the moment mom spotted it at the gas station. Farmdudler tastes like Almdudler, just better somehow.

We have one more night in Tsumeb before going back to Windhoek for the last few days. As much as I look forward to seeing Roya, Hanso, Vahid, Rosi, Don, Mel and Shali again, I will miss Oma (btw almost 98 years old) and Biggi, who live in Tsumeb. Our last night is made even more perfect by Jürgen and Alex; they organised mosquito nets and hung them over our beds. OUR HEROES! That night I slept so well that in the morning I woke up completely confused, not knowing where I was at all. We tried to make the farewell as short and painless as possible. After all, it’s not a farewell, it’s a see you soon. A big chunk of my heart has definitely stayed in Tsumeb.

       

       

       

       

We made another small touristic detour on the way back to Namibia’s capital. Once we are here, we can’t resist seeing the largest meteorite ever found on Earth. A truly lovingly constructed area surrounds this 50-60 ton colossus of iron, nickel and cobalt. The Hoba meteorite hit the earth in the Otavi mountain, about 20km west of Grootfontein, about 80,000 years ago and will probably remain there forever. It’s estimated to be 190-410 million years old. If you stand on top of the meteorite, everything you say has a strange echoing sound that is hard to describe. Just try it! We discovered this only by accident, because I could not stop talking again. Obviously.

       

       

       

       

       

       

Arriving in Windhoek, a dinner awaits us along with everyone else. Gosh, how much I miss a full house. Okay okay, also the delicious food the ladies conjured up every night. On our penultimate day, we have breakfast at the Everyday Organic German Market and then plunder the Arts and Crafts Center in the city to buy some final souvenirs. With a heavy heart, we enjoy our last big family dinner and try not to think about having to return to Germany the day after.

       

       

       

       

       

       

Phew. Well, what should I say in conclusion… I think you could read the underlying tone within the last 6,000 words about how much this country has enchanted me. Once again I am so grateful that I was able to get to know and experience this country (with absolute certainty not for the last time) through family’s eyes, and again I did not have to be just a normal tourist. I am grateful for this country – not because I have seen so much misery and I am glad to be in Germany, but because I was allowed to be part of it and always will be. I am grateful for a family that is so great that I once again can’t find the words. I am grateful that each of these places feels like a home. I am thankful that I forgot all of my worries and fears, and re-learned to enjoy and live within the moment. But above all, I’m grateful that you, Michael, brought Namibia into my life.

While writing this text, I’ve taken the train several times around Germany, drank Paulaner Spezi, ate doner kebabs, organised appointments and other German things you can do to embrace your Germaness… but not for one second have I felt like I really arrived back in Germany. Will I ever again?

Warum Namibia

Namibia

Click here for the english version.

Wow. Afrika. Und wieder einmal machst Du mich sprachlos vor Glück.

In meinem Kopf tanzen zahlreiche Eindrücke und mein Herz ist bis unter den Rand gefüllt von Erinnerungen. Fast zwei Wochen lang habe ich versucht, einen roten Faden für diesen Blogbeitrag zu spinnen, aber so ganz will mir das nicht gelingen. Also habe ich beschlossen einfach drauf los zu schreiben und mich selber davon überraschen zu lassen, worauf dieser Blogpost hinauslaufen wird.

Wo fange ich am besten an … ?! Es ist Dienstagmittag und mit viel zu viel Zeit im Gepäck – klassische Bahia-Reisezeitrechnung – mache ich mich auf den Weg zum Münchner Flughafen. Ich fliege über Frankfurt, um dort mit meiner Mama, ihrem Mann Michael und zwei meiner Cousinen Lara und Mona über Äthiopien nach Namibia zu fliegen. Drei Stunden und 45 Minuten vor Abflug habe ich bereits mein Gepäck aufgegeben, am Vortag online eingecheckt und erfolgreich die Sicherheitskontrolle passiert. Glücklich darüber, dass alles reibungslos klappt und tiefenentspannt dank ausreichender Vorlaufzeit, sitze ich mit Buch am Flughafen, trinke einen Kaffee und esse eine Kleinigkeit dazu. Eine Arbeitskollegin sieht meinen Post auf Instagram, antwortet, dass sie wenige Minuten vor meinem Abflug ebenfalls im Münchner Transit sein wird und wir witzeln noch darüber, dass mein Flug sich doch bitte um ein paar wenige Minuten verspäten soll, damit wir uns noch auf eine schnelle Umarmung treffen können. Be careful what you wish for … Mein Boarding beginnt pünktlich, ich habe gerade als Letzte die ersten Schritte in den Tunnel zu meinem Flugzeug gemacht, als Theresa im Transit, genau an meinem Gate, die Treppe hochkommt – Schade! Haben wir uns also wirklich nur um wenige Augenblicke verpasst.

Boarding completed. Wenige Sekunden später folgende Durchsage:“Aufgrund Unwetter in Frankfurt verschiebt sich unser Start um bis zu 60 Minuten. Die Landing-Slots in Frankfurt mussten aufgrund des Unwetters neu organisiert werden und hoffentlich in Kürze erhalten wir unseren neuen. Wenn wir Glück haben, können wir aber schon innerhalb der nächsten 30-45 Minuten starten, da wir uns als abflugbereit erklärt haben.“ Wow. In Frankfurt habe ich eigentlich exakt 50 Minuten Zeit, um meinen Anschlussflug zu erwischen. Vorsichtshalber schreibe ich meiner Mama, damit sie Bescheid weiß, notfalls dem Flugpersonal Bescheid geben kann oder – wenn es doof läuft – ich einen Tag später nachfliegen werde. Zum aktuellen Zeitpunkt sind wir alle noch sehr entspannt. Ändern kann man eh nichts und es wird schon irgendwie alles werden. Mit 40 Minuten Verspätung erhalten wir endlich die langersehnte Start-, bzw. Landeerlaubnis. Um während des kurzen Fluges nicht alle zwei Sekunden die Uhrzeit zu überprüfen, versuche ich mich mit dem neuen Hörbuch der „Drei Fragezeichen“ abzulenken und meinen Puls auf einem einigermaßen gesunden Level zu halten.

Der Flug dauert kürzer als gedacht und so sind wir nach etwas mehr als 30 Minuten im Landeanflug. Die Stewardess gibt noch kurz alle Flüge durch, die erreicht oder nicht erreicht werden … außer meinen. Gefesselt an meinen Sitz, zu weit entfernt, um die Frage nach meinem Flug kurz rüber zu rufen, mache ich etwas, das ich sonst nie mache: Ich nehme mein Handy aus dem Flugmodus. Um meine Sprint-Route vorab schon einmal grob im Kopf zu haben, versuche ich online eine Karte des Transitbereichs des Frankfurter Flughafens zu recherchieren. Aus Sicherheitsgründen natürlich absolut keine Chance. Plan B: So viele Reiseblogs wie möglich überfliegen, die etwas über den Frankfurter Transit berichten. Das klappt schon besser. Eine ganz grobe Route habe ich also im Kopf. Parallel halte ich meine Familie auf dem Laufenden, deren Boarding bereits begonnen hat, während ich noch sprichwörtlich in der Luft hänge. Das Flugzeug hat gegen 21:45 Uhr gerade wenige Millisekunden Boden unter den Füßen, als die ersten Passagiere schon wie von der Schlange gebissen aufspringen und die Overhead Locker öffnen, um ihr Gepäck heraus zu zerren. Noch gehöre ich nicht dazu, denn ich weiß genau, dass das Flugzeug sich auf dem Rollfeld nicht bewegen darf, wenn nicht alle Passagiere im Sitzen angeschnallt sind und das Gepäck sicher verstaut ist. Und prompt kommt auch die ermahnende Durchsage des Boardpersonals, sich umgehend wieder zu den Plätzen zu begeben.

Mit einem Puls von 390 beobachte ich den Sekundenzeiger auf meiner Uhr. Der Minutenzeiger ist mittlerweile irrelevant geworden. Es ist 21:49 Uhr. Mein nächstes Flugzeug soll um 22:05 Uhr abheben, Boarding war bereits um 21:20 Uhr. Die 50 panischen Passagiere haben sich endlich wieder gesetzt. Nächste Durchsage:“Wir können uns erst in die endgültige Parkposition begeben, wenn Sie das Gepäck aus dem Gang räumen und sicher über Ihnen in den dafür vorgesehenen Gepäckfächern verstauen.“ Ich nutze meinen kurzen Moment, in dem ich eh nichts an der Situation ändern kann, springe von meinem Sitz auf, renne acht Reihen nach vorne auf einen freien Sitz und katapultiere auf dem Weg noch zwei herrenlose Koffer an ihren Platz. Der junge Mann neben mir guckt mich erst überaus irritiert und entgeistert an, dann lachen wir beide los – sein Anschlussflug geht um 22:10 Uhr und er kann mich absolut verstehen. Wir haben nun endlich unsere endgültige Parkposition erreicht und diesmal springen alle Passagiere gleichzeitig auf und versuchen möglichst schnell Richtung Ausgang zu kommen. Es ist 21:53 Uhr und Gerhard mitsamt Ehegattin Kunigunde (diese Namen sind fiktiv) durchstöbert ersteinmal in aller Seelenruhe, den Gang verstopfend, das Handgepäck nach einem Kaugummi. Nach mehrfach ignorierter Bitte, uns kurz durchzulassen, ruft ein weiterer Passagier von hinten – diesmal nicht ganz so höflich wie ich -, dass doch bitte alle sitzen bleiben sollen, die keinen Anschlussflug haben, damit wir noch einen Hauch von Möglichkeit haben, unseren zu erwischen. Macht natürlich niemand.

Es ist 21:55 Uhr und meine Mama schickt mir eine Sprachnachricht, in der sie mir mit tränenbelegter Stimme erklärt, dass sie gerade alles dafür tut, aber das Bodenpersonal das Boarding schließen möchte. Genau so wie Mütter unentdeckte Kräfte entwickeln, wenn sie ihr Kind schützen möchten, entwickeln Kinder unentdeckte Kräfte, wenn sie ihre Mama weinen hören oder sehen. Unentdeckte Kräfte und zugleich bislang unbekanntes, überaus unhöfliches Verhalten – sorry nochmal an dieser Stelle an alle, die ich über den Haufen gerannt habe. Eigentlich bin ich ganz nett. Nachdem Gerhard auch den vierten Koffer aus der Gepäckablage geholt hat, der nicht seiner Kunigunde gehört und er ihn daraufhin wieder in Zeitlupe verstaute, quetsche ich mich ohne Rücksicht auf Verluste einfach an ihnen vorbei.

Es ist 21:56 Uhr und ich muss von A11 nach B44. Mit der letzten Sprachnachricht meiner Mutter im Kopf und zwei kaputten Knien, die absolut nicht fürs Joggen gemacht sind, breche ich Usain Bolts Weltrekord auf keine-Ahnung-wieviele-Meter im Transit des FRA. 22:01 Uhr, ich sehe von weitem die Passkontrolle (da wir nach Äthiopien reisen) und rufe aus voller Kehle „Sorry guys, I have a flight to catch!“, boxe mir meinen Weg durch die Menschen, versuche über Tensatoren zu springen (was nicht wirklich klappt und ich sie deshalb einfach umrenne) und knalle hechelnd und hyperventilierend meinen Pass und meine Boardkarte auf den Tresen des Polizeibeamten. Warum sie mich nicht festgenommen haben, ist mir bis heute schleierhaft. Da ich weder ein einziges Wort raus kriege, noch meine Gedanken überhaupt in Worte bündeln könnte, erhalte ich von ihm als Antwort lediglich einen perplexen Gesichtsausdruck und ein „Das Boarding ist bereits beendet.“. Auf mein kaum zu verstehendes „Mir egal.“ lässt er mich passieren und ich renne weiter.

Es ist 22:03 Uhr und ich erreiche mein Gate. Dort angekommen, mit einem Hals so trocken wie Sand, endgültig sprachlos lege ich schwer atmend meinen Boardingpass auf den Tresen. Es ist der Falsche. Aber keine Sorge! Ich hatte ihn nur den falschen von beiden gegeben. Die Dame guckt sich den neuen Boardingpass genauer an und von hinten höre ich ihren Kollegen erstaunt:“Is that her?! Did she actually make it?!“ Diesmal bin ich es, die irritiert guckt und werde gefragt:“Kann es sein, dass Ihre Familie drinnen auf Sie wartet?“ Deutlich irritierter bejahe ich ihre Frage. „Gehen Sie schnell rein! Sie werden sehnsüchtig erwartet.“ und mit einem strahlenden Lächeln fügt ihr Kollege noch hinzu „I’m so very glad you made it!“ Mein Puls ist zu hoch, um mir darüber weiter Gedanken zu machen und ich muss mich darauf konzentrieren, meine Wackelpudding-Beine halbwegs unter Kontrolle zu halten. Ich gehe durch das Drehkreuz und auf der anderen Seite erwarten mich drei Polizisten mit dem gleichen strahlenden Lächeln und einem „Wow! Sie haben es wirklich geschafft! Gehen Sie schnell weiter!“ Okay. Was geht hier vor sich? Ich betrete das Flugzeug, schwer schnaufend und mit den Nerven am Ende überreiche ich der Flugbegleiterin meinen Boardingpass. Zuerst will sie mich in den zweiten Gang schicken, guckt dann nochmals auf meinen Namen und lotst mich mit Freudentränen in den Augen zurück. Zwei ihrer Kollegen rufen „OH MY GOSH IS THAT HER?!?“. Mit wem werde ich gerade verwechselt?! Die erste Flugbegleiterin schiebt mich schnell in den ersten Gang zurück und flüstert mir ein „Your mom will be so happy to see you.“ ins Ohr, nachdem ich auch schon meiner Mama vor Freude weinend in die Arme falle und Lara ein paar Reihen weiter schallend lachen und meinen Namen rufen höre. Im Hintergrund Applaus der anderen Fluggäste und laute Rufe der Glückseligkeit. No kidding. Wie sich herausstellte, hat meine Familie und vor allem meine Mama wirklich ALLES versucht, um das Flugzeug aufzuhalten, hatte schon eine Sitzblockade gestartet und wollte einen Herzinfarkt vortäuschen. Am Ende hatte das gesamte Flugzeug mitgefiebert, gebetet und letztendlich Laolawellen gestartet, als ich das Flugzeug betrat. Im Hintergrund der überaus dramatische Ethiopian-Airlines-Jingle, den ihr euch hier anhören könnt und der meinen Auftritt perfekt machte. Wow. Zumindest meine Mom und ich waren so vollgepumpt mit Adrenalin, dass wir die ersten sechs Stunden Flug hellwach einen Disneyfilm nach dem anderen zusammen anguckten, um uns irgendwie wieder zu beruhigen – selbstverständlich auch Aladdin. Vielleicht auch zwei Mal.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191001_225333-300x225.jpg         Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191002_080208-300x225.jpg

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191001_225316-225x300.jpg

Aber warum fliegen wir überhaupt nach Namibia? Aus einem der wundervollsten Gründe: Meine Schwester Mel heiratet! Nach dem Tod meines Werners hat meine Mama im Mai 2018 erneut geheiratet und es könnte mich kaum glücklicher machen. Michael bringt nicht nur sich mit in die Familie, sondern auch zwei neue Geschwister. Als Kind sind seine Eltern mit ihm und all seinen Geschwistern zur Entwicklungshilfe von Deutschland nach Namibia gezogen, er durfte dort aufwachsen und den Großteil seines Lebens verbringen. Seine Kinder Christopher und Melanie sind beide in Namibia geboren und aufgewachsen. Deshalb heiratet seine Tochter auch dort.

(Kleine Erklärung am Rande: Ich spreche hier von „meinem Werner“ und „meinem Michael“, weil beiden Männern die Bezeichnung und der Titel „Stiefpapa“ einfach nicht gerecht werden würde. Sie sind beide mehr als das und werden immer mehr als das bleiben.)

       Namibia

Nach etwa 20 Stunden Flug und Reise landen wir in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia – sogar mein Backpack hat es geschafft, womit ich wirklich nicht gerechnet habe! Noch vor der Immigration, bevor ich auch nur einen Fuß auf offiziell namibianischen Boden gesetzt habe, werde ich Zeuge davon, wie wertvoll Michael nicht nur für mich geworden ist (emotional, nicht aus dem folgenden Grund), sondern für dieses Land schon immer war: Während sich der Normalsterbliche eine halbe Ewigkeit an die klassische Passkontrolle anstellt, werden wir zum Diplomateneingang gewunken, wo unsere Pässe kontrolliert werden und Michael ein Pläuschchen auf Afrikaans mit einer Botschafterin des Senegal hält, deren Töchter ich auf der Hochzeit wenige Tage später kennenlernen darf. Am Flughafen kaufe ich, wie immer, eine nationale SIM Card (3GB/Wochen für etwa €4,00/Woche) und lasse sie mir vor Ort einrichten, um sicher zu stellen, dass sie auch funktioniert. Wir holen unseren Mietwagen ab und machen uns auf den Weg zur Nina Farm, auf der die Hochzeit in wenigen Tagen stattfinden soll. Eine Adresse gibt es nicht, lediglich GPS Daten.

       

       

Die Nina Farm gehört der Mutter des Bräutigams: (Martin) Shali, benannt nach einem bedeutenden General Namibias. Shalis Mutter selbst war eine der Freiheitskämpferinnen, die auf Seiten des SWAPO (South-West Africa People’s Organisation) für die Freiheit und gegen das Apartheid-Regime der Südafrikaner kämpfte und das bis heute noch tut – dementsprechend besondere Gäste durfte ich an der Hochzeit kennenlernen. Die Nina Farm wurde erbaut auf dem Grundstück einer ehemaligen Tankstelle, die von einer rassistisch geprägten weißen Minderheit betrieben wurde. Nicht zuletzt um ein Zeichen zu setzen, kaufte Meme Aune (Shalis Mutter) diesen Grund und Boden und errichtete ihre Rinderfarm hier. Rassismus ist bis heute noch ein sehr großes Thema und Problem in Namibia. Ein weiterer Grund, warum die Hochzeit von Mel und Shali für alle auf verschiedenen Ebenen etwas ganz Besonderes ist: Sie setzt ein Zeichen. Manche sehen an diesem Tag zum ersten Mal, dass eine weiße Frau einen farbigen Mann küsst.

       

(Don’t they look like movie stars?!)

Die ersten Tage verbringen wir mit dem Aufbau (und der Planung) der Hochzeit, untermalt von vielen LILILILILILILI-Rufen, sobald die Braut gesichtet wird. Eine afrikanische Hochzeit ist eben keine deutsche Hochzeit, die zwölf Monate im Voraus penibel durchgeplant wird – vor allem nicht, wenn Mel die Braut ist Und so kommt es, dass im Prinzip nichts weiter geplant und durchdacht ist als die Gästeliste. Sogar die Gästeliste ist eher eine offene Einladung an das ganze Land, weshalb auch keiner genau weiß, wie viele Menschen erwartet werden können. Explizit ausgeladene Hochzeitscrasher inklusive! Aber hey. Als Enkel von Nelson Mandela kann man das schon mal machen. Wie ich es geschafft habe, meine für mich typische und penibel getaktete Organisation und Planung über den Haufen zu werfen und einfach mit dem Flow mit zuschwimmen, kann ich mir nur dadurch erklären, dass dieses Land und seine Menschen mich schlichtweg verzaubert haben. Die Reise hier her ist alles andere als meine erste Reise und ich gehöre nicht zu den Menschen, die sagen, dass ein Land aus meinen bis dato 43 Bereisten besonders hervorgestochen hat. Jedes Land hat etwas für sich Besonderes und wo ich von den portugiesischen Orangen, den Massagen in Polen, der Gastfreundschaft in Kambodscha, dem Kaffee in Albanien und im Kosovo, der Elchswurst in Norwegen, den Früchten im Vietnam […] schwärme, so hat Namibia etwas geschafft, das bisher noch nicht einmal Deutschland geschafft hat: Ich habe mich außerhalb meiner Komfortzone noch nie so wohl, ich selbst und angekommen gefühlt. Vielleicht habe ich also nun doch eine Antwort auf die Frage, welches Land mir bisher am Besten gefallen hat. Vielleicht werde ich aber auch bald „Zuhause“ dazu sagen. Es wird sich zeigen …

       

      

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Dass wir nicht genau wissen, wie viele Gäste zur Hochzeit kommen, wäre in Deutschland ein echtes Problem. Hier nicht. Der Cousin-von bringt 365 Eier als Hochzeitsgeschenk, der Neffe-von 400 KG Rindersteaks und so weiter. Fazit: Jeder wurde mehr als satt und es blieb sogar noch was übrig. Meine Mama zauberte mit Michaels Schwestern persisches Essen und Nachtische, die wir am Vorabend gemeinsam fertig machten, eine der Brautjungfern die Hochzeitstorte, ein anderer Mopane-Raupen (Yup. Ich habe sie probiert.) und noch vieles mehr, das ich leider nicht genau identifizieren konnte. Es war auf jeden Fall alles lecker – sogar die Raupen.

       

       

       

       

       

       

Die standesamtliche Hochzeit ist mehr eine Formsache. Hierzu trifft man sich so früh morgens wie möglich bei Gericht, denn first come, first serve. Freitagmorgen um 08:00 Uhr treffen wir alle ein, warten für etwa eine dreiviertel Stunde im Warteraum, bis wir in den Gerichtssaal dürfen. Dieser sieht aus, wie man ihn aus Ami-Serien kennt. Nicht ganz so neu und modern und die AC auf viel zu kalt eingestellt, aber im Prinzip genauso. Mit den deutschen romantischen Standesämtern hat das nicht viel zu tun. Um 09:00 Uhr betritt die Richterin in schwarzer Robe und blauen Glitzer-Highheels, die bei jedem Schritt ein wenig unter ihrer Robe hervor blitzen (die Szene erinnert mich etwas an Sex and the City 2, in der Carrie sich mit ihren Mädels auf dem Bazar verstecken muss und an die Gruppe Modemädchen in Burka gerät und ich muss schmunzeln), den Court Room. Sie spricht so leise, dass wir nicht viel verstehen, außer dass sie sehr überrascht darüber ist, dass wir doch eine so große Hochzeitsgesellschaft sind. Wir sind etwa 20 Personen. Die anderen Ehepaare-to-be bringen lediglich ihre beiden Trauzeugen mit. Das Übliche „Bestätigen Sie, dass Sie aus freien Stücken hier sind?“, „Bestätigen Sie, dass sie nicht verwandt sind?“, begleitet von einem „Obviously! I mean … look at them?!“ von Meme Aune und vieles, das wir der Lautstärke geschuldet nicht hören. Mel und Shali sind nun offiziell verheiratet und die Richterin wirft ihnen ein etwas unbeholfenes „Now … say something nice.“ entgegen. LILILILILILILILILILI! Für uns (Mama, Michael, Lara und Mona) geht es zurück auf die Nina Farm, um dort weiter aufzubauen. Die anderen fahren zu einer anderen Farm zwischen Windhoek und Nina Farm, um dort mit einem Picknick, umringt von freilaufenden Rhinos, etwas zur Ruhe zu kommen. Bevor wir ins Auto einsteigen, nimmt mich Meme Aune noch einmal herzlich in den Arm und flüstert mir ein „Now I got two daughters at once and you, my love, got another brother and another momma.“ And I did.

       

       

       

       

       

Die erste Nacht schlafen wir alle auf der Nina Farm. Die zweite Nacht bei Roya und Hanso in Finkenstein. Endlich lerne ich die Eltern und den Bruder zu den beiden Goldschätzen Kyana und Layla kennen, die ich in Deutschland schon so oft in den Arm nehmen durfte! Hach. Die nächsten beiden Nächte schlafen wir bei Auntie Lena. Auntie Lena betreibt mit ihrem Mann Eric, deren gemeinsamer Tochter Erica und einer weiteren Hilfe eine Farm ca. 15 Minuten Autofahrt entfernt der Nina Farm. Jeder einzelne dieser Orte fühlt sich so sehr nach Zuhause an, weil er gefüllt ist mit Familie, Gastfreundschaft, Liebe, Leben und Lachen. Langsam klingt alles sehr kitschig, ich weiß. But no kidding, es war wirklich so! Auntie Lena stellt uns (Mama, Michael, Lara, Mona, für eine Nacht Mel, Tobi und Shiva, Michaels Geschwistern mit Kindern und Anhang) nicht nur einfach ihr Haus zur Verfügung, sondern füllt den Kühlschrank bis oben hin und empfängt uns mit den offensten Armen, in die ich jemals einkuscheln durfte. Abends kochen wir gemeinsam und freuen uns, dass auch Auntie Lena und ihre Familie mit uns gemeinsam essen und wir uns ein wenig revanchieren können.

       

       

       

Der große Tag steht an! Während Michael früh morgens mit Mona und Lara auf die Farm gefahren ist, um mit den Brautjungfern und Groomsmen den letzten Feinschliff für abends vorzunehmen, bereiten wir anderen bei Auntie Lena das restliche Essen vor, nähen das Brautkleid fertig (Ja, am Tag der Hochzeit.), helfen Mel ein Outfit für die Party danach zusammen zu stellen (Ja, ebenfalls am Tag der Hochzeit.) und was eben sonst noch so anfällt. Namibia wartet seit drei Jahren auf Regen, muss irgendwie lernen mit der aktuellen Dürre zurecht zu kommen (Hallo Klimawandel!) und hat seit Monaten keine Wolken mehr gesehen … dann passiert es. Wolken ziehen auf und es tröpfelt! Was einer deutschen Braut nun endgültig den Boden unter den Füßen weggerissen hätte, treibt einer afrikanischen Braut Tränen der Freude in die Augen. Wenn es an Deinem Hochzeitstag regnet, geben Dir Deine verstorbenen Vorfahren und Familienmitglieder ihren Segen für die Ehe, sagt man hier. Gänsehaut. Der Tag scheint noch besser zu werden als er ohne hin schon ist und sein wird.

       

       

       

       

       

       

       

       

Bevor Mona und Lara mit den anderen zur Kirche vorfahren, wird noch schnell eine Frisur gezaubert … richtig. Ebenfalls sehr spontan. Zum Glück sind die beiden noch da, denn ich wäre damit völlig überfordert.

     

Zehn Minuten vor Abfahrt in die Kirche sind nur noch Mama, Michael, Mel und ich auf der Farm. Ich helfe Mel sich fertig zu machen und wir sind wirklich gut im Zeitplan. Nur noch Schuhe anziehen und wir können losfahren. Mel bückt sich, um die Schlaufe um ihren Knöchel zu binden … und ihr Kleid reißt gute zehn Zentimeter am Rücken auf. Ich atme tief ein und versuche ruhig zu bleiben. „Mel … uhm … don’t freak out, but … your dress just ripped.“ Und Mel?! Die Ruhe in Person. Ich drücke mir und allen Beteiligten die Daumen, dass ich auch mal so eine tiefenentspannte Braut werde. Wenige Augenblicke später hatte ich Nadel und Faden gefunden, die mir Michaels Schwester Rosi glücklicherweise vorher noch in aller Weisheit zur Seite gelegt hatte, und Mama gerufen. Gemeinsam mit Michael näht sie Mel in ihr Kleid ein, ich binde ihr die Schlaufen der Schuhe um die Knöchel und wir fahren los.

       

Die Kirche ist wenige Minuten mit dem Auto von Ninas Farm entfernt und die Fahrt dauert etwa 20 Minuten entlang der Sandpad. An der Kirche angekommen, trommle ich die restlichen Brautjungfern zusammen, damit wir unsere Blumensträuße in die Hand nehmen und gemeinsam in die Kirche einlaufen können. Die Kirche ist voll und wir hätten sie wohl noch mindestens fünf weitere Male füllen können mit all den Menschen, die daran teilhaben wollten. Die Reden und Gelöbnisse sind herzerwärmend, augenöffnend und gänsehautverursachend. Da ich sie unmöglich wiedergeben oder in Worte fassen kann, werde ich sie nachreichen und hochladen, sobald ich sie alle zusammengesammelt habe. Aber eins wird mir wieder klar: Solange ich nicht das Gleiche über und zu einem Mann sagen kann, wie Mel über und zu Shali und solange kein Mann das Gleiche über und zu mir sagen kann, wie Shali über und zu Mel, bleibe ich gerne und mit gutem Gewissen ein Ich. DAS muss Liebe mit zwei Menschen machen, in zwei Menschen auslösen und zwei verliebte Menschen in anderen auslösen. (Probs gehen raus an all meine relationship role models: I dunno if you realize that, but you have a huge impact on me.)

       

       

       

       

[Nachtrag, 03. November 2019]
Mels vow kann ich euch schon präsentieren, Shalis reiche ich nach, sobald ich ihn habe:

„Hi babygh!
This… this right here is the most comfortable I’ve ever been. And I’ll tell you why.
Your warmth is radiant and ever sharing. And therefore I can never go cold.
Your eyes focused, unafraid and truth seeking. I can never be distrustful.
Your third clear, patient and forgiving. I can never be lost.
Your hands firm and aware. I can never be dropped.
Your smile big and never shy. I can never be faithless or unsafe.
Your mind ridiculously curious and rebellious. I can never be bored.
Your voice humble and careful. I can never be drowned.
Your ears present and waiting. I can never be silenced.
Your heart honest and playful. I can never be misled or put down.
And the rest of you is so damn squeeeeshy! I can never be uncomfortable.
This this right here is the most comfortable I’ve ever been. So thank you for sharing all your powers with me. I’m so excited to be sharing mine with you.
Now comfort is an interesting thing because I think it’s one of our most basic feelings we strive to achieve – a feeling of comfort and safety, throughout our joys and our fears, that knowing “everything will be ok”… as my papa says. BUT at the same time the uncomfortable things life has to offer are often the moments where we learn and grow the most… as my mama says. “this is a good learning opportunity”. And we all know full well that revolution doesn’t happen when we’re comfortable. That “in this life nothing gets handed to you, you have to work and go get it” as Meme says.
Oh our beloved parents! Thank you for teaching us to walk into life and this love with all our eyes wide open. Meme for raising an incredible man in a world that fights so hard for men not be. Mama and papa for raising me to see with my heart in a world that tells me to see with my fears. Because of you, we are. And because of you, I am. I am standing here today, in front of you and all of our loved ones, and I feel fierce and so full of life and love. Clear minded and more sure of who I am and what I want to become than I have ever been. Because of you, my love, I am. And I hope, trust, know that with me, you are.
We’ve already started building a home together, setting up strong foundations, making sure we have enough air and light coming in. Having an abundance of plants! As long as we’re careful about how we use water in this drought. We are empowered, safe and comfortable to be ourselves in our home. I’m so proud of us.
Comfort can be as small as the simple act of breathing. Breathing is all we have to give rest to heads and to give rhythm to our chests. Without it we can’t be a part of the playing or the learning. Now this is the comfort I am talking about. We breathe so beautifully together babygh and I love that we laugh every time we notice.
We are divinely placed here “see the signs, they’re all around us” as Freddy says. He’s right. It would be unwise to ignore them. “I’m ready, and it’s ok, ok?” as Chris said. And I am too babygh. I am ready to gracefully fall into this new world with you.. trusting that we will be wiser and better for it. Maybe even big enough to have kids one day. Because “ME Me I love you man” as you say and “I love allllllllll of you” as I say and will always say.“

       

       

       

       

Brides Peeeeeeeps <3
Groomsmen and Bridesmaids <3

Die religiösen Trauungen sind vorbei und der traditionell afrikanische Teil der Hochzeit beginnt: Das Brautpaar muss nun gemeinsam zu Fuß den Weg von der Kirche bis zur Farm der Mutter des Bräutigams gehen, begleitet von Freunden, Familie, Tänzern und Musik, um am Tor der Farm (hoffentlich) von der Mutter hereingelassen zu werden und somit offiziell zur Familie zu gehören. Meme Aune erzählt uns schmunzelnd davon, wie sie sich früher gerne endlos damit Zeit ließen und das Brautpaar teilweise stundenlang am Tor warten musste. So aber nicht bei Meme Aune: Sie kann es kaum erwarten, die beiden endlich auf ihrem Grundstück zu begrüßen. Nun beginnt die traditionelle Geschenkeübergabe: Diese hätte eigentlich in einem eigens dafür aus Stein und Lehm gemauerten Kreis stattfinden sollen, allerdings sind wir so viele Gäste, dass der Platz nicht ausreicht und es kurzer Hand outgesourced wird. Als Geschenke erhalten Sie unter anderem eine Bibel, ein Pfeil und Bogen, eine Axt und weitere traditionelle Geschenke mit sehr tiefgründigen Bedeutungen. Begleitet und untermalt wird das Ganze wieder mit Musik, Tanz und ganz viel LILILILILILI.

       

       

       

       

Der Abend wird mit Essen eingeleitet, bevor die große Party beginnt. Essen aus verschiedensten Kulturen und Ländern – aber das Wichtigste, das ich an diesem Abend lerne: Braai is fly! [Braai bedeutet BBQ] Wie schon erwähnt, wurden alle mehr als satt und mit gefüllten Mägen konnte dann die Tanzfläche eingeweiht werden. Memo an mich: Ich muss mir dringend von Tara diese wahnsinns Tanzmoves beibringen lassen (Guuuuuuurl!!). Mel, selber Künstlerin und Musikerin, gibt ebenfalls ein paar ihrer Kunststücke als eine Mischung aus Jazz und Poetryslam zum Besten – und da ist sie wieder, diese Gänsehaut. Die Party ist für mich gegen 02:00 Uhr morgens beendet, weil uns allen noch der Flug und die letzten Tage in den Knochen hängen. Für die anderen geht es teilweise weiter, bis die Sonne wieder aufgeht. Weit haben sie es aber nicht, da einfach auf dem Festgelände gezeltet wird.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

        

       

   

Mir fällt es wirklich schwer, all die Emotionen und Gedanken dieser Hochzeit in Worte zu fassen und auf digitales Papier zu bringen. Mir, der nie die Worte fehlen. Auch Wochen danach suche ich immer noch nach ihnen. Diese Hochzeit war auf so vielen Ebenen die mir am nachhaltigsten in Erinnerung bleibende – no offense an alle anderen wundervollen Hochzeiten, auf denen ich schon tanzen durfte! Die Art, wie Freunde und Familie angepackt, alle Kraft- und Nervenreserven gesammelt und gebündelt haben, um diesen Tag so perfekt wie möglich zu machen. Die Liebe, Offenheit und Gastfreundschaft, die jeder einzelne mir und uns entgegengebracht hat. Das kleine große Chaos, das mit so vielen Händen und noch mehr Handgriffen in etwas so Schönes verwandelt wurde. Den Humor, den keiner von uns über all den Stress verloren hat. All die Menschen, die mein Herz um ein Hundertfaches größer werden ließen, weil jeder Einzelne von ihnen einen ganz besonderen Platz darin hat.

Nachdem wir am nächsten Morgen ein wenig ausschlafen konnten, wieder gemeinsam frühstückten und uns auf der Farm von allen verabschieden, fahren Mama, Michael, Lara und ich nachmittags noch nach Tsumeb weiter. In Tsumeb erbaute Michael mit seiner Familie vor vielen, vielen Jahren das Tsumeb Arts and Crafts Centre, in dem Anwohner ihre Kunst verkaufen und somit Geld verdienen können. Dieses Arts und Craft Center hat es schon seit einigen Jahren nach ganz oben auf die Must-Do-Listen der bekannten online und offline Reiseführer geschafft – zurecht. Nicht nur was man kaufen kann ist mit viel Herzblut und Leidenschaft erschaffen worden, sondern das gesamte Gelände. Man fühlt sich ab der ersten Sekunde wohl und wir könnten nicht glücklicher darüber sein, die nächsten fünf Tage (mit kleiner Unterbrechung) hier zu verbringen.

       

       

       

       

       

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, fahren wir in die Etosha Pfanne. Diese ist etwa eine Stunde Autofahrt von Tsumeb entfernt. In mir hüpft die kleine Tippi aus Afrika (Ein Buch meiner Kindheit, das von der kleinen Tippi erzählt, die als Tochter von zwei Forschern in Afrika zwischen Geparden und Elefanten aufwachsen darf – natürlich wollte ich immer wie sie sein.) Saltos vor Vorfreude: Endlich sehen wir wilde Tiere! Wobei das so nicht ganz stimmt. Allein auf den vielen Fahrten auf der Sandpad zur Nina Farm und auch auf der Strecke nach Windhoek wurde uns schon fast alles präsentiert, das Namibia so an Flora und Fauna zu bieten hat: Giraffen, Springboks, Zebras, Warzenschweine, Strauße, Affen und sogar einen beinahe-Wildunfall mit einer Oryx. Was wir wohl der Versicherung in Deutschland erzählt hätten? Zum Glück hat Michael sehr gute Reflexe und im Gegensatz zu uns die Straße im Auge und nicht die von Tieren erfüllte Ferne.

Wow! Die Etosha Pfanne. Wow. Fun Fact am Rande: Keines der folgenden Fotos wurde mit einem Zoom fotografiert und überhaupt keines der Fotos in diesem gesamten Blogpost ist (nach)bearbeitet. Mit viel Geduld, Ruhe und Respekt vor der Natur gelingen einem die besten Fotos. Aber seht selbst:

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Als wir abends wieder in Tsumeb ankommen, warten auch schon Oma (Michaels Mama), Mona, Jürgen (Michaels Bruder), Alex (Jürgens Sohn), Rosi (Michaels Schwester) und Biggi (Michaels Schwester) auf uns. Den Abend und den gesamten nächsten Tag verbringen wir gemeinsam mit kochen, essen, Karten spielen, Biltong essen, Sonnenbrillen-Shopping im China Shop, kleinen Reparaturen am Grundstück und viel, viel lachen. Einen Tag Pause nach all dem Trubel und den unzähligen Eindrücken tut wirklich gut. Da es in Tsumeb nochmal ein bisschen wärmer ist als schon zuvor in Windhoek, schlafen wir – ganz zur Freude aller Mücken – draußen.

       

       

       

       

       

       

       

Während des Schreibens fallen mir zwei Dinge auf: Zum einen schaffe ich es einfach nicht meinen Superlativ im Zaum zu halten (#sorrynotsorry) und zum anderen habe ich total vergessen, euch mit Informationen über dieses Land zu füttern. Aber das hole ich jetzt mal schnell nach.

Namibia beheimatet etwa 2,2 Mio Menschen. Das sind deutlich weniger Einwohner als Berlin hat, und das auf einer Gesamtfläche von knapp 830.000 km². Zum Vergleich: Deutschland ist weniger als halb so klein. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1884 – 1915) hieß Namibia noch Deutsch-Südwestafrika und war eine deutsche Kolonie. Weitere 70 Jahre musste sich Namibia als UN-Territorium durchschlagen, bis es 1990 endlich durch starken internationalen Druck seine Unabhängigkeit von Südafrika und seinen heutigen Namen erlangte. Bis heute haben viele Straßen deutsche Namen (und Schilder), es gibt ein Oktoberfest, Karneval und auch die Essiggurken aus Thüringen kann man im Spar um die Ecke einkaufen. Bisschen verrückt, aber man gewöhnt sich doch recht schnell daran – schließlich fühlt es sich an wie Zuhause. In Windhoek zumindest. Reist man, wie wir, noch weiter in den Norden, ist es auch ganz schnell vorbei mit Schwarzwälderkirschtorte und Birkenstocks. Windhoek ist nicht nur die Hauptstadt des Landes, sondern auch die Größte. Die zweitgrößte Stadt Namibias ist Rundu, an der Grenze nach Angola, wo wir am nächsten Tag hinfahren werden.

Aktuell belegt Namibia Platz 129 von 189 Staaten weltweit im Human Development Index. Seit seiner Unabhängigkeit hat das Land große Fortschritte gemacht, um die Armut zu bekämpfen, allerdings sind in keinem Land der Welt Reichtum und Armut so ungleich verteilt wie hier. Über die Kolonialzeitgeschichte Namibias kann ich mir leider noch keine ausgeprägte Meinung bilden, weshalb ich hier nicht viel zu sagen werde, da ich mich noch nicht genug damit auskenne. Was ich allerdings weiß und sagen kann, ist, dass unnötig viel Blut geflossen ist und dass ich froh darüber bin, dass Deutschland seit 2014 mit Namibia in den Dialog geht, um die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Es ist bereits Mittwoch und wir fahren nach dem Frühstück für eine Nacht nach Rundu, in den Norden Namibias. Rundu liegt in der Kavango-Region und direkt am Okavango. In Rundu sind Christopher und Mel aufgewachsen und Michael hat hier einen Großteil seines Erwachsenenlebens verbracht. Die Fahrt ist schon absolut spektakulär! Mama und Michael haben uns (Lara, Mona und mir) nicht zu viel versprochen, als sie sagte, dass hier das richtige Afrika beginnt. Meter um Meter wird es zwar noch wärmer, aber die Landschaft ein bisschen grüner. Am Straßenrand reihen sich kleine Dörfer aus Lehm- oder Wellblechhütten aneinander und Michael fällt eine atemberaubende Geschichte aus vergangenen Jahren nach der anderen ein, die uns aus dem Staunen nicht mehr rauslässt. Wow! Beeindruckend, was er für dieses Land schon alles gemacht und was er hier alles erlebt hat. Vor allem eben in Rundu. Und so dürfen wir vor Ort auch ein paar seiner Freunde kennenlernen – entweder auf einen Kaffee oder um unseren Mietwagen zu reparieren, dem die ganzen Sandpads wohl doch nicht so gut gefallen.

       

       

       

Apropos Mietwagen. Ich empfehle auf jeden Fall einen 4×4 zu mieten, ansonsten hat man vermutlich nicht sehr viel Spaß. Egal, ob im Etosha oder irgendwo abseits der wenigen asphaltierten Straßen, mit einem anderen Auto hat man kaum eine Chance oder eben nach wenigen Metern keinen Unterboden mehr. Wer das erste Mal im Linksverkehr fährt, sollte dies außerhalb einer der Städte auf den gerade Straßen üben, da die Umstellung an sich schon nicht sehr einfach ist und man zusätzlich zum Tier-Slalom nicht auch noch auf andere Autos Acht geben muss. Ebenfalls zu empfehlen: Einen Michael als Beifahrer, der einen immer wieder tiefenentspannt darauf hinweist, wenn man doch auf der falschen Seite abbiegt oder bereits sehr vorausschauende Tipps gibt.

       

       

Die Kavango-Region ist benannt nach seinen Einwohnern, die für ihre Holzschnitzkunst bekannt sind. Am Straßenrand wird diese unter anderem auch ausgestellt und verkauft. Sie sind ein in fünf Stämme unterteiltes Flussvolk, das bis heute sein Überleben hauptsächlich durch Fischfang sichert. Die Hauptstadt dieser Region ist Rundu. Durch das gesamte Gebiet und als natürlich Grenze zu Angola fliest der Okavango etwa 400 km quer durch den Kontinent. Dieser bietet die Lebensgrundlage der ärmsten Region Namibias.

       

       

       

       

       

       

       

Eigentlich wollen wir in der wunderschönen Tambuti Lodge schlafen, die ganz früher einmal Michaels Haus war und die er dann als Grundstück und um weitere Gebäude erweiterte, verkaufte und die jetzigen Besitzer eine Lodge draus machten. Leider ist hier – zurecht – alles ausgebucht. Wir beschließen an den Okvango runter zu fahren und dort nach einem Schlafplatz zu suchen. Und siehe da! Wir sind in einem weiteren kleinen Mikro-Paradies gelandet.

       

       

       

       

       

       

Unser heutiges Abendessen essen wir in der Kavango River Lodge mit dem schönsten Blick über den Okavango. So schön, dass wir es schaffen, minutenlang nicht miteinander zu sprechen und so schön, dass ich sogar (irgendwann) meine Kamera wegpacke. Im Hintergrund ruft laut der Go-Away-Vogel, den ich seit meiner Kindheit und dem 128. Mal „Die Lustige Welt der Tiere“, unbedingt in echt sehen und hören wollte.

       

       

       

       

       

Mit gefülltem Magen und strahlenden Augen fahren wir zur Lodge zurück, um den Tag – wie immer – mit 10-Penny-Rummy ausklingen zu lassen. Eine Stromleitung ist wohl kaputt gegangen und wir sitzen im Dunkeln. Da man das hier aber gewohnt ist, sind ruckzuck Kerzen organisiert und Lara kommt in Gruselgeschichtenstimmung. Noch heute kriege ich Albträume von einer Geschichte, die sie mir einmal als Kind erzählte und ich hole schnell die Spielkarten. Kurze Zeit später gehen aber auch schon wieder das Licht und der Ventilator an.

       

Morgens zum Frühstück kriegen wir Besuch von einem weiteren Freund von Michael, der mittlerweile Schulleiter einer Schule in der Region geworden ist und uns von seinen Entwicklungsprogrammen erzählt, die er gerade umsetzt. Unter anderem ein Programm, das die Wichtigkeit des Händewaschens bewusst machen soll und ein weiteres, das Damenbinden sponsort, damit die Schülerinnen auch während ihrer Periode die Schule besuchen können und nicht jeden Monat eine Woche ausfallen und den Unterricht verpassen. Wieder werde ich sehr demütig, wenn ich an mein Leben in Deutschland denke. Eigentlich DIE Sache, die ich am meisten am Reisen liebe: Je mehr man von der Welt sehen darf, desto demütiger und dankbarer für sein Leben in Deutschland wird man. Zumindest geht es mir so. Das erdet mich regelmäßig. Uns geht es in Deutschland echt verdammt gut.

Bevor wir wieder zurück nach Tsumeb fahren, zeigt uns Michael noch ein bisschen mehr von der Stadt. Unter anderem eine ehemalige, nun leer stehende Missionsstation. Dazu erklärt er uns die Politik, wie man mit einem Hompa (Stammesoberhaupt der jeweiligen Kavango-Stämme) verhandeln muss oder was man an der Grenze zu Angola lieber alles nicht tun und machen sollte, wenn man hier überleben möchte. Wieder einmal macht er uns zuerst sprachlos, bevor wir mit all unseren Fragen auf ihn einreden.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

Meine beiden afrikanischen Lieblingsgetränke haben wir auch hier oben kennengelernt. Kaufen kann man diese beiden Marken aber im ganzen Land. Nummer eins ist das super erfrischende und Durst löschende Rock Shandy. Mein liebstes ist das von Country Club. Rock Shandy ist eine Mischung aus Soda, Limonade, Ginger Ale und irgendeinem alkoholfreien Kräuterlikör.

Mein absoluter Favorit und unser Getränk des Urlaubs ist definitiv Farmdudler. Selten so gelacht, wie in dem Moment, als Mama das an der Tankstelle entdeckte. Farmdudler schmeckt wie Almdudler, nur irgendwie noch besser.

Eine Nacht dürfen wir noch in Tsumeb schlafen, bevor es für die letzten Tage nach Windhoek zurück geht. So sehr ich mich auf Roya, Hanso und Vahid freue und darauf, Rosi, Don, Mel und Shali dort wieder zu sehen, so sehr werde ich (die btw bald 98-jährige) Oma und Biggi, die in Tsumeb wohnen, vermissen. Unsere letzte Nacht machen Jürgen und Alex noch perfekter als die Nächte zuvor schon waren: Sie haben Mückennetze organisiert und sie über unseren Betten aufgehangen. UNSERE HELDEN! In dieser Nacht habe ich so gut geschlafen, dass ich morgens völlig verwirrt aufwachte, weil ich nicht mehr wusste, wo ich gerade überhaupt bin. Wir versuchen den Abschied so kurz und schmerzlos wie möglich zu machen. Es ist schließlich auch kein Abschied, sondern ein Bis-Bald. Ein großes Stück meines Herzens ist auf jeden Fall in Tsumeb geblieben.

       

       

       

       

Noch einen kleinen Touri-Abstecher machen wir auf dem Weg zurück zu Namibias Hauptstadt. Wenn wir schon einmal hier sind, können wir es uns nicht nehmen lassen, den bisher größten auf der Erde gefundenen Meteoriten zu bestaunen. Ein wirklich liebevoll gebautes Areal umrundet diesen 50-60 Tonnen schweren Koloss aus Eisen, Nickel und Cobalt. Der Hoba-Meteorit ist in den Otavibergen, etwa 20 km westlich von Grootfontein, vor ca. 80.000 Jahren auf die Erde geknallt und wird vermutlich für immer dort liegen bleiben. Sein geschätztes Alter liegt bei 190 – 410 Millionen Jahren. Stellt man sich auf den Meteoriten, so hat alles, was man sagt einen seltsam hallend-dumpfen Schall, der sich wirklich kaum beschreiben lässt. Einfach mal ausprobieren! Haben wir auch nur durch Zufall entdeckt, weil ich mal wieder nicht aufhören konnte zu reden. Klar.

       

       

       

       

       

       

In Windhoek angekommen, erwartet uns ein gemeinsames Abendessen mit allen. Hach. Wie sehr ich ein volles Haus vermisse. Oke, oke. Auch das leckere Essen, dass die Ladies jeden Abend so gezaubert haben. An unserem vorletzten Tag frühstücken wir auf dem allsamstäglichen Bio-Deutschen-Markt und plündern danach das Arts and Craft Center in der Stadt, um die letzten Souvenirs einzukaufen. Schweren Herzens genießen wir unser letztes riesen großes Familien-Freunde-Abendessen und versuchen nicht daran zu denken, dass wir am nächsten Tag schon wieder nach Deutschland zurück müssen.

       

       

       

       

       

       

Puh. Na was soll ich abschließend noch alles sagen … ich denke, man konnte in den letzten 6.000 Worten ein wenig aus dem noch viel längeren Subtext rauslesen, dass mich dieses Land verzaubert hat. Ich bin mal wieder so unendlich dankbar, dass ich auch dieses Land (mit absoluter Sicherheit nicht zum letzten Mal) durch Familien-Augen kennenlernen und erleben durfte und schon wieder nicht nur ein normaler Tourist sein musste. Ich bin dankbar für dieses Land – nicht, weil ich so viel Elend gesehen hätte und froh darüber bin, in Deutschland zu sein, sondern ich bin dankbar, dass ich Teil hiervon sein durfte und immer sein werde. Ich bin dankbar für eine Familie, die so toll ist, dass mir wieder einmal die Worte fehlen. Ich bin dankbar dafür, dass sich jeder einzelne dieser Orte wie ein Zuhause anfühlt. Ich bin dankbar dafür, dass ich all meine Sorgen und Ängste vergessen und wieder gelernt habe, Momente und Augenblicke zu genießen. Aber vor allem bin ich dankbar dafür, dass Du, Michael, Namibia in mein Leben gebracht hast.

Beim Schreiben dieses Textes bin ich mehrfach im Zug durch Deuschland gefahren, habe Paulaner Spezi getrunken, Döner gegessen, Termine organisiert und was man eben noch so alles Deutsches tun kann … aber nicht eine Sekunde davon bin ich wirklich wieder in Deutschland angekommen. Werde ich das vielleicht nie wieder?

Sahara

Click here for the english version.

Zu Fuß durch die Wüste, bepackt mit sechs Dromedaren, drei begleitenden Beduinen, die in der Sahara geboren und aufgewachsen sind, Proviant und Wasser für zwölf Tage und meinem Vater, meinem großen Bruder und meiner kleinen Schwester. Achja … ein Satellitentelefon hatten wir für den Notfall auch dabei. Klingt alles erst einmal sehr abenteuerlich. Wenn ich euch jetzt noch erzähle, dass wir an der libyschen Grenze entlangwanderten, zu einer Zeit, in der das Auswärtige Amt nicht nur vor Reisen nach Libyen an sich warnte, doch auch insbesondere vor der Grenzregion, klingt alles noch gleich viel dramatischer. Ehrlicherweise muss ich aber vorweggreifen: Wir hatten keinerlei Nahtoderfahrungen – außer vielleicht ich, in dem Moment, in dem mir mitten in der Wüste eine Dorne aus dem Fuß „operiert“ werden musste, die sich weit hineingebohrt hatte. Mit einem Messer, das etwa gut genug zum Kartoffeln schälen war. Seit diesem Zeitpunkt weiß ich, wie sich Schmerz wirklich anfühlt.

        

        

Wie unsere genaue Route aussah, kann ich euch gar nicht genau sagen, also erzähle ich einfach von meinen Eindrücken, die in diesem Fall auch sehr viel ausdrucksstärker sind als der Weg an sich.
Die Sahara hat eine fast grenzenlose Vielfalt an Landschaftstypen. Und das allein in dem verhältnismäßig kleinen Teil, den ich sehen durfte (etwa acht Jahre später durfte ich dann auch den westlichen Teil der Sahara erkunden). Wir waren über Halloween dort: Die Tage waren heiß und die Nächte noch aushaltbar kühl. Pullover, lange Jogginghose und Schlafsack waren allerdings unverzichtbar, da wir im Sand unter dem Sternenhimmel schliefen und kein wärmendes Zelt uns umgab. Traumhaft! Einen Sternenhimmel wie diesen sieht man in seinem Leben kein zweites Mal – naja, außer man ist nochmal in Afrika. Obendrein hatten wir großes Glück, da gerade ein Meteoritenschauer über uns fegte, der uns etwa 40 Sternschnuppen pro Nacht bescherte.

        

Von kilometerweiten orangeroten Sanddünen, über Steinboden, der so scharfkantig war, dass selbst die Beduinen auf die Dromedare sprangen, bis hin zu kleinen Oasen, durften wir vieles bestaunen. Wie vielfältig Sand sein kann, wird einem erst klar, wenn man zwei Wochen in ihm verbringen darf.

        

        

        

        

        

Die Reisezeit haben wir uns bewusst so ausgesucht, da die meisten gefährlichen Tiere, wie z.B. Skorpione, zu diesem Zeitpunkt bereits im Winterschlaf sind. Trotzdem muss man achtsam sein, da sich noch einige Schlangen im Sand verstecken. Diese sind zwar im ersten Moment nicht tödlich, doch dauert der Weg aus der Wüste ohne Auto so lange, dass sie tödlich wären, weil man nicht in der vorgegebenen Zeit an Gegengift kommt. Watch your steps and trust your beduine! Um uns diese lieblichen Kreaturen genauer zu zeigen (und um sie danach, außerhalb unserer Reichweite, in die Freiheit zu entlassen), konnten sie es sich auch nicht nehmen lassen, sie – temporär – für uns mit ihren Holzstöcken im Zaum zu halten … Hilfe!

        

        

Ernährt haben wir uns von dem, was wir mit uns trugen. Beziehungsweise die Dromedare für uns trugen. Auch Wasser, ja! Jeden Morgen wachten wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf, frühstückten Brot, das wir vorher unter der Glut im Sand gebacken haben, in der wir währenddessen das Wasser für den Tee und Kaffee kochten. Vormittags gab es nach den ersten Kilometern zur Stärkung und um den Kreislauf in Schwung zu halten Kekse und eine kleine Tasse Cola. Mittags und abends kochten wir jeweils gemeinsam verschiedene Gerichte mit Couscous und trinken mussten wir etwa 4 Liter Wasser am Tag, um nicht zu dehydrieren. Das alles schleppten diese sagenhaft leistungsstarken Tiere Tag für Tag für uns herum.

        

        

Deshalb war auch strikt geregelt, dass, bevor wir unser Lager aufbauen, Feuer machen, kochen und essen, wir die Dromedare absatteln, ihnen die Vorderläufe zusammenbinden (damit sie nachts nicht abhauen, sich aber dennoch frei bewegen können) und ihnen ihr Essen zubereiten. Erst, wenn sie versorgt waren, kümmerten wir uns um uns.

        

        

        

        

        

Wie wir uns die Zeit so ganz ohne Smartphone vertrieben ohne, dass uns langweilig wurde? Wir lernten arabische Wörter, lehrten Deutsche, spielten „Wüstenspiele“, mit allem, was die trockene Erde so hergab, genossen diese wunderschöne Stille und vor allem uns. PATATA SLATA!

        

        

        

        

        

        

        

        

        

        

Unsere letzte Nacht verbrachten wir in einer Oase, umrundet von einem kleinen Wüstendorf. Da wir zwei Wochen lang nicht duschen konnten und das Trinkwasser lediglich zum Zähneputzen und trinken gedacht war, freuten wir uns umso mehr auf ein Bad in der Oase … alle, außer ich. Da das Dorf sehr muslimisch ist, wäre es respektlos gewesen, dort als Frau in Badekleidung in die Oase zu hüpfen. Naja. Den einen Tag konnte ich auch noch aushalten mit der Aussicht auf die Dusche im Hotel. Die Wüstenluft ist erfüllt von einer sehr trockenen Hitze, sodass man nahezu nicht schwitzt und das, obwohl es über 40° Grad heiß ist. Sogar ich, als großer Fan von Körperhygiene, kann sagen, dass es wirklich aushaltbar ist, diese Zeit ungeduscht zu überstehen. Für die Katzendusche zwischendurch gibt es im Drogeriemarkt biologisch abbaubare Hygienetücher, die man trotzdem bitte mit aus der Wüste nimmt und sie außerhalb artgerecht entsorgt.

        

Auf dem Weg ins Hotel mussten wir unbedingt noch einen Abstecher bei Anakin machen …

… und dem UNESCO Weltkulturerbe, in dem wir mit Einwohnern in ihren Sandsteinhäusern Tee tranken.

        

        

        

Zwei Wochen ohne Handy, ohne Facebook, Instagram und sonstige Ablenkung haben eine sehr heilende Wirkung. Für mich gibt es kein schöneres Gefühl, als jegliches Zeitgefühl zu verlieren. Allerdings hat Erreichbarkeit auch seine Daseinsberechtigung. Als wir nach all den Tagen die Zivilisation erreichten und zum ersten Mal wieder unsere Handys einschalteten, wartete die schrecklichste und nachhaltigste Nachricht meines bisherigen Lebens auf mich: Mein Werner, der immer schon mehr für mich war, als „der neue Mann an der Seite meiner Mutter“ oder ein einfacher Freund, war an unheilbarem Lungenkrebs erkrankt. Im April 2016 befreite sich sein Körper von den Schmerzen und seitdem vergeht kein Tag, an dem ich ihn nicht schmerzhaft vermisse. Doch was hätte es gebracht, wenn mich diese Nachricht schon früher erreicht hätte? So hatte diese Reise die Chance, mich auch noch auf eine andere Art zu prägen. Vierzehn Tage fernab der Zivilisation und das greifbare Bewusstsein, dass man nicht unsterblich ist, lehrten mich weitaus mehr als Demut und Glücklichkeit, sie lehrten mich vor allem Mut, die Welt noch intensiver erleben zu wollen.